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Jahrestagung von „Business and Professional Women“

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Jahrestagung von „Business and Professional Women“ (BPW) und „BPW Danube Net“ am Freitag, 7. November 2014, 18 Uhr, im Historischen Reichssaal

Anrede

Es ist mir eine große Freude, Sie im historischen Reichssaal willkommen zu heißen. Es ist eine gute Tradition, dass die Stadt ihre besonderen Gäste in diesem Saal empfängt. Regensburg hat eine lange und reiche Geschichte – und einige sehr wichtige Kapitel dieser Geschichte haben sich hier im Reichssaal zugetragen.

Zuerst diente er der Bürgerschaft als Tanzsaal, danach zog die große Politik ein: Von 1663 bis 1806 tagte hier der Immerwährende Reichstag. Er war damals das wichtigste politische Gremium in Deutschland – und er hatte eine starke europäische Dimension. Deswegen waren regelmäßig die deutschen Kaiser in unserer Stadt, um wichtige Beratungen des Reichstags zu leiten. Die Kaiser – oder ihre Stellvertreter - saßen übrigens hier hinter mir, auf dem Holzthron unter dem Baldachin. Mit den großen Herrschern kam die große Welt nach Regensburg – und mit ihr Diplomaten, Geschäftsleute und Künstler aus zahlreichen europäischen Ländern.

Was wir heute als große EU-Politik in Brüssel oder Straßburg sehen, das hatte Regensburg damals auch ungefähr so, nur etwas kleiner. Letztendlich war der Immerwährende Reichstag ein früher Vorläufer des Parlamentarismus und der gesamteuropäischen Zusammenarbeit. Damit war Regensburg während der 143 Jahre des Immerwährenden Reichstags eine der großen politischen Bühnen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Damals erlebte unsere Stadt eine ihrer großen Blütezeiten – wie schon zuvor im Mittelalter, als Regensburg eine der bedeutendsten Handelsstädte im damaligen Europa war und zudem ein Zentrum der Lehre, der Wissenschaft und der Forschung.

Ich hoffe, dass der sehr enge Terminkalender Ihrer Tagung noch ein wenig Zeit frei lässt, damit Sie unsere Stadt kennenlernen können.

In meinen Augen gehört Regensburg unbedingt zu den schönsten Städten Europas – und das sage ich nicht, weil ich der Oberbürgermeister dieser wunderbaren Stadt bin, sondern weil ich so fühle wie sehr, sehr viele Bürger und wie sehr, sehr viele Touristen, die uns besuchen. Wer einmal unser ganz besonderes Regensburger Gefühl gespürt hat, wird immer danach Sehnsucht haben.

Unsere Altstadt und der Stadtteil Stadtamhof am nördlichen Donauufer gehören mit ihren fast 1000 Baudenkmälern seit 2006 zu den Welterbestätten der UNESCO. Der Dom, die Steinerne Brücke, das Alte Rathaus – gleich hier nebenan – oder auch der Reichssaal sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Die Altstadt gilt als die einzige noch weitgehend erhaltene mittelalterliche Großstadt in Deutschland.

Bei einem Spaziergang werden sie es spüren: Überall in dieser Stadt ist der Atem einer fast 2000-jährigen Geschichte spürbar. Dieses ganz besondere Flair macht unsere Stadt bis heute unverwechselbar.

Wir schöpfen aber nicht nur aus der reichen Vergangenheit unserer Stadt – wir arbeiten intensiv an einer permanenten Verbesserung unserer Gegenwart und einer noch besseren Zukunft.

Vor etwa vier Jahrzehnten begann in Regensburg ein bedeutender Aufschwung der Wirtschaft und der Wissenschaft. Wir bekamen eine Universität und eine Universitätsklinik. Der Automobilkonzern BMW errichtete hier ein großes Werk. Das waren die wichtigsten Auslöser für den enormen Aufschwung unserer Stadt.

Heute ist Regensburg einer der erfolgreichsten und dynamischsten Standorte für Wirtschaft und Wissenschaft in Deutschland und in Europa. Fast 140 000 Arbeitsplätze hat unsere Stadt – bei knapp 156 000 Einwohnern.

Biotechnologie, Elektrotechnik, Maschinenbau, Sensorik, Automobilbau, IT-Sicherheit, Elektromobilität, Ideen für die Förderung erneuerbarer Energie: All diese Wachstumsfelder sind eng mit unserer Stadt Regensburg verbunden. Aus Regensburg kommen Kult-Hausmachersenf und das Licht der Zukunft.

In Regensburg gibt es aber nicht nur Global Player, sondern auch eine große Anzahl mittelständischer Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, die die feste Basis für unseren Erfolg bilden. Und wir haben eine erstaunliche Anzahl von jungen Start-up-Unternehmen, die an Technologien und Dienstleistungen der Zukunft arbeiten.

Eine große Rolle spielen dabei zahlreiche Kooperationen zwischen Regensburger Unternehmen und den beiden Hochschulen, an denen mittlerweile rund 30 000 junge Menschen aus Deutschland, aber auch aus ganz Europa studieren.

Regensburg ist eine Blaupause dafür, wie eine europäische Stadt der Zukunft aussehen kann: Sie ist weltoffen und mit ihren Traditionen verbunden. Sie hat die ganze wirtschaftliche Palette von traditionellem Handwerk bis hin zum High-Tech-Arbeitsplatz zu bieten. Sie verfügt über ein hervorragendes Bildungssystem und eine hohe Lebensqualität.

Mindestens genauso wichtig ist, dass in einer Stadt Respekt, Fairness, Toleranz und damit sozialer Frieden zuhause sind. Das wird in Zukunft von noch größerer Bedeutung sein als heute. In Regensburg leben Menschen aus fast 150 Nationen friedlich zusammen. Andere Sprachen, Kulturen und Religionen trennen unsere Menschen nicht – sie führen sie zusammen.

Eine Stadt wird den Idealzustand, von dem wir alle träumen, nie erreichen – aber wir arbeiten daran, dass mit jedem Tag etwas besser wird. Dazu gehört auch eine bestmögliche Förderung und Unterstützung der beruflichen Entwicklung von Frauen: Damit hat die Regensburger Stadtverwaltung schon vor langer Zeit angefangen.

Die Stadt zählt derzeit rund 3300 Beschäftigte - fast die Hälfte davon sind Frauen, und eine ganze Reihe von Frauen arbeiten für die Stadt in Führungspositionen. Mit attraktiven Jobmodellen will die Stadt im Wettbewerb auch um die besten weiblichen Fachleute Punkte sammeln – dazu gehört, dass wir gerade Frauen spezielle Teilzeitmodelle anbieten.

Und dazu gehört eine Initiative, die es zum Ziel hat, bei der Stadt und in den Regensburger Unternehmen mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Grundsätzlich ist es für einen modernen Arbeitgeber wichtig, für Frauen familien-freundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Es ist zudem wichtig, dass sich Frauen entscheiden können. Wenn sie es wünschen, dann sollen sie die Möglichkeit haben, sich in ihrem Beruf und an ihrem Arbeitsplatz weiter qualifizieren können. Sie sollen genauso Karriere machen können wie ihre männlichen Kollegen.

Dafür muss das Umfeld stimmen: In Regensburg gibt es für Kinder ab drei Jahren genügend Kindergartenplätze. Und bei der Betreuung kleinerer Kinder in Kindertagesstätten sind wir sehr gut aufgestellt. All die großen und kleinen Erfolge, die uns in Regensburg gelungen sind, sind die Ergebnisse langer, hartnäckiger und harter Arbeit. Und wir hatten auch Glück, dass die großen politischen Veränderungen in Osteuropa fast vor unserer Haustüre stattgefunden haben.

Seit der Öffnung der Grenzen und seit der EU-Erweiterung nach Osten liegen wir nicht mehr am einsamen Rand der Europäischen Union, sondern mittendrin. Davon hat Regensburg enorm profitiert. Und ich wünsche mir, dass von dieser Öffnung auch viele Unternehmen und Firmengründungen in unseren östlichen Nachbarstaaten profitieren können.

Ich hoffe sehr, dass Sie, meine sehr verehrten Damen, viele Anregungen, Ideen und Lösungsmöglichkeiten von Ihrer Tagung in Regensburg mitnehmen können. Ich hoffe weiterhin, dass Ihnen Zeit bleibt, unsere Stadt zumindest ein bisschen zu genießen.

Und schließlich wünsche ich mir, dass es Ihnen gelingt, Europa jeden Tag ein kleines bisschen besser zu machen.

Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg.