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Empfang zur Jahrestagung der beiden Vereine UNESCO Welterbestätten Deutschland e.V. und Deutsche UNESCO Kommission e.V.

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich des Empfangs zur Jahrestagung der beiden Vereine UNESCO Welterbestätten Deutschland e.V. und Deutsche UNESCO Kommission e.V. am Montag, 4. April um 18.30 Uhr im historischen Reichssaal

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Anrede,

ganz am Anfang, kurz bevor Regensburg am 16. Juli 2006 den Welterbetitel verliehen bekam, wurde „Welterbe“ in Regensburg außerhalb der mit der Bewerbung befassten Experten mit kaum mehr als einer vagen Idee verbunden. „Welterbe“, das war eine abstrakte Größe, die „irgendwas mit Baudenkmälern, Altertum und den Pyramiden“ zu tun hat. Ein Originalzitat übrigens. Auch diffuse Ängste vor einer musealen Konservierung der Altstadt und vor einem allzu strengen Regiment des Denkmalschutzes geisterten durch die Stadtgesellschaft.

Das war vor zehn Jahren. 

Wenn Sie sich heute hingegen in der Stadt zum Thema „Welterbe“ umhören, wird sich Ihnen eine völlig andere Situation zeigen: Heute identifizieren sich die Regensburgerinnen und Regensburger mit „ihrem“ Welterbe. Fast jeder hat eine persönliche Beziehung zum Welterbe, kann eine individuelle Geschichte dazu erzählen oder über seine oder ihre Lieblingsecken schwärmen.

Was für eine Entwicklung! Und was für eine wunderbare Belohnung für zehn Jahre intensive Arbeit am, mit und im Welterbe Regensburg.

Die gesamte Stadtgesellschaft inklusive der Verwaltung und der politischen Ebene hat in dieser Sache stets an einem Strang gezogen, um diesen Stand zehn Jahre nach der Ernennung erreicht haben zu können. Als Oberbürgermeister von Regensburg bleibt mir hier einfach nichts anders übrig als stolz auf diese Stadt zu sein.

(Sie mögen mir dieses Lob in eigener Sache verzeihen) 

Um die Welterbeidee in die Mitte der Stadtgesellschaft zu transportieren, steht die Kommunikation und Vermittlung des Welterbegedankens im Zentrum des breiten Aufgabengebietes der Welterbekoordination. Diese Anlauf- und Koordinierungsstelle hatte die Stadt Regensburg zeitgleich zur Ernennung geschaffen, um das Querschnittthema Welterbe in der Verwaltung zu verankern. Auch die notwendige kontinuierliche Abstimmung mit der UNESCO und der Ausbau der Netzwerkarbeit können so gewährleistet werden.

Darüber hinaus steht der Stadt Regensburg seit 2011 das Instrument „Besucherzentrum Welterbe Regensburg“ zur Verfügung, mit dem wir auf dem Gebiet der Vermittlung des Welterbegedankens neue Wege beschritten haben. Bürgerinnen und Bürger, Gäste, Interessierte, Touristen, Schülerinnen und Schüler, Kinder und Erwachsene – sie alle sollen sich eingeladen fühlen, von der Ausstellung im Besucherzentrum aus - das Welterbe Regensburg zu entdecken. Das Ausstellungskonzept basierend auf der Verbindung klassischer Ausstellungsmethoden und innovativer mediengestützter Wissensvermittlung hat sich seitdem bewährt: 

Seit 2011 haben pro Jahr 300 000 Besucherinnen und Besucher das Welterbe Besucherzentrum für sich entdeckt. Darunter erstaunlich viele Regensburgerinnen und Regensburger, die immer wieder einmal vorbeischauen.

Neues gibt es natürlich außerdem bei den mindestens drei Sonderausstellungen pro Jahr in den unteren Räumen des Besucherzentrums und den regelmäßigen Vortragsveranstaltungen. Auch bei den UNESCO Welterbetagen, die jeweils am ersten Sonntag im Juni stattfinden, spielt das Besucherzentrum eine wichtige Rolle.

Trotz des Gewöhnungseffektes strömen noch immer 10 000 Menschen in die Altstadt, um noch mehr über Regensburg als Welterbestadt zu erfahren.

Nicht nur lokal, auch international und im Bereich der Netzwerke hat Regensburg in den vergangenen zehn Jahren viel geleistet und sich auch international einen hervorragenden Ruf erarbeitet:

1. In den EU-Projekten HerO, Herman und COMUS 

Zentrale Idee bei diesen EU-Projekten ist es, das gebaute kulturelle Erbe nicht als Hürde, sondern als Chance und Entwicklungsmotor für soziale, demokratische und wirtschaftliche Aktivitäten zu begreifen und entsprechende Strategien zu entwickeln. Dazu zählen unter anderem Empfehlungen für die nachhaltige Entwicklung historischer Stadtlandschaften sowie ein praxisorientierter Leitfaden zur Erarbeitung von Managementplänen für historische Städte. Regensburg unterstützt im Projekt COMUS beispielsweise diese Entwicklung in Ländern wie der Ukraine, Georgien und Armenien.

2. Im Arbeitskreis Welterbestädte des deutschen Städtetages

Hier haben sich die sechs flächenhaften Welterbestädte in Deutschland vernetzt, um Bedürfnisse zu erkennen und Positionen abzustimmen. Eine Zielsetzung ist auch die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass das Potential der Welterbestädte entwickelt und genutzt werden kann. Auch in diesem Netzwerk liefert Regensburg wichtige Impulse.

3. In der OWHC

Regensburg engagiert sich stark in der OWHC (Organization of World Heritage Cities). In Regensburg ist auch der Sitz des Regionalsekretariats der OWHC Region Nordwest Europa und Nordamerika. Auch hier geht es um wissenschaftlichen Austausch und um die Entwicklung von Strategien für zukunftsfähige Welterbestätten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren:
Lassen Sie mich abschließend noch eines ganz deutlich sagen:

Das Engagement für das Welterbe ist kein Schön-Wetter-Unterfangen. Es hat wirtschaftliche, soziale und nachhaltige Gründe. Sprich: Der Welterbestatus rechnet sich auch jenseits des so oft bemühten Tourismusbeispiels:

  • Das internationale Ansehen steigt und die Stadt wird allgemein mehr wahrgenommen.
  • Der Welterbetitel ist sozusagen ein Qualitätsmerkmal, das eine Stadt als Ansiedlungsort für größere Firmen attraktiv macht - gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.
  • Der Zugang zu Fördergeldern (wie z.B.  beim Investitionsprogramm der Bundesregierung für nationale Welterbestädte) wird erleichtert.
    Projekte wie die Sanierung der Steinernen Brücke oder der Porta Praetoria können so unterstützt werden. Hier konnten von 2009 bis 2015 zusätzliche Fördergelder in Höhe von ca. 15 Millionen Euro akquiriert werden.
  • Die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit Ihrer Stadt wird gestärkt und gefördert.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

in den vergangenen zehn Jahren hat sich in punkto Welterbe viel getan in Regensburg. Darauf sind wir stolz. Wer unsere Freude auf denkbar angenehmste Weise teilen möchte, den darf ich schon heute zu unserem Jubiläums-Welterbewochenende am 4. und 5. Juni einladen. Dann können Sie hautnah erleben, wie es ist, durch die Stadt zu gehen und zu spüren:

Das Welterbe Regensburg ist in den Herzen der Menschen angekommen und Teil unserer Stadt geworden.

Vielen Dank!