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Das kulturelle Jahresthema 2020 lautet „Provinz – Stadt – Metropole“

Zahlreiche Regensburger Kulturakteure, Kulturgestalter und Institutionen haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und sich an dessen künstlerische Aufarbeitung gewagt

Das kulturelle Jahresthema 2020 heißt „Provinz – Stadt – Metropole“. Zahlreiche Regensburger Kulturakteure, Kulturgestalter und Institutionen haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und sich an dessen künstlerische Aufarbeitung gewagt. Als Ergebnis ist ein vielseitiges und spartenübergreifendes Programm aus Literatur und Musik, Ausstellungen und Vorträgen, Theater und Führungen sowie vielen weiteren Angeboten entstanden.

 

Regensburg zwischen Provinz und Metropole

Regensburg im Jahr 2020: Das ist eine Stadt mit vielen interessanten Facetten und Prädikaten, UNESCO-Weltkulturerbe, Sitz von drei Hochschulen, Standort moderner Unternehmen aus dem Bereich Zukunftstechnologien und vieles mehr. Aber eine richtige Großstadt, eine Metropole gar? Mit seinen knapp 170 000 Einwohnern wird Regensburg manchmal noch als Provinzstadt wahrgenommen. Oder doch nicht? Alles ist eine Frage der Perspektive und damit ein guter Anlass, sich ein Jahr lang mit den verschiedensten Aspekten dieses besonderen Spannungsverhältnisses zwischen Provinz und Metropole zu beschäftigen.

In der Vergangenheit konnte diese Frage relativ eindeutig beantwortet werden, denn über lange Zeiträume hinweg hat Regensburg eher in der Champions League als in der Regionalliga mitgespielt. Nach seiner Gründung in römischer Zeit war Regensburg schon im frühesten Mittelalter Hauptstadt von Bayern. Im weiteren Verlauf der Jahrhunderte wurde Regensburg eines der bedeutendsten politischen Zentren in Deutschland. Die wirtschaftliche Blüte Regensburgs ging mit dem Mittelalter zu Ende. Was aber für weitere dreihundert Jahre andauerte, war die internationale Bedeutung der Stadt im Bereich der Politik als Treffpunkt der Reichstage und, ab 1663, des Immerwährenden Reichstags.

Erst im 19. Jahrhundert versank Regensburg in einen „Dornröschenschlaf“ und wurde zu einer unbedeutenden und abseits gelegenen bayerischen „Provinzstadt“. Wenn man aber die gesamte Geschichte überblickt und zudem in Rechnung stellt, wie erfolgreich Regensburg aktuell dabei ist, an seine große Vergangenheit anzuknüpfen, dann stellt sich die Frage „Provinz oder Metropole“ in einem ganz neuen Licht.

 

Vielfältiges Programm für alle

Die Regensburger Kulturakteure und Institutionen wurden aufgerufen, das Thema aus verschiedensten Perspektiven zu beleuchten. Das Ergebnis dieser künstlerischen Auseinandersetzung ist ein vielfältiges und spartenübergreifendes Programm, das über das ganze Jahr 2020 verteilt ist.

Dabei wurde das Jahresthema auf vielfältige Weise aufgegriffen: Sachlich und informativ, kreativ und außergewöhnlich, interaktiv und dynamisch, zum Nachdenken anregend und auch humorvoll – das Programm spannt inhaltlich und in der Umsetzung einen breiten und spannenden Bogen.

 

Einblicke ins Programm: die nächsten Veranstaltungen

Hier ein Einblick in die Veranstaltungen zum Jahresthema „Provinz – Stadt – Metropole“, die in den nächsten Wochen stattfinden:
In Anlehnung an die letzte, überaus erfolgreiche Vortragsreihe zur jüdischen Geschichte und Kultur Regensburgs wird von Februar bis zum Herbst 2020 erneut eine öffentliche Vortragsreihe zum aktuellen Jahresthema angeboten, die federführend vom Kulturreferat (Kulturamt, Amt für Archiv und Denkmalpflege) organisiert wird. Die Vorträge, die alle wesentlichen historischen Entwicklungen der Geschichte Regensburgs abdecken, werden dabei von lokalen Expertinnen und Experten sowie renommierten externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehalten. Eng verzahnt mit der an ein breites Publikum gerichteten Vortragsreihe ist die Ringvorlesung „Regensburg – Eine Metropole im historischen Wandel“, die im Sommersemester 2020 an der Universität Regensburg stattfindet und ergänzend zu den „großen Linien“ auch Detailaspekte der Stadtgeschichte aufgreifen wird. Die städtische Vortragsreihe beginnt am 19. Februar im Großen Runtingersaal (Keplerstraße 1) mit einem Vortrag von Prof. em. Dr. Thomas Fischer (Professur für die Archäologie der römischen Provinzen, Universität zu Köln) zum Thema „Regensburg zur Römerzeit – die Anfänge der Stadt“. 

Auch die Internationale Kurzfilmwoche präsentiert sich am 16. März im W1 – Zentrum für junge Kultur (Weingasse 1) mit einem zum Jahresthema passenden Programm. In dem Film „Bigger Than Life!“ von Adnan Softić geht es um die Planung und Entstehung eines nagelneuen, antiken Stadtzentrums in Skopje, das Projekt Skopje 2014. Nachvollziehbar wird, wie Geschichte gemacht, Antike konstruiert, historische Einzigartigkeit durch Nachahmung hergestellt und Übergänge zwischen Wahrheit und Fälschung unscharf werden. Der Künstler Softić führt persönlich in die Hintergründe seiner Videoarbeit ein.

Im Programmangebot des Heimatpflegers der Stadt Regensburg Dr. Werner Chrobak steht am 28. März ein Frühlingsspaziergang zu ausgewählten profanen mittelalterlichen Türmen der Stadt an, Treffpunkt ist am Goldenen Turm in der Wahlenstraße. Referentin ist Dr. Kerstin Pöllath, die jüngst eine Doktorarbeit über die Patriziertürme Regensburgs mit der Fragestellung der Abhängigkeit der sog. „Geschlechtertürme“ von italienischen Vorbildern bzw. der eigenständigen Entwicklung in der Handelsmetropole Regensburg vorgelegt hat.

Am selben Tag kann man sich abends im Großen Runtingersaal (Keplerstraße 1) vom Ensemble „…sed vivam!“ in die frühbarocke Zeit Regensburgs zurückversetzen lassen. Von „Frischen teutschen Liedlein“, pompöser Festmusik oder derben musikalischen Späßen reicht das Repertoire dieses Konzerts bis zu den höfischen Tänzen und zarten Liebesweisen, die Gesandte und Handelsreisende aus Frankreich, Italien, England oder Spanien mitbrachten. In der Rolle der Barbara Blomberg kommentiert Eva Sixt das Programm und ergänzt das Gehörte mit Wissenswertem, Amüsantem und Kuriosem aus der Zeit, als Regensburg ein Zentrum des politischen und kulturellen Europas war.

Man blickt aber nicht nur zurück, auch die Gegenwart steht beim Jahresthema im Mittelpunkt, so zum Beispiel bei einem Konzert von Robyn Schulkowsky (Schlagwerk, Perkussion) und den Gebrüdern Teichmann (Live-Elektronik) am 24. April im Leeren Beutel (Bertoldstraße 9). Dabei begegnen sich zwei Generationen stilübergreifender Experimentierfreude und musikalischer Offenheit: Die wilden Jahre der New Yorker Avantgarde, um bedeutende Komponisten wie Morton Feldman und John Cage, treffen auf die ebenso spannenden späten Jahre des Punks und die Anfänge der Techno-Kultur in den 90er Jahren.

Bei der „Nacht der Werbung: Provinz – Stadt – Metropole“ am 18. Juni in den Kinos im Andreasstadel (Andreasstraße 28) führen Mitglieder des Regensburger Verbunds für Werbeforschung (RVW) durch die bunte Welt der Werbung. Das Publikum ist dazu eingeladen, gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachbereichen hinter die Fassade der Werbung zu blicken und sich unter anderem mit folgenden Fragen zu beschäftigen: Wie werden in Werbeplakaten oder TV-Spots die Stichworte Provinz, Stadt und Metropole noch präsentiert? Und was steckt dahinter?

 

Ausblick auf weitere Programmhighlights

Des Weiteren kann man sich bei der Regensburger Stummfilmwoche vom 11. bis zum 16. August auf zwei „Schwesterfilme“ des Nosferatu-Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau freuen, die den Gegensatz zwischen hektischem Leben in der Metropole versus vermeintlich Ruhigem in der Provinz zeigen. Auch das Improtheater Chamäleon setzt seinen legendären ImproMarathon am 18. Juli unter das Scheinwerferlicht des Jahresthemas. Und nicht zuletzt gehen die erfolgreichen und beliebten Wettbewerbe in eine neue Runde: Der Fotowettbewerb steht heuer unter dem Motto „Kontraste“, die besten Arbeiten werden im Herbst wieder im Donau-Einkaufszentrum ausgestellt. Die dritte Auflage des Kompositionswettbewerbs lehnt sich ebenfalls an das kulturelle Jahresthema an. Mit dem Thema „Winterlichter“ sollen die Gefühle und Empfindungen der Komponistinnen und Komponisten in ihrem jeweiligen Lebensraum – ob in der Provinz, der Stadt oder Metropole – in der Winterzeit eingefangen und zu Gehör gebracht werden.

 

Weitere Informationen und komplettes Programm

Alle Informationen, Termine und Programmdetails zum kulturellen Jahresthema 2020 gibt es – laufend aktualisiert – auf der städtischen Internetseite unter www.regensburg.de/kultur sowie ab Anfang März in der neuen Ausgabe der Broschüre „Kulturleben Regensburg März – September 2020“.

 

Bildmaterial

Aktuelles Bildmaterial zum Jahresthema 2020 sowie die Übersicht der Veranstaltungen für den Zeitraum Mitte März bis Mitte September 2020 gibt es als Download unter https://bit.ly/jahresthema2020.