Gesundheitswissen auf Augenhöhe

MiMi-Schulung im Frauentreff der KJF Regensburg

Wie funktioniert das deutsche Gesundheitssystem? Welche Rolle spielen Hausärzte, Krankenkassen und Vorsorgeuntersuchungen? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt einer Gesundheitsschulung im Rahmen des bundesweiten MiMi-Projekts („Mit Migranten für Migranten“), die im Frauentreff der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) der Diözese Regensburg stattfand.

Referentin war die MiMi-Mediatorin Monir Shahedi, die selbst über Migrationserfahrung verfügt. In verständlicher, alltagsnaher Sprache vermittelt sie den Teilnehmerinnen grundlegendes Wissen über den Aufbau des Gesundheitssystems, die Bedeutung der Krankenversicherungskarte, Leistungen der Krankenkassen sowie den Stellenwert von Prävention und Impfungen. Ziel der Schulung ist es, Hemmschwellen abzubauen und Orientierung in einem für viele neu Zugewanderte zunächst schwer durchschaubaren System zu geben.

Der Frauentreff bietet dafür einen offenen und geschützten Rahmen. Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern kommen zusammen, viele begleitet von ihren Kindern, die im angrenzenden Spielzimmer betreut werden. Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen von der Leiterin des Frauentreffs, Doris Fuchs, die die Bedeutung niedrigschwelliger Bildungsangebote betonte.
„Das deutsche Gesundheitssystem unterscheidet sich in vielen Punkten stark von den Regelungen in den Herkunftsländern“, erklärte Monir Shahedi. Entsprechend groß sei der Informationsbedarf. Besonders gefragt seien klare, verlässliche Informationen, die im Alltag konkret helfen. Die Schulung entwickelte sich daher schnell zu einem lebendigen Austausch, bei dem zahlreiche Fragen gestellt und praxisnah beantwortet werden.

Monir Shahedi ist seit 2018 als MiMi-Mediatorin aktiv. Die Arbeit motiviere sie vor allem deshalb, weil sie Menschen dabei unterstütze, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Ein prägendes Erlebnis sei für sie die Rückmeldung einer Teilnehmerin gewesen, die nach einer Schulung zu Schwangerschaft und Verhütung erstmals ausreichend informiert gewesen sei, um eigenständig über ihre Verhütungsmethode zu entscheiden.

Organisiert wurde die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der MiMi-Standortkoordination Katharina Schlecht am Amt für Integration und Migration der Stadt Regensburg. Dort ist das MiMi-Programm regional verankert und koordiniert Schulungen, Qualifizierungen und Einsätze der Mediatoren und Mediatorinnen. Ziel ist es, Gesundheitsinformationen kultursensibel weiterzugeben und den Zugang zu Prävention und Versorgung für Menschen mit Migrationserfahrung nachhaltig zu verbessern. Die enge Kooperation mit sozialen Einrichtungen wie dem Frauentreff der KJF gilt dabei als zentraler Erfolgsfaktor.

Das Projekt MiMi - „Mit Migranten für Migranten“ ist ein bundesweit etabliertes Gesundheitspräventionsprogramm, das vom Ethno-Medizinischen Zentrum entwickelt wurde. Es setzt auf geschulte Mediatorinnen und Mediatoren mit eigener Migrationserfahrung, die Gesundheitswissen in ihrer jeweiligen Herkunftssprache und in vertrauten sozialen Kontexten weitergeben. In Regensburg wird das Projekt seit mehreren Jahren erfolgreich umgesetzt. Thematisch reichen die Angebote von der Orientierung im Deutschen Gesundheitssystem über Prävention und Impfungen bis hin zu Schwangerschaft, psychischer Gesundheit und Pflege.

Der Frauentreff ist Teil des Projekts „Orte der Begegnung in Regensburg“, das seit September 2024 unter der Trägerschaft der KJF Regensburg läuft und vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration gefördert wird. Ziel ist es, Frauen und Kinder mit Migrationsgeschichte in ihrer neuen Heimat zu stärken, soziale Isolation zu vermeiden und Teilhabe zu ermöglichen.

Der wöchentlich stattfindende Treff im Familienzentrum beim Ostentor bietet Raum für Austausch, Empowerment, Sprachförderung und alltagsrelevante Informationen. „Wir möchten Frauen Schritt für Schritt beim Ankommen in der Gesellschaft begleiten und ein Gefühl von Zugehörigkeit schaffen“, so Doris Fuchs. Die Kooperation mit MiMi-Bayern und der städtischen Standortkoordination sei dabei ein wichtiger Baustein, da die Mediatorinnen die Frauen authentisch und auf Augenhöhe erreichten.
Mit der Gesundheitsschulung setzt der Frauentreff ein Zeichen für praxisnahe Integrationsarbeit: Bildung, die dort ansetzt, wo Menschen stehen und die Vertrauen schafft.

Weitere Informationen zum Projekt MiMi in Regensburg unter Stadt Regensburg - Abteilung Willkommenskultur und Integration - MiMi und https://www.mimi.bayern/

13. Februar 2026

Fotografie – abgebildete Personen von links nach rechts Doris Fuchs (KJF Regensburg), Katharina Schlecht (MiMi-Standortkoordinatorin), Monir Shahedi (MiMi-Mediatorin)Fotografie – Teilnehmende der MiMi-Informationsveranstaltung

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