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Division Spezielle Operationen

 

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Joachim Wolbergs anlässlich der zentralen Leutnantsbeförderung der Division Spezielle Operationen am Donnerstag, 26. Juni 2008, um 15 Uhr, im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

Anrede

Meine Damen und Herren Oberfähnriche,
mit der Beförderung zum Leutnant sind Sie nun Offiziere der Bundeswehr. Damit beginnt ein neuer Abschnitt in der militärischen Karriere, aber auch in Ihrer persönlichen Entwicklung. Neue Aufgaben, Pflichten sowie ein wesentlich erweiterter Verantwortungsbereich kommt auf Sie zu. Damit ist vorgezeichnet, dass der heutige Tag in jeder Hinsicht Ihren weiteren Lebensweg prägen wird.

Selbstverständlich braucht ein solch außergewöhnliches Ereignis einen besonders festlichen Rahmen.
Deshalb: Herzlich willkommen hier im Historischen Reichssaal, der guten Stube der Stadt Regensburg!

Seit mehr als 2000 Jahren ist Regensburg eine Garnisonstadt und seit mehr als 40 Jahren sind Einheiten der Bundeswehr in unserer Stadt stationiert. Es freut mich daher sehr, dass auch heuer wieder hier bei uns in Regensburg der Festakt für die Zentrale Leutnantsbeförderung der gesamten Division Spezielle Operationen stattfindet.

Offizier zu werden, ist ein guter Grund gefeiert zu werden. Natürlich ist der Weg zu diesem Ziel mit ausreichend Prüfungen gepflastert. Aber, meine Damen und Herren Leutnants, Akademiker in Uniform zu sein ist ein Markenzeichen der Bundeswehr.

Auch Industrie und Wirtschaft wissen genau, welche Leistungsfähigkeit unsere Offiziere besitzen. Deshalb haben Sie mit einem erfolgreich abgeschlossenen Studium nicht nur die Option, Berufssoldat zu werden und bis zum General aufzusteigen. Sie haben zugleich auch die Eintrittskarte für eine Karriere als Führungskraft in Verwaltung oder Wirtschaft in der Tasche.
(Schauen Sie mich an...)

Offizier zu sein, bedeutet aus meiner Sicht allerdings mehr als gute Karrierechancen zu haben. Offiziere benötigen – heute mehr denn je –
eine sittliche Grundhaltung und ein stabiles Berufsethos, um die ihnen auferlegte Verantwortung tragen zu können.
Denn: Offiziere stehen in der Pflicht und das in ganz besonderer Weise:

  • Gegenüber dem Volk,
  • gegenüber den ihnen anvertrauten Soldatinnen und Soldaten,
  • gegenüber dem Dienstherrn.

Gewissenhaftes Eintreten für die Werte unseres Grundgesetzes, selbständiges Übernehmen von Verantwortung, mutiges Vorgehen, wenn es darum geht, in der Gefahr rational zu handeln, Treue und Tapferkeit beispielhaft vor zu leben – all das sind unverzichtbare Element des Offiziersethos.

All diese Tugenden und deren konkrete Umsetzung müssen zudem vor dem Hintergrund der gegenwärtigen und zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen verstanden und notwendigerweise auch realisiert werden. Tatsache ist, heute - im 21. Jahrhundert - ist die Bundeswehr eine Armee im Einsatz. Gleichzeitig befindet sie sich in einer ebenso komplexen wie kontinuierlichen Transformation.

Komplexität – das ist aus meiner Sicht mehr denn je der Begriff, der die Aufgaben der Bundeswehr charakterisiert.

Warum? Nun, die Einsätze, welche die Bundeswehr durchführt, werden immer vielfältiger. Sie reichen von

  • humanitärer Hilfe bei Katastrophen im In- und Ausland über
  • Stabilisierungsmaßnahmen bis hin
  • zu Kampfeinsätzen.

Höchst unterschiedlich sind auch die Regionen, in denen diese Einsätze stattfinden. Der Balkan, Afghanistan, das Horn von Afrika oder der Kongo unterscheiden sich ja nicht nur durch ihre geographischen Gegebenheiten, sondern auch hinsichtlich Kultur und Religion der dort lebenden Menschen.

Gleichzeitig gibt es ein multinationales  Nebeneinander der Führungskulturen. Bei EUFOR und KFOR auf dem Balkan sowie bei ISAF in Afghanistan sind es jeweils über 30 Nationen, die sich an den Einsätzen beteiligen. Und in der Demokratischen Republik Kongo sind es 17 Staaten der Europäischen Nation und die Türkei.

Doch damit ist die Komplexität der Aufgaben noch lange nicht hinreichend beschrieben. Denn: Freiheit und Frieden können nicht mit militärischen Mitteln allein erhalten und wiederhergestellt werden. Unsere Sicherheitspolitik muss ebenso auch politische, diplomatische, wirtschaftliche und andere zivile Instrumente umfassen. In allen Krisengebieten dieser Welt wird uns das Tag täglich  vor Augen geführt:
Wenn Menschen das Gefühl haben, der politische und wirtschaftliche Wiederaufbau kommt nicht voran, nimmt die Instabilität zu. Im globalen Gefüge unserer Zeit kann eine regionale Krise wiederum weltweit Auswirkungen zeigen, Auswirkungen, die uns alle treffen können, sogar vor der Haustür. Deshalb ist eine enge Vernetzung aller sicherheitspolitischen Akteure auf nationaler, aber auch internationaler Ebene notwendiger denn je.

Aus dieser Komplexität der sicherheitspolitischen Herausforderungen erwachsen immense Anforderungen an die Bundeswehr. Das macht hohe intellektuelle Leistungen erforderlich, und die werden insbesondere auch Sie mittragen, meine Damen und Herren, die noch jungen Offiziere der Division Spezielle Operationen. Da es nur durch eine kontinuierliche und umfassende Transformation gelingen kann, die Bundeswehr zukunftstauglich und einsatzfähig zu halten, benötigt sie vor allem eine Führungskultur, in der die Verantwortungsträger ihre Verantwortung auch wahrnehmen wollen und können.

Ein Schlüssel, dieses Ziel zu erreichen, ist die Bildung, vor allem die der Offiziere. Davon hängt ebenso der Erfolg in den Einsätzen wie in der Transformation ab. Bildung erzeugt geistige Flexibilität und ermöglicht, sich neuen Aufgaben und Situationen besser zu stellen.

Gerade mit Blick auf die Schwerpunktverlagerungen des Aufgabenspektrums der Bundeswehr fällt deshalb ein besonderes Licht auf die Einheiten, in denen Sie Dienst tun werden:

  • Ihre militärische Zukunft wird eng mit der Neuausrichtung der Bundeswehr verknüpft sein,
  • denn die Kräfte der Division Spezielle Operationen gehören mit zu den Impulsgebern des Transformationsprozesses.

Die DSO ist für mich ebenso eine Keimzelle wie hochwertige Ausbildungseinheit für die Realisierung dieses Prozesses. Und ausgerichtet an den aktuellen Einsatzerfordernissen ist für deren Sitz ein strukturelles Umfeld wie Regensburg schlichtweg gegeben - weil es notwendig ist .

Soll das in Zukunft vorbei sein? Ist die Verlegung nach Hessen wirklich unabwendbar,

  • obwohl dies den Steuerzahler nachweislich sehr teuer zu stehen kommt,
  • obwohl dieser Umzug nach Stadtallendorf weder finanziell noch

sachlich zu rechtfertigen ist?

Deshalb wiederhole ich hier noch einmal mit aller Deutlichkeit:
Mir ist bewußt, dass bei der Bundeswehr nichts beständiger ist als Veränderungen, aber sie dürfen nicht widersinnig durchgeführt werden.
Ich habe jedenfalls immer an die Vernunft geglaubt, vielleicht wird sie auch diesmal siegen – und sei es nur in Teilbereichen.

Unabhängig davon, wie diese Entscheidung letztendlich ausgehen wird, heute geht es allein um Sie meine Damen und Herren, die jungen Offiziere!

Ihr Beruf ist anspruchsvoll. Es ist kein Beruf wie jeder andere. Nutzen Sie Ihre Chancen, arbeiten Sie mit Fleiß und Hingabe an Ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung, Sie dienen damit letztendlich dem Wohl der Ihnen später einmal anvertrauten Menschen.

Prägen auch Sie mit untadeligem Verhalten und großer Ernsthaftigkeit, mit zuverlässigem Pflicht- und Verantwortungsgefühl den Geist der Truppe – so wie dies bereits seit über 50 Jahren Hunderttausende junger Offiziere vor Ihnen getan haben.

Für diese anspruchsvollen Tätigkeiten wünsche ich Ihnen schon jetzt alles Gute, Fortune und Gottes reichen Segen.