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Künstlerempfang

Es gilt das gesprochene Wort! -

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich des Künstlerempfanges am 27. Juli 2015 um 20 Uhr in der Minoritenkirche

Anrede

„Ich will nicht in einer Stadt leben, deren einzige kulturelle Errungenschaft darin besteht, dass man bei Rotlicht links abbiegen kann.“ Dieser Satz stammt selbstverständlich aus sehr ironischem und dennoch außerordentlich klugem Munde. Woody Allen hat ihn einmal gesagt.

Werte Gäste, liebe Freunde,

es muss immer unser Bestreben sein, dem Anspruch an eine international präsente und viel beachtete Stadt des Weltkulturerbes genauso wie an eine junge, moderne und urbane Stadt gerecht zu werden. Und ich sehe diese Entwicklung in unserer Stadt sehr positiv, denn wir arbeiten viel und intensiv an den geeigneten Rahmenbedingungen: 

Wir wollen einen guten und fruchtbaren Nährboden für Kunst und Kultur schaffen!

Weil Kultur nicht irgendetwas ist, sondern ein harter Standortfaktor.

Weil es um Identität und um Seismographen geht.

Und somit um gutes Leben.

Deshalb geht es dabei um die Zukunftsfähigkeit der Stadt.

Und nicht mehr, aber vor allem auch nicht um weniger.

Unsere Kultur ist vielfältig und bunt, sie ist jung und sie erfindet sich immer wieder neu. Es ist toll, was sich etwa in den Bereichen Fotografie und Medienkunst tut, aber auch in der Musik und im Tanz.

In allen Bereichen und Sparten der Kultur gibt es in dieser Stadt ganz viele kreative, innovative und auch junge Köpfe, die etwas schaffen und bewegen.

Die diese Stadt gestalten wollen, weil es ihre Stadt ist und weil sie sie lieben.

Und dennoch: es braucht Strategien und Perspektiven für unsere Zukunft, aber es braucht auch die notwendige Freiheit für Visionen, Experimente und vielleicht sogar Utopien.

Viele wichtige Überlegungen und Ansätze, wie wir die kulturelle Entwicklung unserer Stadt angehen und weiter verbessern wollen, haben wir im Kulturentwicklungsplan festgehalten.

Ich möchte mich auch in diesem Rahmen noch einmal bei allen bedanken, die sich an der Erarbeitung des KEPs mit ihren Ideen und Anregungen, mit vielen konstruktiven Verbesserungsvorschlägen und auch Wünschen, mit Engagement und Interesse beteiligt haben.

Nur durch die Zusammenarbeit mit Ihnen – den zahlreichen Akteuren im Kulturbereich –, den Bürgerinnen und Bürgern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stadtverwaltung konnte dieses engagierte Vorhaben gelingen, das von allen in der Vergangenheit immer gefordert wurde.

Wir gehen nun tatkräftig an die Umsetzung der Aufgaben, die wir uns gestellt haben.

Und wir haben uns viel vorgenommen.

Ich freue mich auf die nächsten Schritte, die dieser Kulturentwicklungsplan zu gehen hat und möchte heute Abend dennoch einen Aspekt herausgreifen, weil er mir immanent wichtig erscheint:

Gerade für die junge Kultur werden wir uns stark machen.

Kunst und Kultur und ihre Akteure sind die Seismographen der Gesellschaft, diesen Satz haben Sie sicher schon des Öfteren von mir gehört und ich werde ihn auch immer wieder gerne formulieren.

Sie alle, die „Kulturbeweger“ in dieser Stadt, nehmen Einfluss auf die Gegebenheiten unserer Stadtgesellschaft, auf unser Zusammenleben und damit nicht zuletzt auch auf unsere Lebensqualität.

Deshalb geht es dabei um Urbanität und damit um die Zukunft unserer Stadt. Unserer Stadt.

Junge Künstler sind dabei das Wurzelwerk – indem sie sich mit den Themen unserer Zeit auseinandersetzen, eröffnen sie uns allen neue Sichtweisen und fordern uns heraus, uns auf neue und auch schon mal ungemütliche Perspektiven einzulassen.

Unsere Aufgabe ist es, Kunst und Kultur in allen Facetten zu fördern, vor allem aber auch jungen Künstlerinnen und Künstlern den Start eines erfolgreichen künstlerischen Werdegangs zu ermöglichen.

Was das konkret bedeutet?

Dass sie den vielleicht bereits eingeschlagenen Weg weitergehen können, jedenfalls immer wieder Neues ausprobieren und vor allem: Fehler machen können.

Wir wollen das fördern, indem wir Infrastrukturen, die von jungen Kulturschaffenden selbst gestaltet und genutzt werden können, sichern – damit sind unter anderem Räume, Ausstattungen, Materialien, Informationen oder Beratung gemeint.

Aber wir wollen auch neu entstandene und weiter wachsende Formate und Plattformen unterstützen, die zur Vernetzung und zum Austausch junger Menschen in kulturellen Belangen beitragen.

Außerdem soll die Schwerpunktförderung der lokalen Szene im Bereich der Popkultur angeschoben werden.

Wir wollen damit unter anderem dazu beitragen, dass Regensburg als junge Stadt mit vielen Studenten weiter an Attraktivität gewinnt.

Und wir wollen Identität schaffen.

Das Popkulturfestival etwa hat sich im letzten Jahr als gelungene Plattform und Darstellungsmöglichkeit für die lokale Szene bewiesen und wird, was mich sehr freut, auch im kommenden Jahr wieder stattfinden.

Natürlich werden wir auch die Unterstützung der Kinolandschaft und der Filmfestivals, der zeitgenössischen Literatursparten und jungen Formen der Sprachkunst sowie der zeitgenössischen Tanzszene weiter fortführen.

Und schließlich wird es auch um die Entwicklung neuer Formate für den Bereich der Bildenden Kunst gehen.

Das alles ist natürlich nur dann möglich, wenn ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

Auch hier müssen und werden wir uns engagieren.

Mit dem Haus der Musik haben wir bereits eine Institution geschaffen, in der sich sowohl die Sing- und Musikschule als auch das Junge Theater in angemessener Weise präsentieren und vor allen Dingen arbeiten können.

Daher geht es im Übrigen um Bildung, um musische und kreative Bildung, den entscheidenden Rohstoff, den wir haben.

Was wir zudem nicht vergessen sollten: die heutigen Kulturnutzerinnen und -nutzer sind die Akteure von morgen!

Wenn wir ein ansprechendes und anspruchsvolles Angebot schaffen, das unsere jungen Menschen an die Kultur heranführt, sie mitmachen lässt und verführt, haben wir schon viel geschafft!

Ein wichtiger Aspekt, den ich hier ebenfalls ansprechen möchte, ist die Kultur- und Kreativwirtschaft.

Dort haben wir unter anderem für Existenzgründerinnen und -gründer vor kurzem eine neue Stelle geschaffen, die als Ansprechpartner und Berater unterstützen soll.

Das Deggingerhaus in der Wahlenstraße wird ein erster – auch räumlicher – Schritt in die richtige Richtung sein. Was mir dabei besonders am Herzen liegt: den Ort zu einem lebendigen und quirligen Kulturort zu machen, einem Ort des Austausches und der Vernetzung und einfach einem guten Treffpunkt für die Kultur- und Kreativwirtschaft.

Es geht nicht um das Ausspielen von Kunst und Kultur gegenüber den wirtschaftlichen Potentialen, sondern um beides.

Ich sehe hier in ganz viele bekannte Gesichter, die alle aus Leidenschaft und mit immensem Engagement für die Kunst und Kultur in dieser Stadt arbeiten und dabei selbstverständlich auch ihren Lebensunterhalt zu bestreiten haben.

Und genau darum geht es uns an diesem Ort: genau das soll man sehen und das wollen wir ebendort auch sichtbar machen!

Wissen Sie, meine Damen und Herren, ich denke, auch dieser Abend steht exemplarisch für etwas.

Und zwar dafür, wie wir uns zukünftig im Kulturbereich positionieren und aufstellen wollen.

Ich kann wahrscheinlich nicht ausreichend oder angemessen beschreiben, wie sehr ich mich freue, dass der Versuch, diesen Abend, den Künstlerempfang, derartig zu gestalten, im letzten Jahr so großen Anklang gefunden hat und nun in dieser Form weitergeführt wird.

Nämlich: den Abend der Kunst- und Kulturszene zu widmen, ihn den Künstlerinnen und Künstlern und den „Kulturmachern“ in dieser Stadt zu schenken.

Wir wollen hier, in diesem Rahmen, die wichtigsten Personen in den Vordergrund stellen und ihnen eine gebührende Plattform bieten: den Künstlerinnen und Künstlern und all denjenigen, die sich für die Kultur in dieser Stadt stark machen.

Auch wenn es Herr Unger vorhin schon getan hat, möchte ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich und in aller Form unsere Preisträger des heutigen Abends begrüßen.

Ich freue mich, wenn ich in wenigen Minuten ein wenig mehr zu jedem einzelnen von Ihnen erzählen kann und darstellen darf, warum die Kultur in dieser Stadt so vielfältig ist und für uns einen so großen Stellenwert hat.

„Kultur für alle“ ist ein großer Leitspruch, der vor allem in den 70er Jahren geprägt und getragen wurde, der aber meines Erachtens immer noch Bestand hat.

Vielleicht sogar mehr denn je.

Ich möchte Ihnen auch erläutern weshalb.

Meine Vision ist es, unsere Stadt immer noch ein Stück lebenswerter und lebendiger zu machen; Regensburg soll frei und urban, aufgeschlossen und auch mutig sein; herausgefordert und immer offen, neue Wege einzuschlagen und Neues zuzulassen.

Wir sollten weiterhin unsere Fühler ausstrecken, uns von vielen Dingen inspirieren lassen und unsere Phantasie einsetzen.

So viele Regensburgerinnen und Regensburger wie nur möglich sollen daran teilhaben: an einem kulturellen Angebot genauso wie an Überlegungen zur kulturellen und gesamtstädtischen Entwicklung. Und damit an unserer Zukunft.

Wie dieses Regensburg in 5, in 10, oder in 20 Jahren aussehen soll und kann – das können wir nur gemeinsam erdenken, anpacken und gestalten.

Für die nahe Zukunft – die kommenden Wochen, Monate und Jahre – haben wir viele, sehr große Projekte in Planung, in Aufbau und Umsetzung:

Die Sanierung des Historischen Museums am Dachauplatz wird uns beschäftigen, genau wie die Neukonzeption der gesamten Museenlandschaft in unserer Stadt und die damit einhergehende dringliche Lösung der Depot-Frage.

Das Museum der Bayerischen Geschichte wird am Donaumarkt nicht nur mit einer innovativen und modernen Architektur herausstechen.

Zentral für ganz Bayern wird es ein Vermittlungsort unserer Geschichte sein, bei dem neben der Darstellung unserer historischen Wurzeln vor allen Dingen die Geschichten der Menschen in Bayern im Vordergrund stehen werden.

Die Schauspielschule wird in der Kreuzgasse ein neues Zuhause bekommen und es wird ein jüdisches Gemeindezentrum entstehen.

Auch dies empfinde und verstehe ich als wichtiges Symbol für die Offenheit dieser Stadt – und in dieser Stadt.

Und dennoch – trotz all dieser wichtigen und weitreichenden Pläne und Vorhaben, von denen ich nur einige hier erwähnt habe, glaube ich: es sind wohl die kleinen Schritte, die zählen, die „Software“, wie man so schön sagt.

Und hier möchte ich noch einmal zu Ihnen kommen, verehrte Gäste.

Ich bin viel unterwegs, versuche, in meiner Stadt viel zu sehen, zu erleben und aufzuschnappen.

Es macht mich unfassbar stolz, wie viele verschiedene Veranstaltungen, unterschiedlichste künstlerische Ereignisse, Projekte und Aktionen in dieser Stadt geboten sind.

Sie machen die Kulturlandschaft in Regensburg so facettenreich und unverwechselbar und: sie spiegeln die reiche künstlerische Vielfalt wider.

Ich möchte mich bei allen, die sich der Kulturarbeit für diese Stadt aus Interesse und Leidenschaft widmen, aus vollem Herzen bedanken.

Und Sie ermutigen und bekräftigen: Nur durch Ihr Engagement – das oft und in vielen Fällen ein ehrenamtliches ist – ist diese Stadt die, die sie ist.

Man muss es sogar anders herum ausdrücken:

Unser kulturelles Leben basiert zu einem gewichtigen Teil auf diesem unentgeltlichen und ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagement und der Selbstorganisation.

Über 2 Millionen Menschen sind in Deutschland im Kulturbereich ehrenamtlich aktiv, nicht selten sogar in mehreren Funktionen.

Wir sprechen hier also von 3,5 Millionen ehrenamtlich wahrgenommenen Aktivitäten *!

Diese Zahl muss man sich erst einmal vergegenwärtigen!

Wir wollen die ehrenamtliche Tätigkeit der Bürgerinnen und Bürger sowie gemeinnütziger Vereine und Einrichtungen weiterhin unterstützen und außerdem stärker fördern – sie ist eine der Säulen unserer reichen Kulturlandschaft und vielleicht eine unserer größten Stärken.

Und es gilt Formen und Formate zu entwickeln, die noch mehr Bürgerinnen und Bürger in das kulturelle Geschehen integrieren, sie aktivieren und motivieren, sich einzubringen.

Dankeschön!

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Abend!