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Ernst-Reuter-Platz: Stand der Dinge rund um den Abbruch

Kaum ein Platz ging in den vergangenen Monaten so durch die Presse wie der Ernst-Reuter-Platz. Kurz vor dem Abriss befragten wir Hannes B. Erhardt, den Geschäftsführer des ESW, zum Stand der Dinge rund um den Abbruch.

Abriss am Ernst-Reuter-Platz - Luftaufnahme

11. Juli 2019

Kaum ein Platz ging in den vergangenen Monaten so durch die Presse wie der Ernst-Reuter-Platz. Erst im vergangenen Herbst wurden die Planungen zu einem Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) auf dem Areal nach einem Bürgerentscheid gestoppt. Die Planungen der Stadt sahen jedoch – mit oder ohne RKK – einen Abriss der Gebäude der Evangelischen Pfründestiftung zwischen Albertstraße und Ernst-Reuter-Platz vor. Der Abbruch wird vom ESW - Evangelisches Siedlungswerk mit Sitz in Nürnberg für die Pfründestiftung durchgeführt. Später baut die Stadt Regensburg auf dem Areal einen provisorischen Busbahnhof, der bis zur Fertigstellung des neuen Busbahnhofs im direkten Bahnhofsumfeld den Öffentlichen Nahverkehr abwickeln soll.

Kurz vor dem Abriss befragten wir Hannes B. Erhardt, den Geschäftsführer des ESW, zum Stand der Dinge rund um den Abbruch.

Abriss am Ernst-Reuter-Platz - Porträt Hannes B. Erhardt
Hannes B. Erhardt, Geschäftsführer des Evangelischen Siedlungswerks © Sandra Lachner

Vielen Regensburgerinnen und Regensburgern ist das ESW vielleicht kein Begriff. Stellen Sie das Evangelische Siedlungswerk doch vielleicht kurz vor.

Das ESW - Evangelisches Siedlungswerk ist das Wohnungsunternehmen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Nach dem Krieg zunächst gegründet, um die Wohnungsnot in Deutschland zu überwinden, hat sich das Unternehmen im Wandel der Zeit immer mehr hin zu einem wichtigen Partner für das bezahlbare Wohnen und für Wohnlösungen für Menschen in allen Lebenslagen entwickelt, also zu der Immobilienkompetenz der Kirche. So baut und verwaltet das Unternehmen nicht nur bezahlbare Mietwohnungen, sondern auch Wohnraum für ältere Menschen und Studenten, für Menschen mit kleinerem Geldbeutel oder mit Pflegebedarf. Ebenfalls im Fokus des ESW sind Menschen, die individuelle Wohnformen benötigen. Zum ESW gehören daher auch ein Mutter-Kind-Haus, Kindertagesstätten, Unterkünfte für Geflüchtete und Wohngruppen für ehemalige Strafgefangene, Suchtpatienten und Menschen mit psychischen Problemen. Und im Zeichen der aktuellen Wohnungsnot widmen wir uns ganz dem Thema Neubau von bezahlbaren Mietwohnungen in ganz Bayern, derzeit haben wir über 1 000 Wohneinheiten in Bau- und Projektierung, unter anderem in Regensburg in Reinhausen, wo fast 200 Mietwohnungen entstehen werden.

Warum kümmert sich die ESW um den Abbruch der Gebäude am Ernst-Reuter-Platz und nicht die Stadt?

Schon vor einer ganzen Weile hat die Evangelische Landeskirche (bzw. deren Pfründestiftung) das ESW – als ihre Immobilienkompetenz mit dem Projekt Ernst-Reuter-Platz beauftragt: Denn zunächst ging es ja darum, Ersatzwohnraum für die Studierenden für den von der Stadt Regensburg geplanten Abriss der Gebäude zu schaffen. Das war schon früh im Prozess eine wichtige Bedingung der Kirche, dass sie sich überhaupt auf dieses Unterfangen der Abgabe des Grundstücks an die Stadt Regensburg eingelassen hat. Nachdem dies mit dem Bau des neuen Wohnheims in der Fort-Skelly-Straße erledigt ist, wird nun der Vertrag vereinbarungsgemäß abgewickelt und dazu gehört auch der Abriss, um Platz für die Planungen der Stadt Regensburg zu schaffen.

Wann beginnt der Abbruch?

Die ersten Vorbereitungsmaßnahmen haben bereits begonnen (Anträge Sondernutzung, Gespräche mit der Bauleitung des Unternehmers und Behördenbeteiligter). Auch der äußere Bauzaun zur Baufeldsicherung steht bereits. Im nächsten Schritt geht es nun Mitte Juli mit der Entrümpelung des Hauses los.

Wie wird der Abbruch ablaufen?

Der Ablauf ist in mehrere Schritte unterteilt, zunächst die Baustellensicherung und die Verkehrssicherung sowie der Baumschutz, wobei der Baumschutz gutachterlich begleitet wird. Danach dann die Entrümpelung der Gebäude und das Entfernen loser Gegenstände. Dann stehen umfangreiche Schadstoffsanierungen unter Beteiligung der Behörden an, und der eigentliche Gebäuderückbau mittels Longfrontbagger kann beginnen.

Wie viele Abbrüche organisiert die ESW durchschnittlich?

Wie ich bereits erwähnt habe, ist der Bau und die Projektierung von Wohnraum eines unserer Steckenpferde. Und in den verdichteten Städten gibt es heute kaum noch freie, sofort bebaubare Fläche. Insofern steht vor jedem Neubau ein Abriss und in über 70 Jahren Unternehmensgeschichte haben wir da schon vieles gemeistert. By the way: Auch in Reinhausen auf dem früheren Pfleiderer Gelände musste einiges abgerissen und entsorgt werden, damit nun dort neue bezahlbare Mietwohnungen entstehen können.

Gibt es Besonderheiten, die den Abbruch am Ernst-Reuter-Platz zu einer größeren Herausforderung machen?

Jeder Abriss hat seine Besonderheiten, aber bis auf die Herausforderung der Logistik mitten in der Innenstadt Regensburg ist das für uns ein ganz normaler Abriss.

Was befindet sich auf dem Ernst-Reuter-Platz, wenn der Abbruch vorbei ist?

Ein leeres Baufeld, wie vertraglich mit der Stadt Regensburg vereinbart.

Werden weitere Bäume fallen?

Wenn es nicht entsprechende Auflagen gibt, nein.

Zu Ihnen persönlich: Wie kamen Sie zur ESW? Was waren Ihre ersten größeren Projekte?

Ich bin seit über zwölf Jahren im ESW und mit meiner Mannschaft verantwortlich für eines der wichtigsten Themen unserer Zeit: bezahlbares Wohnen für breite Schichten der Bevölkerung.

Das war seinerzeit auch meine Hauptmotivationen zu diesem Unternehmen zu wechseln. Denn schon in den ersten Jahren meiner Vita die ich in der Eisenbahnwohnungsbaugesellschaft in Nürnberg verbracht hatte, habe ich gemerkt, dass es zwei Welten gibt, die des nachhaltigen, sozialen Wirtschaftens (wie die der Eisenbahner und des ESW) und eine andere, zu der ich nicht gehören wollte.

In den Jahren sind viele Projekte erfolgreich abgeschlossen worden; am meisten in Erinnerung ist bei mir der Finkenpark in Fürth geblieben, wo wir 2009 Wohnungsbestände erworben haben und aus einem sozialen Brennpunkt, der es damals war durch eine enge Betreuung der Mieter, durch Modernisierung und Neubau, den Bau einer KiTa und die Etablierung eines Quartiersmanagements für die Menschen Besonderes geleistet haben.

Text: Eva Karl-Faltermeier