Navigation und Service

Verleihung städtischer Auszeichnungen

Albertus-Magnus-Medaille, Matthäus-Runtinger-Medaille, Stadtschlüssel und Brückenpreis

In seiner Sitzung am 25. Juli 2019 hat der Stadtrat über die Vergabe städtischer Medaillen und Auszeichnungen entschieden.

Dr. Martin Linder, ehemaliger Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Regensburg, erhält die Albertus-Magnus-Medaille. Die Matthäus-Runtinger-Medaille bekommt Peter Küspert, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes. Die DrugStop Drogenhilfe Regensburg, vertreten durch die Gründerin Marion Hofmann-Plank, Willi Unglaub und Hans Eckmann, sowie Christa Weiß, Vorsitzende des Vereins für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V., wird mit den Stadtschlüsseln ausgezeichnet.

Der Brückenpreis wird an Dr. phil. Carolin Emcke verliehen.

Mit Ausnahme des Brückenpreises, der bereits am 2. November 2019 im Historischen Reichssaal der Preisträgerin überreicht wird, werden alle städtischen Auszeichnungen von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer im feierlichen Rahmen des Stadtfreiheitstages am 9. November 2019 an die Preisträger übergeben.

 

Albertus-Magnus-Medaille

Dr. Martin Linder wurde am 28. Mai 1946 in München geboren; seit 1990 lebt er in Regensburg.
Sein Name steht für ein ehrgeiziges und wegweisendes Projekt für ganz Ostbayern. Dr. Linder befasste sich intensiv mit einer bis dahin stiefmütterlich behandelten medizinischen Fachdisziplin, der Kinder- und Jugendpsychiatrie. 1992 trat er seine Tätigkeit als Leitender Abteilungsarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Regensburg an, bereits ein Jahr später wurde dort die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik Psychotherapie (KJP) eröffnet.

Mittlerweile gibt es darüber hinaus Einrichtungen in Weiden, Cham und Amberg. Es ist dem unermüdlichen Wirken von Dr. Linder zu verdanken, dass den Betroffenen und ihren Familien wohnortnahe Angebote gemacht werden können, um sie optimal zu versorgen. Befürchtete man zu Beginn, dass die Klinik nicht angenommen werden würde, werden mittlerweile jährlich rund 10 000 Kinder und Jugendliche stationär oder ambulant an den KJP-Einrichtungen behandelt.

Dr. Linder gelang es, eine bedarfs- und fachgerechte, hochqualifizierte Therapie für Kinder und Jugendliche mit seelischen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen zu entwickeln. Dazu hat er ein stabiles Netzwerk mit anderen freien und öffentlichen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe geschaffen.

Auch nach dem Ausscheiden aus seinem Beruf im Jahr 2011 bringt sich Dr. Linder mit seiner Expertise noch vielfach in Regensburg ein und ist eine wertvolle Stütze für Regensburger Eltern und Familien, die sich stets bei Behandlung und Betreuung ihrer belasteten Kinder auf ihn verlassen konnten und können.

Dr. Linder ist darüber hinaus einer von zwei Ansprechpartnern des Bistums Regensburg für Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch durch Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter im kirchlichen Dienst. Hier berät er Geschädigte und öffnet ihnen den Zugang für konkrete Hilfen. Auch hilft er kirchlichen Einrichtungen dabei, Präventivmaßnahmen zu verankern und zu verbessern.

 

Matthäus-Runtinger-Medaille

Peter Küspert studierte Rechtswissenschaften an der Universität Regensburg. Seine juristische Karriere begann an den Amtsgerichten Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen.

Von 2003 bis 2010 war Peter Küspert Präsident des Landgerichts Regensburg und ab 2011 Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, bevor ihn das Bayerische Kabinett im November 2014 zum Präsident des Oberlandesgerichts München berief. Einen Monat später wählten ihn die Mitglieder des Bayerischen Landtages zum Präsidenten des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes.

Seit 2015, als er die Ämter antrat, setzt sich Peter Küspert mit all seiner Kraft und seinem Erfahrungsschatz für den Erhalt der rechtsstaatlichen Ordnung und die Verwirklichung der Grundsätze der Verfassung des Freistaates Bayern ein.

Sein Name steht für die Bedeutung und die Grundlagen der Verfassung. In vielen verschiedenen Veranstaltungen, Diskussionen und Vorträgen in und außerhalb von Bayern stellt er immer wieder das Wesen der Verfassung und ihre Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Staat bzw. öffentlich-rechtlichen Institutionen und Bürger dar.

Er bereichert gesellschaftliche Debatten mit seinen Beiträgen und erfüllt die rechtsstaatlichen Werte vorbildlich mit Leben. Für seine Verdienste um die Vermittlung der Grundsätze der Verfassung wurde er 2017 von der Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit der Verfassungsmedaille in Silber ausgezeichnet.

Die Freunde der Universität Regensburg können schon lange auf seine bewährte Hilfe zählen: Aktuell ist Peter Küspert zweiter Vorsitzender des Vereins. In dieser Funktion ist er ein wertvoller Fürsprecher und Unterstützer der vierten bayerischen Landesuniversität.

 

Stadtschlüssel

DrugStop Drogenhilfe Regensburg e.V.

Im Mai 2000 gründete Marion Hofmann-Plank zusammen mit Gleichgesinnten den Verein DrugStop Drogenhilfe Regensburg e.V. Sie hatten erkannt, dass die Probleme der Abhängigen während deren Therapie zwar verarbeitet werden, dann aber im drogenfreien Alltag in den meisten Fällen wieder anwachsen und es häufig zum Rückfall in die Abhängigkeit kommt.

Der Verein, der sich aus clean lebenden Ex-Usern und professionellen Mitarbeitern der Suchtstation zusammensetzt, nimmt sich einerseits der Wiedereingliederung ehemaliger Drogenabhängiger an, andererseits hat sich auch der Bereich der Suchtprävention als ein Schwerpunkt herauskristallisiert.

2010 konnte durch den Beginn einer institutionalisierten Förderung – zuvor finanzierte sich der Verein im Wesentlichen durch Bußgelder sowie Fördermaßnahmen des Arbeitsamtes und Verkaufserlöse – der Grundstock für eine Drogenberatungsstelle gelegt werden. Zusätzlich kamen Angebote für betreute Wohnformen hinzu.

Mittlerweile gibt es eine zusätzliche Anlaufstelle des Vereins, den „Kontaktladen“, ein niederschwelliges Unterstützungsangebot für Menschen mit Suchterkrankung. Mit einem vertrauensvollen Umgang auf Augenhöhe soll hier u. a. Unterstützung in der Alltagsbewältigung gegeben werden.

 

Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V.

Der Verein wurde 1969 gegründet. In den 1960er-Jahren gab es für die Betreuung von Menschen mit Behinderung wenige spezielle Einrichtungen. Der Verein hatte es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, sich für den Aufbau solcher Einrichtungen einzusetzen.

Seit 2003 ist Christa Weiß Vorsitzende, nachdem sie bereits zuvor drei Jahre lang als stellvertretende Vorsitzende fungiert hatte. Sie kann auf beeindruckende Projekte, die bereits erfolgreich in Betrieb genommen worden sind oder kurz davorstehen, zurückblicken und verweisen:

W.I.R. – Wohnen Inklusiv Regensburg basiert auf dem Vorbild von „Vaubanaise“ in Freiburg, des bundesweit ersten wohngenossenschaftlichen Inklusionsprojektes. Seit Herbst 2017 wohnen in der auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne fertiggestellten Wohnanlage geistig und mehrfach behinderte Menschen gemeinsam mit nicht-behinderten Singles, Paaren und Familien in barrierefreien Wohnungen.

Ein besonderes Angebot ist die Freizeitgruppe Herkules, die es seit 2005 gibt und die sich etwa zehn Mal im Jahr trifft und gemeinsam Freizeit gestaltet. Was anfänglich nur ein Erproben und Ausprobieren war, hat sich zu einer beständigen, festen Gemeinschaft entwickelt, die viele behinderte Jugendliche seit 14 Jahren begleitet.

Um die anspruchsvollen Therapien mit Pferden und anderen Tieren im notwendigen Umfang und in einem passenden Umfeld anbieten zu können, will der Verein ein Zentrum für tiergestützte Therapien errichten. Ein geeignetes Grundstück ist nach mehr als zehn Jahren intensiver Suche in einer Stadtrandgemeinde von Regensburg gefunden.

 

Brückenpreis

Dr. phil. Carolin Emcke (52) ist in Mülheim / Ruhr geboren. Nach dem Abitur studierte sie Politik und Geschichte in London, Harvard und Frankfurt am Main. Nach dem Magister Artium in Philosophie promovierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes in Frankfurt über den Begriff „Kollektive Identitäten“ zum Dr. phil. Ihre journalistische Tätigkeit begann Carolin Emcke 1998 beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Zunächst für ein Jahr im Inlandsressort beschäftigt, bereiste sie im Anschluss als Auslandsredakteurin zahlreiche Krisenherde und -gebiete weltweit. Kosovo, Afghanistan, Pakistan, Irak oder Gaza waren ihre Einsatzgebiete. Neben den zu ihren Aufgaben als Berichterstatterin gehörenden Reportagen begann sie das Erlebte in Publikationen zu verarbeiten. Sie erlebte die Ohnmacht der Menschen in einer zerstörerischen und zerstörten Umgebung, die zweifelhaften Versuche, sich mit dem Krieg zu arrangieren.

In einem Interview mit dem Tagesspiegel im Jahr 2004 sagte sie: „Es gibt diese vergessenen Weltgegenden, und es gibt dort Menschen, die werden nicht repräsentiert, die haben keine Stimme in der Öffentlichkeit.“ Diese Thematik blieb ein Leitthema in vielen folgenden Büchern.

Von 2003 bis 2004 fungierte Carolin Emcke an der Yale University New Haven (Connecticut), einer der renommiertesten Universitäten der Welt und die drittälteste Hochschule der Vereinigten Staaten, als Visitor Lecturer. Ihr Ressort war die Politische Theorie mit Seminaren über „Theorien der Gewalt“ und „Zeugenschaft von Kriegsverbrechen“. 

Für die Wochenzeitung „Die Zeit“ war sie bis 2014 erneut als Auslandsreporterin tätig und veröffentlichte zahlreiche Essays, die wiederum vom Alltagsleben in Albanien, im Gazastreifen, oder aber auch von der Not auf Haiti oder dem Leiden im US-Gefangenenlager auf Guantánamo berichteten. Auch hier gab sie den einfachen Menschen im feindlichen, hasserfüllten oder lebensbedrohlichen Raum eine mahnende Stimme.

Seit 2014 ist sie als freie Publizistin tätig. Seit 2004 zeichnet Carolin Emcke zudem als Moderatorin und Kuratorin für die monatliche Diskussionsveranstaltung „Streitraum“ an der Schaubühne in Berlin verantwortlich und seit 2017 für die vierteljährliche Diskussionsreihe „ABC-der-Demokratie“ am Schauspielhaus Hannover.

Emcke kämpft für die Freiheit des Menschen, seine Unantastbarkeit, seine sexuelle Selbstbestimmung und Selbstfindung. Ihre Reportagen und Veröffentlichungen sind ein Manifest für Frieden und Freiheit und gegen Hass, Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung.