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Barmherzige Brüder vom Hl. Johannes von Gott

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Begrüßung der Barmherzigen Brüder vom Hl. Johannes von Gott am Samstag, 3. Oktober 2009, 10 Uhr, Altes Rathaus, Historischer Reichssaal

Anrede

Mit einem herzlichen Grüß Gott heiße ich Sie bei uns in Regensburg und hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses willkommen.

Dieses Wochenende steht Regensburg ganz im Zeichen eines Mannes, der aus Ihrem Orden stammt. Er fühlte sich mit unserer Stadt verbunden und die Menschen in Regensburg immer noch mit ihm: der Diener Gottes, Frater Eustachius Kugler.

Immer dann, wenn die „alte Reichsstadt“ und die „neue Welterbestadt“ Regensburg in den Historischen Reichssaal einlädt, ist der Anlass ein besonderer – so wie an diesem Wochenende die Seligsprechung von Frater Eustachius.

Dieser Saal wurde einst als Festsaal von einer stolzen Bürgerschaft errichtet. Später versammelten sich hier die Stände des Reichs zu den sog. Reichstagen. Ab 1663 tagten die Reichsstände hier permanent, also immerwährend, bis 1806. Hier wurde große Geschichte geschrieben. Man könnte diesen Saal durchaus als den Sitzungssaal des ersten Europäischen Parlaments bezeichnen.

Es gibt keinen Ort, der besser geeignet wäre, Sie bei uns in Regensburg zu begrüßen. Denn auch Sie dürfen an diesem Wochenende voller Freude und Stolz feiern, auch Sie schreiben Geschichte – mit dem Werk von Frater Eustachius Kugler und mit der Seligsprechung, die die Anerkennung seiner Persönlichkeit und seines innigen Glaubens bedeutet, der ihm Beweggrund und Kraftquelle für dieses großartige Lebenswerk war.

An der Seligsprechung dieser Persönlichkeit, Ihres Ordensbruders, teilhaben zu dürfen, ist eine große Ehre für unsere Stadt und erfüllt die Menschen mit Freude.

Ein solches Ereignis macht deutlich, welchen Stellenwert die Kirche in Regensburg hat. Es zeigt auch auf, wie stark unsere Stadt durch den christlichen Glauben in fast zwei Jahrtausenden geprägt wurde.

Diesen Glauben bezeugten viele, von den Bischöfen Emmeram, Erhard und Rupert kennen wir die Namen, aber auch für viele heute nicht mehr namentlich bekannte Menschen wurde dieser Glaube zur Richtschnur ihres Lebens, durch ihr Zeugnis gaben sie ihn weiter, von Generation zu Generation.

Bald wurden die formalen und notwendigen Strukturen geschaffen, um den Glauben zu verkünden und Gott zu ehren. Seit dem Jahre 739 ist Regensburg Bischofssitz, von hier aus wurde das Bistum Prag begründet. Bedeutende Bischöfe, wie der Heilige Wolfgang und der große Kirchenlehrer Albertus Magnus, wären zu nennen oder dann später im 19. Jahrhundert Johann Michael Sailer oder der heiligmäßige Weihbischof Georg Michael Wittmann.

Auch das klösterliche Leben hat in allen Jahrhunderten in Regensburg auf ganz unterschiedliche Weise geblüht,
ob nun gelehrsam oder kontemplativ,
ob zur Volksbildung beitragend
oder - wie in Ihrem Orden - in der Sorge um die Kranken.

Das Christentum hat nicht nur das äußere, das architektonische Bild der Stadt geprägt, sondern vor allem auch das innere, das kultur- und geistesgeschichtliche Bild.

Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in seiner Heimat im Jahre 2006 hat dies in besonderem Maß deutlich gemacht: die Kirche bewegt die Menschen in Regensburg. Gerade viele junge Menschen finden zum Glauben.

Zur Freude über die morgige Seligsprechung kommt auch die große Dankbarkeit, Dankbarkeit nämlich für das bedeutende Lebenswerk von Frater Eustachius Kugler: das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

Regensburg nimmt als Hauptstadt der Oberpfalz und Zentrum des gesamten Ostbayerischen Raumes in mehrfacher Hinsicht eine zentrale Rolle ein, auch im Gesundheitswesen und in der Versorgung und Pflege kranker Menschen. Eine maßgebliche Rolle spielt dabei das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Seine Geschichte ist ein Teil der Geschichte Ihres Ordens, die auf diese Weise mit der Geschichte unserer Stadt untrennbar verwoben ist.

Dieses Krankenhaus war das größte Bauprojekt Ihres Ordens seit dessen Ansiedlung in Bayern, ein Projekt, das nur durch die vielfältigen Qualifikationen und das beharrliche Streben von Frater Eustachius in wirtschaftlich schwieriger Zeit realisiert werden konnte.

Der damalige Regensburger Oberbürgermeister, Dr. Otto Hipp, hat dieses Haus bei der Einweihung als „eines der schönsten und bestausgestatteten Krankenhäuser Deutschlands“ gerühmt.

Dankbar nahmen damals die Menschen das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder an, war Regensburg doch bis dahin die einzige größere Stadt in Bayern, die noch kein modernes Krankenhaus hatte. Auch heute, rund 75 Jahre später, spielt für die Menschen in Regensburg und der Region dieses Krankenhaus in kirchlicher Trägerschaft noch eine große Rolle, denn es wurde seither stets modernisiert und erweitert.

Im größten Katholischen Krankenhaus Deutschlands sind zwischenzeitlich rund 2.300 Menschen tagtäglich auf universitärem medizinischen Niveau im Einsatz, für das Wohl ihrer Patienten. Das Krankenhaus zählt zu den großen Arbeitgebern der Region.

Es bietet eine Versorgung, die auf dem modernsten Stand der Medizintechnik und des zeitgemäßen Komforts für die Patienten ist. Aber das allein ist es nicht, was das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder zu etwas Besonderem macht.

Es ist der christliche Geist, der seelsorgerische Gedanke, der den kranken Menschen ganzheitlich sieht und betreut. Ohne sich aufzudrängen, bieten Sie den Patienten ein offenes Ohr und Zeit für Sorgen und Nöte, die eine vordergründig technische medizinische Betreuung nicht sehen kann.

Die Liebe zu den Menschen trägt Ihre Arbeit. In der Konstitution Ihres Ordens heißt es, ich zitiere, „dass der notleidende und kranke Mensch Mitte unserer Interessen ist“. Sie beweisen es täglich auf Neue, dass das nicht nur Worte sind. Patienten die zu Ihnen kommen, sollen Heilung an Leib und Seele erfahren. Das war die Intention Ihres Ordensgründers, des Hl. Johannes von Gott, das war auch die Lebensmaxime von Frater Eustachius Kugler.

Als vor 80 Jahren, am 19. Juni 1929, das Männerkrankenhaus der Barmherzigen Brüder eingeweiht wurde, verlor niemand in den Festreden auch nur ein Wort über den Initiator, Frater Eustachius, was er, der bescheidene Ordensbruder, der sich als Diener des Herrn sah, wohl nicht einmal wirklich erwartet hatte.

Pater Provinzial, Sie bemerkten im Vorfeld zur Seligsprechung einmal schmunzelnd:
„Vermutlich würde Frater Eustachius Kugler den Kopf darüber schütteln, wenn er erleben würde, mit welchem Aufwand sich seine Mitbrüder und die rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf seine Seligsprechung am 4. Oktober vorbereiten.“
Doch all die Mühe, die Sie sich im Zusammenhang mit dieser Seligsprechung machen, sind das äußere Zeichen der Anerkennung und der bleibenden Verbundenheit mit einer Persönlichkeit, der wir alle Respekt zollen.

Seiner Person und seinem Lebenswerk von damals, aber auch den Menschen, die in seinem Geist heute noch tätig sind, sollen mit diesem Empfang weltlicher Dank und aufrichtige Anerkennung ausgesprochen werden.

Es freut mich, dass Sie von weit her an diesem Wochenende nach Regensburg gekommen sind. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit in unserer Stadt.

Für den morgigen Festtag begleiten Sie die besten Wünsche aller Regensburgerinnen und Regensburger. Wir wollen uns gerne und mit Dankbarkeit an Frater Eustachius Kugler erinnern.