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40 Jahre Städtepartnerschaft Brixen - Regensburg

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zum Jubiläum 40 Jahre Städtepartnerschaft Brixen - Regensburg am Samstag, 12. September 2009, im Rathaus in Brixen

Anrede,

Eine Ehe, die 40 Jahre hält, ist heutzutage schon etwas Besonderes,
eine Freundschaft, die so lange andauert, ist aber durchaus auch eine Seltenheit.

So sind auch 40 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Brixen und Regensburg ein besonderer Anlass zum Feiern, zumal die Wurzeln unserer Freundschaft bedeutend weiter zurückreichen.

Denken wir zurück:
Da war die Schenkungsurkunde von König Ludwig IV. im Jahre 901, ausgestellt in Regensburg. Darin wurde dem Bischof von Säben der Meierhof Prichsna, das spätere Brixen, übereignet.

Im Jahre 1002 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Brixener Bischof einen Hof in Regensburg. Noch heute ziert ihn das Wappen des Brixener Domkapitels.

Und dem legendären Bischof von Säben bei Brixen, dem Hl. Kassian, wurde in Regensburg bereits um das Jahr 885 eine Kirche geweiht.

Ich glaube, dass den meisten Menschen in Brixen und Regensburg diese drei historischen Ereignisse gar nicht präsent waren, als vor 40 Jahren unsere Städtefreundschaft besiegelt wurde.

Doch sicher wurden sie erwähnt, als Ihr Bürgermeister, Dr. Zeno Giacomuzzi, und sein damaliger Regensburger Amtskollege, Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger am 18. Oktober 1969 im Historischen Reichssaal in Regensburg die Patenschaftsurkunde unterzeichneten.

Die Stadtoberhäupter solch geschichtsreicher Städte wie Brixen und Regensburg haben die bewegte Geschichte ihrer Städte immer im Hinterkopf – sie haben aber vor allem die Gegenwart und die Zukunft im Blick gehabt - und natürlich die Menschen, ohne die es die Städte nicht gäbe.

Deshalb muss es immer die vorrangige Aufgabe sein, den Menschen auf beiden Seiten die Möglichkeit zu geben, Netzwerke und Partnerschaften zu pflegen. Ich freue mich deswegen sehr, dass so vielfältige Beziehungen auf allen Ebenen in diesen Jahren gewachsen sind und sich die Menschen in beiden Städten sehr nahe sind.

Die Verbundenheit der Menschen in beiden Städten ist es, die die Partnerschaft trägt und lebendig erhält und die sich sehen lassen kann. Wir Regensburger kommen gern nach Brixen und wir freuen uns immer, wenn wir Besuch von unseren Südtiroler Freunden erhalten. Dennoch wäre es keine Freundschaft, würde sich der Austausch auf Stadtratstourismus beschränken.

Vor einiger Zeit fragte mich ein Brixener Journalist: „Was verbinden Sie persönlich mit Brixen?

Da konnte ich, wie viele Regensburger, die bezaubernde Landschaft, das kunsthistorische Erbe und die guten Südtiroler Weine nennen. Als leidenschaftlicher Skifahrer natürlich auch das Skigebiet Plose mit der berühmten Trametsch-Abfahrt.

Da gibt es aber vor allem Momente und ganz persönliche Begegnungen, die mir Brixen ans Herz wachsen ließen.

Ich denke gerne zurück an meinen ersten offiziellen Besuch hier, das war wenige Monate nach meiner Wahl zum Oberbürgermeister. Dieser Antrittsbesuch fiel zusammen mit dem 10. Altstadtfest in Brixen im August 1996. Ich habe hier von Anfang an eine Atmosphäre des Wohlfühlens vorgefunden, denn ich bin nicht nur von meinem Amtskollegen, sondern von allen Brixenern so herzlich willkommen geheißen wurde. Es gab eine tiefe Verbundenheit zwischen Klaus Seebacher und mir und ich denke gerade an einem Tag wie heute mit Wehmut, aber auch mit großer Dankbarkeit an viele Begegnungen.

Natürlich vergesse ich auch nicht die 1100-Jahrfeier im September 2001 und erinnere mich gerne an den Empfang in der Brixener Hofburg, den Festgottesdienst, die Eröffnung der neuen Stadthalle, die auch einen Regensburg-Saal hat,

Aber was mich – wenn ich hier ganz persönlich und emotional sprechen darf - besonders berührt, ist unsere gemeinsame Verbindung zu Papst Benedikt XVI. Er hat zu Brixen wie zu Regensburg eine sehr persönliche Beziehung, hat beide Städte bereits besucht, ist Ehrenbürger unserer beiden Städte. Wir dürfen es uns zur Freude und Ehre anrechnen, dass damit eine Persönlichkeit wie Papst Benedikt das Band unserer Freundschaft noch enger knüpft.

Die Frage des Brixener Journalisten „Was verbinden Sie persönlich mit Brixen?“, möchte ich gern noch ergänzen: „Was freut mich am meisten an dieser Städtepartnerschaft?“

Die Antwort darauf ist mir nämlich sehr wichtig:
Es ist die herzerfrischende und von aufrichtiger Freundschaft getragene Lebendigkeit, von der diese Städtepartnerschaft erfüllt ist. Von Anfang an wurde sie getragen von den Bürgerinnen und Bürgern der beiden Städte und nicht nur durch eine Urkunde und die offiziellen Begegnungen von Delegationen.

Unsere Partnerschaft wird von jedem Einzelnen mitgestaltet, der in den zahlreichen Vereinen aktiv ist, die miteinander in Kontakt stehen, seien es Kolping, der VdK, der DAV, oder die Schützen- und Sportvereinen, Lehrerverbände, Musikvereine und viele mehr.

Wir erleben miteinander eine generationenübergreifende Partnerschaft. Diejenigen, die von Anfang an mit dabei waren, gehören heute längst zu den „Best Agern“. Aber sie haben dafür gesorgt, dass es immer wieder junge Menschen gibt, die neue Kontakte knüpfen und die Partnerschaft lebendig halten. Junge Menschen in Brixen und Regensburg wachsen mit dieser Partnerschaft auf. In Ferienfreizeiten, beim Wandern oder Skifahren lernen sie die Partnerschaft kennen und kommen später – als Erwachsene - wieder hierher, bringen irgendwann ihre eigenen Kinder mit und lassen immer wieder neue Freundschaften entstehen.

Was als Partnerschaft gegründet wurde, ist zu einer echten Freundschaft zwischen den Menschen beider Städte geworden. Schon unsere Jubiläumsausstellung 1994 trug völlig zu Recht den Titel „Aus Partnern werden Freunde“.

Aber Freundschaft muss gepflegt werden. Sie ist nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Aufgabe. Dem fühlen sich Bürgerinnen und Bürger aus Brixen und Regensburg seit 40 Jahren und mehr verpflichtet.

Für das Gelingen einer solchen Freundschaft ist es nicht entscheidend, wo Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen. Wenn herzliche Übereinkunft besteht, dann trennen Unterschiede nicht, sondern sie bereichern. All das ist es, was mich und alle Regensburger immer gerne an Brixen denken und nach Brixen fahren lässt.

Lieber Albert,
am 18. Oktober 1969 haben unsere Amtsvorgänger die Urkunde im Historischen Reichssaal in Regensburg unterzeichnet und versprochen, „…dauernde freundschaftliche Verbindungen zwischen unseren beiden Städten herzustellen…“.

Eine Regensburger Delegation reiste dann im Mai 1970 nach Brixen zum Gegenbesuch.
Unserem damaligen Regensburger Oberbürgermeister, Rudolf Schlichtinger, wurde damals nicht nur ein „Römer“ mit Südtiroler Wein gereicht, sondern auch ein überdimensionaler Stadtschlüssel. „Den werd I net in mei Hosentaschen einebringa“ war seine Antwort darauf.

Dieser Schlüssel symbolisierte auf sympathische Weise die Offenheit mit der die Menschen in Brixen und Regensburg aufeinander zugegangen sind. Er öffnete nicht nur die Rathäuser, sondern die Herzen. Wir haben diesen Schlüssel eben nicht in die Hosentasche gesteckt, sondern immer wieder davon Gebrauch machen dürfen. Und deshalb ist man als Regensburger in Brixen kein Tourist, sondern man wird als guter Freund willkommen geheißen.

"Das schönste Freundschaftsverhältnis ist immer das, wenn jeder der beiden es sich zur Ehre rechnet, der Freund des anderen zu sein."

Mit diesem Satz der großen Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach habe ich Sie bei der 30-Jahr-Feier gegrüßt und möchte es auch heute wieder tun.

Es ist uns Regensburgern eine Ehre, dass wir euch als Freunde haben dürfen! Mein Dank geht auch an die Menschen, die sich für diese Partnerschaft in der Vergangenheit engagiert haben und diese auch in die Zukunft tragen. Unsere Welt ist durch dieses Städtebündnis menschlicher und lebendiger geworden.

Für die Zukunft wünsche ich uns allen, dass unsere Partnerschaft so bleibt wie sie ist:
so herzlich,
so offen und
so voller Leben.