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Eröffnung der Ausstellung „Horst Hanske“

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Grußwort von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Horst Hanske“ am 15. November 2015, um 17 Uhr im MZ-Verlagsgebäude

Anrede

Als Oberbürgermeister dieser Stadt habe ich ein unschätzbares Privileg: Ich bin zu vielen Veranstaltungen, Feiern oder Eröffnungen eingeladen. In ihrer Summe ergeben sie ein Abbild der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aktivitäten Regensburgs.

Heute bin ich zu Ihnen zur Eröffnung der Ausstellung „Erinnern und Vergessen“ gekommen, aber nicht nur als Repräsentant der Regensburger Bürgerinnen und Bürger, sondern - wie Sie alle - als ein Bewunderer, als ein Freund, als ein langjähriger Fan von Horst Hanske. Er selbst und natürlich seine Bilder haben mich stets erfreut. Wie er mit dem Fotoapparat und mit dem Zeichenstift Menschen und Situationen eingefangen und Charakteristisches auf den Punkt gebracht hat, das hat mich jedes Mal aufs Neue in Erstaunen versetzt. Da sagte ich mir immer wieder: „Ja, das ist es. Genau das ist diese Person im Kern ihres Wesens.“

Mein Dank gilt allen, die sich für das Zustandekommen dieser Ausstellung tatkräftig eingesetzt haben. Vor allen anderen natürlich Ihnen, Frau Dr. Vera Bachmann, der Schwiegertochter Horst Hanskes. Sie haben ganz hervorragend diese Ausstellung kuratiert. Ebenso danke ich Ihnen, Herr Verleger Peter Esser, weil Sie Ihr Verlagshaus dafür geöffnet haben.

80 Jahre ist Horst Hanske heuer geworden. Ihn und sein Lebenswerk aus diesem Anlass zu ehren, dafür findet diese Ausstellung statt. Leider kann er persönlich wegen seiner Demenz-Erkrankung nicht bei uns sein. In seinen Bildern, seinen wunderbaren Zeichnungen und einigen seiner feuilletonistischen Arbeiten ist er jedoch voll präsent. Alle Arbeiten zeugen von seiner Liebe zu unserer Stadt, von seiner Sympathie zu den Menschen, von seiner kritischen, aber immer auch positiven Haltung zum Auf und Ab einer Stadt-Gesellschaft. 

Fast ein halbes Jahrhundert hat er als Fotograf, journalistischer Schreiber und treffsicherer Zeichner die Entwicklung Regensburgs begleitet. Mit umgehängter Kamera auf dem Fahrrad oder dem Motorrad gehörte er im Stadtbild zu dem Kreis der Menschen, die das typisch Regensburgerische ausmachen. Hanske war journalistischer Chronist und gleichzeitig Bürger unter Bürgern. Er hat mitgefeiert, sich mit allen anderen gefreut, er hat mitgeschimpft und mitdiskutiert. Er stand nie abseits oder gar über den Dingen. Hanske war stets mittendrin im Geschehen. Und das ist ja auch der Grund, warum er so authentisch fotografieren, zeichnen und schreiben konnte. 

Ob im Leeren Beutel oder in der Alten Mälzerei, ob im Theater oder im Audimax der Universität, ob im Orphèe oder im Café zum Goldenen Kreuz am Haidplatz oder in der Wurschtkuchl, beim Kneitinger oder im Hofbräuhaus: Horst Hanske war als WOCHE-Fotograf überall mit von der Partie. Ob bei den Großkopferten und ihren Festen oder bei den Radifrauen oder den Rentnerinnen im Saueren Gockel, dem Bürgerheim Kumpfmühl - man kannte und schätzte ihn. Auf wen er das Objektiv seiner Kamera gerichtet hat, der fühlte sich geehrt. Und wenn er dann noch in einer kleineren Runde Zeichenblock und Stift hervorholte und mit flinken Strichen den einen oder die andere der Anwesenden porträtierte, dann war er der Hahn im Korb bei allen.

Wenn wir Horst Hanske, den Chronisten Regensburgs über Jahrzehnte hinweg nennen, dann ist das richtig. Trotzdem greift diese Bezeichnung wohl etwas zu kurz. Er präsentierte sich ja selbst als so etwas wie ein Lebenskunstwerk. Indem er in der Fotografie, in seinen Zeichnungen und seinen kleinen Essays künstlerische Qualität entwickeln konnte, hat er mehr geschaffen als Dokumentation. Er hat ein Stück jüngster Stadtgeschichte mit ihren Menschen und ihrer ganz besonderen Atmosphäre für die Zukunft fixiert. Und genau da kann die Kunst mehr leisten, als es der reine, nüchterne Nachrichtenstil vermag. Für das künstlerisch gesicherte Bild Regensburg sind wir Horst Hanske dankbar.

Die Stadt Regensburg und ihre Verantwortlichen sehen es als ihre kulturelle Aufgabe an, das Werk Horst Hanskes für die Nachwelt zu bewahren. Sein gesamtes fotografisches Archiv wurde ja vor einiger Zeit von der Stadt erworben. Es wird zurzeit aufbereitet, um es Interessierten zugänglich, aber auch für weitere Ausstellungsprojekte nutzbar zu machen. Da gibt es sicher noch vieles zu entdecken. Ebenso hat das Stadtmuseum eine Reihe von Zeichnungen erworben. Auch hier ist noch einiges zu tun, um der gesamten Fülle des zeichnerischen Talents Horst Hanskes gerecht zu werden.

Meine Damen und Herren,
lassen sie mich noch auf einen besonderen Aspekt dieser Ausstellung verweisen. Sie ist eine Gemeinschaftsleistung der Familie Hanske, der Stadt Regensburg und des Verlagshauses der Mittelbayerischen Zeitung. Wo sonst, wenn nicht hier musste diese Ausstellung gezeigt werden. Ist doch die journalistische Arbeit Hanskes über Jahrzehnte hinweg mit der MZ und ihrem munter-frechen Verlagsobjekt der Wochenzeitung die „WOCHE“ eng verbunden gewesen.

Die „WOCHE“ ist freilich Vergangenheit. Das Ausstellungsprojekt und seine Realisierung sind für mich aber ein Zukunftsmodell. Hier werden Kräfte aus unterschiedlichen Quellen gebündelt: Privates bürgerliches Engagement, die wirtschaftliche Beteiligung eines Medienhauses, die Ausstellungs-Routine und die Erfahrung der öffentlichen Hand. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns damit auf einen Weg begeben, der zukunftsweisend für das Kulturleben in unserer Stadt sein kann, ja auch werden muss. Die finanzielle und auch inhaltliche Verantwortung für Kultur - und das heißt ja auch für unsere Kultivierung - darf nicht ausschließlich von der Kulturverwaltung getragen werden. Lebendige Kultur speist sich aus allen Teilhabern unserer Gesellschaft. Da geschieht von Vereinen und Initiativen schon eine ganze Menge. Ein noch so phantasievolles Kulturmanagement kann eben nicht gemeinsame Anstrengungen für Kultur ersetzten. Kultur muss immer von möglichst vielen in einer Stadt initiiert und getragen sein.

Meine Damen und Herren,
wir Regensburgerinnen und Regensburger vergessen Horst Hanske nicht. Seine Bilder sind ein Stück von uns. Das, was er in seinen Fotografien, aber auch in seinen Zeichnungen und in seinen feuilletonistischen Artikeln geschaffen hat, ist ein wertvoller Beitrag zu Regensburgs Erinnerungskultur. Dieser Leistung und ihrem Schöpfer Horst Hanske sind wir verpflichtet.