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So wappnet sich die Stadt für den Klimawandel

Seit Anfang November 2018 hat die Stadt Regensburg eine Klimaresilienzmanagerin. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels soll Katharina Schätz künftig die einzelnen Fachstellen koordinieren, um nachhaltige Strategien zu entwickeln, wie die Stadt widerstandsfähig gegenüber extremen Witterungsbedingungen gemacht werden kann. Wir haben mit ihr und Bürgermeister Jürgen Huber über das neue Aufgabengebiet und die damit verknüpften Visionen gesprochen.

Klimaresilienzmanagerin - Katharina Schätz Porträt querKatharina Schätz © Bilddokumentation Stadt Regensburg
Klimaresilienzmanagerin - Katharina Schätz und Jürgen Huber im Interview
Klimaresilienzmanagerin Katharina Schätz und Bürgermeister Jürgen Huber im Interview © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Was genau macht eine Klimaresilienzmanagerin?

Schätz: Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Situationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. In Bezug auf unser Klima bedeutet das, die Stadt so aufzustellen, dass sie für die Folgen des Klimawandels, die ja heute bereits immer wieder zu spüren sind, so gut gerüstet ist, dass die Bürgerinnen und Bürger möglichst wenig darunter zu leiden haben. Meine Aufgabe ist eine Querschnittsdisziplin, die darin besteht, Zuständigkeiten zu vernetzen, fachlich zu beraten, neue Maßnahmen aufzuzeigen und diese in einer gemeinsamen Strategie zusammenzuführen.

 Warum braucht die Stadt Regensburg eine Klimaresilienzmanagerin?

Huber: Zunächst einmal gibt es einen gesetzlichen Auftrag, die Klimaanpassung bei der künftigen Stadtentwicklung zu berücksichtigen. Das ist in der Novelle des Baugesetzbuches verankert und richtet sich an die Vorsorgepflicht, die Städte gegenüber ihren Bürgerinnen und Bürgern haben. Aber natürlich handelt die Stadt Regensburg auch aus eigenem Interesse. Denn eine hohe Lebensqualität war uns schon immer wichtig und ist nach wie vor der Garant für den Erfolg dieser Stadt. Dieses Ziel wird unser Handeln immer entscheidend bestimmen. Trotzdem muss natürlich festgehalten werden, dass wir uns schon lange darum kümmern und mit vereinten Kräften daran arbeiten, die Stadt für klimatische Veränderungen zu rüsten. Als Beispiele möchte ich den Hochwasserschutz nennen und natürlich auch die Einrichtung einer Stelle im Umweltamt, die sich um den Klimaschutz kümmert und dafür Sorge trägt, dass möglichst viel CO2 eingespart wird, dass die E-Mobilität vorangetrieben wird oder dass die Gebäudesanierung nach Möglichkeit nach energetischen Gesichtspunkten erfolgt.

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Huber: Klimaanpassungsstrategien zu entwickeln, stellt die Stadt vor eine große Herausforderung. Zum einen, weil praktisch alle Ämter und Dienststellen der Stadtverwaltung direkt oder indirekt davon betroffen sind. Dabei dürfen die einzelnen Ereignisse aber nicht isoliert betrachtet werden. Das bedeutet natürlich, dass alle Interessen zunächst einmal formuliert, dann an einen Tisch gebracht und schließlich zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden müssen.

Wie kann das konkret aussehen?

Schätz: Wenn es immer mehr tropische Sommernächte gibt, dann bedeutet das eine Belastung nicht nur für alte Menschen, weil die Erholung im Schlaf fehlt. Da müssen wir überlegen, wie wir es schaffen, dass kühle Luft in die Stadt strömen und die Wärmeinseln der Stadt reduzieren kann. Aber auch eine hohe Grünausstattung wie vor allem Baumpflanzungen sind für die lokale Kühlung und Schaffung einer hohen Aufenthaltsqualität von großer Bedeutung. Wenn wir Starkregenereignisse betrachten, die in kürzester Zeit eine ungeheure Niederschlagsmenge pro Quadratmeter bringen, dann müssen wir entweder das Kanalsystem so ertüchtigen, dass es damit fertig wird, oder wir haben die Alternative die Versickerung des Wassers in den Boden zu erhöhen. Bei Neubaugebieten ist es beispielsweise möglich, die Versiegelung möglichst gering zu halten und die Topografie stellenweise so anzupassen, dass der Regen zunächst aufgenommen und erst verzögert ins Kanalsystem eingeleitet wird. Diese sogenannten Versickerungsmulden können das Kanalsystem entlasten und größere Überschwemmungen verhindern.

Stichwort „Verdichtung im städtischen Raum“. Widerspricht das nicht der Strategie, mehr Grün in die Stadt zu bringen?

Huber: Nicht unbedingt. Wir können und wollen ja nicht verhindern, dass unsere Stadt wächst. Deshalb streben wir eine sogenannte doppelte Innenverdichtung an, das heißt mehr Wohnraum muss unbedingt auch mehr Grün und damit eine hohe Lebensqualität nach sich ziehen. Für die Nachverdichtung haben wir uns aus gutem Grund entschieden. Denn wenn wir die Flächen im Umland weitgehend unangetastet lassen, dann können wir Bereiche erhalten, die quasi als Kühlelemente fungieren. Wenn wir es dann noch schaffen, diese kühlere Luft auf sogenannten Ventilationsbahnen in die Stadt zu leiten, dann erreichen wir damit unter Umständen mehr als durch den Erhalt von kleinen Flächen innerhalb der Stadt.

Was sind jetzt die nächsten Schritte?

Schätz: Zunächst werde ich viele Gespräche führen, um auszuloten, welche Maßnahmen derzeit bereits umgesetzt werden, wo Synergieeffekte genutzt werden können und wo es weiteren Handlungsbedarf gibt. Danach hoffe ich, dass wir schnell zur Sacharbeit übergehen können.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Text und Interview: Dagmar Obermeier-Kundel