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Eröffnung des "Tages der Städtebauförderung"

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Eröffnung des „Tages der Städtebauförderung“ am 21. Mai 2016 um 14.00 Uhr in Regensburg am Marc-Aurel-Ufer

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Anrede

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

sehr herzlich begrüße ich Sie heute hier zum Tag der Städtebauförderung, an dem sich Regensburg bereits zum zweiten Mal beteiligt, und zu dem ich Dich, sehr geehrter Herr Staatssekretär Pronold, lieber Florian, ebenfalls zum zweiten Mal in Regensburg begrüßen darf. Ich freue mich, dass Du unserer Stadt auch über Dein Studium hinaus verbunden bleibst.

Wir stehen hier am Marc-Aurel-Ufer. Marc Aurel, römischer Kaiser, Philosoph und – für uns Regensburger besonders wichtig – Gründer der Stadt, sagte einst: "Der Mensch, der eine gute Tat vollbracht hat, soll nicht viel Aufhebens davon manchen, sondern zu einer neuen schreiten". 

Aber natürlich gilt: Selbst von Leitsätzen großer Menschen sollten hin und wieder Ausnahmen gemacht werden. Bei einigen guten Taten schadet es nämlich manchmal nicht, ein wenig Aufhebens zu machen. Und darum feiern wir heute den Tag der Städtebauförderung. 

Um eine gute Tat handelt es sich bei der Städtebauförderung zweifelsohne. Diese vollbringen nicht nur der Bund und der Freistaat Bayern, indem sie Fördermitteln zur Verfügung stellen. Diese vollbringen ebenso die zahllosen Hauseigentümerinnen und -eigentümer, indem sie ihre Gebäude mit Hilfe dieser finanziellen Unterstützung und mit noch viel mehr Liebe und Herzblut modernisieren und herrichten und so unsere Altstadt lebendig und lebenswert erhalten.

Nicht nur die Instandsetzung von Wohngebäuden wird von der Städtebauförderung unterstützt. Auch für die Sanierung besonderer Gebäude und stadtbildprägender Baudenkmäler gibt es Fördermittel. Mit insgesamt über fünf Millionen Euro werden sowohl die Porta Praetoria als auch die Neue Regensburger Synagoge aus dem Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unterstützt.

Dafür danke ich Dir, lieber Florian, als Vertreter des Fördermittelgebers, sehr herzlich.

 „2000 Jahre Regensburger Baukunst“ lautet das Motto des heutigen Tages. Die Porta Praetoria und die sich im Bau befindliche Neue Synagoge repräsentieren dieses Motto wie kaum zwei andere Bauwerke in der Stadt. Die Porta Praetoria ist das nach Norden gerichtete Haupttor des römischen Legionslagers Castra Regina, aus dem sich Regensburg entwickelte. Die Porta Praetoria ist das einzige als Hochbau erhaltene römische Legionslagertor der Welt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie wiederentdeckt und freigelegt. Nach der Sanierung wird ein Teil der Porta Praetoria endlich auch der Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar gemacht. Bereits heute gibt es die einzigartige Gelegenheit einen Blick in die Baustelle zu werfen und sich über die Sanierungsarbeiten zu informieren. Kein Stein der Porta Praetoria gleicht dem anderen und so wird jeder einzelne Stein gründlich untersucht und entsprechend des vorliegenden Schadensbildes einem individuellen Sanierungsverfahren unterzogen. Neben der sehr aufwendigen Steinsanierung beinhaltet die Instandsetzung des Legionslagertors auch die Einrichtung eines öffentlichen Informationspunktes im Gebäude und die Aufwertung seines städtebaulichen Umfeldes. 

Das zweite Projekt, um das es heute geht, ist für mich eine besondere Herzensangelegenheit: der Neubau des jüdischen Gemeindezentrums. Eine jüdische Gemeinde existiert in Regensburg bereits mindestens seit dem 10. Jahrhundert. Sie ist eine der ältesten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Das jüdische Viertel und die Synagoge lagen seit jeher im Herzen der Stadt. Seit der Zerstörung der 1912 eingeweihten Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 gibt es in Regensburg keine Synagoge mehr. Es waren auch und gerade Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die die Synagoge zerstört und unendlich viel Leid über unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gebracht haben. Als Stadtgesellschaft tragen wir daher eine historische Verantwortung. Sie ist so groß, dass man schwerlich jemals von einer Wiedergutmachung wird sprechen können. Die Regensburger Synagoge wieder aufzubauen und sie unseren jüdischen Mitbürgern zurückzugeben, ist nur das Mindeste, was wir tun können. Daher freue ich mich besonders, dass an historischer Stelle Am Brixener Hof 2 kürzlich mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Neben der Synagoge wird das neue Gemeindezentrum einen Veranstaltungsraum und Schulungsräume umfassen. Für den Bau konnte der renommierte Architekt Volker Staab gewonnen werden.

Beide Projekte dokumentieren vieles, was Regensburg heute ausmacht und besonders macht. Die Porta Praetoria versinnbildlicht die Wurzeln Regensburg, seine Tradition und seine fast 2000-jährige Geschichte. Auch das jüdische Gemeindezentrum steht für unsere Tradition und Geschichte. Insbesondere auch für die wechselvolle Beziehung Regensburgs zu seiner jüdischen Gemeinde. Genauso verdeutlich der Neubau des Gemeindezentrums nun auch das, was Regensburg heute ausmacht: wir sind eine moderne, optimistische und weltoffene Stadt, die sich ihrer historischen Verantwortung bewusst bleibt.

Die Verantwortung, die die Regensburgerinnen und Regensburger für Ihre Stadt übernehmen, wird auch bei der Finanzierung der Projekte deutlich. Zentraler Partner der Sanierung der Porta Praetoria ist der Verein Welterbe Regensburg – die Förderer e.V., der sich dazu verpflichtet hat dem Projekt 700 000 Euro beizusteuern. Für den Bau des neuen jüdischen Gemeindezentrums engagiert sich der Förderverein Neue Regensburger Synagoge e.V. und beteiligt sich an den Baukosten. Die Bereitschaft beider Vereine, diese Verpflichtung einzugehen würdige ich sehr. Sie zeigt einmal mehr, wie wichtig den Regensburgerinnen und Regensburger gesellschaftliches Engagement ist.

Gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit nutzen und Sie, meine Damen und Herren, liebe Gäste, aufrufen:
Engagieren Sie sich persönlich für das einzigartige Erbe Regensburgs und beteiligen Sie sich mit einer Spende. Oder, um zum Ende noch einmal auf Marc Aurel zurückzukommen: Vollbringen Sie eine heute gute Tat um gleich morgen zu einer neuen zu schreiten.

Und nun wünsche ich uns allen einen anregenden und spannenden Tag der Städtebauförderung, an dem vieles für Jung und Alt geboten ist.

Nutzen Sie die vielfältigen Angebote!