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Das große Ganze – Entwicklung eines Verkehrs- und Freiraumkonzepts für das Bahnhofsumfeld

Verkehr- und Freiraumkonzept Bahnhofsumfeld - Maximilianstraße
Ein Eingang zur Altstadt, der ein attraktives Stadtbild prägt und sofort Lust auf mehr Regensburg macht, ist das Ziel der Neugestaltung. Mit dem Verkehrs- und Freiraumkonzept will die Stadt einen ersten großen Schritt auf dem Weg dorthin machen © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Verkehrsberuhigt, übersichtlich, trotzdem schnell erreichbar und dabei absolut lebenswert – so soll das neue Bahnhofsumfeld werden. Grundlegend für die Neugestaltung des Verkehrs sowie der Frei- und Grünflächen im Bahnhofsumfeld ist ein „Verkehrs- und Freiraumkonzept“. Für das Konzept sucht die Stadt gerade ein externes Büro, denn der Auftrag ist auch für erfahrene Stadtplanerinnen und Stadtplaner etwas knifflig.

Die erste Hürde auf dem Weg zu einem Verkehrs- und Freiraumkonzept ist genommen: Ende November 2018 haben Fachleute im Stadtplanungsamt eine umfangreiche Ausschreibung mit vielen Details fertiggestellt. Nun sucht die Stadt in einem europaweiten Vergabeverfahren ein qualifiziertes Büro, das ein Konzept ausarbeitet. Alexander Matzka ist Stadtplaner und betreut im Projekt „Neugestaltung Bahnhofsumfeld“ federführend die Projektbausteine „ZOB – Zentraler Omnibusbahnhof“ sowie „Frei- und Grünflächen“.

Im Interview beantwortet der Experte aus dem Planungs- und Baureferat die wichtigsten Fragen rund um das „Verkehrs- und Freiraumkonzept“.

Verkehr- und Freiraumkonzept Bahnhofsumfeld - Porträt Alexander Matzka
Alexander Matzka vom Stadtplanungsamt kümmert sich bei Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes federführend um die Frei-und Grünflächen und den neuen ZOB © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Herr Matzka, immer wieder ist vom „Verkehrs- und Freiraumkonzept“ die Rede, für den Laien klingt der Begriff aber erstmal sperrig. Was verbirgt sich dahinter?

Kurz gesagt, versteckt sich hinter einem Verkehrs- und Freiraumkonzept eine Gesamtplanung. Eine Gesamtplanung ist wichtig, um unterschiedliche Nutzungen in Einklang zu bringen. Beispielsweise sollen Grünflächen, die zum Verweilen einladen, optimal mit Verkehrsräumen für Autos oder Busse harmonisieren. Wenn es um das Bahnhofsumfeld geht, muss ein gutes Konzept attraktive Übergänge zwischen Alleengürtel, Verkehrsflächen, Plätzen und Gebäuden herstellen. Außerdem muss es der Stadt aufzeigen, wo es notwendig ist, Verkehrsflächen zu erweitern und wo sie diese Flächen zurückbauen kann.

Was muss das Verkehrs- und Freiraumkonzept für unser Bahnhofsumfeld alles können?

Zunächst muss man wissen, dass Planung immer auch die Vorwegnahme zukünftigen Handelns ist. Als Stadtplaner arbeiten wir deshalb mit Prognosen und stützen unser Tun auf gemachte Erfahrungen. Es genügt nicht, Planung nur an heutigen Standards auszurichten.

Das Verkehrs- und Freiraumkonzept muss sicherstellen, dass ein ZOB die Anforderungen an eine wachsende Stadtgesellschaft erfüllt und die Altstadt sowie der Hauptbahnhof mit den Verkehrsmitteln der Zukunft erreichbar sind.

Auch der Klimawandel muss mitgedacht werden, ebenso wie die Digitalisierung oder kulturelle und demografische Entwicklungen. Wir brauchen Lösungen, die für alle einen Fortschritt bedeuten. Außerdem sprechen wir von unserem Eingang zur Altstadt. Der Anspruch an die städtebauliche Qualität ist hoch.

Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses „Stadtraum gemeinsam gestalten“, an dem über 1500 Regensburgerinnen und Regensburger mitgewirkt haben, geben dem Konzept dabei ganz klar den Weg vor.

Stichwort „Herausforderung“ – warum handelt es sich um eine Aufgabe, die vielleicht auch erfahrene Stadtplanerinnen und Stadtplaner ein bisschen ins Schwitzen bringt?

Eine Herausforderung ist die Beschränkung des Autoverkehrs, die sich die Regensburgerinnen und Regensburger wünschen, um so den notwendigen Raum für einen attraktiveren ÖPNV mit ZOB und Stadtbahn zu gewinnen. Das ist der Türöffner für eine wirkliche Neugestaltung und einen nachhaltigen ÖPNV in Stadt und Region Regensburg.

Wir wollen zudem einen guten Umgang mit der Geschichte des Bahnhofsumfeldes finden und diese zugleich im Sinne junger Generationen fortschreiben. Durch eine Stärkung des Alleengürtels und eine Verkehrsberuhigung der Maximilianstraße soll ein attraktiver und Stadtbild prägender Ort entstehen. Genauso wichtig sind neue Impulse, zum Beispiel durch einen ZOB mit moderner Architektur und attraktiv gestalteten Plätzen.

Auch die Einbindung der zahlreichen Akteure ist keine einfache Aufgabe. Die Interessen verschiedener Beteiligter, wie die der Deutschen Bahn AG, der Verkehrsbetriebe, des Freistaats und vieler anderer, müssen berücksichtigt werden.

Insgesamt steht der Stadt ein spannender und bedeutender Planungsprozess bevor. Es wäre gut, wenn dabei die Zukunft in den Vordergrund aller Überlegungen rückt.

Warum sucht die Stadt in einer Ausschreibung ein externes Büro für das Konzept? Kann sie das Konzept nicht einfach selbst machen?

Es geht nicht um die Frage des Könnens. Ausschreibungen ermöglichen in erster Linie eine effiziente Arbeitsteilung. Die Abstimmung mit den Behörden, externen Akteuren und politischen Gremien, die schließlich Genehmigungen aussprechen oder Planungen beschließen, ist Aufgabe des städtischen Projektteams. Die Planungskonzepte aber wollen wir von einem qualifizierten Büro erarbeiten lassen. Wir sehen hier den Vorteil, dass Planung und Abstimmung parallel stattfinden können und der Fokus auf die jeweilige Aufgabe geschärft wird. Das städtische Projektteam betreut das Planungsbüro und stellt sicher, dass beim Konzept alle Anforderungen eingehalten werden. Wir schauen genau hin und haben die städtischen Ziele im Blick, die wir mit allen beteiligten Akteuren abstimmen.

Im Kommunikationsbereich erhalten wir Unterstützung durch ein Dialogbüro. Das Büro soll uns helfen, die vielfältigen Interessen, die sich zum Teil natürlich auch widersprechen, zielorientiert in die Planungen einfließen zu lassen. Wir bauen hier auf innovative Ansätze, um allen Akteuren Gehör zu verschaffen.

Und wie geht es weiter, wenn das Verkehrs- und Freiraumkonzept fertig ist? Gibt es einen Zeitplan?

Das Konzept steht am Anfang aller Planungen, es gibt die Richtung vor. Für besonders anspruchsvolle Aufgaben, wie den Bau eines ZOB, werden wir internationale Planungswettbewerbe durchführen. Auf diese Weise können die besten Architekten gegeneinander antreten und die besten Lösungen für Regensburg finden. Eine Jury aus Fachleuten und Politikern wird dann entscheiden, welche Idee umgesetzt wird.

Das Konzept soll 2020 fertig ausgearbeitet sein und dem Stadtrat vorgelegt werden. Die Wettbewerbe folgen dann. Mit dem tatsächlichen Bau eines ZOB und der damit verbundenen Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes können wir anschließend beginnen. Während der gesamten Zeit werden wir auf die angesprochene aktive Öffentlichkeitsbeteiligung setzten, um die Planungen im gemeinsamen Austausch voranzubringen.

Text und Interview: Kathrin Schiller
20. Dezember 2018