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Denkmalgerechte Instandsetzung

Instandsetzung einer über 860 Jahre alten Steinbrücke nach neuesten Erkenntnissen

Die Instandsetzung eines mittelalterlichen Bau- und Kulturdenkmals muss sorgfältig geplant und durchgeführt werden. Dbei ist es wichtig, die Instandsetzung behutsam, substanzschonend und denkmalverträglich durchzuführen.

Oberstes Ziel aller baulichen Maßnahmen ist, die Brücke vor dem Eindringen von Niederschlagswasser in das Natursteinmauerwerk zu schützen. Dazu muss die Steinerne Brücke ein schützendes „Dach“ erhalten.

Als Dach dient die Brückenoberfläche in der Einheit von Brüstung und Belag. Der Oberbau muss daher sowohl die technischen als auch gestalterischen Anforderungen erfüllen, um die Steinerne Brücke nachhaltig zu schützen. Die vollständige Erneuerung der Brückenoberfläche mit Herstellung einer funktionierenden Abdichtung und Entwässerung ist die wichtigste Maßnahme zur dauerhaften Substanzerhaltung des Bau- und Kulturdenkmals Steinerne Brücke.

Grundlage der Planung der Brückenoberfläche sind historische Baupläne aus den Jahren 1863/1877.

Steinere Brücke -Historische Ansicht vor Bau der Straßenbahn

Das Foto aus dem Jahr 1859 zeigt den Querschnitt der Brücke mit beidseitigen Brüstungen einschließlich der als Schrammbord wirkenden Sockelsteine, den beiden Entwässerungsrinnen und einem Granitplattenbelag aus regionalem Natursteinmaterial. Die Brüstung war in Sockelsteine eingebunden, die gegenüber der eigentlichen Fahrbahn erhöht waren. Der neue Querschnitt der Brückenoberfläche orientiert sich grundsätzlich an diesen historischen Vorgaben - angepasst an die heutigen Nutzungsanforderungen und technischen Erfordernissen.

Anforderungen an eine neue Brückenoberfläche mit Brüstung und Belag

  • Gute und sichere Begeh- und Befahrbarkeit für alle Nutzer (Fußgänger, Radfahrer, Behinderte, Mobilitätseingeschränkte);
  • Die Brückenoberfläche als Einheit von Brüstung und Belag muss als das „schützende Dach der Brücke“ die dauerhafte und nachhaltige Substanzerhaltung des Bau- und Kulturdenkmals gewährleisten.
  • Niederschlagswasser muss zügig abgeleitet werden und darf nicht in das Bauwerk eindringen können.
  • Wichtigste Maßnahme: Herstellung eines Abdichtungssystems für das historische Mauerwerk unter dem Plattenbelag, um das Restwasser über die Plattenfugen vom Mauerwerk fernzuhalten.
  • Granitplattenbelag mit minimalem Fugenanteil (um die Hälfte weniger Fugen als Pflasterbelag) sichert optimalen Abfluss des Niederschlagwassers auf der Brückenoberfläche
  • Wegen der ständigen Temperaturspannungen muss der Plattenbelag auf ein ungebundenes Schotterbett (ohne Zement) verlegt werden, damit sich Bewegungen ausgleichen können.
  • Die Steinerne Brücke ist ein Ingenieurbauwerk: Die gestalterischen Anforderungen müssen immer mit den maßgebenden statisch-konstruktiven Erkenntnissen und Anforderungen in Einklang gebracht werden
  • Einhalten der geltenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften und der anerkannten Regeln der Technik für die vorgesehenen Nutzungen der Brücke (Notfall-, Unterhaltungs- und Wartungsfahrzeuge sowie Fußgänger- und Radverkehr)

Ein Musterbauwerk als Entscheidungsgrundlage für eine sorgfältige Planung

Die Lampen stehen jeweils auf Höhe der Brückenpfeiler vor den Brüstungen (C) Peter Ferstl, Stadt RegensburgGegenüberstellung: Aktueller Zustand - Musterbauwerk (C) Peter Ferstl, Stadt RegensburgSteinerne Brücke - Musterbauwerk - Bodenbelag und Brüstung (C) Stadt RegensburgSteinerne Brücke - Musterbauwerk - Bodenbelag (C) Peter Ferstl, Stadt RegensburgGegenüberstellung: Musterbauwerk  (C) Peter Ferstl, Stadt Regensburg

Für die sorgfältige Planung der Brückenoberfläche (u.a. Belag, Brüstung, Lampen) wurde im Bauhof Nord eine Bogenlänge der Steinernen Brücke originalgetreu im Maßstab 1:1 auf einer Länge von 15 Metern nachgebaut. Für die Brüstungen und den Belag wurden eine Vielzahl verschiedener Steinarten aus einheimischem Granit mit unterschiedlichen Abmessungen, unterschiedlicher Farbe, Musterung und Oberflächenbearbeitung wiederholt bemustert sowie verschiedene Abdichtungssysteme und Arten der Beleuchtungsanordnung erprobt.

Ziel war es, den planerischen Abstimmungsprozess zur Auswahl von Materialien und Konstruktionselementen für die Brückenoberfläche mit allen Beteiligten (Planer, Denkmalschutzbehörden, Stadtplanung, Tiefbauamt, Beirat für Behinderte, interessierte Gruppen) am Musterbauwerk zu optimieren und die Ergebnisse in ihrer tatsächlichen Wirkung und in ihren Abhängigkeiten zueinander anschaulich zu machen. So konnten die getroffenen Entscheidungen insbesondere für den Stadtrat und die interessierte Öffentlichkeit anschaulich transparent gemacht werden.

Der Planungsprozess

Diskutiert wurden mit den Beteiligten folgende grundlegenden Fragen:

  • Verzicht auf die historisch belegte Schrammbordlösung gegenüber der Brüstung, um die Barrierefreiheit bis an die Brüstung sicherzustellen
  • Begrenzung der Brüstungshöhe auf 100 cm
  • Belag: Rauer Kopfsteinpflasterbelag oder ebener Plattenbelag
  • Form und Farbe des Plattenbelages: größere und verschiedene Formate; Oberfläche angeraut, Kanten unregelmäßig behauen; Fugenbild; gemischte Farbenstruktur des Granitbelages (Mischung von Grau- und warmen Tönen)
  • Lichtmasten auf oder vor der Brüstung
  • Art des Abdichtungssystems

Mit den verschiedenen Planungsbeteiligten wurden die Fragen unter sorgfältiger Abwägung und Berücksichtigung der technischen, denkmalpflegerischen, städtebaulichen und funktionalen Belange am Musterbauwerk anhand unterschiedlicher Muster diskutiert. Gemäß Ausschussbeschluss vom 17. Februar 2011 wurden schließlich folgende Rahmenbedingungen für die Neugestaltung der Brückenoberfläche festgelegt:

Brüstung

Steinerne Brücke - Musterbauwerk - Höhe Brüstung (C) Stadt RegensburgSteinerne Brücke - Musterbauwerk - Bodenbelag und Brüstung (C) Stadt RegensburgSteinerne Brücke - Musterbauwerk - Bodenbeläge und Brüstungen (C) Stadt RegensburgSteinerne Brücke - Neue Brückenoberfläche - Draufsicht (C) Stadt Regensburg
  • Von Brüstung zu Brüstung durchgehende Verkehrsfläche ohne Schrammbord (behindertengerechte Ausführung)
  • Höhe Brüstung über Belag: 1,00 m
  • Breite Brüstungselement: 0,30 m
  • Material: warmtoniger Bayerwaldgranit passend zu dem gelblich-grünen Grünsandstein des Mauerwerkes

Belag

  • Beidseitige Rinnen zur Oberflächenentwässerung
  • Granitplattenbelag grautonig (Bayerwaldgranit), gebrochene Kanten, Fugenbild variierend
  • Breite variierend
  • Länge variierend
  • Oberfläche grob gestockt

Beleuchtung

Die Lampen stehen jeweils auf Höhe der Brückenpfeiler vor den Brüstungen (C) Peter Ferstl, Stadt Regensburg

Die Beleuchtung der Steinernen Brücke erfolgt nach den Grundsätzen des Stadtlichtplans.

Dort heißt es: “Die Steinerne Brücke ist Baudenkmal und Sehenswürdigkeit. Es soll eine Beleuchtung in der Art der jetzigen vorgesehen werden, wobei die Lichtfarbe und die Abstrahlcharakteristik zu verbessern sind.“

Die Masten werden über den Pfeilern vor den Brüstungen stehen, in den Lampen wird LED-Technik eingesetzt, wie sie bereits bei der Altstadtbeleuchtung zu finden ist.

Abdichtung des Mauerwerkes

Die ständige Durchfeuchtung des Natursteinmauerwerkes wegen offener Pflasterfugen, einer unzureichenden Entwässerung und fehlender Abdichtung des Mauerwerkes von oben hat zu den gravierendsten Schäden am Naturstein der Steinernen Brücke geführt. Die wichtigste Maßnahme zur nachhaltigen Instandsetzung der Steinernen Brücke ist deshalb eine schnelle Ableitung des Niederschlagswassers über den Plattenbelag und die Einläufe sowie die Herstellung eines Abdichtungssystems für das historische Natursteinmauerwerk unter dem Plattenbelag, um das Restwasser über die Plattenfugen vom Mauerwerk fernzuhalten.

2 Varianten von Abdichtungssystemen wurden am Musterbauwerk eingebaut.

  • Variante 1: Bitumenschweißbahn mit 3 cm Gussasphalt
  • Variante 2: PU (=Polyurethan)-Abdichtung, die im Spritzverfahren aufgebracht wird

Wie bei der Instandsetzung der Karlsbrücke in Prag ist der Einbau der PU-Spritzabdichtung am geeignetsten, weil sie sich aufgrund der gekrümmten Geometrie der Brücke sowohl den waagrechten als auch senkrechten Flächen am wirkungsvollsten anpassen kann. Sie wird nach der Stabilisierung und dem Ausgleich des Füllmauerwerkes auf eine sandgestrahlte Trägerschicht aus Gussasphalt aufgespritzt.

PU (=Polyurethan)-Abdichtung, die im Spritzverfahren aufgebracht wird (C) Stadt Regensburg