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Der Demenz die Stirn bieten

Eröffnung der Demenzwerkstatt im „Treffpunkt Seniorenbüro" in Königswiesen-Süd

Manchmal ist es von Vorteil, wenn man zwei Berufe erlernt hat, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben: Michael Kammermeier zum Beispiel hat Sozialpädagogik studiert und ist gelernter Schreiner. Jetzt verbindet er beides und eröffnet ehrenamtlich eine „Demenzwerkstatt“ im Aktivzentrum des „Treffpunkt Seniorenbüro“ in Königsweisen-Süd. Das Ziel beschreibt Kammermeier so: „Die Teilnehmer sollen Fertigkeiten aus der Vergangenheit wiederentdecken und verschüttete Talente wiederbeleben.“ Die Anforderungen seien je nach können und Fähigkeiten ganz individuell. „Wir werden einfach werkeln und uns mit unterschiedlichen Materialien beschäftigen.“

Ehrenamt ist für den gebürtigen Niederbayern, der erst seit zwei Jahren in Regensburg lebt, kein Fremdwort. In seiner Heimatgemeinde hat er so ziemlich alles durchlaufen, was es an ehrenamtlicher Arbeit gibt, vom Elternbeirat über den Seniorenbeirat bis zum Gemeinderat. Auf die Idee der Demenzwerkstatt kam er, als er seinen Vater, der an dieser heimtückischen Krankheit litt, im Seniorenheim besuchte. „Da gab es alle möglichen Angebote für Frauen, aber keines für Männer“, erzählt er. Das wollte er ändern.

Sein Angebot beschreibt Kammermeier so: „In einer lockeren Runde wird gewerkelt, geredet und sich mit Männerthemen beschäftigt. Wir wollen gemeinsam kleine Reparaturen durchführen, verschiedene Dinge bauen und uns an frühere Zeiten erinnern.“ Ziel sei es, Fertigkeiten aus der Vergangenheit sollen wieder entdeckt und verschüttete Talente wieder belebt werden.
Erstmals vorgestellt wird die Demenzwerkstatt am Sonntag, 19. September 2021, beim Aktionstag den die Stadt Regensburg zusammen mit der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz e.V. Selbsthilfe Demenz im Rahmen der bayerischen Woche der Demenz veranstaltet.

Der Aktionstag im Aktivzentrum beginnt um 10.15 Uhr und zeigt eine Auswahl von Angeboten für Menschen mit Demenz in Regensburg. Um 11.10 Uhr startet der DEMWALK. Das Wort setzt sich zusammen aus Demenz und Nordic-Walking. Hier ist eine moderate Fortbewegung mit und ohne Stöcke möglich. Für die circa 5 Kilometer braucht man etwa eine Stunde. Um 13.15 Uhr soll gemeinsames Singen ein positives Gemeinschaftsgefühl erzeugen. Das soll auch der Startschuss für einen Chor für Menschen mit und ohne Demenz sein. Um 14 Uhr wird die MAKS-Therapie vorgestellt. Diese nichtmedikamentöse Therapie zielt auf die Symptome der Erkrankung ab. Außerdem sollen sportliche Übungen dazu beitragen, die körperliche und geistig-seelische Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Für Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein ist der Aktionstag „ein großer Gewinn, da jeder Mensch ein natürliches Bedürfnis nach Beschäftigung hat und es daher wohnortnahe Angebote braucht, die sich an den jeweiligen Fähigkeiten orientieren und Teilhabe ermöglicht.“

Im Rahmen der Demenzwoche gibt es noch eine Reihe weiterer Veranstaltungen der Kooperationspartner der „Lokalen Allianz“. Das Universitätsklinikum startet bereits am Mittwoch, 15. September, mit einer „Reise durch die Welt der Demenz – erleben statt zusehen“, einem Abendsymposium mit einem Vortrag der Demenzaktivistin Helga Rohra, einer Podiumsdiskussion zum Thema „Demenz im Alltag“ und der Möglichkeit, mittels eines Demenzparcours die kognitiven Einschränkungen Betroffener nachzuempfinden.

Bei der Informationsveranstaltung des Krankenhauses Barmherzige Brüder am Dienstag, 21. September, „Vergesslichkeit im Alter - Diskussion und Beratung“ besteht für Interessierte, Angehörige und Betroffene die Möglichkeit, sich über die Themen Vergesslichkeit bis zur Demenz, deren Auswirkungen sowie Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren und auszutauschen.