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Stadtfreiheitstag 2014

-Es gilt das gesprochene Wort-

Eingangsrede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich des Stadtfreiheitstages 2014 am Samstag, 15. November 2014, um 20 Uhr im Historischen Reichssaal

Anrede

Wenn wir über Freiheit reden, dann ist zumindest eines unstrittig: Die Menschen haben sich immer und überall ihre Freiheit hart erstreiten und erarbeiten müssen.

Nur in ganz seltenen Fällen gibt es Freiheit geschenkt – und so einen Ausnahmefall hat Regensburg am 10. November 1245 erlebt: An diesem Tag erhob Kaiser Friedrich II. mit dem Edikt von Pavia Regensburg zur freien Reichsstadt. Mit diesem Tag war Regensburg so frei, wie eine Stadt damals nur frei sein konnte.

Ich glaube, wir können heute gar nicht mehr ermessen, was die Erhebung zur Reichsstadt vor fast acht Jahrhunderten bedeutet hat - welchen gewaltigen Schritt vorwärts die Regensburger Bürgerschaft damals tun konnte.

Kein Bayernherzog und kein Bischof hatte in der Stadt mehr das Sagen. Die Leibeigenschaft gab es nicht mehr. Regensburg war nur noch dem Kaiser unterstellt.

Auch wenn der Rat der Stadt damals noch weit von unseren heutigen demokratischen Wahlen entfernt war, auch wenn damals im Rathaus nicht die Vielschichtigkeit der Bevölkerung abgebildet war, so konnten sich die Bürgerinnen und Bürger doch endlich daran machen, ihr Schicksal in die eignen Hände zu nehmen.

Ohne Tatkraft gibt es keine Freiheit, hat der französische Lyriker und Literaturpreisträger Sully Prudhomme sinngemäß gesagt.

In diesem Satz ist grandios einfach die Erkenntnis zusammengefasst, dass Freiheit keine feste Größe ist: Am Erhalt und an der Erweiterung der Freiheit muss immer hart gearbeitet werden.

Wer die Freiheit als Selbstverständlichkeit nimmt, läuft Gefahr, diese Freiheit irgendwann zu verlieren.

Das gilt auch für unsere Stadt – wobei wir alle offensichtlich mit Erfolg daran gearbeitet haben, uns die errungene große Freiheit in jeder nur möglichen Hinsicht zu bewahren.

Regensburger Freiheit bedeutet heute zum Beispiel, dass hier gut 156 000 Menschen aus 150 Nationen friedlich und zufrieden zusammenleben.

Unsere Stadt ist so wie ihre Bürgerinnen und Bürger: dem Neuen gegenüber aufgeschlossen und traditionsverbunden, weltoffen und bodenständig, innovativ und geschichtsbewusst.

Mit großen sozialen Verwerfungen und Brennpunkten haben wir glücklicherweise nicht zu kämpfen.

Das liegt zu einem wesentlichen Teil daran, dass in unserer Stadt Wirtschaft und Wissenschaft sehr erfolgreich sind.

Das jeden Tag weiter verfeinerte Zusammenspiel von Ökonomie und Bildung hat Regensburg zu einem äußerst lebenswerten, liebenswerten und spannenden Mikrokosmos gemacht.

Hier lässt es sich um so vieles besser leben als in vergleichbaren Städten, die mit großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen zu kämpfen haben.

Unsere Regensburger Freiheit ist also sehr wesentlich auch eine finanzielle Freiheit. Vom Erfolg unserer Wirtschaftsunternehmen wie auch vom Fleiß und Können der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitiert Regensburg als Ganzes.

Bis zum Jahr 2018 kann die Stadt das größte Investitionsprogramm umsetzen, das Regensburg je erlebt hat.

Wir pflegen und erweitern unsere Infrastruktur und wir richten uns auf einen weiteren Einwohnerzuwachs ein.

Wir investieren in Kinderbetreuung, Bildung und Kultur.

Wir helfen, wo immer wir können, unseren bestehenden Betrieben, und wir unterstützen neue, innovative Wirtschaftszweige.

Wir schaffen die Voraussetzungen für den Bau weiterer, möglichst kostengünstiger Wohnungen, die in Regensburg dringend gebraucht werden.

Und wir kümmern uns um die Bürgerinnen und Bürger, die auf Hilfe angewiesen sind.

Keine Freiheit ohne Tatkraft: Mit diesem Credo wollen wir uns weiter für unsere Stadt einsetzen, ein jeder an seinem Platz und nach seinen Fähigkeiten.

Ich freue mich sehr, dass wir heute Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt ehren und auszeichnen können, die mit ihrer großen Tatkraft dazu beigetragen haben, dass Regensburg so erfolgreich und so frei ist wie noch nie in seiner Geschichte.

Zuvor aber möchte ich Sie – weil auch das zur Regensburger Freiheit gehört - zu musikalischer und multikultureller Lebenslust einladen: Sie wird serviert von Musikerinnen und Musikern, deren Konzerte ein wahres „Must go“ sind, wie wir auf neualtbairisch sagen.

Es ist mir eine große Freude, dass uns das Gerwin-Eisenhauer-Quartett durch diesen Festabend begleitet – mit der Sängerin Lisa Wahlandt, mit Walter Lang am Piano, Uli Zrenner-Wolkenstein am Kontrabass und Geff Eisenhauer am Schlagzeug.

Sie präsentieren uns jetzt das Stück „Aguas de Marco“, eine Bossa Nova des brasilianischen Komponisten Antonio Carlos Jobim.

Im weiteren Verlauf hören wir Popklassiker von Prince und vom unvergessenen Komponisten- und Texter Duo John Lennon und Paul McCartney – und schließlich noch eine Komposition von Walter Lang und Lisa Wahlandt mit dem Titel „Ocean“.

Bitte begrüßen Sie mit mir das Geff-Eisenhauer-Quartett.

Viel Vergnügen!