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Verleihung des Umweltpreises 2014

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Verleihung des Umweltpreises der Stadt Regensburg am 15. Oktober 2014, 15 Uhr, im Kurfürstenzimmer

Anrede,

täglich beschäftigen uns Horrormeldungen über die Entwicklung unserer Umwelt, und unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Ich greife nur beispielhaft einige Meldungen aus der Mittelbayerischen Zeitung in den letzten Wochen heraus:

„Erde hält dem Raubbau nicht stand“ lautet eine Schlagzeile, darunter heißt es: „Besorgniserregende Studien zeigen Rückgang der Tierarten und eklatante Folgen des Klimawandels“

Oder:

„Wettlauf gegen die Katastrophe, der UN-Gipfel in New York soll endlich den Durchbruch in Sachen Klimaschutz schaffen. Viel Zeit bleibt den Mächtigen der Welt nicht mehr.“

Seit vielen Jahrzehnten ist der Schutz unserer Umwelt ein enorm wichtiges gesellschaftliches, politisches und wissenschaftliches Thema. Niemand zweifelt mehr ernsthaft daran, dass dringend Handlungsbedarf bei der Energieeinsparung, beim Ressourcenschutz und bei den Bemühungen im Bezug auf den Klimawandel besteht.

Die Dringlichkeit, das Ruder endlich herumzureißen, formuliert Eberhard Brandes, Vorstand der Umweltstiftung WWF, so: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind im Jahr 2030 zwei komplette Planeten nötig, um den Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken.“

Bei Diskussionen über Versäumnisse im Umweltschutz ist oft schnell ausgemacht, wer die Schuldigen sind und wer handeln muss: Es sind die Politiker, die Wirtschaft und die großen Industrienationen. Vergessen wird dabei aber nicht, dass wir beim Schutz der Umwelt alle gefragt sind und jeder von uns persönlich eine große Verantwortung trägt.

Auch die Städte können im Umwelt- und Klimaschutz und bei der Energieeinsparung einiges bewirken: Die richtigen Konzepte zur Stadtentwicklung, Bauleitplanung und Verkehrspolitik setzen Rahmenbedingungen für einen klimafreundlichen Alltag.

All das hat auch bei der Stadt Regensburg einen hohen Stellenwert. Wir haben ein eigenes Umwelt- und Klilmareferat unter der Leitung von Bürgermeister Jürgen Huber geschaffen.

Das ist jedoch nur ein wichtiger Schritt: Den Schutz von Umwelt, Klima und Energieressourcen sehen wir als Querschnittsaufgabe. Alle Referate, Ämter und Dienststellen richten ihre Arbeit so gut es geht danach aus.

So haben wir beispielsweise vor kurzem einen Energienutzungsplan erarbeitet - gemeinsam mit der Energieagentur Regensburg werden wir jetzt an die Umsetzung gehen.

Wichtig ist mir dabei, dass wir nicht in Diskussionen steckenbleiben, sondern konkrete Maßnahmen beschließen und umsetzen. Ich nenne hier nur das geplante Energiebildungszentrum, Gebäudesanierungsprogramme, Nahwärmekonzepte und vieles mehr.

Der Schutz unseres Planeten erfordert nicht nur den großen Aktionsplan, sondern auch viele kleine Schritte direkt vor unserer Haustüre. Deswegen hat die Stadt Regensburg ihren Umweltpreis geschaffen. Bei der Bewertung der eingereichten Vorschläge werden besonders das Engagement und die Vorbildwirkung gewürdigt. Ausschlaggebend ist natürlich auch der Bezug zur Stadt.

Ich freue mich sehr, dass wir auch in diesem Jahr wieder aus einer ganzen Reihe von Vorschlägen auswählen konnten – das zeigt, dass in Regensburg nicht nur die Stadtverwaltung umweltschutzbewegt ist.

Sie, die Preisträger, zeigen eindrucksvoll, wie wichtig auch Ihnen das Thema Umwelt ist – und Sie beweisen, dass jeder von uns einen bedeutenden Beitrag leisten kann. Umwelt- und Klimaschutz muss nicht immer mit dem erhobenen Zeigefinger verbunden sein - wichtig sind bewusstes Handeln, Überzeugung und Initiative. Und davon haben die Preisträger auf jeden Fall eine ganze Menge gezeigt.

Es freut mich, dass ich nun den Umweltpreis 2014 und eine Reihe von Anerkennungsurkunden verleihen darf.

In der Kategorie Schulen/Initiativen erhalten die Miniköche gemeinnützige GmbH, Gruppe Regensburg, einen Umweltpreis. Die Miniköche sind ein europaweites Projekt mit etwa 150 Regionalgruppen und über 10 000 Kindern. Die Gruppe Regensburg besteht aus 22 Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Geleitet wird die Gruppe von Stephanie Fleiner, Romy Avila und Peter Greiner. Das aktuelle Projekt der Miniköche Regensburg läuft von September 2014 bis Juni 2016. Den Kindern wird gesundes Essen und Trinken in einer intakten Umwelt nachhaltig näher gebracht. Die Miniköche treffen sich monatlich bei verschiedenen Gastronomen in der Stadt Regensburg und im Landkreis.

Die Miniköche haben sich im Jahr 2013 auch an zwei öffentlichen Aktionen der Stadt Regensburg beteiligt, nämlich mit einer Schnippeldisko zum Bürgerfest und dem Pressen von Apfelsaft am Tag der offenen Tür.

Zur Entgegennahme des Preises bitte ich nun die Teamleiter Stephanie Fleiner, Romy Avila und Peter Greiner zu mir.

Der gemeinnützige Verein Transition Regensburg e.V. ist seit Mai 2012 bei zahlreichen Projekten im Bereich Umweltschutz, Klimaschutz, Bildung und Nachhaltigkeit in Regensburg aktiv. Die Mitglieder bezeichnen sich gern als Teil einer weltweiten Bürgerbewegung, die sich als das größte soziale Experiment der Welt versteht. 200 aktive Mitglieder hat die Bürgerbewegung Transition Regensburg mittlerweile – alle engagieren sich ehrenamtlich.

Urban Gardening ist sicherlich das bekannteste Projekt, daneben gibt es aber auch noch eine ganze Reihe von anderen Aktivitäten. So zum Beispiel

  • die Lebensmittelkooperative: Lebensmittel werden regional, saisonal und ökologisch eingekauft,
  • die Transition Küche für alle: jeden Sonntag wird mit „geretteten“ Lebensmittel gekocht.

Dazu gibt es den Umsonstladen, wie auch Aktivitäten zum Reparieren und zum Tauschen. Die Transition Regensburg hat sich auch an der Apfelaktion zum Tag der offenen Tür der Stadt Regensburg beteiligt.

Auch hierfür nochmal herzlichen Dank.

Allen Aktiven geht es darum, sich mit Kopf, Herz und Hand für eine klima-, menschen- und umweltfreundliche, enkeltaugliche und postfossile Stadt einzusetzen.

Für alle diese Aktivitäten darf ich der Transition Regensburg e.V. nun den Umweltpreis der Stadt überreichen. Stellvertretend für den Verein nimmt Birgit Vogl unsere Auszeichnung entgegen.

In der Kategorie Firmen haben die Preisträger des Jahres 2014 deutlich gezeigt, dass Umweltschutz und Wirtschaft kein Widerspruch sind. Wirtschaftskraft und umweltschonende Maßnahmen können sich gegenseitig antreiben, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Die Stadt Regensburg ist seit dem Jahr 2012 Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“. Umso mehr sind wir erfreut, dass Infineon Regensburg als erster Regensburger Industriebetrieb einen Biodiversitäts-Check hat durchführen lassen, um seine Umweltaktivitäten zu beleuchten und zu verbessern. Im Rahmen eines solchen Berichtes kommen Stärken und Schwächen ans Licht.

Die Firma Infineon hat sich aber damit nicht zufrieden gegeben, sondern hat ausgehend von den Einschätzungen des Gutachtens acht Ziele und Maßnahmen definiert, um den Einfluss der Firma auf die Umwelt zu reduzieren. Es geht hier hauptsächlich um den Klimaschutz – Infineon kümmert sich hier um das Jobticket, um Kühl- und Lösemittel, um den Energieverbrauch, um Photovoltaik-Anlagen und um E-Mobilität.

Aber auch Themen, die sich unmittelbar mit der Artenvielfalt beschäftigen, spielen eine große Rolle: die Umweltschulung wurde um den Themenkreis Arten- und Lebensraumvielfalt erweitert und auf dem Firmengelände wurden weitere Grünflächen geschaffen.

Der betriebliche Umweltschutz ist für die Infineon Technologie AG am Standort Regensburg seit vielen Jahren von hoher Bedeutung. Ökologische Effizienz und Nachhaltigkeit wurden dem Betrieb mehrfach bestätigt. Infineon nimmt bei der Berücksichtigung der Biodiversität eine Vorreiter- und Beispielfunktion für alle Regensburger Institutionen, wie auch für Gewerbe- und Industriebetriebe ein.

Ich bitte Dr. Erwin Hammerl, den Sprecher der Infineon- Betriebsleitung, zu mir.

Regensburg ist mit seinen bedeutenden Firmen und seinen Hochschulen ein wichtiger Ort, von dem aus regelmäßig Innovationen im Bereich der Energietechnik in die Welt hinausgetragen werden.

In enger Zusammenarbeit der Maschinenfabrik Reinhausen und der Ostbayerischen Technischen Hochschule wurde der regelbare Ortsnetztransformator entwickelt - ein weiterer Meilenstein der Energietechnik.

Dieser regelbare Ortsnetztransformator wird helfen, die Energiewende wirtschaftlich und mit hoher Versorgungssicherheit umzusetzen. Durch den Einsatz von Photovoltaikanlagen, Windrädern und Biogasanlagen ist plötzlich ein neues Thema in den Fokus gerückt.

Unabhängig davon, ob gerade der Wind weht oder die Sonne scheint, müssen Verteilungsnetzbetreiber sicherstellen, dass sich die Stromspannung, mit der Privat- und Gewerbekunden versorgt werden, innerhalb eines bestimmten Bereichs bewegt.

Dies ist sowohl für die Stabilität der Netze wie auch für die Sicherheit der Verbraucher von großer Bedeutung.

Die herkömmliche Maßnahme für die Behebung des geschilderten Problems ist die Verlegung von zusätzlichen Leitungen. Das ist aber teuer und führt zu Eingriffen in die Landschaft.

Doch jetzt gibt es eine Alternative: den regelbaren Ortsnetztransformator aus Regensburg. Dieser spezielle Transformator ist in vielen Fällen wirtschaftlicher als die Verlegung von zusätzlichen Leitungen.

Seit Ende 2012 ist das Produkt serienreif verfügbar und bereits über 300 Einheiten mit der Technologie der Maschinenfabrik Reinhausen wurden verkauft. Damit die Netzbetreiber diese neue Technologie bestmöglich umsetzen, bietet die OTH Regensburg ihre Unterstützung bei technischen und wirtschaftlichen Fragen rund um das Produkt – und die OTH berät auf Regierungsebene, wie die neue Lösung in verschiedenen Richtlinien verankert werden kann.

Regensburg ist damit zum Ausgangspunkt für eine neue Technologie geworden, die mit Sicherheit langfristig Arbeitsplätze schafft und erheblich dazu beiträgt, die Energiewende bei uns und international voranzubringen.

Ich bitte nun Dr. Wolfgang Baier von der OTH Regensburg und Dr. Meier-Scheubeck von der Maschinenfabrik Reinhausen zur Überreichung des Umweltpreises zu mir.

Nach den vier Umweltpreisen ist es mir nun eine Ehre, vier Anerkennungsurkunden zu verleihen. Die erste Urkunde geht an das Berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger. Mit der Aktion „Sei dein Energiemanager“ werden etwa 120 Schülerinnen und Schüler im umweltgerechtem Verhalten geschult.

Dabei haben Lehrer und Schüler gemeinsam und mit großem Engagement den Zusammenhang von Energieverbrauch, CO²-Emissionen, Temperaturanstieg, Treibhauseffekt und Klimawandel vorgestellt. Ausgehend von der Theorie wurden praktische Einsparmöglichkeiten erarbeitet. Gerade die junge Generation wird in Zukunft entscheidend den Wandel in unserer Gesellschaft mitbestimmen.

Schülerinnen und Schüler, die sich heute mit dem Thema Umweltschutz konstruktiv befassen, werden dies auch in Zukunft tun. Die Erfahrung hat ihnen nämlich gezeigt, dass Umweltschutz keine Einschränkung bedeutet und auch einen Beitrag zur Kostensenkung leistet.

Für das Berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger bitte ich nun Studiendirektor Zitzelsberger und Studienrat Krämer zu mir.

Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern hat im Jahr 2013 einen Brutvogelatlas für die Stadt Regensburg herausgegeben. Der Titel lautet „Die Brutvögel der Stadt Regensburg und ihre Bestandsentwicklung von 1982 bis 2012“.

Es handelt sich um eine fundierte Kartierung und vergleichende Betrachtung der Brutvogelbestände in der Stadt Regensburg. Es wurde akribisch genau und in wissenschaftlich fundierter Weise eine Bestandserfassung durchgeführt. Diese Bestandserfassung ist die Basis für Maßnahmen zum Schutz, der Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft sowie zur Förderung der Artenvielfalt.

Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern ist heute vertreten durch Dr. Richard Schlemmer, Armin Vidal und Prof. Dr. Günther Hausler, denen ich die Auszeichnung überreichen darf.

Die Firma Heinz Träg GmbH hat mit ihrer neuen Lackieranlage wesentlich zur Energieeinsparung beigetragen. Mit einer neuen Lackieranlage konnte die benötigte Luftmenge von 12 000 Kubikmetern pro Stunde auf 7500 vermindert werden. Im Winter muss deshalb weniger kalte Luft auf Raumtemperatur erwärmt werden.

Eine Wärmerückgewinnung über einen Kreuzstromwärmetauscher entzieht der Abluft die Wärme und gibt sie an die kalte Frischluft ab. Statt einer ursprünglichen Leistung von 184 kW werden mit der neuen Anlage nur noch 46 kW benötigt.

Die Firma Träg GmbH hat mit der neuen Lackieranlage einen wichtigen Beitrag zur Energieeinsparung, Energieeffizienz und Kohlendioxidvermeidung in Regensburg geleistet. Gleichzeitig hat sie gezeigt, dass eine innovative Technik nicht nur der Umwelt dient, sondern zugleich auch Kosten spart.

Ich darf die Anerkennungsurkunde nun an Andreas Träg überreichen.

Die Feinkostmetzgerei Schmid ist schon seit Jahren für ihren betrieblichen Umweltschutz und für ihr Engagement im sozialen Bereich bekannt. Das außergewöhnliche Engagement der Firma Feinkost Schmid reicht zurück bis in das Jahr 1997. Ständige betriebliche Verbesserungen haben einen eindeutigen Beitrag zum Schutz der Umwelt geleistet und damit Rohstoffe und Energie eingespart.

Auch im sozialen Bereich hat sich die Firma immer wieder engagiert – beispielsweise beim Sponsoring der Ökospielkisten für Regensburger Kindergärten und bei verschiedenen Spendenaktionen – wie unter anderem an den Bund Naturschutz für das Projekt „Förderung sinnvoller Umwelterziehung“.

Die Firma Feinkost Schmid zeigt bereits seit Jahren, dass unternehmerisches Handeln und Umweltschutz sich gegenseitig bestens ergänzen.

Ich darf nun Gerhard Schmid zu mir bitten.

Allen Preisträgerinnen und Preisträgern danke ich persönlich und im Namen der Stadt für Ihren Einsatz für die Umwelt in Regensburg.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch bei allen, die heute zwar nicht geehrt worden sind, die sich aber in verschiedensten Funktionen und in unterschiedlichster Weise für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen einsetzen.

Sie alle gestalten unsere Stadtgesellschaft mit, sie alle haben Verantwortung für die Zukunft übernommen, und sie zeigen vorbildhaft, dass wir alle gemeinsam unsere Lebensbedingungen positiv gestalten können.

Einen besonderen Dank sage ich den Miniköchen, die uns heute mit ihren selbstgemachten Häppchen noch verwöhnen werden.