Navigation und Service

Verabschiedung von Amtsgerichtspräsident Dr. Plöd und Amtseinführung des neuen Direktors Dr. Prokop

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Verabschiedung des Präsidenten des Amtsgerichts Regensburg, Dr. Johann M. Plöd, und der Amtseinführung von Dr. Clemens Prokop als Direktor des Amtsgerichts Regensburg am Donnerstag, 5. Mai 2011, um 9.30 Uhr im Historischen Reichssaal

Anrede

Ich darf Sie alle sehr herzlich hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses der Stadt Regensburg zu dieser festlichen Stunde begrüßen.

Ich freue mich sehr darüber, dass die Regensburger Justiz ihrer schönen Tradition folgt und die Feierlichkeiten bei hausinternen Leitungswechseln mit einem gewählter Vertreter der Bürgerschaft begeht.

Zu einer funktionierenden, harmonischen und vor allem friedlichen Stadtgesellschaft gehören nicht nur besonnene Bürgerinnen und Bürger oder eine engagierte Stadtverwaltung, sondern ganz besonders auch eine unerschrockene Polizei und eine verantwortungsbewusste Justiz.

In Regensburg herrscht traditionell ein gutes Verhältnis zwischen Rathaus, Polizei und Justiz, worüber ich sehr froh bin. Schließlich entscheiden Sie in erster Instanz über alle Streitigkeiten des Zivil-, Familien- und Strafrechts in einem Bezirk, der etwa 182.000 Menschen umfasst. Besonders im Hinblick auf das Strafrecht besteht zum Alten Rathaus eine ganz spezielle Verbindung. Dies liegt allerdings nicht daran, dass an diesem Ort die Zahl der Straftaten besonders hoch ist.

Und es rührt auch nicht von der Tatsache, dass schon vor mehreren hundert Jahren Inquisitionsverfahren und Strafvollzug in den Gewölben des Alten Rathauses, der ehemaligen Fragstatt durchgeführt worden sind. Vielmehr kann sich die Stadt Regensburg damit rühmen, dass die peinliche Halsge richtsordnung Karls V. auf dem Reichstag in Regensburg im Jahr 1532 ratifiziert wurde.

Die Constitutio Criminalis Carolina – so die richtige Bezeichnung - gilt als das erste Gesetz, das Regelungen zum Strafverfahren an sich aufstellt und den bis heute noch gültigen Grundsatz "nulla poena sine lege" beinhaltet. Dass die Strafbarkeit einer Tat zum Zeitpunkt des Tathergangs festgelegt sein muss, war damals nicht selbstverständlich und ist heute unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten gar nicht anders vorstellbar. Nicht zuletzt diesen Ansätzen ist es aber zu verdanken, dass die Constitutio Criminalis Carolina die frühe Grundlage der heutigen Strafgesetzgebung ist.

Das alles ist für Sie, sehr geehrter Herr Dr. Plöd, natürlich nichts Neues. Schon seit 1981 sind Sie – an unterschiedlichen Positionen – in der Regensburger Gerichtsbarkeit im Dienst und kennen die Stadt, ihre Bürger und auch die menschlichen Abgründe, die nicht selten Gegenstand eines Strafprozesses sind.

Ihre berufliche Laufbahn zeigt, dass das Strafrecht auch Ihre juristische Karriere geprägt, vielleicht sogar dominiert hat - schon wegen Ihrer langjährige Tätigkeit als Leitender Oberstaatsanwalt in Regensburg. Und sogar als Präsident des Amtsgerichts konnten Sie sich dieser Materie nicht ganz entziehen. Ich erinnere mich gut, dass nicht viel Zeit in Ihrer Präsidentschaft verstreichen musste, als Sie sogar internationale Schlagzeilen in den Medien machen mussten. Verantwortlich dafür war ein erzkatholischer Bischof, der mit höchst unglaublichen Aussagen zum Holocaust die Regensburger Ermittlungsbehörden und die Justiz auf Trab hielt. Sogar bis zum Vatikan drang diese Geschichte vor und zeigt ganz deutlich, dass es sich bei der langweiligen und trockenen Materie, die der Juristerei oft unterstellt wird, ganz offensichtlich nur um ein Vorurteil handeln kann.

Das Medieninteresse gerade an Strafrechtsfällen ist ungebrochen und bestimmt oft auch die Meinung der Öffentlichkeit. Denken Sie nur an den Kachelmann-Prozess, an den Fall Dominik Brunner oder zuletzt hier die sogenannten Schläger von Königswiesen. In einem Punkt kann ich Sie, sehr geehrter Herr Dr. Plöd, beruhigen. Der neue Direktor des Amtsgerichts Regensburg ist nicht nur ein hervorragender Jurist, sondern auch im Umgang mit den Medien bestens vertraut.

Mit Dr. Clemens Prokop an der Spitze des Amtsgerichts Regensburg übernimmt in Regensburg wahrlich kein Unbekannter dieses Amt. Sie verfügen über langjährige Erfahrungen in der Justiz und Sie genießen als ehemaliger Leichtathlet der Spitzenklasse, Sportfunktionär und schließlich auch Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes deutschlandweit große Anerkennung. Bei den Regensburgerinnen und Regensburgern sind Sie gleichermaßen beliebt und geschätzt. Viele Alteingesessene kennen Sie sogar noch aus ihrer aktiven Zeit als Athlet.

Bis zur Nationalmannschaft haben Sie es, neben einigen anderen Titeln in Ihrer aktiven Zeit geschafft, bis Sie sich zugunsten einer juristischen Karriere und gegen eine Laufbahn im Profisport entschieden haben. Aufgegeben haben Sie Ihre Leidenschaft für die Leichtathletik und den Sport deswegen aber nie und zwar ohne dabei ihre juristischen Ambitionen aus den Augen zu verlieren.

Deshalb ist es mehr als beeindruckend, dass Sie nicht nur Ihr berufliches Fundament, welches Sie in den Dienst von Gesetz und Ordnung gestellt haben, durch Ihre Promotion verstärkt haben, sondern Sie bereichern auch mit Ihrem fachlichen Können und Ihrer juristischen Kompetenz den Deutschen Leichtathletikverband seit vielen Jahren. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass das Amtsgericht Regensburg mit Ihnen als Direktor einen sehr würdigen und sehr engagierten Nachfolger erhält, der die Geschicke des Gerichts verantwortungsbewusst und weitsichtig lenken wird.

Und es gibt noch einen Aspekt, warum Sie in Regensburg so gut aufgehoben sind:
Auch wenn es der Weitsprung war, der in Ihrer Jugend zu Ihren Top-Disziplinen zählte, dürfte die Fluchtgefahr aus der angrenzenden Justizvollzugsanstalt rapide sinken. Denn ich bin sicher, dass ihre Qualitäten als Sprinter auch heute noch dem einen oder anderen Respekt einflößen würden.

Zu guter Letzt darf ich Ihnen sehr geehrter Herr Dr. Plöd, für Ihren wohlverdienten Ruhestand meine besten Wünsche mitgeben und Ihnen alles erdenklich Gute für Ihre weiteren Pläne und Ihre Zukunft wünschen.

Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Prokop, wünsche ich viel Freude und Glück in Ihrem neuen Wirkungskreis. Ich bin überzeugt, dass das Amtsgericht bei Ihnen in guten, sportlichen und fairen Händen liegt. Ich gratuliere Ihnen von Herzen und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe zum Wohl unserer Stadt und unserer Region.