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Umweltpreisverleihung 2012

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Ehrung der Umweltpreisträger 2012 am Dienstag, 09. Oktober 2012, um 14.15 Uhr im Kurfürstenzimmer


Sehr geehrte Damen und Herren,

1992 hat die Stadt Regensburg erstmalig für besondere Verdienste und Leistungen auf den Gebieten des Umwelt- und Naturschutzes Einzelpersonen, Privatinitiativen, Schulen sowie produzierendes Gewerbe mit einem Umweltpreis gewürdigt. Regensburg war damals eine der ersten Städte in Deutschland die mit der Auslobung eines Wettbewerbes für besondere Verdienste um den Umweltschutz ein beispielgebendes Pilotprojekt gestartet hat. Heute gibt es eine kaum mehr überschaubare Fülle von vergleichbaren Auslobungen auf europäischer oder auch nationaler Ebene und es sind nicht mehr nur die Kommunen, sondern auch private Institutionen oder Stiftungen, die mit diesen Wettbewerben das Engagement für den Schutz und den Erhalt unserer Lebensräume würdigen. Auch die Stadt Regensburg hat in den letzten Jahren selbst an solchen Wettbewerben teilgenommen und gewann den bundesweit renommierten Umweltpreis der Brauerei Lammsbräu aus Neumarkt für ökologisches unternehmerisches Denken einer Behörde. Zweimal erhielt die Stadt Regensburg auch von der Deutschen Umwelthilfe die Auszeichnung „Klimakommune“.

Es genügt aber nicht, wenn eine Kommune mit Vorbildcharakter eigene Projekte verwirklicht. Erfolgreicher Umweltschutz setzt Eigeninitiative und die Überzeugung voraus, einen Beitrag für unsere Lebensbedingungen auch ohne gesetzliche Vorgaben erfüllen zu wollen. Die Kommunen können hier mit ihren Projekten Anstoßfunktion für Eigeninitiative unserer Stadtgesellschaft liefern.

Hier dürfen wir alle nicht nachlassen. Unsere Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz, Ressourcenschonung, Abfallverminderung oder Energieeinsparung hat Früchte gezeigt. Es gibt heute, 20 Jahre nach der ersten Auslobung unseres Umweltpreises, eine Fülle von gesetzlichen Vorgaben oder finanziellen Anreizen für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für das produzierende Gewerbe. Wärmedämmung, Energieeinsparungsmodelle, Blockheizkraftwerke, Nutzung von Windkraft, gehören damit wie selbstverständlich zu unserem Leben.

An einem Tag wie heute möchte ich aber auch auf ein neues Projekt der Stadt Regensburg hinweisen, das bisher weder in den Medien noch in der Stadtgesellschaft so richtig wahrgenommen wurde. Es wird aber helfen, unsere Lebensbedingungen in einer Stadtgesellschaft nachhaltig attraktiv zu gestalten. Im Februar 2012 hat die Stadt Regensburg gemeinsam mit 59 anderen Kommunen in Deutschland ein Bündnis für Biodiversität gegründet, um sich gemeinsam einer Aufgabe zu stellen: dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung von biologischer Vielfalt. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit vollzieht sich weltweit ein schleichender Artenschwund. Allein in Deutschland sind von den etwa 16.000 vorkommenden heimischen Tierarten etwa 35 Prozent in ihrer Existenz bedroht. Auch Regensburg ist hiervon betroffen. Meistens aus Unkenntnis werden die Lebensräume von den für Regensburg so typischen Mauerseglern oder Fledermausarten durch Sanierungsarbeiten an alten Gebäudebeständen zerstört. Der heute so modern gewordene Rollrasen mindert die Lebenschancen vieler einheimischer Vogelarten wie z. B. dem Gartenrotschwanz. Auch den Spatzen wird der Lebensraum entzogen, insbesondere wenn aus Kostengründen bei Grünraumgestaltungen gespart wird. Nur mit einem Minimum an pflegeleichten Grünpflanzen lässt sich Artenvielfalt nicht erhalten.

Mit dem Bündnis für Biodiversität will die Stadt darauf hinwirken, unseren Lebensraum lebenswert und attraktiv zu erhalten. Nur eine intakte Stadtnatur wirkt sich auf die Luftqualität oder das Stadtklima auch positiv aus. Wir brauchen Hof-, Dach- und Fassadenbegrünungen, um insbesondere bei dem durch eine Klimaerwartung prognostizierten Temperaturanstieg die Lebensqualität der Menschen zu schützen. Mit unserem Bündnis demonstrieren wir, dass Verwaltung und Politik gemeinsam ein Ziel im Auge haben müssen, nämlich urbane Räume durch ökologisch orientierte Planung im Einklang mit Biodiversitäts- und Klimaschutzzielen zu gestalten und zu entwickeln.

Die Stadt setzt dieses Engagement auch konsequent in die Tat um. So haben wir in Burgweinting wertvolle Gewerbeflächen in Feuchtbiotope umgewandelt, um geschützten Vogelarten den Lebensraum zu erhalten. Auch für das geplante Fußballstadion stellen wir über 2 Hektar Grundstücksfläche für habitatserhaltende Maßnahmen zur Verfügung. Die Stadt bekennt sich also mit Wort und Tat zu Biodiversität!

All unser Bemühen nutzt aber nichts, wenn nicht engagierte Bürgerinnen und Bürger, private Initiativen, Handel und Gewerbe in einer Stadtgesellschaft mit eigenen Vorstellungen und Aktivitäten all die vorgenannten Ziele mit Leben erfüllen. Unter diesem Aspekt bin ich sehr stolz darauf, auch im Jahre 2012 eine Fülle von Umweltpreisen und Anerkennungsurkunden überreichen zu dürfen.

In der Kategorie Schulen/Initiativen erhält einen Umweltpreis das Albrecht-Altdorfer-Gymnasium mit einem Beitrag von 11 Schülerinnen und Schülern, die zu dem Forschungsprojekt „Urbane Strategien zum Klimawandel - Kommunale Strategien und Potentiale“ den arbeitsintensiven Beitrag „Biomonitoring im Stadtgebiet von Regensburg“ verfasst haben. Die Schülerinnen und Schüler haben mit umfangreichen Messungen und zeitaufwendigen Befragungen von Bürgerinnen und Bürgern eine Fülle von Datenmaterial zur Lebensqualität der Innenstadt dokumentiert. Die Ergebnisse ihres Projekts wurden im Rahmen des städtischen „Klimaanpassungs-Workshop“ öffentlich präsentiert und wurden auf der Homepage der Stadt Regensburg integriert.

Ich darf nun den Preis an den Schulleiter Herrn OStD Utz, an den Projektleiter Herrn Goppel sowie an die Schülerinnen und Schüler des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums in cumulo überreichen.

Der Kindergarten St. Christophorus hat sich ein Jahresthema gegeben: „Mit Energie durchs Jahr“. Monat für Monat wurden Umweltschwerpunkte wie „Energie und Mobilität“, „Licht und Wärme“, „Müll und Wachstum“, „Wasser und Sonne“ in den Tagesablauf integriert. Besonders erfreulich ist auch die Einbindung der Eltern, die mitgeholfen haben, anhand von praktischen Beispielen die erarbeiteten Themen auch zu dokumentieren. Besonders lobend muss auch das gesamte Personal hervorgehoben werden, da mehrere Mitarbeiterinnen eigens Fortbildungsveranstaltungen besucht haben, um sich dem Thema fachlich kompetent widmen zu können.

Ich bitte Frau Niebling zur Übergabe des Preises nach vorne.

In der Kategorie Firmen hat die BMW AG Regensburg einen Umweltpreis für ein beispielhaftes Engagement zur Senkung des Energieverbrauches und der nachhaltigen und effizienten Nutzung von Energie zugesprochen bekommen. Die Firma BMW AG hat einen Energiesteuerkreis gebildet, der an sämtlichen werksinternen Erweiterungen, Optimierungsmaßnahmen, Neubauten oder Installation technischer Neuerungen eingebunden wird. So konnten z. B. im Presswerk Energiemengen um zwei Drittel gesenkt werden, oder bei der Lichtsteuerung neue Technologien eingesetzt werden, mit denen ein selbständiges Regulieren der Beleuchtungsstärke je nach den Gegebenheiten zu einer Energieeinsparung führt. Insgesamt hat sich die Firma BMW bereits langfristig eigene und anspruchsvolle Unternehmens- und Werkziele auf dem Gebiet des Klimaschutzes unter Minimierung der CO2-Ausstöße gesetzt. Der Gesamtenergieverbrauch des Werkes konnte von 2004 bis 2011 trotz kontinuierlichen Produktionssteigerungen um 30 Prozent minimiert werden.

Stellvertretend für die BMW AG nimmt Herr Hacker den Preis entgegen.

Ebenso in der Kategorie Firmen erhielt die energie.medien.agentur GmbH gemeinsam mit der Energie-Medien-Weinberg GmbH für herausragende Leistungen zum Thema „Nahwärmeversorgung eines Wohnquartiers“ einen Umweltpreis. Extra für das Baugebiet wurde eine Systemsteuerung zum Einsatz von solarer Energie und Biomassenutzung konzipiert. Damit kann ein solarer Deckungsgrad von 20 Prozent erreicht werden. Für das Baugebiet wird ausschließlich regenerative Energie aus Biomasse für die gesamte Heizwärme und Brauchwassererwärmung neben der Solarenergie verwendet. Darüber hinaus speist ein Nahwärmenetz überschüssige Wärme aus Kollektoren einzelner Gebäude in das Netz ein.

Stellvertretend für die energie.medien.agentur GmbH nimmt Herr Sattler, sowie für die Energie.Medien.Weinberg GmbH Herr Dr. Schungl den Preis entgegen.

In der Kategorie Firmen erhält die Firma Itrac-Repair Service GmbH für herausragende Leistungen zur Abfallvermeidung und Wiederverwendung von Wertstoffen einen Umweltpreis. Die Firma bietet für Industrie- und Gewerbekunden sowie für Privatkunden Reparaturleistungen für LCD-, LED- und Plasma-Displays, Systemplatinen und Unterhaltungselektronik an. Ein Reparaturangebot ist kostenlos, Arbeitsleistungen werden nur bei erfolgreicher Reparaturleistung verrechnet. Mit diesem System trägt die Firma beispielhaft zur Einsparung von Rohstoffen sowie zur wesentlichen Verlängerung des Lebenszyklusses von Elektronikgeräten bei. Gleichzeitig dient der Betrieb der Firma dem Klimaschutz, da weite Transportwege zu zentralen Reparaturstellen in Europa durch die Vorortreparatur in Regensburg aufgegeben werden können.

Ich darf Herrn Aumer zu mir nach vorne bitten.

Nach den fünf Umweltpreisträgern ist es mir eine Ehre, auch zwei Anerkennungsurkunden zu verleihen. Der Verein regenics e.V., bestehend aus etwa 50 Studenten verschiedenster Fakultäten der Hochschule Regensburg hat einen mit Elektromobilität betriebenen Rennwagen entwickelt und gebaut. Das Fahrzeug trägt u. a. auch den Schriftzug „Regensburg“ als Logo. Mit der Anerkennungsurkunde soll das Engagement und die innovative Entwicklungsarbeit der Studenten gewürdigt werden.

Die Urkunde darf ich nun Frau Ullmann und Herrn Stahl aushändigen.

Zuletzt freut es mich noch, auch den VerbraucherService Bayern im Katholischen Deutschen Frauenbund e.V. mit einer Anerkennungsurkunde auszuzeichnen. Der Verbraucher Service Bayern engagiert sich mit jährlich wechselnden Schwerpunkten im Bereich Verbraucherschutz und Umwelt. Für die Projektjahre 2011 und 2012 wurden die Themen „Gesund leben – bewusst einkaufen“ sowie „Lebensmittel zu schade für den Müll“ gewählt. Mit intensiven Beratungen, Informationsveranstaltungen, Prospektmaterial füllten die Mitarbeiter des Verbraucher Service Bayern ihre Jahresthemen mit fachlichen Beiträgen aus. Das langfristige Engagement des Verbraucher Service Bayern soll deshalb auch öffentlich anerkannt werden.

Ich überreiche die Urkunde Frau Ertl stellvertretend für den Verbraucher-Service Bayern.