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„Einige vernünftige Worte sprechen…“ – mit Regensburgs neuem Kulturreferenten Wolfgang Dersch

Wolfgang Dersch tritt am 1. Oktober 2019 die Nachfolge von Klemens Unger als Kulturreferent an. Seine Interessen sind vielseitig – Grund genug, den "Neuen" bei der Stadtverwaltung zu interviewen.

Wolfgang Dersch - Gratulation mit D2
Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gratuliert Wolfgang Dersch zu seiner Wahl als neuer Kulturreferent. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

25. September 2019

Sein Lieblingszitat stammt vom großen Goethe: „Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen." Klingt nach einem vielseitig interessierten  Mann mit klarem Blick auf die Welt und das Leben. Wolfgang Dersch wird ab 1. Oktober 2019 Regensburgs oberster Kulturchef sein, er löst Klemens Unger ab, der in den Ruhestand geht.

Der 1970 in Straubing geborene Dersch leitete zuletzt in Amberg das städtische Referat für Kultur, Sport und Schulen. Seine Vita bestätigt, was sein Lieblingszitat schon vermuten lässt: Der Mann hat viele Interessen und Begabungen. Er hat in Regensburg Lehramt für Realschule studiert (Sport und Englisch), genauso wie Posaune und Jazzposaune am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Er mag Jazz- wie Blasmusik und wenn er nicht in der Kultur gelandet wäre, dann wäre er heute vermutlich Sportmanager beim SSV Jahn Regensburg.  2004 wechselte Wolfgang Dersch beruflich zur Stadt Amberg. Soweit die Zusammenfassung, doch was steckt noch hinter dem „Neuen“?

Wolfgang Dersch - Dirigieren

Herr Dersch, Ihr Lebenslauf verrät es ja schon, Sie kennen und mögen Regensburg sehr. Was verbindet Sie mit unserer Stadt?

Sehr viel! Zum einen wurde mein Vater am Grieser Spitz geboren – der dann aber 1981 leider viel zu früh verstarb –, zum anderen hatte ich meine ersten musikalischen Erlebnisse z.B. 1985 mit der Swing Connection Big Band hier am Jazzweekend und nicht zuletzt habe ich nach meinem Abitur in Straubing hier meine Bundeswehrzeit beim Heeresmusikkorps verbracht, an der Universität studiert und schließlich bis 2011 hier gelebt und lange hier gearbeitet – als Lehrer an verschiedenen Musikschulen sowie als Lehrbeauftragter an der Universität, dort habe ich auch die Big Band geleitet. Von daher gibt es eine seit langem sehr innige Beziehung zu dieser wunderschönen Stadt.


Im April konnten Sie sich erfolgreich gegen andere Bewerber als neuer Kulturreferent durchsetzen. Was ist Ihnen vor und nach der Wahl durch den Kopf gegangen?

Vorher: I have a dream. Nachher: A dream came true.


Seit 2009 hatten Sie das Referat für Kultur, Sport und Schulen in Amberg inne. Was waren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Da gab es natürlich viele Schwerpunkte, so war mir z. B. die Entwicklung des Ausstellungsraumes „Alte Feuerwache“ im Stadtmuseum hin zur modernen Stadtgalerie für zeitgenössische Kunst sehr wichtig, die Gründung eines Jugendtheaterclubs am dortigen Stadttheater, die Entwicklung Ambergs hin zur zentralen Anlaufstelle für den international renommierten Künstler Michael Mathias Prechtl, die Entdeckung und internationale Aufmerksamkeit für das letzte Werk von Bauhausgründer Walter Gropius – die Glaskathedrale, die intensive Kontaktpflege der mir anvertrauten Partnerstädte wie z. B. Desenzano del Garda und Perigueux, die Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaftszene mit dem EU-Projekt “StimulART sowie die überregionale Vernetzung in der Kulturszene – um nur einige zu nennen.

Welche Veranstaltung oder Institution in der Regensburger Kulturszene halten Sie für besonders wichtig?

Hier kann und möchte ich mich nicht festlegen, weil die Bandbreite so groß ist und in allen Bereichen – von der alternativen bis hin zur Hochkultur – und in allen Genres tolle Arbeit mit viel persönlichem Engagement geleistet wird.


Was haben Sie sich für die erste Zeit als Referent inhaltlich vorgenommen?

Zuerst werde ich mir schnellstmöglich einen Überblick über alle Bereiche des Kulturreferats verschaffen sowie mich um die Schnittstellen zur Politik und restlichen Verwaltung kümmern. Danach geht‘s dann darum, die Regensburger Kultur ins 21. Jahrhundert zu führen.


Sie beschreiben Ihren Arbeitsstil als kommunikativ, zuverlässig und offen. Dürfen wir auch noch etwas mehr über den Privatmenschen Wolfgang Dersch erfahren?

Natürlich.

Sie haben einen freien Abend, was machen Sie?

Da freie Abende Seltenheitswert haben, genieße ich diesen zusammen mit meiner Frau zu Hause oder in der Regensburger Gastronomie und widme mich der Ess- und Trinkkultur. Am liebsten noch nach vorheriger sportlicher Betätigung.


Haben Sie eine bevorzugte Musikrichtung? Eine Lieblingsband?

Definitiv nicht – ich hatte in meiner Jugend Wochenenden wo ich am Freitag Blasmusik spielte, am Samstag im Jazzclub auftrat und am Sonntag mit einem klassischen Orchester oder Ensemble konzertierte. Für mich ist ein Kriterium, – nicht nur in der Musik, sondern allgemein in der Kultur – dass die Qualität stimmen muss, dann kann die Musikrichtung auch mal Bluegrass Music heißen – die durfte ich z. B. bei meinem einjährigen Studienaufenthalt in Murray, Kentucky kennenlernen. Zurzeit höre ich gerne Gregory Porter und Norbert Schneider mit seiner Wiener Formation. Aber ich habe auch ein Faible für Filmmusik. Da hatte ich erst heuer wieder das Vergnügen als Projektleiter und Dirigent ein regionales Orchester und einen Projektchor im ausverkauften ACC zu einem unvergesslichen Konzerterlebnis zusammenzubringen.


Haben Sie Hobbys, denen Sie leidenschaftlich nachgehen – also abgesehen von einer offensichtlichen Begeisterung für den SSV Jahn?

Ja, ich spiele leidenschaftlich gerne selber klassische und Jazz-Posaune sowie in der Volksmusik Basstrompete. Aber genauso leidenschaftlich bewege ich mich gerne mit dem Rad, laufe oder mache Fitness und verreise – bevorzugt nach Italien.


Herr Dersch, um nochmal Goethe zu zitieren – lieben Dank für das „vernünftige“ Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe!

Text: Claudia Biermann und Eva Karl-Faltermeier