Navigation und Service

Wie wollen wir in Zukunft leben?

Wie wollen wir in Zukunft leben? - Smart City Grafik

Der technische Fortschritt hat unser Leben in den vergangenen Jahren rasant verändert. Geräte wie das Smartphone, von denen vor dreißig Jahren noch niemand etwas ahnte, sind heute aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Diese Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen und weiter beschleunigen. Wie bereitet sich die Stadt Regensburg darauf vor? Ein Gespräch mit Bürgermeister Jürgen Huber und Dr. Matthias Segerer, Experte für Verkehr, Handel und Stadtentwicklung bei der Industrie- und Handelskammer Regensburg.

Wenn es um die Zukunft der Städte geht, ist oft von der „Smart City“ die Rede. Was kann man sich darunter vorstellen?

Huber: „Smart“ heißt intelligent, klug, clever. Eine Smart City zu gestalten, bedeutet also, dass man kluge, für die Menschen dienliche Dinge und Prozesse auf den Weg bringt. Der Begriff ist eng mit der Digitalisierung verbunden, allerdings ist „Smart City“ keine rein technische Geschichte, sondern sie bezieht sich auf alle Lebensbereiche, ihr Ziel muss die Lebensqualität sein.

Segerer: Das sehe ich genauso. Eine Smart City ist eine vernetzte Stadt. Für die Unternehmen, die wir als IHK vertreten, ist natürlich die Technik dieser Vernetzung besonders interessant, und die Technik treibt die Entwicklung auch voran. Darüber hinaus gibt es aber noch eine zweite Dimension und das ist die Frage: Wie soll meine Stadt oder mein Standort in Zukunft aussehen. Es geht also um eine nachhaltige, intelligente Standortentwicklung. Dazu gehört auch, die Technik so zu kanalisieren, dass die Allgemeinheit etwas davon hat.

Huber: Hier sind wir als öffentliche Hand gefragt.

Wie wollen wir in Zukunft leben? - Smart City Bürgermeister Jürgen Huber im Gespräch
Bürgermeister Jürgen Huber © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Wo ist Regenburg heute schon „smart“? Wo gibt es Aufholbedarf?

Huber: Regensburg ist schon an ganz vielen Stellen smart. Ein gutes Beispiel ist die energieeffiziente Nutzung der Abwärme aus dem Kanal für die Heizung im Museum der Bayerischen Geschichte und im Haus der Musik. Eine grandiose technische Lösung: die Energie, die ohnehin schon da ist und sonst ungenutzt abfließen würde, wird zum Heizen verwendet. Auch in Bezug auf Elektrifizierung der Mobilität sind wir mit unserem Altstadtbus Emil schon ganz gut aufgestellt. Der interaktive Solardachkataster ist ein weiteres Beispiel. Wo wir noch Fahrt aufnehmen müssen, ist das Thema E-Government.

Segerer: Natürlich zählt der Emil als wichtiger Baustein zur smarten, nachhaltigen Mobilität. Regensburg gehörte hier zu den Vorreitern – auch deshalb, weil wir mit Clustern wie dem IT-Logistik-Cluster, und allgemein unserer TechBase optimale Voraussetzungen bieten. Aber die viel wichtigere Aufgabe bei der Mobilität wird sein, Angebote so zu vernetzen, dass sie noch leistungsfähiger werden. Dafür braucht es die entsprechende Infrastruktur – analog wie digital und hier gibt es noch viel Luft nach oben. 

Braucht Regensburg mehr Smart City?

Huber: Die Digitalisierung ist ein Prozess, der so und so auf uns zukommt. Wir können passiv zuschauen – aber dann sind wir irgendwann abgehängt. Natürlich müssen und werden wir als öffentliche Hand darauf schauen, dass das Ganze in einem vernünftigen Rahmen passiert und dass es für die Bürgerinnen und Bürger keine negativen Auswirkungen gibt. Meiner Meinung nach steckt in der neuen Technik aber vor allen Dingen eine enorme Chance: In unserer TechBase sitzen junge Ingenieure, die tolle Ideen haben und Produkte entwickeln können, die die Welt erobern – und, nebenbei, auch unseren Wohlstand sichern.

Segerer: Die Digitalisierung eröffnet viele Geschäftsmodelle für Firmen. Das Meiste davon können wir uns heute noch gar nicht vorstellen, aber ich bin sicher, dass hier ein riesiger Absatzmarkt entsteht. Wichtig ist es, bei der Entwicklung alle Akteure mitzunehmen und einen breiten Dialog mit und in der Gesellschaft zu führen darüber, was eine Smart City beinhalten muss. Die Frage am Ende ist aber nicht, ob Regensburg mehr Smart City braucht. Vielmehr wird die Smart City mit ihrer Komplexität Realität werden und deshalb ist es richtig und wichtig, genau jetzt das Thema auf den Weg zu bringen.

Huber: Dieser Dialog ist mir auch sehr wichtig. Wir sind dazu mit Vertretern aus Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft im Gespräch. Einzelne Unternehmen haben auch schon entsprechende Diskussionsrunden für Fachpublikum angeboten, und in Zukunft soll es noch weitere Veranstaltungen für die Öffentlichkeit geben.

Sie waren vor kurzem mit einer Delegation aus Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtverwaltung in Wien, das als ein Vorreiter für die „Smart City“ gilt. Was kann Regensburg von Wien lernen?

Segerer: Was mich am meisten beeindruckt hat, war der pragmatische Ansatz in der Stadtentwicklung. Es ging nicht um die Frage, diese oder jene Technik einzuführen, sondern um die ganz einfache Leitlinie: „Wie wollen unsere Kinder in zwanzig Jahren leben?“. Daraus lässt sich sehr viel ableiten – sei es in Bezug auf Mobilität oder Nachhaltigkeit. Das beste Beispiel ist der neu entwickelte Stadtteil Seestadt. Hier wurde zuerst die U-Bahn gebaut und dann wurden die Häuser mit entsprechend reduzierten Stellplatz-Auflagen geplant, da die Bewohner ja optimal an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind und somit eine echte Alternative zum PKW haben.

Huber: Natürlich lässt sich das Modell Wien nicht eins zu eins auf Regensburg übertragen. Beispielsweise wäre es bei uns gar nicht möglich, eine U-Bahn für einen Stadtteil zu bauen, der noch nicht entwickelt ist, da wir dafür keine Förderung bekommen würden. Es ist gut, wenn wir uns bei den Besten informieren, aber unsere eigene „Smart City Regensburg“ müssen wir selbst gestalten. Entscheidend wird sein, dass wir unsere Ziele klar formulieren und dass wir diese Ziele dann in allen Bereichen der Stadtentwicklung konsequent umsetzen. Das ist eine Aufgabe für Jahrzehnte.

Was sind die nächsten Schritte?

Huber: Momentan sind wir dabei, den Ist-Zustand zu analysieren und Anregungen zusammenzutragen. Auf dieser Grundlage werden wir dem Stadtrat dann vorschlagen, ein umfassendes Digitalisierungskonzept zu erstellen, aus dem die Leitlinien für die weitere positive Entwicklung hervorgehen.

Interview: Katrin Butz
25. Januar 2019