roots lecture in economics: Kommt jetzt die Wirtschaftswende? - Aus dem Jahresgutachten 2025/26 des Sachverständigenrats (01/2026)

Am Mittwoch, den 21.01.26 nahmen Siegfried Schroer, Karl Semmler und Oliver Löb von der Fachschaft Wirtschaft der Städtischen BOS Regensburg auf Einladung des Instituts für VWL & Ökonometrie und roots e.V. an einer Veranstaltung an der Universität Regensburg teil.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "roots lecture in economics" war Frau Prof. Dr. Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Professorin an der Technischen Universität Nürnberg (UTN) und Leiterin des Energy Systems und Market Design Lab an der Uni Regensburg zu Gast.


In ihrem Vortrag „Kommt jetzt die Wirtschaftswende? – Aus dem Jahresgutachten 2025/26 des Sachverständigenrats“ stellte sie zentrale Befunde und wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen des aktuellen Gutachtens vor. Anschließend diskutierte sie die Thesen mit dem Publikum.


Ausgangspunkt des Vortrags war die weiterhin schwache konjunkturelle Lage: Der Sachverständigenrat erwartet für Deutschland 0,2 % Wachstum in 2025 und 0,9 % in 2026. Belastend wirken u. a. eine gedämpfte private Investitionstätigkeit und eine schwächere Exportdynamik.
Ein Schwerpunkt des Gutachtens liegt auf der Frage, wie Deutschland Wachstumskräfte und Zukunftsfähigkeit stärken kann. Diskutiert werden dabei u. a.: Investitionsorientierte Finanzpolitik und eine transparentere, verlässlichere Ausgestaltung von investiven Sondermitteln (inkl. Monitoring/Steuerung) sowie Strukturreformen zur Stärkung von Produktivität und Standortattraktivität (z. B. Abbau von Wachstumshemmnissen/Bürokratie als wiederkehrendes Handlungsfeld). Des Weiteren muss die europäische Handlungsfähigkeit gestärkt werden: stärkere Integration von Binnen- und Kapitalmärkten sowie sicherheitspolitische/verteidigungsbezogene Herausforderungen in einer veränderten Weltordnung. Notwendige Steuer- und Vermögensthemen sind beispielsweise die Reformoptionen bei der Unternehmensbesteuerung (u. a. Verzerrungen zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung) sowie Aspekte von Vermögensbildung und Erbschaft-/Schenkungsteuer. Ein wichtiger Diskussionspunkt war dabei die Rolle von Sondervermögen. Thematisiert wurde insbesondere, dass Sondervermögen nur dann echte Wachstumsimpulse auslösen, wenn die Mittel tatsächlich in zusätzliche, zukunftsgerichtete Investitionen fließen (z. B. Infrastruktur, Transformation, Innovation) – und nicht vorrangig dazu dienen, laufende Ausgaben zu finanzieren oder bereits geplante Ausgaben lediglich umzuschichten. Entscheidend seien damit Investitionsqualität, Zusätzlichkeit und Umsetzungsfähigkeit, damit aus Finanzierungsspielräumen auch reale Kapazitäts- und Produktivitätsgewinne entstehen.


Die Veranstaltung zeigte eindrücklich, wie eng Konjunktur, Standortpolitik und langfristige Reformagenda miteinander verknüpft sind – und wie groß der Bedarf ist, Prioritäten klar zu setzen, um „Perspektiven für morgen“ zu eröffnen.


Oliver Löb