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Neues zum Holzgartensteg: Lagevariante 3 geht in den Wettbewerb

Am 16. Juli 2019 hat der Stadtrat beschlossen, dass die von der Verwaltung empfohlene Lagevariante 3 weiter verfolgt werden soll. Noch in diesem Jahr soll ein entsprechender Planungswettbewerb ausgelobt werden. Christine Schimpfermann, Planungs- und Baureferentin der Stadt Regensburg, erklärt das Vorgehen der Stadt.

Der Holzgartensteg sorgt in Regensburg für Diskussionen: Ein Teil der Bürgerschaft ist der Meinung, es braucht keine Brückenverbindung an dieser Stelle, ein zweiter Teil ist grundsätzlich dafür, würde aber eine andere (bis auf den Wöhrd gehende) Trasse bevorzugen und wieder anderer Teil spricht sich für das Projekt in der beschlossenen Variante aus.

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Christine Schimpfermann, Planungs- und Baureferentin © Bilddokumentation, Stadt Regensburg

Frau Schimpfermann, es steht der Vorwurf im Raum, die Stadt würde an der Variante 3 festhalten und nicht auf die Anregungen aus der Bürgerschaft eingehen. Was sagen Sie dazu?

Dem kann und muss ich widersprechen. Es stimmt, dass wir uns im Planungs- und Baureferat bereits im September 2018 für die Variante 3 ausgesprochen haben. Damit ist die direkte Verbindung zwischen dem Maria-Beer-Platz und dem Grieser Spitz gemeint. Diese Empfehlung basiert auf handfesten Argumenten, die sich bereits im Zuge der Machbarkeitsstudie und nun auch nach erneuter sehr sorgfältiger Prüfung der sechs unterschiedlichen Trassenführungen ergeben haben. Ausschlaggebende Punkte waren vor allem die Umsetzbarkeit, die Eingriffserheblichkeit in den Nutzraum beidseits des Donaunordarms, die Verkehrssicherheit sowie die Wirtschaftlichkeit. Während der Informationsveranstaltung im April dieses Jahres und im Nachgang haben uns zahlreiche Anregungen und Fragen erreicht, die uns deutlich gemacht haben: Wir müssen nachjustieren. Das bedeutete konkret, dass wir uns erneut intensiv mit den alternativen Routen befasst haben, allen voran mit der Variante 4, die eine Verlängerung vom Grieser Spitz zum Unteren Wöhrd vorsieht. Wir haben die Kritik der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst genommen und deshalb vor allem die möglichen Varianten 4 a) bis d) nochmals eingehend untersucht und geprüft. In der Beschlussvorlage kann man außerdem sehen, wie wir auf die einzelnen Anregungen dezidiert eingegangen sind.

Können Sie kurz ausführen, warum Sie auch nach erneuter Prüfung die Lagevariante 3 favorisieren?

Wie bereits erwähnt, sprechen vor allem drei maßgebliche Punkte für diese Variante.

  1. Umsetzbarkeit und Eingriffserheblichkeit: Die Variante 3 kann aufgrund ihrer Länge und Anzahl an erforderlichen Rampenbauwerken deutlich schneller umgesetzt werden als die Varianten 4 und 5. Zudem ist sie mit geringeren Eingriffen in schützenswerte Grünflächen verbunden, da der Untere Wöhrd dabei völlig unberührt bleibt. Und auch hier gilt: Weitreichendere Eingriffe müssen begründet werden. Darüber hinaus würden sich mit den Varianten 4 und 5 zusätzliche Betroffenheiten bei Anwohnern am Unteren Wöhrd ergeben – ohne dass am Nordufer des Donaunordarms wesentliche Änderungen einträten.
  2. Verkehrssicherheit: Bereits heute ist das Queren der Wöhrdstraße an der Maffeistraße problematisch. Der zur Verfügung stehende Raum ist für die notwendige Umgestaltung bzw. Ausweitung des Querschnitts zu klein. Hier müsste in den Vorgarten eines Privatgrundstücks eingegriffen werden und auch dann wäre eine zusätzliche Lichtsignalanlage erforderlich, um den Verkehr zu regeln. Zwar ist auch der Knoten an der Proskestraße eine Herausforderung, jedoch liegen hier die benötigten Flächen im Besitz der Stadt. Durch kleinere Umbauten und einer Anpassung der bestehenden Ampelanlage könnte – bis zum Bau der Stadtbahn – eine geeignete Übergangslösung geschaffen werden.
  3. Wirtschaftlichkeit: Der sparsame Umgang mit Steuergeldern hat hohe Priorität. Eine Variante, die 50 Prozent mehr Kosten verursacht, aber keinen zusätzlichen Nutzen generiert, ist nicht vertretbar. Denn der verkehrliche Mehrwert gegenüber der Variante 3 ist nur sehr gering: Die neu zu bauende Rampe würde sich nur etwa 350 Meter östlich des Grieser Stegs befinden, der ohnehin in absehbarer Zeit erneuert und dabei verbreitert werden muss. Ohne stichhaltige Begründung für die entstehenden Zusatzkosten werden zudem Zuschüsse gefährdet.
Holzgartensteg_VariantenprüfungEin Überblick der überprüften Varianten. Die Grafik steht zusätzlich als PDF zum Download zur Verfügung. © Stadt Regensburg, Stadtplanungsamt

Manche Bürgerinnen und Bürger fordern eine weitere Informationsveranstaltung. Wird es weitere Beteiligungsformate geben?

Zunächst möchte ich betonen, dass wir uns in keiner Weise vor einer Veranstaltung mit den Bürgerinnen und Bürgern „drücken“. Wir haben im April einen Informationsabend organisiert, um uns den Fragen aus der Bürgerschaft zu stellen und die Hintergründe genauer zu erklären. Nur so können wir Verständnis für unser Vorgehen schaffen. Eine weitere Veranstaltung ist während des Wettbewerbs geplant – was es in dieser Form übrigens noch nie in Regensburg gab. Wir wollen den Regensburgerinnen und Regensburgern damit eine zusätzliche Möglichkeit der Mitsprache einräumen. Dies wird Ende 2019 bzw. Anfang 2020 der Fall sein. Zum jetzigen Zeitpunkt würde eine zusätzliche Veranstaltung keine neuen Informationen beinhalten.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Stadtrat hat uns als Verwaltung beauftragt, einen entsprechenden Planungswettbewerb zum Holzgartensteg auszuloben. Diesen nächsten Schritt gehen wir nun an. Ziel dieses interdisziplinären Wettbewerbs ist es, eine besondere, architektonische und städtebauliche Lösung für das Vorhaben Holzgartensteg zu finden. Ein Preisgericht wird zunächst bis zu acht Teilnehmer als gleichranginge Preisträger ermitteln, deren Beiträge öffentlich ausgestellt und im Rahmen einer Bürgerbeteiligung vorgestellt werden. Hier haben die Bürgerinnen und Bürger erneut die Möglichkeit, ihre Anregungen, Wünsche und Hinweise zu den Wettbewerbsbeiträgen einzubringen. Diese Anregungen werden zunächst dem Stadtrat und anschließend der Jury für die danach anstehende Wertung im Preisgericht zur Verfügung gestellt. Im anschließenden Verhandlungsverfahren werden die Wettbewerbsarbeiten weiterentwickelt. Die Fachpreisrichter bewerten erneut die überarbeiteten Beiträge und empfehlen anschließend der Verwaltung eine Rangfolge. Die besten drei Teilnehmer treten schließlich in die finalen Vertragsverhandlungen ein. Die Durchführung des Wettbewerbs und des anschließenden Verhandlungsverfahrens wird voraussichtlich bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. Anschließend werden die Planungsbüros bzw. Planungsteams beauftragt, um ab 2021 die erforderlichen Genehmigungsverfahren einleiten zu können. Wenn alles reibungslos verläuft, kann ab 2023 mit der Ausführungsplanung und danach mit dem Bau begonnen werden.

Abschließend noch eine grundsätzliche Frage: Warum stehen Sie und Ihr Referat so überzeugt hinter dem Projekt Holzgartensteg?

Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren wurde der Holzgartensteg immer wieder überprüft und immer wieder bestätigt. Mit dem Grundsatzbeschluss für ein „fahrradfreundliches Regensburg“ im Januar 2019 verfolgen wir als Verwaltung das Ziel, den Radverkehrsanteil kontinuierlich zu steigern – bis 2030 um 6 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, muss etwas passieren. Es müssen entsprechende Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt werden, um das erwartete Radverkehrsaufkommen abwickeln zu können. Diese Maßnahmen müssen auch so attraktiv sein, dass die Bürgerinnen und Bürger gerne aufs Rad wechseln. Daher gilt es – neben der Verbesserung bestehender Wege – neue Routen zu schaffen, die abseits stark befahrener Hauptverkehrsstraßen verlaufen. Diese Forderung steht auch im Fokus des Bürgerbegehrens „Radentscheid-Regensburg“.

Dass es bei einem solchen Großprojekt nicht nur Befürworter gibt – gerade auf Seiten der Anwohner – kann ich persönlich gut nachvollziehen. Dennoch gibt es auch zahlreiche Befürworter. Als städtische Planungs- und Baureferentin muss ich die gesamtstädtischen Entwicklungen betrachten und Lösungen – beispielsweise für die zukunftsfähige Radinfrastruktur – schaffen. Der Holzgartensteg ist dabei ein Schlüsselprojekt was die Verkehrsplanung betrifft. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Holzgartensteg eine Bereicherung für Regensburg und den Radverkehr sein wird.

Interview: Tatjana Setz
19. Juli 2019