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Eröffnung Zentrum für junge Kultur

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ansprache von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Eröffnungsveranstaltung am 13. Februar 2009, 18.00 Uhr, W1 – Zentrum für junge Kultur


Begrüßung

Vor mehr als 30 Jahren hat sich die Chance geboten, dieses Haus durch die Jugend zum Leben zu erwecken. Die Jugend ist nicht mehr so homogen wie vor 30 Jahren, sondern sehr heterogen, dies dürfte sich in der Zwischenzeit bei allen Erwachsenen herumgesprochen haben. Als ich noch jung war, da gab es klare Trennungen. Die Ministranten haben mit den Fußballern höchstens gegeneinander, aber nicht miteinander gespielt. Die verschiedenen Jugendkulturen haben sich so gut wie nie vermischt. Heutzutage gibt es solche Zuordnungen eigentlich nicht mehr, sondern die Einteilung kann nach der Art der Lebensgrundhaltung und Perspektive laut Shell-Studie gesehen werden. Es gibt pragmatische Idealisten, selbstbewusste Macher, zögerliche Unauffällige und robuste Materialisten.

Hier im „W1“ - wie Weingasse 1 - sollen sich, wenn möglich, die verschiedensten Typen treffen und aktiv werden, dazu braucht diese Jugend Räume, die sie nutzen und für sich gestalten kann.

Jugendkulturelle Szenen sind für eine Stadt von wesentlicher Bedeutung. Diese Jugendkulturen brauchen urbane Räume, in denen sie sich entfalten und interagieren können. Sie beleben den städtischen Raum und werten ihn damit auf und das gilt besonders für die Altstadt. Eine lebende Altstadt muss auch Platz für eine junge Kultur haben. Sie gehört zu einer Stadtgesellschaft genauso dazu wie Gewerbe und Wohnen.

Das gehört sich nach unserem Selbstverständnis schon immer so.
Tatsächlich wurde von unserer Seite aus schon 1977 der Grundstein für die Arbeit mit kulturellen Bedürfnissen von Jugendlichen gelegt. Hier gibt es seitdem Raum, an dem viel Platz vorhanden ist, für die unterschiedlichsten Aktivitäten und Interessen.

In den letzten Jahren mussten wir feststellen, dass dieses Haus in verschiedenen Belangen an seine Grenzen stößt. Die Aufteilung der Räume und mögliche Nutzung entsprach nicht mehr dem Bedarf der Besucherinnen und Besucher. Auch mussten aus Sicherheits- und Feuerschutzgründen Baumaßnahmen vorgenommen werden. Ein weiteres Problem war der unzureichende Schallschutz. Neben den räumlichen Mängeln waren auch Technik und Ausstattung unzureichend. Konsequenterweise musste nicht nur über konzeptionelle sondern auch über bauliche Änderungen nachgedacht werden.

Wer das Haus von früher kennt, wird vieles anders vorfinden, die 360.000 Euro, die wir investiert haben, müssen sich auch bemerkbar machen.

Beginnen wir mit der Reise durch dieses Haus. Dazu können Sie sitzen bleiben, Sie müssen nur ihre Vorstellungskraft aktivieren.

Wir befinden uns hier ganz oben im Theatersaal mit einer Fläche von 205 m². Die Fenster wurden mit Schallschutzglas ausgestattet, der Raum wird über eine neue Zu- und Abluftanlage gut belüftet. Die Lüftungsanlage für das ganze Haus hat allein schon 60.000 € gekostet. Der Eingang zu diesem Saal wurde um ein Schallschutzelement zum Treppenhaus erweitert.

Begeben wir uns abwärts in die zweite Etage, fällt einem die rauchdichte Treppenraumabtrennung auf, damit das Treppenhaus den Vorschriften als Fluchtweg entspricht. Dahinter liegt der Bandproberaum, der als Tonstudio mit Regieraum um eine Attraktion erweitert wurde. Hier werden junge Musiker nicht nur proben können, sondern mit Unterstützung unseres Personals CD Produktionen machen, um sich auch professionell für Auftritte bewerben zu können. Spätestens bei der Führung in die erste Etage wird Ihnen der Handlauf auffallen, den wir aus Sicherheitsaspekten auf die barocke Holztreppe installieren mussten.

Durch die erforderliche Treppenhausabtrennung in der ersten Etage haben wir einen zusätzlichen Raum gewonnen. Neben dem heutigen Sektempfang lassen sich dort jetzt Ausstellungen präsentieren. Sie durften sich sozusagen als Preview von den fotographischen Werken der jungen Künstlerin Raphaela Groeger inspirieren lassen, welche Bedeutung der neu gewonnenen Galerie in Zukunft zukommt. Die offizielle Vernissage findet nächste Woche statt. Vielen Dank an dieser Stelle an Frau Groeger.

Die Vollendung des Umbaus werden sie im Parterre finden, wenn sie im Kulturcafé die Appetithäppchen zu sich nehmen und bei hoffentlich angeregten Gesprächen den zentralen Anlaufpunkt auf sich einwirken lassen. Betreten wir das Café finden wir nicht nur einen Treffpunkt für ungezwungenes Beisammensein vor, sondern einen Veranstaltungsraum mit diversen technischen Finessen.

Die Theke wurde versetzt und ist eines Gastronomiebetriebes würdig. Sie schließt jetzt direkt an die erneuerte Küche mit neuem Lagerraum an. Der Raum und die Bühne wurden mit neuer Licht- und Veranstaltungstechnik ausgestattet. Hier werden nicht nur Konzerte stattfinden, sondern es können zum Beispiel Podiumsdiskussionen organisiert werden. Oder man kommt ganz einfach in ein Café mit jugendgerechten Getränke- und Essenspreisen und trifft sich ungezwungen.

Für eine gute Luft sorgt nun die neue Belüftungsanlage ohne die Fenster öffnen zu müssen, was der Nachbarschaft Rechnung tragen soll. Zusätzlich haben wir uns intensiv mit besonderen Schallschutzvorkehrungen befasst, besonderes Fensterglas, einer Schallschutztür nach außen und zusätzlicher Schallschutz an den Wänden.

Aus der ehemaligen Werkstatt, die in noch früheren Zeiten die Wirtsstube war, wurde der Medienraum mit Internetcafé. Natürlich gibt es noch Kicker für den Cafébetrieb und gleichzeitig wird der Raum als Backstage genutzt. Im Nebenraum kann das Veranstaltungsequipment gelagert werden.

Die Wände wurden bewusst in Weiß gehalten. Die Gestaltung und das Farbkonzept werden den zukünftigen Kulturschaffenden obliegen. Nicht zu sehen sind die unzähligen elektrischen, feuerschutzrechtlichen, hygienischen und sonstigen Details, die in diesem Umbau stecken.

Allein die Elektroarbeiten haben 40.000 € gekostet. Die Handwerker und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen wie aufwändig dieses Projekt sich gestaltete. Es galt jugendlichen kreativen Menschen gerecht zu werden und die historische Raumgebung dieses Gebäudes damit in Einklang zu bringen. So sind diverse Räumlichkeiten noch gar nicht aufgezählt. Im ersten Stock entstehen gemeinsam mit den zukünftigen Besuchern ein Atelier und eine Kunstwerkstatt, eine Maske für Schauspieler und ein kleiner „Konferenzraum“ für Arbeitsgruppen oder der Spiegelsaal im ersten Stock für Tanzproben.

Verschiedenes konnte noch nicht zur Eröffnung fertig gestellt werden, da auch die Mithilfe von den Jugendlichen noch in Anspruch genommen werden soll. So sollen die Jugendlichen bei der Schallisolierung im Bandprobenraum Hand anlegen. Wir wissen aus Erfahrung, dass selbst gestaltete Dinge länger halten und Schaumstoff zur Schalldämmung wird gerne „angeknabbert“. Sie werden bei einem Rundgang dennoch entdecken, welch räumliches und materielles Potenzial dieses Haus besitzt, um der jungen Kultur in Regensburg den Platz an unserer Seite verschaffen zu können.

An dieser Stelle möchte ich auch noch dem Stadtjugendring und dem a.a.a dafür danken, dass sie die Bauphase mit Dreck, Lärm und manchmal heizungslos klaglos und stoisch ertragen haben.

Ich möchte auch die Chance nutzen dem Team zu danken, Herrn Hering der nach diesem Bau sagt: „Wenn ich jemals bauen sollte, dann nur schlüsselfertig“ und Herrn Segerer dem Fachmann für die Technik. Und ich möchte die beiden ganz neuen Mitarbeiterinnen, Frau Kratzwall und Frau Wesemann begrüßen.

Meine Damen und Herren,
lassen sie mich nun die offizielle Schlüsselübergabe vollziehen. Den Schlüssel in Form dieses Koffers, der vertretend für eine junge Kultur in Regensburg mit Programm gefüllt ist, überreiche ich nun der Pegasus Performance und erkläre das Zentrum für junge Kultur - W1 hiermit für eröffnet.