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Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V.

 -Es gilt das gesprochene Wort-

Grußwort von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V. (DGWF) am 16. September 2010 um 18.45 Uhr im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

 

Anrede

Ich freue mich sehr, dass Sie sich entschlossen haben, Ihre Jahrestagung hier bei uns abzuhalten. Aber Regensburg ist nicht nur eine wunderschöne Stadt - das erlaube ich mir sogar als gebürtiger Regensburger zu sagen – unsere Oberpfalzmetropole ist auch der geeignete Platz, um über Bildung und Studien zu sprechen.

Ich will Ihnen nun nichts darüber erzählen, welch wichtigen Stellenwert Fort- und Weiterbildung in unserer Gesellschaft haben, das wissen Sie selbst am allerbesten und darüber werden Sie ja auch im Verlauf Ihrer Tagung sprechen. Das hieße wirklich Eulen nach Athen tragen!

Ich werde stattdessen unsere geschichtsträchtige Stadt in den Mittelpunkt meiner Rede stellen. und einige ihrer berühmtesten Bürger, von denen sich viele ebenfalls um Wissenschaft und Kunst verdient gemacht haben.

Kongresse, Tagungen und Symposien haben nämlich eine lange Tradition hier bei uns an der Donau, denn Regensburg war bereits im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum der Wissenschaften.

Seit jeher spielte Regensburg sowohl in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht eine bedeutende Rolle innerhalb Europas. Und da in dieser Zeit auch Mathematik, Astronomie und Medizin zu neuen Ufern aufbrachen, ist es nicht verwunderlich, dass unsere Stadt auch ein wichtiger Anziehungspunkt für Künstler, Gelehrte und Forscher wurde.

Geschichte gewordene Namen legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Albertus Magnus, bedeutendster Scholastiker des hohen Mittelalters, studierte nach seiner Priesterweihe neben Hildesheim, Freiburg im Breisgau und Straßburg auch in Regensburg.

Im Jahr 1260 wurde er von Papst Alexander IV. zum Bischof von Regensburg und damit zum Reichsfürsten ernannt. Es heißt, dass Albertus das Amt damals nur sehr ungern übernahm. Er tat es aber trotzdem und ließ sich zum Bischof weihen. Ein paar Jahre später rief er gemeinsam mit Berthold von Regensburg, der als berühmtester Prediger des Mittelalters gilt, zum Kreuzzug ins Heilige Land auf.

Der gebürtige Abensberger, Johannes Thurmair alias Johannes Aventinus, der gerne als Vater der deutschen Geschichtsschreibung bezeichnet wird, wurde noch zu Lebzeiten verdächtigt, der Reformation anzuhängen und in seiner Heimatstadt inhaftiert. Schließlich gelang es Leonhard Eck, dem führenden Rat Herzogs Wilhelm IV, ihn zu befreien und er suchte in der sicheren freien Reichsstadt Zuflucht, wo er sich ein Haus kaufte und seine Bayerische Chronik vollendete. Auf dem Friedhof von St. Emmeram ist noch heute sein Grabmal zu sehen.

Ein berühmter Sohn unserer Stadt ist auch der Renaissance-Maler Albrecht Altdorfer. Selbst wenn nicht sicher ist, ob er in Regensburg geboren wurde, steht doch fest, dass er hier die Bürgerrechte erwarb und Mitglied des Rates der Stadt wurde. Damit war er allerdings auch an der Ausweisung der Juden 1519 aus der Stadt und am Abriss der Synagoge beteiligt. Die Wahl zum Bürgermeister lehnte er ab – angeblich deshalb, weil ihm die Arbeit an seinem großen Werk, der „Alexanderschlacht“ wichtiger war.

Zu seiner Zeit ähnlich berühmt wie Altdorfer, und heute leider zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten, ist der Miniaturmaler Berthold Furtmeyr. Er ist einer der letzten großen Künstler des Mittelalters, der zwar noch in gewisser Weise der Gotik verhaftet war, aber auch schon an der Schwelle zur Renaissance stand. Sein weltberühmtes fünfbändiges Missale für die Salzburger Erzbischöfe, eine der aufwändigsten Buchmalereiproduktionen, die nach der Erfindung des Buchdrucks noch in Auftrag gegeben wurde, wird heute in der Staatsbibliothek in München aufbewahrt.

Wenn Sie das Oeuvre Furtmeyrs bestaunen möchten, dann lade ich Sie alle ganz herzlich ein, im Winter wieder nach Regensburg zu kommen. Denn im November startet eine Ausstellung, die überregionales Interesse wecken wird: „Buchmalerei der Renaissance in Regensburg: Berthold Furtmeyr und seine Zeit“. Sie haben Verständnis dafür, dass ich an dieser Stelle gleich ein bisschen die Werbetrommel schlagen möchte.

Ein auch bei Einheimischen eher Unbekannter ist Ulrich Schmidl, ein Landsknecht aus Straubing, der 1534 unter Pedro de Mendoza von Cadiz mit rund 3000 andern Soldaten an einer Expedition nach Argentinien teilnahm. Fast 20 Jahre lebte er dort und begründete die argentinische Hauptstadt Buenos Aires und Asunçion in Paraguay mit. Über seine Erlebnisse am Rio de la Plata verfasste er 1567 einen Bericht in deutscher Sprache, der als „Warhafftige Historien einer wunderbaren Schifffahrt“ 1599 in Nürnberg veröffentlicht wurde. Auch Schmidl, der sich zum lutheranischen Glauben bekannte, musste nach seiner Rückkehr seiner Heimatstadt Straubing den Rücken kehren und fand in Regensburg Zuflucht, wo er es bis zu seinem Tod im Jahr 1579 zu großem Reichtum brachte.

Aber natürlich müssen wir gar nicht so weit in der Geschichte zurückgehen, wenn wir bedeutende Persönlichkeiten finden wollen, die unsere Stadt geprägt haben.

Papst Benedikt XVI. ist sicherlich der berühmteste noch lebende Regensburger. Seine herausragende wissenschaftliche Qualifikation ist unbestritten. 1969 nahm er einen Ruf an die Universität Regensburg an. Bis 1977, dem Jahr seiner Ernennung zum Erzbischof, lehrte er in unserer Stadt Dogmatik und Dogmengeschichte. Bis heute hat er eine Gastprofessur an der Uni Regensburg inne.

Es gäbe noch viel zu erzählen über Menschen, die Wissenschaft, Kunst und Kultur in unserer Stadt geprägt haben. Denken wir an Johannes Kepler, der hier gelehrt hat und in Regensburg gestorben ist. Oder an die zeitgenössische Schriftstellerin Eva Demski, die einen Teil ihrer Kindheit in Regensburg verbracht hat und unsere Stadt noch immer eng verbunden ist.

All diese Menschen und noch viele mehr haben Regensburg als Kulturstadt und Stadt der Wissenschaften mitgeprägt. Vielleicht auch ein Grund, warum unsere Stadt als Studienstandort so beliebt ist. Weit über 22 000 junge Menschen haben Regensburg für ihr Studium ausgewählt. Sie sorgen für einen lebendigen, einen jungen Kontrast zu unserer alten Welterbe-Stadt.

Unsere Studenten kommen aus allen Teilen der Welt. Und viele bleiben, weil Regensburg attraktiv ist und attraktive Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet. Denn Regensburg wächst und entwickelt sich weiter. Aber Regensburg ruht sich nicht auf den erworbenen Lorbeeren aus.

„Sobald jemand in einer Sache Meister geworden ist, sollte er in einer neuen Sache Schüler werden.“ – Diese Worte werden dem deutschen Schriftsteller Gerhart Hauptmann zugeschrieben. Und sie treffen auf unsere Stadt genauso zu wie auf Ihr Anliegen, das Sie heute nach Regensburg geführt hat.

Denn: Nur wer sich immer weiter bildet, bleibt jung und dynamisch. „Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig oder achtzig sein“, sagt Henry Ford.

Ich danke Ihnen, dass Sie Ihren Teil dazu beitragen, dass auch diejenigen, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben oder Bildungsangebote vor Ort nicht nutzen können, in diesem Sinn nicht alt werden müssen und wünsche Ihrer Jahrestagung, die ja unter dem Motto steht „Hochschulen im Kontext lebenslangen Lernens“ einen guten und erfolgreichen Verlauf!