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Das Ankommen in der Gesellschaft erleichtern

Das Ankommen in der Gesellschaft erleichtern - Integrationskurs

Viele Regensburgerinnen und Regensburger engagieren sich ehrenamtlich, um Geflüchtete bei der Integration und der Orientierung zu unterstützen. Seit Juli 2018 steht ihnen dabei Cathalina Kluge als hauptamtliche Integrationslotsin zur Seite.

Frau Kluge, welche Aufgaben nehmen Sie als Integrationslotsin wahr?

Als Integrationslotsin bin ich sozusagen die Schnittstelle zwischen dem Haupt- und Ehrenamt. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Tätigkeit ist daher die Netzwerkarbeit und der regelmäßige Austausch mit den Akteuren vor Ort. Hierbei geht es zum einen darum, die haupt- und ehrenamtlichen Akteure in der Flüchtlingsarbeit weiter qualitativ zu vernetzen und die bestehenden Angebote zu stärken. Auf diese Weise lassen sich Doppelangebote vermeiden und bereits bestehende Angebote sinnvoll ergänzen. Es ist wichtig, ein offenes Ohr für die Interessen und Wünsche der Ehrenamtlichen zu haben, damit die Angebote auf den konkreten Bedarf der jeweiligen Zielgruppe ausgerichtet werden können. Andererseits geht es aber auch darum, neue Projekte zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher und ihre Schulung, damit sie gut vorbereitet in ihr Engagement starten können. Für das nächste Jahr sind außerdem verschiedene Fortbildungen und Workshops für bereits ehrenamtlich Engagierte geplant.

Wer kann sich an Sie wenden?

Die Anfragen können von Geflüchteten direkt kommen, aber auch von hauptamtlichen Stellen oder von Bürgerinnen und Bürgern, die sich bereits ehrenamtlich engagieren oder dies gerne tun wollen. Wir freuen uns natürlich auch über alle, die Ideen haben für neue Projekte, die der Integration von geflüchteten Menschen dienen.

Wie sieht der aktuelle Bedarf an Ehrenamtlichen aus?

Wenngleich in der letzten Zeit weniger Geflüchtete neu in Regensburg ankommen, werden weiterhin Ehrenamtliche gesucht. Denn die Integration ist mit dem Ende des Asylverfahrens längst nicht abgeschlossen. Themen wie Wohnungssuche und Arbeit gewinnen erst jetzt an Relevanz. Im Fokus des Engagements stehen nun die Unterstützung der sozialen Integration und das Ankommen in der Gesellschaft. Die Bedürfnisse der Geflüchteten haben sich in den letzten Jahren gewandelt – und somit auch die Anforderungen an das ehrenamtliche Engagement. Daher ist es wichtig, die Ehrenamtlichen zu begleiten und ihnen bei möglichen Problemen oder Fragen beratend zur Seite zu stehen. Ergänzend zur Flüchtlings- und Integrationsberatung gibt es in unserer Abteilung deshalb ein Paten-Projekt, das mein Kollege Veit Erös koordiniert. Dabei unterstützen Ehrenamtliche Geflüchtete im Alltag, zum Beispiel indem sie mit ihnen Deutsch üben, sie zu Terminen begleiten oder ihnen helfen, Briefe zu verstehen. Die konkrete Hilfe kann ganz unterschiedlich sein, je nachdem, was der oder die Ehrenamtliche leisten kann und was gebraucht wird.

Wie funktioniert eine solche Patenschaft?

Bei Interesse an einer Patenschaft werden die Geflüchteten und die Paten zu einem unverbindlichen Beratungsgespräch eingeladen, in dem das Projekt kurz vorgestellt wird. Darüber hinaus wird besprochen, wie der oder die Ehrenamtliche helfen könnte, beziehungsweise in welchen Bereichen Unterstützung benötigt wird, und welche Erwartungen an die Patenschaft geknüpft sind. In einer Patenschaft ist es wichtig, dass sich die Beteiligten verstehen und ihre Wünsche und Interessen zusammenpassen. Bei Problemen und Fragen helfen die zuständigen Mitarbeiter der Stadt. Zudem werden monatliche Gesprächsrunden mit anderen Patinnen und Paten angeboten. Das übergeordnete Ziel ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe: Die Geflüchteten sollten langfristig lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und selbstständig ihren Alltag zu bewältigen. Daher ist eine Patenschaft auch auf den Zeitraum von längstens drei Jahren festgelegt. Immer wieder entwickeln sich in dieser Zeit Freundschaften, die darüber hinaus bestehen bleiben.

Text und Interview: Katrin Butz
11. Januar 2019