RE.LIGHT 2026: Interview mit Liudmila Siewerski

Relight 2026 Liudmila Siewerski SW © Eva Livadari

Liudmila Siewerski im Interview über ihre Arbeit „Zeitrisse“

Im Rahmen des RE.LIGHT Festivals 2026 verwandelt die Künstlerin Liudmila Siewerski den Neupfarrplatz in eine audiovisuelle Zeitreise. Wir haben mit ihr über die Verbindung von Videokunst, Welterbe und verborgene Schichten der Stadt gesprochen.

Liudmila Siewerski, für alle, die Ihre Arbeit noch nicht kennen: Wer sind Sie und womit beschäftigen Sie sich künstlerisch?

Siewerski: Ich bin Medienkünstlerin und arbeite zwischen Video, Architektur und Raum sowie mit 2D- und 3D-Animationen. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf Projektion-Mapping, Medienszenografie und Videoinstallationen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Gab es etwas, was Ihren bisherigen künstlerischen Weg besonders geprägt hat?

Siewerski: Meine Eltern kommen aus dem Filmbereich, und als Kind war ich oft in Filmstudios und habe bei Dreharbeiten zugeschaut. Zunächst wollte ich allerdings Architektin werden, später interessierte ich mich für Theaterregie und schließlich für Videokunst. Diese verschiedenen Interessen haben mich auch in meinem Studium geprägt. Ich habe audiovisuelle Kommunikation studiert, einen MFA an der Kunstakademie in Helsinki abgeschlossen und war anschließend Meisterschülerin an der UdK Berlin.

Ihr Projekt für das RE.LIGHT Festival trägt den Titel „Zeitrisse“. Können Sie uns einen Einblick geben, was die Besucherinnen und Besucher erwartet?

Siewerski: „Zeitrisse“ ist ein Mediagesamtkunstwerk, das sich mit der Morphologie der Architektur in Regensburg beschäftigt. Die Stadt bildet ein einzigartiges Ensemble, in dem verschiedene architektonische Schichten miteinander verschmelzen und eine Art Palimpsest entstehen lassen. Mit der Projektion wollte ich eine Zeitreise schaffen und alltägliche Texturen, die wir kaum bewusst wahrnehmen, mit archivalischem Material aus Fotoarchiven verbinden. So entsteht eine audiovisuelle und räumliche Erfahrung, in der unterschiedliche Zeitebenen der Architektur sichtbar werden.

Warum haben Sie sich im Open-Call genau für dieses Mapping am Neupfarrplatz beworben? Was hat Sie an diesem Ort besonders interessiert oder inspiriert?

Siewerski: Das ist mein fünftes Mapping-Projekt und ich arbeite fast immer mit site-spezifischen Konzepten. Für mich ist Recherche ein wichtiger Teil meines künstlerischen Ansatzes. Als ich den Open-Call gesehen habe, habe ich darin auch Möglichkeiten für meine Arbeit entdeckt.

Relight 2026 Neupfarrplatz 369292 © Stefan Effenhauser, Stadt Regensburg

Ihre Arbeit trägt den Titel „Zeitrisse“. Wie ist dieser Titel entstanden?

Siewerski: Ich finde, der Name „Zeitrisse“ passt perfekt zu der Idee, die ich vermitteln wollte. Architektur ist gleichzeitig Geschichte, oft geprägt von dramatischen Ereignissen, und durch sie lernen wir auch viel über uns selbst. Mit „Zeitrisse“ möchte ich diese Schichten miteinander verbinden. Die alltäglichen, fast unsichtbaren Texturen ebenso wie archivalisches Material aus Fotoarchiven, und daraus eine visuelle Zeitreise schaffen.

Inwiefern steht der Titel „Zeitrisse“ im Zusammenhang mit der Geschichte und Architektur der Regensburger Altstadt, die seit 20 Jahren UNESCO-Weltkulturerbe ist? Inwiefern war das Thema „Verbindung“ für Sie relevant?

Siewerski: Ich denke, wir müssen uns an die Geschichte erinnern, um ähnliche Fehler zu vermeiden, sowohl als Einzelne, als Gesellschaft und als Menschheit insgesamt. In Regensburg trägt die Altstadt diese Schichten von Geschichte in ihrer Architektur, und „Zeitrisse“ setzt sich genau damit auseinander. Manchmal ist es notwendig, vergangene Fehler zu reparieren oder neu zu betrachten, um zu wachsen. Das Projekt versucht, Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden, indem alltägliche Texturen mit archivischem Material zusammengeführt werden, sodass die Betrachterinnen und Betrachter diese Kontinuität von Zeit und Erinnerung erleben können.

Ihre Arbeit scheint Bilder oder Spuren der Vergangenheit mit zeitgenössischer Technologie zu verbinden. Was interessiert Sie an dieser Verbindung von Geschichte und Gegenwart und welche Aussage soll dabei getroffen werden?

Siewerski: Mich interessiert an der Verbindung von Geschichte und Gegenwart besonders, wie Architektur und Raum Erinnerungen tragen. Alte Strukturen und Spuren der Vergangenheit tragen Geschichte in sich, die im Alltag oft übersehen werden. Jeder Ort und jeder Raum besitzt kollektive Erinnerungen, und diese sind häufig in der Architektur selbst eingeschrieben. Mit zeitgenössischer Technologie wie Projektion-Mapping oder Videoinstallationen kann ich diese Schichten sichtbar machen und mit unserer heutigen Wahrnehmung in Beziehung setzen.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Haben Sie während Ihrer Zeit in Regensburg einen Lieblingsort entdeckt? Was macht diesen Ort für Sie besonders?

Ich bin sehr froh, dass ich Regensburg kennenlernen durfte. Die Stadt steht jetzt auf meiner besonderen Liste von Orten, an die ich auf jeden Fall immer wieder zurückkehren möchte. Ich habe für mich nicht zwei Orte, sondern zwei besondere Spaziergänge entdeckt, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Der erste führt entlang der Kappelengasse über den Alten Kornmarkt bis zur Niedermünstergasse und zum Domgarten. Der zweite ist ein Spaziergang entlang der Donau in Richtung Rosengarten. Dort stehen sehr viele kleine, alte Gebäude, und die Atmosphäre wirkt sehr ruhig und beruhigend.

Die Installation „Zeitrisse“ von Liudmila Siewerski kann bis zum 22. März täglich zwischen 19:00 und 23:00 Uhr auf dem Neupfarrplatz besucht werden.

Weitere Informationen zum Festival unter: www.relight-regensburg.de

Mehr zur Künstlerin Liudmila Siewerski: https://siewerski.com/