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F. Das nationale Forschungsvorhaben "Urbane Strategien zum Klimawandel"

Im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) haben Ende 2009 das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) das Forschungsprogramm „Urbane Strategien zum Klimawandel – Kommunale Strategien und Potenziale“ ausgelobt. Die ExWoSt-Forschungsvorhaben zielen darauf ab, die räumliche Komponente des Klimawandels stärker mit einzubeziehen. In den neun ausgewählten Modellräumen sollen integrierte Ansätze zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel erarbeitet und umgesetzt werden. Den Schwerpunkt soll dabei die Entwicklung von planerischen Strategien und Maßnahmen für eine klimawandelgerechte Stadtentwicklung bilden.

Die Deutsche Anpassungsstrategie

Die Bundesregierung hat mit der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) im Dezember 2008 den Grundstein für die Erarbeitung von Konzepten für eine klimagerechte Stadtentwicklung gelegt. Dabei sollen Strategien zum Schutz vor dem Klimawandel (Mitigation) und der Anpassung an den Klimawandel (Adaptation) aufeinander abgestimmt entwickelt werden. Die Strategie und ihre Umsetzung sollen Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft helfen, Regionen und Gruppen auszumachen, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind. Wesentliches Ziel der DAS ist es, die Anpassungsfähigkeit von Ökosystemen und einzelnen Gruppen zu stärken, damit sie auf die Zukunft vorbereitet sind. In Bayern gibt es zur Thematik seit September 2009 die „Bayerische Klimaanpassungsstrategie (BayKLS)“.

Ein Aktionsplan für Deutschland

Die ausgewählten Modellvorhaben sollen dazu beitragen, diesen Prozess weiter zu qualifizieren und aufzeigen, wie eine klimagerechte Stadtentwicklung den Ursachen und Folgen des Klimawandels durch urbane Konzepte begegnen kann. Die Ergebnisse sollen in den Aktionsplan "Anpassung“ und die Entwicklung eines "integrierten kommunalen Strategie- und Aktionssets zum Klimawandel" einfließen. Dieses soll den Kommunen bei der Selbsteinschätzung ihrer Betroffenheit und der Auswahl geeigneter Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zur Seite stehen. Eine Datenbank (unter anderem mit mehr als 130 Klimaanpassungsmaßnahmen) stellt ein umfassendes Angebot zur Orientierung und Information vor Ort bereit:

Die neun ausgewählten Modellkommunen

Die Auswahl der Modellstädte und -regionen erfolgte zum einen nach räumlichen Gesichtspunkten und zum anderen nach den Kriterien Innovation, Kooperation, Umsetzbarkeit und den Nutzen für die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS).

  • StädteRegion Aachen
    "Gutes BetriebsKlima!"
    Das Projekt soll aufzeigen, wie eine "klimagerechte" Gewerbeflächenentwicklung den Ursachen und Folgen des Klimawandels begegnen kann.

  • Stadt Bad Liebenwerda
    „Eine Stadt zum Wohlfühlen im Klimawandel“
    Im Mittelpunkt stehen die Handlungsfelder Kurentwicklung und sanfter Tourismus. Es soll eine klimaangepasste Umsetzungsstrategie auf Basis des gerade fertig gestellten Landschaftsplans konzipiert werden.

  • Stadt Essen
    „Stadt begegnet Klimawandel - integrierte Strategien für Essen“
    Es sollen konkrete Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt werden.

  • Stadt Jena
    „JenKAS – Jenaer Klimaanpassungs-Strategie“
    Im Projekt wird ein fachübergreifendes Informations-, Kooperations- und Managementsystem unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit und der verschiedenen Akteure vor Ort entwickelt.

  • Nachbarschaftsverband Karlsruhe
    „Innenentwicklung versus Klimakomfort im Nachbarschaftsverband Karlsruhe (NVK)“
    Aufgrund der starken lokalen Betroffenheit vom Klimawandel (Hitzewellen Oberrheingraben) bildet das Thema Innenentwicklung versus Klimakomfort den Schwerpunkt des Projektes.

  • Stadt Nürnberg
    "Sommer in der Stadt – dem Klimawandel sinnvoll begegnen" - Die Nürnberger Anpassungsstrategie zum Klimawandel am Beispiel von innerstädtischen Gebieten.
    Es soll anhand zweier Innenstadtquartiere untersucht werden wie die lokalklimatische Situation durch Freiraumplanung, Städtebau und neue Bauweisen verbessert werden kann und welche gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen zu treffen sind.

  • Stadt Regensburg
    „Einführung von Klimaanpassungsstrategien in FNP-Fortschreibung sowie Prozessentwicklung Klimaanpassung Innenstadt im UNESCO-Welterbe“

  • Stadt Saarbrücken
    „Freiraumplanung als Handlungsfeld für Adaptionsmaßnahmen“
    Aufbauend auf dem bestehenden Freiraumentwicklungsprogramm sollen Klimaanpassungsstrategien mit besonderem Fokus auf die Funktion von Freiräumen gegenüber Hitzestress und der Abwasserentsorgung entwickelt werden.

  • Stadt Syke
    „Verantwortlich Handeln im Klimawandel"
    Unter intensiver Beteiligung von Bürgerschaft, Verbänden und Unternehmen sollen Klimaanpassungsstrategien mit dem Schwerpunkt Wasserwirtschaft erarbeitet werden. Bedeutend ist dabei auch das Thema Anpassungskommunikation.

Viele Experten unterstützen das nationale Forschungsvorhaben

Die Modellkommunen werden durch eine bundesweite Forschungsassistenz wissenschaftlich und organisatorisch betreut. Diese Aufgabe obliegt dem Büro plan +risk consult aus Dortmund in Kooperation mit bpw baumgart + partner aus Bremen. Außerdem wird das Projekt sehr engagiert durch den Deutschen Wetterdienst unterstützt.

In den einzelnen Modellstädten bzw. -regionen werden von den Kommunen lokale Forschungsassistenzen beauftragt, die den gesamten Projektverlauf sowohl wissenschaftlich als auch organisatorisch direkt vor Ort intensiv begleiten und unterstützen.