Navigation und Service

Umweltpreis 2020

Rede von Bürgermeister Ludwig Artinger anlässlich der Verleihung des Umweltpreises am Mittwoch, 7. Oktober 2020, um 16 Uhr im Historischen Reichssaal

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Ich freue mich sehr, Sie heute zur Verleihung des Umweltpreises begrüßen zu dürfen. Auch wenn in diesem Jahr alles ein bisschen anders ist und die Umstände uns zu einer Feier in kleinerem Rahmen als gewohnt zwingen, ist dies ein Termin, der mir als Umweltbürgermeister natürlich ganz besonders am Herzen liegt.

Bevor Anfang des Jahres das Coronavirus alle mediale Aufmerksamkeit an sich gerissen hat, beherrschte das Thema Klimaschutz die mediale Berichterstattung. Nahezu täglich konnte man etwas zu „Fridays for Future“, „Dieselskandale“ und „Greta Thunberg“ lesen.

Dies macht ein – in meinen Augen längst überfälliges – gesellschaftliches Umdenken deutlich. Wir beginnen uns immer stärker damit auseinanderzusetzen, wie wir leben, wie viele und welche Ressourcen wir für unseren Lebensstil benötigen und an welche Grenzen wir mit unserem Verhalten stoßen. Verheerende Waldbrände in Sibirien, Australien und in den USA sowie schmelzende Eisberge in den Polarregionen machen deutlich, dass der Klimawandel keine Einbildung oder Erfindung der Medien oder gar der Politik ist.

Ich möchte kein Horrorszenario heraufbeschwören – wir dürfen uns jedoch nicht mehr vor den Auswirkungen unseres Handelns wegducken. Der Klimawandel ist für viele Menschen auf der Welt eine deutlich spürbare Realität. Wir haben in Deutschland lediglich das Glück, die Konsequenzen nicht in dem Ausmaß erleben zu müssen, wie Millionen andere Menschen auf der Welt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht auch etwas dafür tun können, den Wandel zu verlangsamen. Gerade während des Lockdowns konnten wir erleben, dass sich der Rückgang an Flugreisen, Schiff- und Autofahrten sehr positiv auf die Umwelt auswirkte: Die Luftqualität vor allem in Städten, der Ausstoß von Treibhausgasen weltweit, die Lärmbelastung durch moderne Mobilitätsmuster sowie die Wasserqualität der Meere hat sich während dieser Zeit deutlich zum Positiven entwickelt.

Dieser Effekt war jedoch nur von kurzer Dauer. Er machte aber deutlich, dass eine Änderung unseres Verhaltens sehr wohl und sehr schnell sichtbar wird. Für eine langfristige Verbesserung braucht man eine gezielte Klima- und Umweltpolitik. Sprich: Produktionsstrukturen, Infrastrukturen aber auch Konsum- und Mobilitätsmuster müssen nachhaltig und dauerhaft verändert werden.

Dabei dürfen wir nicht den Fehler machen, die Natur gegen die Wirtschaft auszuspielen. Wir müssen versuchen – und das ist meiner Meinung nach mit die größte Herausforderung für die Politik –, ein Miteinander zu schaffen. Die Unternehmen müssen sich so aufstellen, dass sie nachhaltig und umweltschonend wirtschaften und überleben können. Die Politik muss dafür entsprechende Weichen stellen und sie auf diesem Weg unterstützen. Auch hier ist das Miteinander entscheidend: Wirtschaft und Politik müssen bereit sein, an einem Strang ziehen zu wollen. Nur wenn es der Wirtschaft UND der Natur gut geht, können wir langfristig unseren Lebensstandard halten. Das eine geht nicht ohne das andere.

Aber auch wir als Verbraucher haben die Macht und die Verantwortung, etwas zu verändern. Wir können uns dafür entscheiden, bewusster zu leben! Brauchen wir beispielsweise wirklich Zwiebeln aus Neuseeland, Äpfel aus Südafrika oder Karotten aus Spanien? Regionale Alternativen, bei denen man am besten noch die saisonale Verfügbarkeit beachtet, müssen nicht teurer sein und sind ein einfacher Weg, das Klima und die Umwelt zu schonen. Denn regional bedeutet meist kurze Transportwege, weniger Verpackungsmaterial und gleichzeitig Unterstützung der regionalen Wirtschaft.

Manchmal muss man einfach nur bewusst hinschauen, woher die Dinge kommen, die wir kaufen. Das betrifft nicht nur die Lebensmittel, sondern trifft auch auf den Kauf von Kleidung und anderen Konsumgütern zu. 

Auch auf diesen Aspekt unseres Alltags hatte und hat Corona einen gewissen Effekt: Wir beginnen, Lieferketten zu hinterfragen – manche aus der Not heraus, manche freiwillig.

Wir, als Stadt Regensburg, haben schon vor Corona vielfältige Projekte auf den Weg gebracht, die sich dem Umwelt- und Klimaschutz verschreiben.

  • Mit dem Leitbild „Energie und Klima“ haben wir 2017 eine Art Fahrplan für ein nachhaltiges Klima- und Energiemanagement auf den Weg gebracht.
  • Mit der Stelle der Klimaresilienzmanagerin, die im November 2018 eingerichtet wurde, werden die Auswirkungen des Klimawandels bei der Planung und Umsetzung von Baumaßnahmen und Stadtplanungsprojekten berücksichtigt.
  • Im Mai 2019 wurde der Prozess zur Starkregenvorsorge begonnen.
  • Seit Februar 2020 gilt die Freiflächengestaltungssatzung, die einen bestimmten Grünflächenanteil als Mindeststandard bei neuen Bauprojekten festlegt. Ein zusätzliches Freiraumentwicklungskonzept steht kurz vor der Fertigstellung.

Darüber hinaus erweitern wir den städtischen Fuhrpark gezielt mit E-Autos. Bei großen Bauprojekten setzen wir auf umweltfreundliche Technik – in die Jahre gekommene Gebäude werden entsprechend saniert.

Außerdem werden seit über einem Jahr kontinuierlich Fahrradstraßen ausgewiesen, die dem Radverkehr Vorrang gewähren. Wir haben in stark befahrenen Straßen Tempolimits eingeführt, um durch die Verstetigung des Verkehrs die Schadstoffemissionen zu reduzieren.

All die genannten Beispiele sind nur ein Auszug der Maßnahmen, die die Stadt im Rahmen des Energienutzungsplans und des erwähnten Leitbilds umsetzt.

Nicht alle Aktionen sorgen bei den Bürgerinnen und Bürgern für Begeisterung – aber das haben Veränderungen manchmal so an sich. Sie mögen am Anfang ungewohnt und deshalb auch ein Stück weit unbequem sein – aber die Absicht und das damit verfolgte Ziel rechtfertigen solche Entscheidungen.

Bei ihrem Bestreben nach einer umwelt- und klimafreundlichen Handlungsmaxime wird die Stadt von weiteren Akteuren der Stadtgesellschaft unterstützt.

Um dieses Engagement und eine gewisse Vorbildwirkung zu würdigen, vergibt die Stadt seit 1993 alle zwei Jahre den Umweltpreis Regensburg.

Ich bin sehr stolz, auch in diesem Jahr wieder einige Auszeichnungen und Anerkennungen überreichen zu dürfen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, 

ich möchte Sie nun gar nicht länger auf die Folter spannen. Daher kommen wir jetzt direkt zur Verleihung der diesjährigen Umweltpreise, auf den sich in diesem Jahr insgesamt drei Einrichtungen freuen dürfen. 

In der Kategorie „Schulen und Initiativen“ wird Prof. Dr. Jan Dünnweber von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (kurz OTH) mit dem Umweltpreis 2020 ausgezeichnet. Er hat sich mit dem Projekt „Intelligente Mülltonne“ beworben.

Dank einer computerbasierten Auswertung von Messungen kommuniziert die Tonne sozusagen mit dem Entsorger und meldet, wann eine Tonne voll und bereit für eine Leerung ist. Auf diese Weise können intelligente Routen geplant sowie Abfallent-sorgungsprozesse optimiert werden.

Dieses Projekt, das sich mit den Themen künstliche Intelligenz und Smart City beschäftigt, ist nur eines von vielen, an denen Prof. Dünnweber arbeitet. Es ist aber auch das am weitesten fortgeschrittene: Immerhin sind in Regensburg bereits 10 Biotonnen mit diesem Füllstandsmelder ausgestattet.

Herr Prof. Dr. Dünnweber, ich darf Sie bitten zu mir zu kommen und den Preis entgegen zu nehmen. 

Ein weiterer Preis in der Kategorie „Schulen und Initiativen“ geht an die Grundschule der Vielfalt und Toleranz. Seit etwa zehn Jahren engagiert sich die Schule mit breit aufgestellten Aktionen für die Umweltbildung und somit für den Umwelt- und Klimaschutz. 

Sie nimmt beispielsweise regelmäßig an der Aktion Stadtradeln teil, trennt konsequent und vermeidet so gut es geht Müll, pflegt und bepflanzt Hochbeete, kocht in der Schulmensa zu 100 Prozent biologisch und richtet dabei ein besonderes Augenmerk auf die Verwendung regionaler und vegetarischer Lebensmittel.

Schüler können sich außerdem ab der 4. Jahrgangsstufe an unterschiedlichen Aktionen beteiligen, unter anderem beim „fahrbaren Umweltladen“. So zählt unter anderem die Organisation, die Verwaltung als auch die Information über umweltfreundliche Schulmaterialien zu ihren Aufgaben.

Ich darf an dieser Stelle Frau Amalia Hartung-Käser bitten, in Vertretung für die gesamte Schule zu mir nach vorne zu kommen und sich den verdienten Umweltpreis abzuholen.

Zu guter Letzt freue ich mich außerdem, dass in der Kategorie „Firmen“ das Unternehmen Aumüller Druck GmbH & Co. KG mit dem Umweltpreis 2020 geehrt wird. 

Die Druckerei arbeitet seit über 25 Jahren mit einer Umwelt-Beratungsfirma zusammen, um durch kontinuierliche Optimierungen den Umweltschutz weiterhin zu integrieren.

So achtet die Firma entlang der gesamten Produktionskette, dem firmeneigenen Fuhrpark sowie seinem Abfallprozess ganzheitlich auf die Umweltauswirkungen. Aumüller hat sich dabei zum Ziel gemacht, den eigenen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten – beispielsweise durch die ausschließliche Verwendung von Biofarben, der chemie- und wasserfreien Druckplattenherstellung und der Einführung eines eigenen Abfallkonzepts.

Zahlreiche Maßnahmen sorgen dafür, den eigenen CO2-Ausstoß weitgehend zu vermeiden – etwa durch Wärmerückgewinnung der Druckmaschinen, eigene Photovoltaikanlagen, Bezug von Ökostrom und kontinuierliche Analysen der Verbräuche.

Den nicht vermeidbaren CO2-Ausstoß kompensiert die Druckerei durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten.

Zur Entgegennahme des Preises bitte ich Herrn Stefan Aumüller zu mir nach vorne.

Herzlichen Glückwunsch allen Preisträgern.

Nun machen wir weiter mit der Überreichung der insgesamt fünf Anerkennungsurkunden.

Als erstes der insgesamt vier Anerkennungen in der Kategorie „Schulen und Initiativen“ darf ich Anna Murr und Thomas Ferber gratulieren.

Sie haben in einer schnellen und beherzten Aktion im Oktober 2019 die Bäume in der Pappelallee vor Verbisschäden durch Biber geschützt.

Seit Ende 2019 haben sie mit Hilfe von Gittern weitere 200 Bäume am Oberen und Unteren Wöhrd sowie am südlichen Donauufer zwischen Eiserner Steg und Wehr vor Bisschäden des Bibers geschützt.

Frau Anna Murr und Herr Thomas Ferber, ich darf Sie bitten, nach vorne zu kommen und ihre Urkunde entgegenzunehmen.

Als zweites gratuliere ich dem Stadtimker Arno Templin recht herzlich zu seiner Urkunde.

Durch Ihre Art der Bienenhaltung leisten Sie, Herr Templin, einen wichtigen Beitrag zum Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft.

Darüber hinaus fördern Sie die Artenvielfalt und lassen der Biene die Wertschätzung zuteilkommen, die sie als ökologisch wichtiges Lebewesen verdient.

Ich darf auch Sie, Herr Arno Templin, zu mir nach vorne bitten.

Als letzten Vertreter in der Kategorie „Schulen und Initiativen“ darf ich den Verein TreibAus beglückwünschen. 

Dieser Verein setzt sich für eine solidarische Gemeinschaft zur ökologischen Lebensmittelproduktion ein. Auf den Flächen der brachliegenden Gärtnerei Seitz in Burgweinting soll ökologisch angebautes Gemüse produziert werden. Damit leistet der Verein einen wichtigen Beitrag, was die Aufklärung der Stadtgesellschaft in Bezug auf eine ökologische und naturnahe Produktion von Lebensmitteln betrifft.

Außerdem sollen weitere Aktionen positive Anreize für einen nachhaltigen Lebensstil liefern.

Zur Entgegennahme der Urkunde bitte ich Frau Malena Harscher zu mir.

Nun dürfen sich noch zwei Unternehmen in der Kategorie „Firmen“ über eine Urkundenauszeichnung freuen. 

Die Firma BayernDienste GmbH bietet unterschiedliche Dienstleistungen rund um Immobilien an. Dabei unterstützt die Firma uns als Stadt bei dem Ziel, mehr E-Autos auf die Straße zu bringen: Sie zeigt, dass man auch in einer mittelgroßen Stadt wie Regensburg die täglichen Wege mit E-Autos und E-Bikes erfolgreich und zugleich umweltfreundlich erledigen kann.

Stellvertretend für die BayernDienste GmbH darf ich Herrn Andreas Böhm heute die Urkunde überreichen.

Eine weitere und für heute letzte Urkunde darf ich der Gerhard Rösl GmbH & Co. KG aushändigen. Sie hat sich mit dem geologischen Lehrpfad im renaturierten Bereich der Friedrich-Zeche beworben. Hier können sich seit 2004 Besucherinnen und Besucher über geologische Abläufe, Bodenschutz und den geschützten Landschaftsbestandtteil „Orchideenstandort in der Tongrube“ informieren.

2018 erhielt die Firma Rösl den Regensburger Umweltpreis für die Arbeitsgemeinschaft „Gesunder Boden“. Ich freue mich ihr heute eine weitere Auszeichnung für ihr Engagement zu überreichen.

Hierfür bitte ich Herrn Franz Rösl zu mir.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich gratuliere an dieser Stelle nochmal allen Preisträgerinnen und Preisträgern sowie den jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die gemeinsam mit Ihnen den von Ihnen vorgegeben bzw. angeregten Weg beschreiten!

Außerdem bedanke ich mich bei ihnen allen – persönlich und im Namen der Stadt– für Ihren unermüdlichen und kreativen Einsatz. Mit Ihrem Engagement für die Umwelt, die Natur und das Klima in Regensburg machen Sie deutlich, das gelebter Umweltschutz sehr wohl machbar und mit wirtschaftlichem Handeln vereinbar ist.

Leider darf ich Sie in diesem Jahr – coronabedingt – nicht zu einem anschließenden Stehempfang einladen.

Ich freue mich aber, wenn wir noch gemeinsam zwei abschließenden Liedern lauschen und diesen feierlichen Anlass entspannt ausklingen lassen.

Im Anschluss daran bitte ich die Preisträger*innen zum gemeinsamen Foto an die Treppe.

Vielen Dank Ihnen für Ihr Kommen und für Ihr Engagement.

Haben Sie noch einen schönen Abend und passen Sie auf sich auf.