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Alternativen für Busse

Durch die Sperrung der Steinernen Brücke für den Busverkehr seit dem 1. August 2008 wurde die direkte ÖPNV- Verbindung zwischen der Altstadt und dem Stadtnorden sowie den nördlich im Einzugsbereich der Stadt Regensburg gelegenen Landkreisgemeinden unterbrochen. Die derzeitige Umleitung der Buslinien über vorhandene Brücken im Stadtgebiet - wie z.B. die Nibelungenbrücke - ist mit einem erheblichen Umweg verbunden. Dadurch entstehen beträchtliche betriebswirtschaftliche Zusatzkosten.

Die Stadt hat sich, mit dem jeweils amtierenden Oberbürgermeister an der Spitze, seit Jahren nachdrücklich beim Landesamt für Denkmalpflege, bei ICOMOS und bei der UNESCO dafür eingesetzt, westlich des Eisernen Stegs eine Brücke für den Umweltverbund errichten zu dürfen („Westtrasse“). Um den Nachweis zu erbringen, dass ein Brückenbauwerk an dieser Stelle keine wesentlichen Auswirklungen auf den außergewöhnlichen universellen Wert des Welterbe-Ensembles hat, wurde ein entsprechendes Welterbeverträglichkeitsgutachten im Auftrag der Stadt Regensburg erstellt. Trotz dieses Gutachtens sowie vielen verschiedenen Schreiben, Stellungnahmen, Gesprächen und Ortsbesichtigungen stimmen weder das Landesamt für Denkmalpflege noch die zuständigen Stellen bei der UNESCO/ICOMOS einem Brückenbauwerk zwischen Schopperplatz und Holzländestraße, in welcher Form auch immer, zu. Der Welteerbetitel ist für die Stadt Regensburg von besonderer Bedeutung. Erst durch die Verleihung des Welterbetitels ist den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und Region so richtig bewusst geworden, welchen Schatz Regensburg in seinen Stadtgrenzen besitzt. Die Menschen sind stolz auf das historische Erbe, viele setzen Altstadt und Regensburg gleich. Dabei ist die Altstadt mit Stadtamhof kein Museum, keine Fassade, sondern ein „lebendiger Organismus“.

Geprüfte Alternativen zur Westtrasse

Die Verwaltung hat verschiedene Alternativen zur Westtrasse in Form einer Brücke geprüft, allerdings konnten sie alle nicht überzeugen:

1. Westtrasse als Tunnel
Eine Tunnellösung, die nur im Osten realisierbar wäre, ist nicht geeignet, da sie nicht zur gewünschten Erreichbarkeit der westlichen Altstadt führen würde und die damit verbundenen unverhältnismäßig hohen Kosten daher nicht zu rechtfertigen wären. Auch die städtebauliche Integration der Rampenbauwerke ist problematisch. 

2. Osttrasse als Brücke und als Tunnel (von der Maffeistraße über den Nordarm der Donau zum Gries)
Die Osttrasse führt kaum zu Linienwegsverkürzungen, die Busse erreichen weiterhin nicht die westliche Altstadt. 

3. Brücke in Verlängerung der Altdorferstraße
Eine weiter westlich gelegene Trasse führt bei den Bussen, die über die Lappersdorfer Straße fahren, zu unnötigen Umwegen. Die westliche Altstadt würde nur über den Bismarckplatz, aber nicht über den Arnulfsplatz erreicht. 

4. Führung über die Steinerne Brücke
Die Steinerne Brücke wird denkmalgerecht saniert. Dabei wurde vom Stadtrat beschlossen, dass die baulichen Maßnahmen darauf ausgerichtet sind, dass keine Kfz die Brücke befahren. Würde nun wieder Busverkehr zugelassen, hätte dies gravierende Folgen für die Bausubstanz. Zuschüsse in Millionenhöhe wären ggf. zurückzuzahlen. Die Brüstungen sind nicht auf die erforderlichen Anpralllasten ausgelegt. Aufgrund der hohen Anzahl an Fußgängern und Radlern wäre mit ständigen Konflikten zu rechnen. 

5. Alternative Verkehrsmittel, etwa eine Fähre
Fährverbindungen, Seilbahnen oder ähnliche Angebote würden von den Busnutzern kaum angenommen, da diese zum mehrmaligen Umsteigen zwingen. An beiden Donauuferseiten wären entsprechende Umsteigeanlagen erforderlich. Busse müssten hier länger halten und wenden können. 

6. „Bürgertrasse“
Das BürgerBündnis hat im Zuge der Ersatztrassendiskussion 2005 einen Vorschlag für eine Liniennetzalternative, die sog. Bürgertrasse, eingebracht. 2008 brachte dann der Verein Donauanlieger e. V. eine modifizierte Variante ein. Gemeinsam ist beiden Lösungsvorschlägen, dass eine zusätzliche Donaubrücke abgelehnt wird und die Busse über die Nibelungenbrücke geführt werden sollten. Die seinerzeit durchgeführte Nutzen-Kosten-Betrachtung zeigte, dass die verkehrliche Wirksamkeit negativ wäre und zu Fahrgastverlusten führen würde. Die vergangenen Jahre haben die Prognose bestätigt, der ersatzlose Entfall einer altstadtnahen Donauquerung hat zu deutlichen Fahrgastverlusten geführt. Abweichend vom Status-Quo sollten nach der Bürgertrassen-Variante die Buslinien konsequent über den Stobäusplatz zum Hauptbahnhof geführt werden. Das hätte zur Folge, dass die Altstadterschließung durch den Busverkehr deutlich schlechter würde. Daher ist eine weitreichende Verlegung der Buslinien von der Eisernen Brücke hin zum Stobäusplatz abzulehnen.

Maßnahmen um die Situation für den ÖPNV zu verbessern

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ist davon auszugehen, dass die Westtrasse nicht durchgesetzt werden kann und dass die Busverbindungen zwischen dem Stadtnorden bzw. dem nördlichen Landkreis und der Altstadt bzw. dem Hauptbahnhof in der heutigen Form auf längere Sicht im Wesentlichen bestehen bleiben werden. 

Der Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen hat deshalb am 26. April 2016 ein Bündel an Maßnahmen beschlossen, um die Situation für den ÖPNV auf diesen Linienwegen zu verbessern und um die teils massiven Verspätungen in Zukunft zu verringern oder sogar zu vermeiden – auch wenn sie eine Westtrasse nicht kompensieren können. 

1. Verlegung einer Buslinie
Es wird geprüft, eine Buslinie über die Pfaffensteiner Autobahnbrücke, die Clermont-Ferrand-Allee, die Altdorferstraße, die Gumpelzhaimerstraße, die Dr.-Johann-Maier-Straße, die Jakobstraße, die Schottenstraße, die Kumpfmühler Straße, die Fritz-Fend-Straße und die Bahnhofstraße bzw. die Albertstraße und die Margaretenstraße – in beiden Richtungen – zu führen. 

2. Busschleuse beim Donaueinkaufszentrum (DEZ)
Insbesondere nachmittags ist das Verkehrsaufkommen des in die Frankenstraße links abbiegenden Verkehrs sehr hoch. Busse, die aus der Haltestelle „Weichs-DEZ“ ebenfalls links abbiegen müssen, haben große Probleme, in die Linksabbiegestreifen einzufädeln. Es sind regelmäßig Konflikte zu beobachten. Zudem wird der geradeaus fahrende Verkehr behindert, was sich wiederum auf den gesamten Streckenverlauf der Nibelungenbrücke negativ – für den privaten Autoverkehr und den ÖPNV – auswirkt.

Abhilfe kann eine zusätzliche Ampel schaffen, die den Stauraum bis zum Knoten Frankenstraße freihält. Busse können sich so leichter aus der am rechten Fahrbahnrand liegenden Haltestelle in die Linksabbiegestreifen einfädeln. Langfristig könnte ein kreuzungsfreier Ausbau in diesem Bereich erhebliche Verbesserungen mit sich bringen. 

3. Busspur Frankenstraße
Der Neubau der Frankenbrücke sieht eine Busspur auf der Nordseite stadtauswärts vor. Sie geht auf eine Empfehlung eines Gutachtens des Büros Transver, München zurück. Dieses Büro hat ebenso empfohlen, in der Frankenstraße zwischen Nordgaustraße und Holzgartenstraße eine Busspur zusätzlich zu den beiden bestehenden Fahrstreifen auszubauen. Diese Busspur ist trotz des geplanten Baus der Sallerner Regenbrücke erforderlich. 

4. Wöhrdstraße
In der Wöhrdstraße ist das Parken auf der Fahrbahn auf langen Strecken erlaubt. Die verbleibende Fahrbahnbreite von 5,50 Metern ist nicht ausreichend, damit sich Busse und Pkw oder gar Busse und Busse begegnen können. Die Wöhrdstraße ist eine der wichtigsten Routen für den Busverkehr im Stadtgebiet. Gleichzeitig ist die Wöhrdstraße wichtiger Bestandteil des Radwegenetzes. Radverkehrsanlagen fehlen, wären aber angesichts des hohen Schwerverkehrsanteils dringend angezeigt.

Zu lösen ist diese Thematik nur durch die Verlagerung der Stellplätze. In der Folge könnten auf der Fahrbahn Schutzstreifen für Radler markiert werden. Diese wären im Begegnungsfall für Busse oder Autos überfahrbar.

5. Weitere Alternativen
Ein Wassertaxi-System (elektrisch betrieben) ähnlich den venezianischen Vaporetti wäre grundsätzlich als ergänzendes Angebot denkbar. Dabei könnte in einem Zickzack-Kurs zwischen Altem Schlachthof/Marina Forum – Altem Eisstation/Mobilitätstreff – Donaumarkt – Wurstkuchl - Schopperplatz/Dultplatz ein vor allem touristisch interessantes Verkehrsmittel angeboten werden. Erste Gespräche mit möglichen Betreibern wurden geführt, bedürfen aber noch weiterer Konkretisierung.