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Stadtfreiheitstag - Verleihung städtischer Auszeichnungen

-Es gilt das gesprochene Wort-

Laudationes von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Verleihung der Goldenen Bürgermedaille, der Stadtschlüssel, des Städtepartnerschaftspreises, des Kulturpreises, der Kulturförderpreise sowie des Prof.-Josef-Engert-Preises am Samstag, 12. November 2011, im Reichssaal des Alten Rathauses

 

Verleihung der Goldenen Bürgermedaille an Oberbürgermeisterin a.D., Stadträtin Christa Meier

Ich freue mich, heute meine Vorgängerin im Amt, Frau Oberbürgermeisterin a. D. Christa Meier, die vom Stadtrat verliehene Goldene Bürgermedaille der Stadt Regensburg überreichen zu dürfen. Die durch Magistratsbeschluss vom 30. April 1913 geschaffene Auszeichnung wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich um das Wohl oder das Ansehen der Stadt hervorragende Verdienste erworben haben.

Sehr geehrte Frau Meier, Sie wurden während des zweiten Weltkrieges geboren, Ihr Vater fiel als Soldat im letzten Kriegsjahr, Sie und Ihr jüngerer Bruder wurden von der Mutter alleine groß gezogen. Sie hatten es allein deshalb nicht leicht, sich zu behaupten. Aber mit Ihrer Zielstrebigkeit und Ihrem ausgeprägtem Pflichtbewusstsein setzten Sie sich auf allen Ihren Lebensstationen durch.

Nach dem Abitur studierten Sie Pädagogik für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen, waren zunächst in Aachen tätig, kehrten dann mit Ihrem Mann zurück nach Regensburg.

Seit 1972 gehören Sie dem Stadtrat der Stadt Regensburg an, 12 Jahre lang vertraten Sie zudem die Interessen Regensburgs im Bayerischen Landtag und leiteten als erste Frau in Bayern den einflussreichen kulturpolitischen Ausschuss des Landtags - Chancengerechtigkeit in der Bildungspolitik war Ihnen dabei das wichtigste Thema. Ihr Credo war und ist es, die unterschiedlichen Startbedingungen von Kindern durch geeignete Bildungsmaßnahmen und Betreuungsangebote auszugleichen.

1990 wurden Sie als erste Frau zur Oberbürgermeisterin einer bayerischen Großstadt gewählt. Zu Ihren politischen Arbeitsschwerpunkten gehörten seit jeher die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Erweiterung von Bildungsangeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Verbesserung sozialer Verhältnisse und Betreuungsangebote für Kinder.

Sie engagieren sich für die Erhaltung der Regensburger Altstadt, ein besonderes Interesse gilt aber auch zeitgemäßer Architektur sowie Kunst und Kultur.

Während Ihrer Amtsperiode, die von schwierigen Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat geprägt war, wurden verstärkt städtische Mittel im sozialen Wohnungsbau eingesetzt. In der Altstadt führten Sie die Politik, bestimmte Bereiche vom Durchgangsverkehr zu entlasten, konsequent fort.

Bleibende Verdienste erwarben Sie sich auch um den Ausbau von Kindergarten- und Hortplätzen. Die Mittagsbetreuung an Schulen, die später als Modell in ganz Bayern eingeführt wurde, ist eine Regensburger Erfindung aus Ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin, ebenso wie das Senioren- und das Umweltamt und ein bundesweit beispielgebendes Abfallwirtschaftskonzept – Stichworte dazu: Mülltrennung und Einführung der müllarmen Dulten, Bürgerfeste und Christkindlmärkte.

Ihr Engagement für die Gleichstellung von Frauen fand durch die Schaffung einer hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten in der Stadtverwaltung und für die Stadt sowie in der Schaffung des Margarete-Runtinger-Preises seinen Ausdruck.

Sehr geehrte Frau Meier, Sie bringen seit vielen Jahren Ihre Kraft und Ihre Energie zum Wohl ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger ein. Verständnis für die Situation der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und die Anteilnahme an deren Schicksal stand und steht bei Ihren Entscheidungen immer im Vordergrund.

Auch wenn Sie bisweilen schwere Zeiten durchleben mussten, haben Sie nie die Flinte ins Korn geworfen. Das Wohl der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger, Ihrer Mitmenschen war Ihnen stets Motivation, weiterzumachen. Seit 40 Jahren engagieren Sie sich für die Allgemeinheit, setzen sich nachdrücklich für das Wohl und das Ansehen unserer Stadt ein. Ihr verdienstvolles Wirken fand seinen Niederschlag in zahlreichen Ehrungen.

Diesen darf ich heute eine Auszeichnung der Stadt Regensburg hinzufügen, die der Stadtrat in seiner Sitzung am 29. September einstimmig beschlossen hat. Es ist mir eine große Freude und Ehre, Ihnen die Goldene Bürgermedaille der Stadt Regensburg überreichen zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch!

Der Stadtrat hat am 25. Mai 2004 beschlossen, die Auszeichnung „Stadtschlüssel“ zu schaffen. Damit werden Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich Verdienste um das Wohl der örtlichen Gemeinschaft erworben haben.

 

Verleihung der Stadtschlüssel an Nadine Guggenberger

Frau Nadine Guggenberger engagiert sich seit 1989 im Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder in Ostbayern (VKKK), seit 2005 vor allem mit einem ganz besonderen Projekt – der Erfüllung von „Herzenswünschen“.

In diesem Arbeitskreis wird versucht, krebskranken Kindern einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen. Mit der Devise, Unmögliches möglich zu machen und Erlebnisse zu verwirklichen, die mit Geld nicht bezahlbar sind, arbeitet Frau Guggenberger mit unbändigem Eifer daran, den durch die Krankheit unsagbar belasteten Familien einen Augenblick der Freude zu bereiten.

Im Alter von 14 Jahren selbst an Krebs erkrankt, weiß Frau Guggenberger nur zu gut, wie motivierend es für kranke Kinder und Jugendliche sein kann, wenn ein inniger Herzenswunsch in Erfüllung geht.

1998 organisierte eine damals mit der Rubrik „Herzenswünsche“ betraute Münchner Organisation für Frau Guggenberger ein Treffen mit einem Sänger ihrer damaligen Lieblingsband in Köln.

Nachdem die Rubrik „Herzenswünsche“ vom ursprünglichen Betreiber aufgegeben werden musste, war sich Frau Guggenberger sofort sicher, dass diese Initiative nicht untergehen durfte. Sie hatte erfahren, wie viel Energie man aus den positiven Erlebnissen und Eindrücken schöpfen konnte.

Frau Guggenberger organisiert regelmäßig Sonderaktionen, um die benötigten Spendengelder zu akquirieren, mit denen dann wieder Herzenswünsche erfüllt werden können. So wurde eine Jugendliche von Formel 1-Fahrer Nick Heidfeld zu einem Rennen mit Blick hinter die Rennsportkulissen eingeladen; in diesem Jahr fand ein Set-Besuch bei der RTL-Serie „Gute Zeiten-Schlechte Zeiten“ statt. Aktuell arbeitet Frau Guggenberger daran, einige Spieler des FC Bayern – darunter Mario Gomez – für die Erfüllung eines Herzenswunsches zu gewinnen.

Daneben hat sie im Social Media Bereich für den VKKK Ostbayern eine Facebook Seite aufgebaut und arbeitet ständig daran, das Netzwerk zu erweitern. Frau Nadine Guggenberger sagt über ihr Engagement, sie könne leider nicht versprechen, dass es ihr immer gelingt, jeden individuellen Herzenswusch zu erfüllen, aber sie verspricht, sich intensiv darum zu kümmern.

Sehr geehrte Frau Guggenberger, ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihre Versuche keine Versuche bleiben und Sie noch viele Herzenswünsche erfüllen können.

Ich darf Ihnen recht herzlich zu der Auszeichnung gratulieren.

 

Verleihung der Stadtschlüssel an Prof. Dr. Karl-Dieter Weiss

Herr Prof. Dr. Karl-Dieter Weiss studierte Physik in Ulm und München, wo er 1982 das Diplom und 1987 den Doktorgrad erhielt. Danach arbeitete er mehrere Jahre am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart, wo er 1993 habilitierte. Seit 1995 ist er Professor für Experimentelle und Angewandte Physik an der Universität Regensburg.

Fachlich beschäftigt er sich in erster Linie mit einem Teil der Festkörperphysik, der sogenannten Spintronik. Diese Forschungen haben ihm einen hervorragenden internationalen Ruf eingebracht.

Aufgrund seiner Tätigkeit wurde der institutsübergreifende Sonderforschungsbereich 689 „Spinphänomene in reduzierten Dimensionen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Regensburg eingerichtet und Herr Prof. Dr. Weiss als dessen Sprecher bestimmt.

Aufgrund ihres wissenschaftlichen Programms und der erzielten Erfolge wurde das Team um Prof. Dr. Weiss von den DFG-Gutachtern mit „hervorragend“ bewertet. Die DFG unterstützt die Regensburger Forscher bis zum Jahr 2013 mit insgesamt 10 Mio. Euro. Mit diesen Mitteln ist die Universität Regensburg in der Lage, zusätzliche Personalstellen zu finanzieren und sowohl renommierte Forscher als auch Nachwuchswissenschaftler nach Regensburg zu holen.Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei im Bereich der Nachwuchsförderung.

Seit 1996 leitet Herr Prof. Dr. Weiss im zweijährigen – ab 2004 im dreijährigen Rhythmus – die Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Die Tagung gilt mit einer mittlerweile auf 5000 Personen angewachsenen Teilnehmerzahl als größte Fachtagung in der Region. Das internationale Publikum hält sich im Allgemeinen bis zu vier Tage in unserer Stadt auf.

Die nationale Konkurrenz zur Ausrichtung dieser äußerst renommierten Tagung ist groß. Viele Städte würden nur zu gerne die internationale Physikergemeinschaft aufnehmen, doch ist es Herrn Prof. Dr. Weiss mit seinem unglaublichen Engagement zu verdanken, dass diese Tagung nach wie vor in Regensburg stattfindet. 2013 wird der nächste Kongress Regensburg wieder in das Zentrum der physikalischen Welt rücken.

Herr Prof. Dr. Weiss engagiert sich zudem als Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Clusterinitiative Nanotechnologie des Freistaates Bayern und nicht zuletzt Mitglied des Senates der Universität Regensburg.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Weiss, mit Ihrem Einsatz haben Sie sich große Verdienste um die Universität Regensburg und um das Ansehen und den Namen unserer Stadt weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus erworben. Ich darf Ihnen nun die Urkunde überreichen und herzlich zu der Auszeichnung gratulieren.

 

Verleihung des Städtepartnerschaftspreises an den Altbürgermeister der Partnerstadt Brixen Dr. Zeno Giacomuzzi

Im April 1998 hat der Stadtrat der Stadt Regensburg beschlossen, eine städtische Auszeichnung für besondere Verdienste um unsere Städtepartnerschaften zu schaffen.

Sehr geehrter Altbürgermeister Dr. Giacomuzzi, lieber Zeno,
viele Brixner Freunde und Weggefährten haben Dich zu der heutigen Preisverleihung begleitet. Herzlichen Dank an Euch! Nicht nur fürs Kommen zu der heutigen Feierstunde, sondern auch für Euer Wirken im Rahmen unserer Partnerschaft. Es berührt mich immer sehr, wenn ich die Herzlichkeit und die tiefe Freundschaft bei den Begegnungen zwischen den Partnerstädten Brixen und Regensburg spüre.

Herr Dr. Giacomuzzi hat unsere Städtepartnerschaft im Jahre 1969 zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger begründet. Seit dieser Zeit begleitet er diese Städtepartnerschaft mit großem persönlichem Engagement. Nicht nur 20 Jahre lang als Bürgermeister der Stadt Brixen, sondern auch in den darauffolgenden Jahrzehnten als Abgeordneter im Südtiroler Landtag und schließlich als Ehrenbürger von Brixen.

Zu Beginn seiner Amtszeit im Jahre 1969 war die Lage in Südtirol nach den „Bombenjahren“ des Südtiroler Widerstandskampfes angespannt. Relativ jung, mit 37 Jahren, ist es ihm gelungen, den Gemeinderat von der Richtigkeit der Partnerschaft zu überzeugen. Er sah die vielfältigen historischen Verbindungen zwischen Brixen und Regensburg als solides Fundament für eine herzliche Freundschaft. Seine Vision war es schon damals, mit dieser Verbindung einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas zu leisten.

Wenn man seinen Erzählungen vom Beginn der Partnerschaft zuhört, ist es aus heutiger Sicht kaum mehr begreifbar, wie viel Formalismus und Beschränkungen es gab. Ich kann Ihnen verraten, Herr Dr. Giacomuzzi hat nicht nur einmal im Sinne der Städtepartnerschaft das eine oder andere über die Grenze geschmuggelt.

Während seiner Amtszeit als Bürgermeister war es ihm ein wichtiges Anliegen, die partnerschaftlichen Beziehungen nicht nur auf der Ebene der Gemeindeverwaltungen zu pflegen, sondern zahlreiche und vielfältige Begegnungen zwischen Jugendlichen, Senioren, Sportlern, Künstlern, Musikern, Schülern, Studenten, Geschäftsleuten und Handwerkern zu ermöglichen. Dadurch sind viele echte Freundschaften zwischen Brixnern und Regensburgern entstanden.

Er selbst sagt: „Ich häng mit Herz und Seele an dieser Partnerschaft. Regensburg ist meine zweite Heimatstadt.“ Herr Dr. Zeno Giacomuzzi hat die Städtepartnerschaft mit Regensburg nicht nur besiegelt, nein, er „lebt“ sie mit ganzem Herzen.

Lieber Zeno, ich danke Dir sehr herzlich für Dein herausragendes Engagement im Rahmen unserer Städtepartnerschaft. Ich gratuliere Dir zu der Auszeichnung und darf Dir nun die Urkunde überreichen.

 

Verleihung des Kulturpreises

Sehr geehrter Herr Dr. Schnetz,
es ist mir eine große Freude, Ihnen heute den Kulturpreis der Stadt Regensburg 2011 überreichen zu dürfen.

Lieber Herr Dr. Schnetz, Ihr künstlerisches und kulturelles Wirken bereicherte unsere Stadt in vielerlei Hinsicht. Ihre literarischen Werke sind weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus anerkannt. Der Stil Ihrer Gedichte und Prosawerke ist einzigartig. Für Regensburg, Ihre geliebte Heimatstadt, haben Sie sich immer mit bemerkenswertem Tatendrang und mit ihrem kreativen Talent eingesetzt.

Dr. Wolf Peter Schnetz ist ein Kulturbeweger. Während seiner Zeit als Kulturdezernent in Regensburg zeichnete er sich nicht nur durch seinen Ideenreichtum aus. Mit großem Engagement ließ er seine Konzepte auch Wirklichkeit werden. So führte er in Regensburg die „Kulturtage“ ein.

Die Literatur war von Kindheit an die große Leidenschaft von Dr. Wolf Peter Schnetz. Bereits mit 15 Jahren veröffentlichte er seine ersten Gedichte. Seine Gedichte und Prosatexte werden in zahlreichen Würdigungen wegen der einzigartigen und bemerkenswert sinnlichen Sprache geschätzt.

Bereits im Alter von 28 Jahren konnte Dr. Wolf Peter Schnetz den „Ehrenpreis der Schwabinger Kunstpreise“ entgegen nehmen. 1983 wurde er beim Stückewettbewerb „Spielzeit – Zeitspiel“ prämiert. 1986 erhielt er in Budapest die Auszeichnung „Pro Cultura Hungarica“, im Jahr 1988 den „Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik“ und im Jahr 2000 den „Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste“.

Wolf Peter Schnetzs künstlerisches Dasein ist immer geprägt von innovativen Ideen. So beteiligte er sich an der Gründung der „Jungen Akademie München“, der „Taschenzeitung“ und der „Maienstrassenpresse“ in München.

Er publizierte Beiträge unter anderem für „Die Tat“, das „Darmstädter Echo“ und „Der Literat“. Es gibt inzwischen über 40 Buchpublikationen von Dr. Wolf Peter Schnetz. Im Mittelpunkt seines erzählerischen Werkes steht dabei die „Regensburg-Trilogie“: „Vergiß die Stadt, den Fluß, die Steine“, „Jugendsünden“ und „Tanzstunde“.

Seine geliebte Heimatstadt hat Dr. Wolf Peter Schnetz nie vergessen. Nach seiner Pensionierung kehrte er zurück und lebt seither als freischaffender Schriftsteller, Kulturvermittler und Publizist in Regensburg. Seiner Berufung als Kulturbeweger blieb er stets treu und setzt sie im Dienste Regensburgs ein. Im Jahr 2004 gestaltete er den Bewerbungsprozess Regensburgs zur Nominierung als Kulturhauptstadt Europas mit. Seit 2002 führt er an der Volkshochschule der Stadt Regensburg Gesprächsreihen durch, die bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern großen Anklang finden.

Herr Dr. Schnetz, mit Ihrem Lebenswerk, Ihrem kreativen Wirken und Ihrem ehrenamtlichen Engagement haben Sie die Literaturlandschaft und das kulturelle Leben in Regensburg maßgeblich beeinflusst und bereichert.

Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen den Kulturpreis der Stadt Regensburg für das Jahr 2011 im Namen des Stadtrats und der Stadt verleihen zu dürfen.

 

Verleihung des Kulturförderpreises

Bereits als 8-jähriges Mädchen fing Doris Wirth an, selbst ausgedachte Grusel- und Lausbubengeschichten aufzuschreiben. So gewann sie schon früh ihre ersten Fans im Kreis von Freunden und Familie. Mit 20 Jahren erschien ihre erste Publikation, ein Kindersachbuch zum Thema „Türme“. Es folgte ein Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Regensburg, das sie mit dem Grad der „Magistra Artium“ abschloss. Die lange Reihe an Praktika, die sie während ihres Studiums in Zeitungs- und Fernsehredaktionen und bei einem Verlag absolvierte, macht ihr deutliches Interesse am Verfassen von Texten deutlich.

Der Kinder- und Jugendliteratur ist sie seither treu geblieben. „Benny Blu“ heißt der blauhaarige Titelheld, der Doris Wirth etliche Abenteuer verdankt. Sie veröffentlichte als Autorin und Lektorin bereits 27 kindgerechte „Benny Blu“ Sachbücher, bevor sie mit der Buchreihe „Benny Blu und die Geheimnisse Arkaniens“ begann.

Schon das erste Band der Fantasy-Sachbuchreihe mit dem Titel „Die Bucht des Vergessens“ wurde in die Auswahlliste des Nachwuchspreises 2010 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur aufgenommen. In der Jury-Begründung heißt es: „Dieser Band der Arkanien-Sage, der den jungen Leser schnell in den Bann zieht, vereinigt Züge des Abenteuer-, Fantasy- und historischen Romans auf ideale Weise, zugleich versteht es die Autorin, unaufdringlich auch Sachwissen zu vermitteln.“

Mit ihren Büchern macht Doris Wirth Geschichte erlebbar. Im zweiten Teil der Buchreihe, dem Band „Der Kelch des Königs“ reist ihr Held „Benny Blu“ nach Regensburg. Dank Doris Wirths akribischer Recherche und ihrer detailreichen und zugleich kindgerechten Sprache fühlen sich Groß und Klein förmlich in das mittelalterliche Regensburg versetzt.

Doris Wirth liegt es am Herzen, ihre Romane den kleinen Leserinnen und Lesern im direkten Kontakt näher zu bringen. Bei ihren – für Schulen kostenlosen – Autorenlesungen findet sie sofort Zugang zu ihrem jungen Publikum. Es gelingt ihr, bei den Kindern Leselust und das Interesse an der Heimatgeschichte zu wecken.

Liebe Frau Wirth, Ihre Fangemeinde ist mittlerweile riesig. Sie haben sich überregional einen Namen mit ihren Kinder- und Jugendbüchern gemacht. Sie begeistern Kinder mit ihren lebendigen Autorenlesungen nicht nur in Regensburg, sondern Deutschlandweit. Sie zählen zu den aufstrebenden Nachwuchsautorinnen unserer Stadt.

Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg für das Jahr 2011 im Namen des Stadtrats und der Stadt verleihen zu dürfen.

 

Verleihung des Kulturförderpreises

„Sublime“, zu Deutsch erlesen, erhaben, meint im alltäglichen Sprachgebrauch etwas, was nur mit Gespür für das Feine und Außergewöhnliche versteh- bzw. wahrnehmbar ist. Verständnis für Musikströme, die abseits der gängigen Weggeh-Szene existieren, sowie die Leidenschaft für das Außergewöhnliche haben die fünf Gründungsmitglieder des „Sublime e. V.“, Dr. Kerstin Kratochwill, Christian Winklhofer, Jochen Lämmel, Markus Güntner und Martin Pesold, im Jahr 2006 zusammengebracht.

Die Grundidee des Vereins besteht darin, nicht nur momentan angesagte, alternative Musik zu spielen, sondern durch eine Verbindung von „Shoegaze“, „Dream- , Noise- und Subpop“ mit leichten elektronischen Klängen, die Wurzeln dieser Musikrichtungen wieder aufleben zu lassen und neue Impulse zu geben.

Der Blickpunkt der meisten Sublime-DJs liegt dabei auf dem „Shoegaze“, einer Richtung der Rockmusik, die sich in den 1980er Jahren in Großbritannien entwickelte. Um diese spezielle Musikrichtung zu fördern wurde der „Sublime e. V.“ ins Leben gerufen, der weltweit einzige Verein, der Shoegaze-Musikerinnen und -Musiker unterstützt. Er bietet seither regionalen und internationalen Bands die Möglichkeit, unbekannte Musik dem Regensburger Publikum bekannt zu machen.

Das Konzept der Musikveranstaltungen ist dabei stets das Motto „Listen and dance“: Menschen sollen dazu angeregt werden, Musik wieder bewusst wahrzunehmen und sie im Tanz zu genießen. Alle Einnahmen der Veranstaltungen kommen dabei den Musikerinnen und Musikern zugute.

Das große Engagement des Vereins für die Kulturszene in Regensburg zeigt sich nicht nur im musikalischen, Bereich. „Sublime“ beteiligt sich an zahlreichen kulturellen Projekten und Veranstaltungen in Regensburg. Zusammen mit dem Kunstverein Graz entstand zum Beispiel die Ausstellung „Betriebstemperatur“, die sich mit der Frage nach stilbildenden Elementen auseinandersetzt. In Kooperation mit dem Garbo Kino in Regensburg unterstützt der „Sublime e.V.“ eine weitere außergewöhnliche Aktion. Jeden Monat wird – bei freiem Eintritt – ein Film gezeigt, der vor 40 Jahren Premiere hatte. Durch die Gemeinschaftsveranstaltung „Tschechische Kultur“ mit dem „Jazzclub e. V.“ konnten ebenso neue Kulturbegeisterte dazu gewonnen werden.

Sehr geehrte Mitglieder des „Sublime e.V.“,
Sie ermöglichen es jungen und innovativen Regensburger Bands, sich zu präsentieren, sei es beim Bürgerfest 2011 oder bei regionalen und überregionalen Shoegaze-Veranstaltungen. Zudem bringen Sie dem Regensburger Publikum regionale und internationale Bands näher. Damit tragen Sie maßgeblich dazu bei, den Jugendlichen – abseits der aktuellen Trends – den Wert von Musik neu erkennen lassen und so die Jugendkultur in Regensburg zu prägen. Ich freue mich sehr, Ihnen heute den Kulturförderpreis 2011 verleihen zu dürfen. Ich gratuliere Ihnen aus ganzem Herzen zu dieser Auszeichnung.

 

Verleihung des Prof.-Josef-Engert-Preises

Sehr geehrte Frau Böttcher,
Sie wurden für Ihre Magisterarbeit „Körper- und Verhaltenserziehung im 18. Jahrhundert. Das Beispiel der Erbprinzen von Thurn und Taxis“ vom Rektor der Universität Regensburg für den diesjährigen Professor-Josef-Engert-Preis vorgeschlagen. Es ist mir eine große Freude, Ihnen diesen Preis heute verleihen zu dürfen.

Frau Böttcher begann 2005 ihr Magisterstudium an der Universität Regensburg mit dem Hauptfach Geschichte und den beiden Nebenfächern Allgemeine Wissenschaftsgeschichte und Vergleichende Kulturwissenschaft. Für Ihre Magisterarbeit, die mit 1,0 bewertet wurde, erhält sie heute den Professor-Josef-Engert-Preis 2011.

Sie hat sich dafür ein außergewöhnlich spannendes Thema ausgesucht. Die Verfasserin untersuchte in ihrer Arbeit die Erziehung von Körper und Verhalten des Adels im 18. Jahrhundert. Dabei behandelte sie zunächst das pädagogische Ideal dieser Zeit und beleuchtete anschließend dessen Umsetzung am Stammbaum einer der bedeutendsten Familien Regensburgs, der Familie Thurn und Taxis. Frau Böttcher geht dabei besonders auf die Körper- und Verhaltenserziehung der Prinzen ein.

Insgesamt, so das Fazit der Arbeit, stellte die Körper- und Verhaltenserziehung der Erbprinzen von Thurn und Taxis einen „Beitrag zur Stabilisierung und Sicherung der gesellschaftlichen Position des Hauses“ dar. Der Verfasserin ist es mit ihrer Arbeit gelungen, den bisherigen Kenntnisstand zur Geschichte des Hauses Thurn und Taxis zu erweitern.

Hier zeigt sich die Relevanz der Arbeit für Regensburg. Es genügt nicht, eine herausragende wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, um den Professor-Josef-Engert-Preis erhalten zu können. Auch ein Bezug zu unserer Stadt oder der Region ist Voraussetzung. Julia Carina Böttchers Werk hat nicht nur einen Bezug zu Regensburg, sondern sie hat mit ihm sogar zur besseren Kenntnis der Identität und Geschichte unserer Stadt beigetragen. Das Haus Thurn und Taxis ist schließlich ein fester Bestandteil des Regensburger Bewusstseins.

Es ist mir daher eine Ehre, Ihnen, Frau Böttcher, heute den Professor-Josef-Engert-Preis 2011 verleihen zu dürfen. Ich gratuliere Ihnen im Namen der Stadt von ganzem Herzen zu dieser Auszeichnung und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg in Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn.