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PlanungsDialog Unterer Wöhrd - Dokumentation

Vom Masterplan "Solar Quarter" zum "Planungsdialog Unterer Wöhrd"

Als Modellprojekt für energiesparendes Bauen wurde die Regensburger Donauinsel "Unterer Wöhrd" von einem international besetzten Architekturteam als "Solar Quarter" konzipiert und bei der EXPO 2000 in Hannover präsentiert. Doch was in der Fachwelt Beachtung fand, wurde vor Ort nicht akzeptiert. Die unzufriedene Regensburger Bürgerschaft stoppte mit einem Bürgervotum die weitere Planung. Mit dem PlanungsDialog Unterer Wöhrd wurde ein Neuanfang in der Verständigung zwischen den divergierenden Interessen gefunden.

Das Planungsgebiet

Der besondere Reiz des Unteren Wöhrd liegt in seiner Insellage, umgeben von den Flußarmen Donau und Regen, der eindrucksvollen Auenlandschaft mit altem Baumbestand, und der noch aus dem Mittelalter stammenden Zunftviertel. Diese "grüne Insel" bildet einen einmaligen Gegensatz zur "steinernen" Altstadt Regensburgs und ist beliebtes Ziel für die Kurzzeiterholung. Auf der 23 ha großen Donauinsel leben derzeit 870 Bewohnerinnen und Bewohner.

Es gibt aber auch städtebauliche Defizite, die das idyllische Bild der Insel stören. Zu den Schattenseiten gehören z. B. die trostlose Fläche eines ehemaligen Eisstadions mit riesigem Parkplatz, eine Tankstelle und Autowerkstatt, großflächige (Bus-) Parkplätze, ungepflegte Garagen- und Lagerplätze, Baulücken sowie ein sanierungsbedürftiges Brückenbauwerk. Als Zumutung empfinden die Anwohnenden auch die gegenwärtige Verkehrssituation, bestimmt durch Durchgangsverkehr und ungeregeltes Fremdparkieren von Altstadtbesuchenden.

Durch den zunehmenden Siedlungsdruck auf die expandierende Stadt wird der Untere Wöhrd für Wohnungssuchende sowie Investorinnen und Investoren zu einer äußerst attraktiven Wohnlage, die durch die Flußauen und die fußläufige Nähe zur Regensburger Altstadt mit ihren kulturellen und gastronomischen Attraktivitäten besticht. Zahlreiche Bauanfragen erfordern ein stringentes städtebauliches Entwicklungskonzept.

Bereits Anfang der 90iger Jahre hatten Diskussionen um ein abgestimmtes städtebauliches Gesamtkonzept für den Unteren Wöhrd begonnen, das ökologische Ansprüche, den Hochwasserschutz aber auch die historisch gewachsenen Qualitäten der dicht bebauten denkmalgeschützten Fischer- und Schiffsmeisterbehausungen, Gründerzeitgebäude, Pesthäuser und Stadel, miteinander in Einklang bringen sollte.

Dazu wurden der Regensburger Bürgerschaft drei Planungsalternativen vorgeschlagen. Grundsätzliche Übereinstimmung fanden Stadtplanungsamt und Bürgerschaft über folgende Ziele:

  • Den Inselcharakter mit lockerer Bebauung erhalten
  • Bestehende Frei- und Grünräume sichern
  • Kleinteilige Nutzungsmischung erhalten und ergänzen
  • Verkehrs- und Parksituation neu ordnen.

Behutsame Ergänzung hieß die Zauberformel und zielte aus Sicht der Bürgerschaft darauf ab, Neubaumaßnahmen lediglich zur Baulückenschließung zu erlauben. Die Stadt Regensburg tendierte jedoch zu einer städtebaulichen Verdichtung.

Modellvorhaben: R.E.A.D und EXPO 2000

Im Mai 1994 bewarb sich die Stadt Regensburg mit Erfolg als Modellstadt bei dem von der Europäischen Union geförderten Projekt "Renewable Energies in Architecture and Design (R.E.A.D)". Ziel war es, in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen den maximalen Einsatz von erneuerbaren Energien in Zusammenhang mit Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur zu prüfen. Ein Modell für ein Gesamtenergiemanagement sollte den energiesparenden "Beitrag des Städtebaus" in den Mittelpunkt stellen und weniger den üblichen "Beitrag von Einzelgebäuden". Ausschlaggebend für den Standort Unterer Wöhrd waren die innerstädtische Lage direkt an der historischen Altstadt, die Möglichkeiten einer Nutzungsmischung, die bereits vorhandene soziale Durchmischung, der alte Baumbestand und die größtenteils im städtischen Besitz befindlichen freien Grundstücke. Durch den Bezug zur EXPO 2000 wurde eine zügige Umsetzung erwartet.

Namhafte Architekturbüros bildeten eine Planungsgemeinschaft. Das Büro Sir Norman Foster und Partners, London, die Münchner Büros Thomas Herzog und Partner sowie das Landschaftsplanungsbüro Latz und Partner, arbeiteten unter der Leitung des Stadtplanungsamtes Regensburg zusammen mit der Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co KG (REWAG), dem Zentrum für rationale Energieanwendung und Umwelt (ZREU) im Zeitraum von Dezember 1994 bis April 1996 einen Masterplan für eine umweltgerechte und ressourcenbewußte Stadtentwicklung auf dem Unteren Wöhrd aus. Da das Energieeinsparungspotential von der Dichte der Bebauung und einer minimierten Kfz-Erschließung abhängig ist, wurde auf der Basis der Planungsalternative "Bauliche Verdichtung" statt auf der Basis "Behutsame Erneuerung" ein "Masterplan Solar Quarter Unterer Wöhrd" entwickelt. Angestrebt wurde, bis zu 500 Wohneinheiten zu bauen und Platz für ca. 2500 NeubürgerInnen zu schaffen.

Nach einer zweijährigen Bearbeitungsphase wurde dieser Masterplan der Regensburger Öffentlichkeit vorgestellt. Es überwog eine pessimistische Grundhaltung, denn es war nicht offensichtlich, warum ausgerechnet diese Insel – und nicht ein anderes stadtnahes Gebiet – so massiv verdichtet werden sollte. Die vorgelegte Planung verlangte von den Anwohnenden, den Traum der "grünen Insel" vis a vis der "steinernen Stadt" aufzugeben. Bei der Fachöffentlichkeit rief der Masterplan jedoch Begeisterung hervor (vgl. Amann 1996: 1161). Kaum eine Woche später wurde auf der Basis des Stadtteilentwicklungsplans "Solar Quarter Unterer Wöhrd" die Erarbeitung des städtebaulicher Rahmenplans durch die bisherige Planungsgemeinschaft vom Stadtrat beschlossen (Beschluß 3.12.1996).

Bürgerbegehren

Diese kontroversen Diskussionen in der Öffentlichkeit führten im Sommer 1999 schließlich dazu, daß die Bürgerinitiative "Gegen ein Solarquarter am Unteren Wöhrd" einen Bürgerentscheid bei der Stadt Regensburg einreichte. Mit 6000 Unterschriften richteten sich Bürgerinnen und Bürger gegen das "Solar Quarter" und forderten die Aufstellung eines Bebauungs- und Grünordnungsplans für den gesamten Unteren Wöhrd sowie eine sofortige Veränderungssperre nach § 14 BauGB. Diesem Antrag gab der Stadtrat kurzfristig nach und sorgte für Abhilfe des Bürgerbegehrens mit dem geforderten Bebauungsplanverfahren und einer Veränderungssperre. Da immenser Druck auf den Stadtoberen lastete, sollte mit einem vorgezogenen dialogorientierten Beteiligungsverfahren auf das Bebauungsplanverfahren hingearbeitet werden.

Konfliktpotentiale

 

In der Zeit von Dezember 1996 bis Juni 1998, in der der Masterplan von den Architektenteams und dem Zentrum für rationelle Energieanwendung und Umwelt GmbH (ZREU) als vertiefende städtebauliche Rahmenplanung weiterentwickelt wurde, wurde die Regensburger Öffentlichkeit so gut wie nicht informiert. Auch danach sickerten Informationen nur bruchstückhaft an die Öffentlichkeit, zuerst wurden Fachgremien bedient, z. B. der städtische Ausschuß für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen, der das Ergebnis einstimmig als Grundlage für alle weiteren Planungschritte auf dem Unteren Wöhrd beschloß. Kritischere Stimmen wurden aus dem Naturschutzbeirat sowie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege laut. Das Mißtrauen wuchs, denn schließlich lag die letzte Informationsveranstaltung zwei Jahre zurück.

Völlig unverständlich war es für die Regensburger Bürgerschaft, als zeitgleich für zwei Einzelvorhaben nach eingehender Behandlung im Ausschuß für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen sowie im Gestaltungsbeirat positive Bauvorbescheide nach § 34 BauGB erteilt wurden, die angeblich die Zielsetzungen des Rahmenplans berücksichtigten. Für die weitere Konkretisierung der Planung sah der Ausschuß die Aufstellung von Bebauungsplänen vor. Das war der Zündstoff für den zu Jahresbeginn 1999 eingeleiteten öffentlichen Diskurs, der letztendlich in einem Bürgerentscheid endete und die innovative Planung stoppte.

Verfahrenskritik betraf die mangelnde Informationspolitik der Stadt gegenüber der Bürgerschaft, Skepsis gegenüber den internationalen Architektenstars, den Expo-Zugzwang sowie die übereilten Vorbescheide ohne Anhörung der Bürgerschaft. Die Bürgerinnen und Bürger befürchteten eine "Salamitaktik" des Stadtplanungsamts zur Umgestaltung des Unteren Wöhrd. Von der "Interessengemeinschaft Unterer Wöhrd" wurden die zu starke bauliche Verdichtung, die massiven Eingriffe in die Auenlandschaft, die ungelösten Verkehrsprobleme sowie die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen kritisiert.

Bei einer Informationsveranstaltung der Stadt mit den Architektenteams am 26. Januar 1999 demonstrierten 400 Regensburgerinnen und Regensburger vehement ihre Befürchtungen, über die in der Presse reichlich berichtet wurde.

PlanungsDialog Unterer Wöhrd

 

Durch Veränderungssperre und zahlreiche Bauvoranfragen in Zugzwang mußte die Stadtplanung einen Weg finden, um die verhärteten Interessengegensätze aufzulösen und konstruktive Planungsansätze in Gang zu bringen. Die Stadt Regensburg, die sich parallel auch in anderen Planungszusammenhängen dialogbereit zeigte und mit Bürgerinnen und Bürgern z.B. bei der Neugestaltung der Verbindungsachse Hauptbahnhof – Altstadt, bei der Planung eines Hochwasserschutzes und bei der Standortsuche für ein Kultur- und Kongresszentrum erfolgreich zusammenarbeitete, entschied sich auch bei den Planungen zum Unteren Wöhrd für das Gespräch mit der Bürgerschaft. In einem dialogorientierten Beteiligungsverfahren, dem sogenannten "PlanungsDialog Unterer Wöhrd", sollte ein möglichst weitgehender Konsens für die Entwicklungen auf dem Unteren Wöhrd erarbeitet werden.

Die Ausgangsbedingungen waren nicht gerade einfach, denn neben den schon historisch zugespitzten Konflikten zwischen einzelnen Gruppierungen erschwerte auch die Gleichzeitigkeit des PlanungsDialogs Unterer Wöhrd mit anderen Beteiligungsverfahren in zweierlei Hinsicht das Arbeiten. Zum einen beanspruchte die Parallelität der Verfahren sowohl BürgerInnen als auch Planungsfachleute zeitlich in hohem Maße. Zum anderen gab es Überschneidungen zwischen den Planungsaufgaben der drei parallelen Verfahren, so ist z.B. der Untere Wöhrd auch hochwassergefährdet und somit Gegenstand des Runden Tisches zum Hochwasserschutz gewesen. Da mit dem Gelände des Eisstadions der Untere Wöhrd überdies ein möglicher Standort für das Kultur- und Kongresszentrum ist, wurde über ihn auch an einem Runden Tisch Kultur- und Kongresszentrum verhandelt.

Als Besonderheit kam noch hinzu, daß der Untere Wöhrd als "Insel" stark identitätsstiftende Wirkung für die dortigen BewohnerInnen hat, die bei der Gestaltung der Insel auf Kontinuität mit ihrer geschichtlichen Entwicklung bestanden. Oft gaben sie die Devise aus "Alles so lassen, wie es ist!". Diejenigen, die als mögliche Investorinnen / Investoren oder als Neubürgerinnen / Neubürger ein Auge auf die attraktive Wohnlage der Insel hatten, warfen den "Einheimischen" manchmal Inseldenken nach dem St. Floriansprinzip vor.

Unter dem übergeordneten Gesichtspunkt einer nachhaltigen Stadtentwicklung formulierten einige Akteurinnen / Akteure immer wieder das Ziel, mit Blick auf die Stadt-Umland-Problematik eine stärkere Verdichtung auf der Insel in Kauf zu nehmen, um sowohl die weitere Zersiedelung der Landschaft im Umfeld der Stadt zu verhindern als auch potentiellen Arbeitnehmerinnen / Arbeitnehmern in Regensburg attraktives Wohnen zu ermöglichen. Sie fanden auch nach langer Diskussion keine Zustimmung.

Grundprinzipien dialogischer Planung

Um niemanden auszuschließen und die unterschiedlichsten Interessenlagen zuzulassen, entschied sich das Moderationsteam für ein offenes und maximal transparentes Verfahren,

  • an dem grundsätzlich alle Interessierten gleichberechtigt teilnehmen konnten,
  • bei dem formale Prozeduren (wie Anmeldung, Auswahlgespräche
  • oder Verpflichtungserklärungen), die als Barriere wirken, vermieden wurden
  • in dem Fachleute aus Verwaltung und Architektenteams bei Bedarf Informationen gaben und zu strittigen Fragen Rede und Antwort standen
  • in dem das Arbeitsprogramm von den Teilnehmenden selbst nach Bedarf und Interessenlage bestimmt wurde
  • in dem Ergebnisse nach ausreichender Informations- und Diskussionszeit gemeinsam in einem "Empfehlungskatalog an Politik und Verwaltung" formuliert wurden und
  • in dem die neutrale externe Moderation als "Übersetzerin zwischen den auseinanderstrebenden Welten" den sachkompetenten Austausch ermöglichte und strukturierte.

Mit diesen konzeptionellen Grundprinzipien dialogischer Planung hatte das Moderationsteam bereits in verschiedenen anderen Projekten massive Konfliktlagen entzerren und konstruktive Zusammenarbeit in Gang setzen können.

Gesprächsbereitschaft

Nach einem turbulenten Auftakt, bei dem die angestauten Konflikte zunächst noch einmal zugespitzt zur Sprache kamen und das Mißtrauen in aller Schärfe und in alle Richtungen ausgesprochen wurde, kam aber bereits in der zweiten Arbeitseinheit der Wille zur Zusammenarbeit bei aller Divergenz deutlich zum Ausdruck. Das Moderationsteam drängte – nicht immer zur Freude der Konfliktparteien – strikt auf Sachlichkeit, Fairness und Respekt voreinander, was nach anfänglichem Sträuben akzeptiert wurde. Der gleichbleibend starke Zulauf zu den Veranstaltungen – es kamen bis zu 70 Personen – spricht für das Einverständnis mit dieser Art des moderierten Umgangs. Es war Aufgabe der Moderation, die Teilnehmenden dabei zu unterstützen,

  • die teilweise massiven Feindbilder abzubauen
  • die Chancen einer Mitwirkung am PlanungsDialog realistisch auszuloten
  • aber auch die Grenzen der Mitbestimmungsmöglichkeiten zu respektieren und
  • sich schließlich für das gemeinsame Arbeiten unter den gegebenen Bedingungen bewußt zu entscheiden.

Die letztgenannte Entscheidung stand bei der Auftaktveranstaltung auf der Kippe, da das Mißtrauen gegenüber der Verwaltung groß war. Als den Teilnehmenden die ihnen angebotene Chance aber bewußt wurde, nahmen sie sie an und entwickelten großes Engagement. Das Interesse war so groß, daß sie sich gegen ein zeitsparendes arbeitsteiliges Arbeiten in kleineren Gruppen und für die zeit- und konzentrationsaufwendige Arbeit im Plenum entschieden. Bei dieser klaren Motivation konnte schon in kurzer Zeit eine konstruktive zielorientierte Gesprächskultur erreicht werden.
Über den gesamten Prozess hinweg wurden neben inhaltlichen Aufgaben auch immer die konkreten Arbeitsbedingungen und die Arbeitsatmosphäre reflektiert. Hilfreich auch im Sinne des Gesprächsklimas war es, individuelle Entscheidungsgründe, Ängste und Bedenken offen auszusprechen, Widersprüche auszuhalten und Konsensspielräume auszuloten. Dies kostete zwar Zeit und oft auch einige Geduld in hitzigen und bisweilen chaotischen Diskussionen, erhöhte jedoch das gegenseitige Verständnis und im Ringen um Lösungen auch die Konsensbereitschaft.

Konsens- und Zielfindung

Nachdem in der ersten Workshoprunde des PlanungsDialogs die atmosphärischen Störungen zwischen Stadtplanungsamt und Bürgerschaft bereinigt worden waren, war die entscheidende Frage der Bevölkerung, ob der Masterplan Solar Quarter weiterhin verbindliche Arbeitsgrundlage für das dialogorientierte Beteiligungsverfahren sein sollte oder ob über neue Baustrukturen nachgedacht werden könne. Die Stadt gab den Weg frei für neue Überlegungen.
Die Teilnehmenden stimmten mehrheitlich den Planungszielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung für den Unteren Wöhrd zu:

  • Stärkung des einzigartigen Inselcharakters
  • Ressourcenbewußter Umgang mit Grund und Boden
  • Naturschutz und Landschaftspflege
  • Förderung einer ÖPNV-Anbindung sowie einer Fuß- und Radwege-Erschließung
  • Vorsorgender Umweltschutz.

Arbeitsprogramm im PlanungsDialog

Das Arbeitsprogramm im PlanungsDialog Unterer Wöhrd, das von den Teilnehmenden als Ergebnis des ersten Workshops im Oktober 2000 gemeinsam mit dem Moderationsteam inhaltlich festgelegt wurde, sah mehrere Schritte vor.

Okt. 2000 Informationsveranstaltung

Okt. 2000 Workshop zur gemeinsamen Festlegung des Arbeitsprogramms (inhaltlich und zeitlich)

Okt. 2000 Fachvortrag Andreas Feldtkeller über vergleichbare Planungen zum Französischen Viertel in Tübingen

Nov 2000 Thematische Arbeitskreise zu "Bestand, Bedarf und Grundsätze der städtebaulichen Entwicklung am Unteren Wöhrd" sowie "Hochwasserschutz"

Jan. 2001 Thematische Arbeitskreise zu "Städtebauliche Entwicklung" und "Verkehr am Unteren Wöhrd"

Febr. 2001 Thematische Arbeitskreise zu "Naturschutz / Grünordnung" und "Infrastruktur / Energie am Unteren Wöhrd"

März 2001 Abschließende Präsentation der Ergebnisse vor der breiten Öffentlichkeit.

Gearbeitet wurde nach Themenfeldern, die Ergebnisse sind nachfolgend systematisch und differenziert dargestellt.

Bürgerschaftliche Empfehlungen zu den Themenfeldern des PlanungsDialogs

Aufgabe des dialogorientierten Beteiligungsverfahrens für den Unteren Wöhrd war es, die Grundlagen für die vorgezogene Bürgerbeteiligung nach § 3 Abs. 1 BauGB zu erarbeiten. Die bereits in einer Öffentlichkeitsphase eingebrachten 75 schriftlichen Anregungen zur städtebaulichen Rahmenplanung Solar Quarter vom Januar 1999 bildeten daher die Ausgangssituation für den Dialog mit der Bürgerschaft.
In Vorbereitung des PlanungsDialogs wurden die schriftlichen Anregungen aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren zum Solar Quarter analysiert, ausgewertet, zu Themenfeldern zusammengefaßt, um Informationsdefizite, Anliegen und Wünsche offenzulegen und als Ausgangspunkt für die Arbeit in den geplanten thematischen Arbeitskreisen einzubringen.
Auch die schriftlichen Anregungen und Bedenken der Verbände und Träger öffentlicher Belange wurden analysiert. Da aber die Verbandsvertreterinnen und -vertreter vom BUND; VCD, SAMOS bei den Arbeitskreisen großteils anwesend waren – außerdem übergeordnete Fachvertreter an den thematischen Diskussionen teilnahmen –, sind deren Anmerkungen direkt in den Protokollen (siehe Anhang) festgehalten und werden im folgenden nicht noch einmal differenziert aufgeführt.
Um den Prozess der Zielfindung nachvollziehbar zu machen, beschreiben wir nachfolgend in den sechs Themenfeldern die einzelnen Schritte chronologisch:

  • schriftliche Anmerkungen
  • Auswertung nach Themenschwerpunkten
  • Empfehlungslisten.

Themenfeld: Wohnungs- und Städtebau

In den schriftlichen Anmerkungen der Bürgerschaft gab es vielfältige Äußerungen zum städtebaulichen Gesamtkonzept und zur Stadtgestalt, wie die folgende umfassende Aufzählung belegt:

Anmerkungen zur Stadtgestalt

  • Wirkung des Altstadtensemble geht verloren
  • Donauinsel nicht isoliert von der mittelalterlichen Stadt sehen
  • Gleichgewicht zwischen Stadträumlichkeit und Flußaue schaffen
  • Maßstäblichkeit der gegenüberliegenden Altstadt mitbedenken
  • Beeinträchtigung der unter Denkmalschutz stehenden Häuser vermeiden

Anmerkungen zu Wohnen/Architektur

  • zu dichte Bebauung, zu blockartig, zu massiv
  • Baugebiete A und B für § 34 BauGB zu groß
  • Baublock A: Baulinie an bestehende Gebäude anpassen, um
  • Verschattung, Verlärmung und Abgase einzudämmen
  • Genehmigung des Baublock B nach § 34 BauGB fragwürdig
  • keine ausreichende Belichtung und Besonnung; Nord-Süd
  • Ausrichtung der Gebäude unklar
  • Abstandsflächen werden erheblich unterschritten
  • Grünraum zwischen den Wohngebäuden auch für Spaziergänger zugänglich gestalten
  • Solaranlagen auf den Dächern installieren
  • Gebäudehöhen (max. 3 Geschosse) und Längen reduzieren
  • Gebäudehöhen am Rand der historischen Altstadt reduzieren, um Ortsbild und Altstadtsilhouette zu betonen
  • Öffnung der Höfe nach Süden der Bauabschnitte A,B,D,E
  • keine weitere Brücke, Nibelungenbrücke ausreichend
  • Kammstruktur: zu eintönig, schattig, additive Aneinanderreihung
  • Zwischenräume zwischen den Baukörper als Privaträume der Anwohner stören den öffentlichen Charakter der Auenlandschaft
  • Ungestörtes Wohnen verdammt die Fußgänger auf den schmalen Damm der Promenade
  • Baustadel und Bauholzstadel für öffentliche Nutzungen vorsehen (z.B. Schiffahrtsmuseum)
  • Pestspitäler als sozialgeschichtliche Zeugnisse erhalten
  • finanzielle Belastungen für die Grundstückseigentümer durch  weitere Infrastruktur- und Erschließungsmaßnahmen erläutern
  • Wöhrdstr. 48 – Gefahr durch Altlasten?
  • Architektur an den Alltagsbedürfnissen der Menschen orientieren
  • Denkmalschutz berücksichtigen
  • keine Grundstücke der Stadt an private Investoren verkaufen
  • Mietpreisanstieg und Immobilien zu erwarten
  • Unterer Wöhrd soll kein Schickimicki Stadtteil werden
  • wo arbeiten zukünftig die Menschen, die zum Unteren Wöhrd ziehen?

Die Anmerkungen der Bürgerschaft zu Stadtgestalt/ Wohnungs- und Städtebau / Architektur lassen sich zu folgenden Themenschwerpunkten und Forderungen zusammenfassen:

  • Bebauung auflockern
  • Abstandsflächen einhalten
  • Gebäudehöhe und Länge reduzieren
  • Freiraumgestaltung zwischen den Wohnblöcken überdenken
  • Altlastenfrage klären
  • Historische Bauten einer öffentlichen Nutzung zuführen
  • Finanzielle Belastung der Anwohner erläutern
  • Zielgruppe für das Wohnen im Unteren Wöhrd klären
  • Auswirkungen auf den Miet- und Immobilienmarkt bedenken

Die bürgerschaftlichen Anmerkungen spiegelten eine grundsätzliche Infragestellung des Projekts wider. Um die gesamte Bandbreite dieser umfassenden Fragen und Forderungen zu behandeln, war es notwendig, in zwei thematischen Arbeitskreisen einerseits die grundlegenden Fragestellungen der zukünftigen Entwicklung der Wohnbedarfsnachfrage, der Entwicklung der Bevölkerung und Haushaltsstruktur, der Arbeitsplatzentwicklung sowie Grundsätze zukünftiger Stadtentwicklung zu behandeln, andererseits konkrete räumliche Situationen zu diskutieren. Diese Aufgabenteilung war insofern wichtig, als damit die Stadtentwicklung als Ganzes und die Wechselwirkungen von Stadt(teil) und Umland immer wieder in den Focus genommen werden konnten, um die Bedeutung des Unteren Wöhrd für die Stadt Regensburg richtig einzuschätzen.

Im thematischen Arbeitskreis "Bestand, Bedarf und Grundsätze" fand eine sehr intensive und emotional geführte Diskussion über die möglichen Entwicklungstendenzen am Unteren Wöhrd statt. Die städtischen Fachämter lieferten hier umfassende Informationen und erläuterten die zugrundeliegenden Planungsgrundsätze und -ziele.

Auf diese Weise wurden die Teilnehmenden fundiert informiert und durch den direkten Dialog mit der Stadtplanung in die Lage versetzt, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Das intensive Ringen um eine behutsame Entwicklung für die Insel stellt eine entscheidende diskursive Qualität im PlanungsDialog Unterer Wöhrd dar.
Nach ausführlicher Diskussion wurden Empfehlungen zu "Bestand, Bedarf und Grundsätzen der städtebaulichen Entwicklung am Unteren Wöhrd" gemeinsam verabschiedet:

  • Der grüne Charakter der Insel soll nachhaltig gestärkt und entwickelt werden;
  • ein durchgehender breiter Grün- und Auengürtel im Norden der Insel wird gewünscht, mit dem Ziel der Schaffung von Erholungs- und extensiven Spielflächen, der Förderung der stadtklimatischen Wechselbeziehungen und der Freihaltung des Hochwasserabflußbereichs;
  • eine behutsame bauliche Ergänzung wird empfohlen;
  • die Teilnehmenden des PlanungsDialogs Unterer Wöhrd sind mehrheitlich überzeugt, daß der Verzicht auf die Realisierung des Blocks B (LWS) im Interesse der gesamten Planung und Entwicklung politisch geboten ist;

  • ein familien- und kindergerechter Wohnungsbau hat Vorrang vor gewerblicher Nutzung;
  • das Gebäude an der Maffeistrasse 2 als nördliche Begrenzung der Bebauung in die Überlegungen zum städtebaulichen Ansatz einbeziehen,
  • eine städtebauliche Bereinigung der Werftstraße soll unter Berücksichtigung der historischen Struktur des Fischerviertels erfolgen.

Die Empfehlungen zum Thema "Sozialverträglicher Städtebau" lauten:

  • Eine behutsame bauliche Ergänzung wird gewünscht durch individuelles, städtisches Bauen sowie bauliche Vielfalt durch kleinteilige Parzellierung
  • als städtebaulicher Ansatz soll ein Gegenpol als Maßstab zur Gründerzeitbebauung gewählt werden;
  • es sollen keine hohen Einzelhäuser vorgesehen werden;
  • das Strukturkonzept soll eine niedrige, eher zusammenhängende, differenzierte der Straßenraum zur Wöhrdstraße soll geschlossen werden, indem die Vorgärten von der nördlichen Straßenseite und eine ausfransende Bauflucht nach Süden zum Fluß beibehalten werden;
  • Vorgabe der einer größeren Dichte in zentralen Bereichen, abnehmende Dichte zum Flußufer hin;
  • die Stadt Regensburg soll durch Grundstücksvergabe soziale Projekte unterstützen (z.B. gemeinschaftsorientiertes und genossenschaftliches Wohnen);
  • bauplanungsrechtliche Vorgaben sollen Nutzungsmischung mit Schwerpunkt Wohnen ermöglichen;
  • der Bau eines RKK würde die bisher formulierten Ziele negativ beeinflussen;
  • der historische Denkmalcharakter des Unteren Wöhrd soll als "Gedächtnis der Stadt Regensburg" erhalten werden;
  • Mischnutzung soll auch im Bestand beibehalten werden.

 

Themenfeld: Hochwasserschutz

Die Teilnehmenden waren bereits durch die parallelen Diskussionen und die laufende Presseberichterstattung zum Runden Tisch Hochwasserschutz für diese stadtweit aktuelle Thematik sensibilisiert. Im Arbeitskreis Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd wurden mögliche Hochwasserschutzmaßnahmen mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsexperten der Regierung von Oberpfalz speziell für den Unteren Wöhrd diskutiert.

Im Vorfeld waren bereits folgende Anmerkungen zum Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd geäußert worden:

  • Retentionsflächen durch massive, 2 m hohe bereits genehmigte
  • Aufschüttung am Donau-Nordarm vermeiden
  • Verlust der Auwaldzone verhindern
  • vor Planungs- bzw. Baubeginn ein Hochwasserschutz-Gesamtkonzept vorlegen
  • keine feststehende Hochwassermauer in der Werftstraße bauen
  • mobile Ständerwände 1,2m hoch (Kölner Modell) vorsehen
  • was passiert bei Überflutungen mit den Häusern in den Wannen,  den technischen Hochwasserschutzanlagen?

Zu Beginn der Diskussion wurden den Teilnehmenden der umfassende Begriff und die daraus resultierenden Maßnahmen zum Hochwasserschutz erläutert. Unter dem Begriff Hochwasserschutz wird danach sowohl der Schutz vor dem Fließgewässer, als auch der Schutz vor dem Grundwasseranstieg als auch der geregelte Ablauf von Niederschlags- und Abwässern subsumiert. Nachdem einige Teilnehmende über den Diskussionsstand am parallel laufenden Runden Tisch zum Hochwasserschutz berichteten, wurden speziell für den Unteren Wöhrd folgende Empfehlungen formuliert.

Hochwasserschutzmaßnahmen sollen auf der Nordseite bei Zurücknahme des Deichs in landschaftsgestalterischer Form, auf der Südseite maximal mobil, urban gestaltet z.B. Sockelmauer, erfolgen.

Themenfeld: Verkehrsplanung

In der vorangegangenen Öffentlichkeitsphase hatte die Bürgerschaft zahlreiche schriftliche Anmerkungen zum Themenfeld Verkehr abgegeben:

  • so wenig wie möglich zusätzliche Autos auf die Insel bringen
  • keine Autobrücke nach Weichs bauen
  • zu schmale Straßen, zu wenig Parkmöglichkeiten vorhanden
  • Parksuchverkehr auf Wöhrd- und Werftstr. einschränken
  • die verkehrsmäßigen Auswirkungen der erweiterten Bebauung sind ungeklärt, insbesondere durch die zunehmende Bevölkerung
  • welche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sind für die Wöhrdstr. vorgesehen?
  • straßenbautechnische Veränderungen, Art und Kostenumfang eventueller Verbreiterungen der Wöhrdstr. mitteilen
  • Zufahrten sind jetzt schon schwierig und werden verschärft
  • Verlegung des Busparkplatzes wird begrüßt
  • Verkehrsströme in Zusammenhang mit Donaumarkt und Stadthalle untersuchen
  • sind Tiefgaragen hochwasserfrei?
  • statt Eisstadion lieber Parkhaus bauen
  • eine weitere Brücke bauen
  • Tunnel unter der Donau bauen
  • Tiefgaragenausfahrt Proskestr. erzeugt Lärm und Abgasbelästigung

Der thematische Arbeitskreis Verkehr wurde vor diesem Hintergrund mit folgenden offenen Themenschwerpunkten eröffnet:

  • Welches Verkehrskonzept liegt dem städtebaulichen Konzept Unterer Wöhrd zugrunde?
  • Wie soll der Durchgangs- bzw. der ruhende Verkehr (Stellplätze, Parkhaus) geregelt werden (z.B. Wöhrd- und Werftstraße)?
  • Welches zusätzliche Verkehrsaufkommen durch den Anwohnerzuwachs und in Zusammenhang mit Donaumarkt und Stadthalle wird erwartet?
  • Wie sehen die straßenbautechnische Verkehrsberuhigungsmaßnahmen aus?
  • Wie hoch wird die Abgas- und Lärmbelästigungen sein?

Die städtischen Verkehrsplaner griffen diese Fragen auf und erklärten ausführlich die zukünftigen Verkehrsentwicklungsziele.
Bei dieser Diskussion der zukünftigen Verkehrsplanung für den Unteren Wöhrd spielte insbesondere die gesamtstädtische Sichtweise eine erhebliche Rolle, so daß zunehmend die Inhalte des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) in den Vordergrund rückten, wie z.B. die Stadtbahnführung, neue Buswegelinien und Brückenbauwerke. Angesichts der im PlanungsDialog nicht zu bewältigenden thematischen Breite dieser Perspektive konnten nur vorläufige Empfehlungen zu einigen Aspekten des Verkehrs auf dem Unteren Wöhrd formuliert werden, die im weiter fortgeschrittenen Planungsstadium und Umsetzungsprozeß des VEP nochmals mit der Bürgerschaft diskutiert und dann vervollständigt werden sollten.

Sehr ausführlich wurde über die Parkplatzsituation, aber auch die grundsätzliche Funktion des Unteren Wöhrd für die Altstadt diskutiert. Zeitweise wurde auch ein möglicher Tunnelbau angedacht. Formuliert worden sind schließlich Empfehlungen zu Teilaspekten.

Es wird für den fließenden Verkehr gefordert:

  • den Durchgangsverkehr durch kurzfristige Sperrung des Fischmarktes zu reduzieren, mittelfristig den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) zu verwirklichen;
  • die Wöhrdstraße als Tempo 30 Zone einzurichten;
  • keine weitere MIV Verbindung nach Norden zu schaffen,
  • den Parksuchverkehr in der Werftstraße zu vermeiden.

Für den ruhenden Verkehr wird gefordert:

  • Fremdparkierung langfristig auf dem ganzen UW, kurzfristig in der  Werftstraße zu vermeiden;
  • Quartiersparkierung sowohl für den Bestand als auch für Neubauten zu schaffen;
  • die Vorgärten in der Werftstraße und auf der ganzen Insel in ihrem ursprünglichen Charakter zu erhalten.
  • Ein Minderheitenvotum formuliert: Im Interesse der Altstadt sollten bei der Nibelungenbrücke Parkierungsmöglichkeiten erhalten  werden

Für den ÖPNV wird gefordert:

  • keine Grieser Brücke (einstimmig)
  • ÖPNV Alternativen sind zu untersuchen. Das Ergebnis ist mit den
  • Betroffenen abzustimmen und soll im künftigen Bebauungsplan einfließen
  • der UW will nicht die Funktion der Steinernen Brücke zusätzlich übernehmen
  • der UW ist bereit, Funktionen des ÖPNV auch künftig zu übernehmen, aber nicht als Hauptachse (sondern moderate Nutzung)
  • es werden keine Aussagen zum Gesamt-VEP der Stadt Regensburg getroffen, da dieser zu vielschichtig und umfangreich ist und weit über die Interessen des UW hinausgeht.

Die Diskussionen um die verkehrliche Entwicklung in Regensburg allgemein und auf dem Unteren Wöhrd speziell erforderte mehr Zeit als zur Verfügung stand, so daß dieser Dialog nicht als beendet anzusehen ist. Die Rad- und Fußwegeplanungen konnten z.B. aufgrund von Zeitknappheit nicht behandelt werden.

Themenfeld: Naturschutz und Grünordnung

Die schriftlichen Anmerkungen im Beteiligungsverfahren zum Solar Quarter bezogen sich im wesentlichen auf den Naturerhalt der Auenlandschaft und den engen Bezug der Anwohnenden zum Fluß:

  • Naturnaher Landschaftsraum mit klimatischen und ökologischen Ausgleichsfunktionen sichern
  • Sichtbeziehungen zur Donau erhalten
  • Ursprüngliche Naturräume, Reste der Auenvegetation erhalten "der Spitz" soll in seiner natürlichen Form erhalten bleiben
  • Donauinsel als grüne Lunge der Stadt erhalten
  • Naherholungsfunktion für die RegensburgerInnen sichern
  • Stadt am Fluß im Rahmen einer Landesgartenschau veranschaulichen
  • Stadtpark Ost am Unteren Wöhrd in der Holzgartenstr. DEZ planen "grüne Insel" vorwiegend für Erholungs- und Freizeitinsel nutzen
  • Grünpark mit Spazierwegen vorsehen, Öko-Station, Solarinstitut, Ökologische Bauformen verwirklichen
  • zum Uferbereich offen und für Luftströmungen durchspülbar
  • ökologischen Auswirkungen der Planung untersuchen
  • Grünflächenanteil als Ergänzung für die steinernde Stadt erhalten
  • Vertreibung von Vögel und anderen Tieren vermeiden

Aus diesen Anmerkungen der Bürgerschaft zu Natur, Landschaft und Erholung konnte die Diskussion um das städtebauliche Entwicklungskonzept für den Unteren Wöhrd mit folgenden Fragen bzw. Schwerpunktthemen eröffnet werden:

  • ursprünglichen Auenlandschaft erhalten den Gegensatz "steinernde Stadt" und "grüne Insel" (grüne Lunge) erhalten
  • Sichtbeziehungen zur Donau erhalten
  • Den "Spitz" in seiner natürlichen Form erhalten
  • keine intensiv gestalteten Grünbereiche mit Sportanlagen und Aussichtsplattformen (vor allem im Bereich des Spitzes) vorsehen
  • Spazierwege auf der Wöhrdspitze verbessern

Hauptanliegen der Teilnehmenden des Arbeitskreises war es, der Natur und Landschaft Vorrang einzuräumen. Die formulierten Ziele des Arten- und Biotopschutzprogramms wurden für den Unteren Wöhrd unterstützt. Folglich wurde die Erhaltung der Auenlandschaft auch in Hinblick auf den Hochwasserschutz gefordert. Zielkonflikte mit der Erholungsfunktion des Unteren Wöhrd für die Regensburger Bürgerschaft wurden nicht gesehen.

Aufgrund dieses eindeutigen Votums für den Vorrang der Natur rückte die Stadtplanung hier weitgehend von der ursprünglichen Planungskonzept ab, die einen erheblichen Eingriff in den Naturhaushalt der Auen bedeutet hätte. Die Empfehlungen lauten:

  • Berücksichtigung und Umsetzung der Ziele des ABSP bei Aufstellung des Bebauungsplans (Schaffung und Optimierung von autypischen Biotopen)
  • Schaffung zusätzlicher Hochwasserabflußbereiche und Retensionsräume durch Abgrabungen sowie Vermeidung weiterer Aufschüttungen
  • die Lazarettspitze östlich der Pesthäuser ist ausschließlich für Naturschutzbelange zu erhalten bzw. zu optimieren
  • Es wird dem Stadtrat und dem Oberbürgermeister empfohlen den Film Topographie Regensburg von Dieter Wieland, BR 1986 anzusehen
  • der nördliche Uferbereich des UW und die Lazarettspitze soll dem Fluß und der Natur dienen
  • Hochtrasse zwischen Bebauung und Damm sollen der Erholungsfunktion dienen
  • für den südlichen Uferbereich entlang der Werftstr. begrüßen wir die städtische Planung zur Neupflanzung der km-Pappel und Erarbeitung und Diskussion alternativer Gestaltungskonzepte für die Werftstraße
  • Bestandsschutz für die Baumreihe am Busparkplatz und Weiterführung des Grünstreifens der Vorgärten nach Osten die Wöhrdstraße als Haupterschließungsachse sollte mit einer durchgehenden Leitpflanzung aufgewertet werden.

Themenfelder: Infrastruktur und Energie

Die schriftlichen Anmerkungen der Bürgerschaft zum Solar Quarter zeigen, daß hier das städtebauliche Gesamtkonzept nicht ausreichend deutlich gemacht worden ist, denn es standen folgende Befürchtungen im Vordergrund der Einwendungen:

  • Vertreibung ärmerer Bewohnerinnen und Bewohner des Unteren Wöhrd
  • ein Lebensmittelladen ist nicht existenzfähig
  • ausreichend Kindergärten im Umkreis vorhanden
  • Post, Geschäfte in unmittelbarer Nähe
  •  Veraltete Technik wie Fernbeheizung über Blockheizwerke nicht einsetzen
  • Weigerung die bestehenden Häuser an das BHKW anzuschließen
  • Energetisch/ solares Konzept erläutern

Die Diskussion im Arbeitskreis Infrastruktur / Energiekonzept knüpfte an folgende Schwerpunktthemen und Fragen an:

 

  • Werden die vorgesehenen Infrastruktureinrichtungen überhaupt nachgefragt?
  • Kommt es zur Verdrängung ärmerer Bevölkerungsteile?
  • Wieso heißt das Quartier "Solar Quarter"?
  • Welche zukunftsweisenden Komponenten werden verwendet?

Die Existenzchancen neuer Infrastruktureinrichtungen auf dem Unteren Wöhrd wurden größtenteils in Frage gestellt. Verstärkt setzten sich die Teilnehmenden für die Profilierung des Unteren Wöhrd durch Umnutzung historischer Bauten ein.

Vortrag und Diskussion zum solaren Konzept an Gebäuden hatten stark informativen Charakter, es wurden prinzipiell keine Einwendungen erhoben. Hingegen wurde der Beitrag des Städtebaus zur Schonung von Energieressourcen durch verminderten Einsatz des motorisierten Individualverkehrs und Stärkung des ÖPNV für den Unteren Wöhrd von den Anwohnenden abgelehnt. An Empfehlungen wurde schließlich formuliert:

  • Es ist der Wunsch der Anwesenden, den Standort Unterer Wöhrd für das Schifffahrtsmuseum zu erhalten und weiterzuentwickeln unter Nutzung der historischen Gebäude (Stadel)
  • Die Stegverbindung unter Berücksichtigung der historischen Situation im Bereich der königlichen Villa wird befürwortet.
  • Bei Bedarf ist ein Kindergarten im Bereich des ehemaligen Werkhofs vorstellbar
  • Freizeiteinrichtungen für Jugendliche sind im Bereich der Jugendherberge denkbar
  • Bestandsschutz für die Jugendherberge soll vorgesehen werden ausreichende Nahversorgungsmöglichkeiten sind zu fördern Mustersanierung des Gebäudes Maffeistr. 2 unter energetischen Gesichtspunkten
  • Neues Energiekonzept für den Unteren Wöhrd erarbeiten.

Die Freude bei den Teilnehmenden am PlanungsDialog war groß, daß das "exponierte" Projekt Solar Quarter damit vom Tisch war. Wie ernst die Stadt Regensburg die Forderung nahm, zeigte sich u.a. auch daran, daß bereits während des PlanungsDialogs eine konzeptionelle Überarbeitung des städtebaulichen Rahmenplans mit vergrößerten Grünzonen und Biotopflächen sowie Hochwasserschutzflächen vorgestellt wurde. Damit war der Diskussionsstand der Planungsalternative "Behutsame Erneuerung" aus dem Jahr 1990 hergestellt.

In den geschilderten thematischen Arbeitskreisen ließen sich viele Fragen klären, manches blieb aber auch weiterhin aus Sicht der Teilnehmenden noch strittig, wie z.B. die Realisierung des Blocks B (LWS), dessen Verzicht gefordert wurde. Manche Diskussionen führten auch zu unerwarteten Ergebnissen, wie z.B. die Empfehlungen zu einem "behutsamen" sowie "familien- und kindergerechter" Wohnungsbau (was bedeutet: keine hohen Einzelhäuser, sondern vielmehr eine niedrige, zusammenhängende Bebauung, die an den Dichtewerten der Altstadt (GFZ 2,3) orientiert sein sollte).

Individuelles städtischen Bauen, bauliche Vielfalt und kleinteilige Parzellierung sowie soziale Projekte zum gemeinschaftsorientierten Wohnen wurden gewünscht. Die Stadtplaner waren verwundert, daß sich die Teilnehmenden für diese städtebauliche Dichte aussprachen, lag sie doch wesentlich höher als die im Masterplan Solar Quarter vorgesehene GFZ von 1,3 bis 1,7.

Zur Rolle von planender Verwaltung, Stadtpolitik und Medien

Auf der Basis des konzeptionell überarbeiteten städtebaulichen Rahmenplans wurden die einzelnen Aspekte der Planung aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert. Die notwendigen Grundlageninformationen wie z.B. die Prognosewerte zu Bevölkerungsentwicklung und Haushaltsstruktur, Wohnungsbedarfszahlen, denkmalpflegerische Aspekte, die Erläuterung zur Biotop- und Freiflächensituation und Klimafunktion des Unteren Wöhrd, Hochwasserschutzmaßnahmen sowie die Neuorganisation des Park- und Durchgangsverkehrs auf dem Unteren Wöhrd lieferten städtische bzw. staatliche Fachämter sowie Architektenteams.

Aufgabe von Fachplanerinnen und Fachplanern war dabei ausdrücklich nicht, vorliegende Planungen zu verteidigen oder Äußerungen von Teilneh-merInnen kritisch zu kommentieren, sie sollten vielmehr das benötigte Fachwissen möglichst "wertfrei" zur Verfügung stellen. Zur Glaubwürdigkeit von Dialogprozessen gehört es, daß sich die Teilnehmenden nicht im spekulativen Raum bewegen, sondern wirklichkeitsrelevante Empfehlungen auf der Basis eines fundierten Wissens erarbeiten können.
Daß die Stadt Regensburg, insbesondere das Stadtplanungsamt, wollte die Kooperation mit der Bürgerschaft nachdrücklich und hat die Bedingungen für die Zusammenarbeit optimal gestaltet, z.B. durch

  • regelmäßige und systematische Information zu den Dialogangeboten und ihren Ergebnissen in den Medien (Presse, TV, Internet)
  • Ausstattung mit den nötigen Materialien (Broschüren, Pläne, Hintergrundinformationen)
  • arbeitsfreundliche Räumlichkeiten für die Wochenendtreffen
  • aufmerksame Verpflegung der Dialog-Interessierten
  • fachplanerische Begleitung des Prozesses. So waren die Fachplanerinnen und Fachplaner großenteils an den Wochenend-Workshops anwesend. Sie haben die damit verbundene zeitliche Mehrbelastung im Interesse einer kooperativen Planung in Kauf genommen.
  • Dies alles hat die Diskussionen sehr erleichtert und die Möglichkeiten einer Konsensfindung gesteigert.

Auch interessierte Stadträtinnen und Stadträte haben sich die Zeit genommen und an den Wochenend-Veranstaltungen teilgenommen, um die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger möglichst im Originalton zu hören. Sie empfanden es als hilfreich für ihre politische Arbeit und Entscheidungsfindung, der Diskussion direkt beizuwohnen und die Meinungsbildung der Bürgerschaft mitzuerleben.

Dieses Interesse wurde von den Bürgerinnen und Bürgern einerseits begrüßt, andererseits aber auch mit Skepsis betrachtet, weil befürchtet wurde, daß Stadträtinnen und Stadträte die Meinungsbildung möglicherweise parteipolitisch zu beeinflussen suchen. Diese Wünsche und Bedenken wurden gemeinsam besprochen und gegeneinander abgewogen. Über die prinzipielle Richtigkeit des "offenen Beteiligungsverfahrens" waren sich die Anwesenden einig: es sollte niemand von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Die interessierten Stadträtinnen und Stadträte haben sich in diesem Sinne zu einer weniger aktiven Rolle entschlossen, die Diskussionen aber engagiert verfolgt, ggf. mit Informationen bereichert, sich im übrigen aber an der Formulierung von Empfehlungen nicht beteiligt.

Nicht nur die FachplanerInnen und StadtpolitikerInnen trugen zum guten Gelingen des Dialogs bei, auch die lokalen Medien unterstützten den Informationsfluß und die Vertrauensbildung kompetent, was durchaus nicht selbstverständlich ist.

Wenn nach einer Zeit massiver Konflikte Dialogprozesse in Gang gesetzt werden, ziehen sie das Interesse der Medien auf sich. Das kann von Vorteil, aber auch von Nachteil sein. Regelmäßige sachliche Berichterstattung erhöht Kompetenz und Motivation in der Bevölkerung, unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Vorhabens, steigert die Transparenz. Medienberichterstattung wirkt aber störend, wenn unkorrekte, parteiische oder desinformierende Meldungen gebracht werden. Der Öffentlichkeitsarbeit ist daher in Beteiligungsverfahren große Aufmerksamkeit zu widmen.

Für den PlanungsDialog Unterer Wöhrd wurde eine enge Zusammenarbeit zwischen Moderation und Presseamt der Stadt vereinbart, um die Medien regelmäßig und ausführlich zu informieren. Im einzelnen wurde vereinbart:

  • Pressekonferenzen, Interviews, Pressemitteilungen und Artikel in der örtlichen Presse werden von der Moderation übernommen.
  • Die Protokolle der Arbeitssitzungen sind nicht nur regelmäßig an alle Teilnehmenden, sondern auch an alle interessierten Medien zu  verschicken.
  • Das Presseamt der Stadt eröffnet einen speziellen Internet-Zugang. Im Internet sind Basisinformationen zum PlanungsDialog und  Protokolle der Arbeitssitzungen zugänglich.
  • Interessierte können sich mit ihren Beiträgen und ihrem Fragebedarf auch außerhalb der Arbeitsveranstaltungen direkt an das Stadtplanungsamt oder an das Moderationsteam wenden.

Auf diese Weise konnten sich auch diejenigen, die an den Veranstaltungen nicht teilnehmen konnten, jederzeit ausführlich informieren und ggf. auch zu einem späteren Zeitpunkt in den Arbeitsprozess einschalten.

Aufgaben der externen Moderation

Insbesondere bei gewachsenen, beharrlichen Konflikten erleichtert eine externe, neutrale Moderation und Prozessbegleitung die Wiederaufnahme und Neugestaltung von Gesprächen zwischen Planung, Politik und Bevölkerung erheblich. Wenn VertreterInnen aus Politik oder Verwaltung solche Prozesse moderieren, treffen sie oft auf Ablehnung, weil ihnen Voreingenommenheit oder Parteilichkeit unterstellt wird. Geeigneter, um verschüttetes Vertrauen und gegenseitiges Verständnis Schritt für Schritt wieder herzustellen, sind daher Personen, die keine Eigeninteressen mit dem Planungsvorhaben verbinden und sich "nur" um die fachlich kompetente Gestaltung der brachliegenden Kommunikation kümmern müssen.

Die Moderation gibt den Umgangsstil vor, sorgt für ein respektierendes Gesprächsklima und für günstige Arbeitsbedingungen. Die anfangs oft noch von Aggressionen beherrschte Diskussion wird von der Moderation strukturiert, gegenseitige Vorwurfshaltungen – bis hin zu Beschimpfungen und Verdächtigungen – werden aufgegriffen und bearbeitet, unterschiedliche Interessen erhalten den ihnen zustehenden Raum, Minderheiten und Minderheitenvoten werden geschützt, Mißverständnisse möglichst ausgeräumt.

Aus dem Labyrinth von vorgefaßten Meinungen und verhärteten Konflikten sind in Regensburg Gesprächsstrukturen und Konsensprozesse entstanden, die weit über die Zeit des Dialogprozesses hinaus weiterwirken können. Daß die Bevölkerung einen der von der Moderation gewiesenen Wege tatsächlich ging und das Gesprächsangebot nutzte, lag in ihrer Hand. Nur weil sie sich aus freien Stücken für eine faire und von gegenseitigem Respekt getragene Gesprächsform entschied, konnte der Beteiligungsprozess erfolgreich sein. Die Menschen selbst kann auch eine Moderation nicht ändern, wohl aber die Gesprächskultur.

Manche Moderationsteams geben einem Beteiligungsverfahren dadurch Struktur, daß sie verbindliche Tagesordnungen, Arbeitsprogramme und Aufgabenverteilungen vorgeben und die Bürgerschaft zur Einhaltung dieser Vorgaben verpflichten. Wir ziehen es vor, obwohl der Dialogprozess für die Moderation dadurch deutlich aufwendiger wird, den "natürlichen Verlauf des Arbeitsprozesses" modulierend zu unterstützen und je nach Interessenlage der Teilnehmenden auch die beschlossenen Programmabfolgen ggf. wieder zu ändern. Dies kann sich aus unterschiedlichen Gründen – inhaltlichen, strategischen, gruppendynamischen – anbieten.

Auf diese Weise wird es für die Beteiligten komfortabler und im Sinne der Konsensfindung effektiver.
Vertrauensbildend und gleichzeitig strukturierend wirken sich auch die Leistungen des Moderationsteams bei der Protokollierung der Ergebnisse und deren Fortschreibung im Laufe des Dialogprozesses aus. Die gemeinsam formulierten Empfehlungen haben Gültigkeit bis sie ggf. – gemeinsam – widerrufen oder modifiziert werden. Diese Verfahrenssicherheit empfiehlt sich gerade in konfliktären Prozessen.

Im PlanungsDialog Unterer Wöhrd haben sich die weiter oben geschilder-ten Prinzipien der Moderation gut bewährt. Indem das Moderationsteam für die Einhaltung dieser Prinzipien stand und Irritationen fernhielt, konnten sich die Teilnehmenden auf das Inhaltliche und das Gruppengeschehen konzentrieren, was zu fundierten Ergebnissen führte.

Resümee

Die Bereinigung des Konfliktes um die Planungen am Unteren Wöhrd ist in dem beschriebenen Verfahren mit einem durchaus vertretbaren Aufwand gelungen, weil sich alle Beteiligten dazu motivieren ließen, frühere Konfliktmuster zu verlassen und neue Formen des Miteinander zu gestalten. Der PlanungsDialog Unterer Wöhrd zeigt, daß die Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung ihrer Stadt interessiert, daß sie engagiert beim Mitgestalten sind und daß sich Planungsvorhaben unter Einbeziehung der Bürgerschaft sehr wohl und sehr gut konkretisieren lassen.

Die Kreativität der Planenden ist dadurch jedoch keineswegs ersetzt worden. Sie ist mehr denn je gefordert, wenn es gilt, aus den Vorstellungen der Bürgerschaft baulich-räumlich lebenswerte Strukturen zu entwerfen.
In Regensburg hat sich gezeigt, daß Großprojekte wie das Solar Quarter nicht mehr über die Köpfe der Menschen hinweg hierarchisch durchgesetzt werden können, sondern von einer kritisch interessierten Bürgerschaft begleitet werden sollten. Reine Informationsveranstaltungen, etwa im Stile der gängigen Bürgerversammlungen, reichen heutzutage nicht mehr aus, denn es gibt zunehmend mehr Bürgerinnen und Bürger, die sich intensiv mit Planungen auseinandersetzen (wollen). Daher sind Phasen der Öffentlichkeitsbeteiligung aus dem Planungsverlauf nicht mehr wegzudenken.

Planende Verwaltung und Politik werden sich, wie der Regensburger Oberbürgermeister richtig erkannte, wohl auch in Zukunft auf die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung einlassen müssen – und das nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich und systematisch. Auch der PlanungsDialog Unterer Wöhrd dürfte mit den geschilderten Ergebnissen noch keineswegs abgeschlossen sein, sicherlich wird der Bebauungsplanentwurf ähnlich kritisch durchleuchtet werden. Das sollte aber nicht daran hindern, die in wenigen Monaten erzielten Erfolge schon einmal zu würdigen. Zu betonen sind die Zufriedenheit bei der engagierten Bevölkerung, die ihre Interessen in einen ausführlichen Empfehlungskatalog aktiv einbrachte, Zufriedenheit bei der Stadtplanung, deren großer Einsatz an Fachpersonal und Gesprächsbereitschaft sich angesichts konkreter Aussagen der Betroffenen lohnte, Zufriedenheit bei den Stadträtinnen und Stadträten, die hautnah erleben konnte, was diejenigen bewegt, die sie in den Parlamenten vertreten, und Zufriedenheit beim Moderationsteam, dessen Interventionen den sozialen Frieden stärken und das Gespräch wieder ins Laufen bringen konnten.

Die hoch gesteckten Ziele des Expo-Projektes Solar Quarter sind deutlich zusammengestrichen und auf das für die betroffene Bevölkerung verträgliche Maß der Entwicklung reduziert worden. Die Architekturbüros werden mit den Ergebnissen momentan wohl nicht so zufrieden sein wie die Bürgerschaft, aber vielleicht ergeben sich auch für sie in der Zukunft wieder neue, interessante Ansatzpunkt für den Unteren Wöhrd. Es wird sich auch erst in der Zukunft zeigen, wie weitreichend Stadtpolitik, Stadtplanung und übergeordnete Fachbehörden die bürgerschaftlichen Empfehlungen anerkennend in die Umsetzung bringen. Grundsätzlich sind die Chancen dafür gut.

Literatur

Amann, Ingrid: Solar Quarter Unterer Wöhrd, in: Bauwelt 20/1996, S. 1158 -1161

Böken, Claudia: Bewohner am Unteren Wöhrd fürchten um ihre Insel, in: Mittelbayerische Zeitung vom 28.1.1999

Grüger, Christine; Schäuble, Ingegerd: Stadtteilekonferenz Hauptbahnhof-Laim-Pasing: Reflexionen zur Beteiligung von BürgerInnen am Planungsprozeß aus Sicht der Moderation, unveröffentlichtes Manusskript, München 1999

Grüger, Christine; Schäuble, Ingegerd: Vom Masterplan zum Planungsdialog. Die wechselvolle Geschichte des "Solar Quarter Unterer Wöhrd", in: RaumPlanung 95/ 2001, S. 86-91

Grüger, Christine: Kooperation statt Konfrontation, in: Bei uns. Die Stadt Regensburg informiert, Nummer 102. Januar 2001, S. 19-20

Kohlmaier, Hannes: Solar Quaterloo! Bürger beerdigten Solar Quarter, in: Donaublizz aktuell vom 23.1.2000

Schäuble, Ingegerd: Vom Solar Quarter zum "PlanungsDialog Unterer Wöhrd", in: Bei Uns. Die Stadt Regensburg informiert, Nr. 102, S. 21-22

Stadt Regensburg: Informationsblatt zum Solar Quarter Unterer Wöhrd, Regensburg 1999

Stadt Regensburg: Chronologische Übersicht Bauvorhaben der Stadt Regensburg, 1999

Stadt Regensburg: Regensburg - Bauen in einer 2000 Jahre alten Stadt. Solar Quarter Unterer Wöhrd, Regensburg Mai 2000

ANHANG


Chronik der BürgerInnenbeteiligung am Unteren Wöhrd

Protokolle des PlanungsDialogs

Pressespiegel zum PlanungsDialog

Chronik der BürgerInnenbeteiligung am Unteren Wöhrd

September 2000 BürgerInnenbeteiligung "Unterer Wöhrd" Kooperatives Planungsverfahren

Juni 2000 Expo Projekttag auf dem Architekturschiff

Mai 2000 Fachbroschüre "Solar Quarter Unterer Wöhrd"

Dez. 1999

Beschluß zur Aufstellung eines B-Plans und Erlaß einer Veränderungssperre für den gesamten "Unteren Wöhrd"
Bericht über die Bürgerbeteiligung und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange
Beschluß zur Durchführung eines kooperativen Planungsverfahrens als Grundlage für die Erstellung eines Bebauungsplan-Vorentwurfes mit integrierter Grünordnung
Beschluß zu Änderung des FNP im Bereich "Unterer Wöhrd"
Juli - Oktober 1999 Auswertung/Bearbeitung der Bürgeranregungen

Vorbereitungen für die Überarbeitung und Vertiefung der städtebaulichen Rahmenplanung in allen Fachkapiteln mit dem Ziel der Einleitung des Bauleitplanverfahrens

September 1999 Beschluß zur Abhilfe des Bürgerbegehrens

26. August 1999 Bürgerbegehren gegen das Solar Quarter "Unterer Wöhrd" mit 6000 Unterschriften

24. März 1999 Vorstellung im Rahmen der Agenda 21

27. Jan. - 10. Febr. 1999 Einsicht in die Planunterlagen (75 schriftliche Anregungen)

26. Januar 1999 Bürgerinformationsveranstaltung und Bürgerbrief zur städtebaulichen Rahmenplanung "Unterer Wöhrd" (400 BürgerInnen)

30. Oktober 1998 Beschluß zum Städtebaulichen Rahmenplan "Unterer Wöhrd"

20. Oktober 1998 Vorstellung des Projekts "Solar Quarter Unterer Wöhrd" vor dem Ausschuß für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen

25. April 1996 Beschluß des Stadtteilentwicklungsplan "Solar Quarter Unterer Wöhrd"

Dez. 1994 - April 1996 Erarbeitung des Masterplan "Unterer Wöhrd" von Forster & Partner

12. Sept. 1990 Vorstellung des Entwurfs des Gesamtkonzepts "Unterer Wöhrd" in einer allgemeinen Infoveranstaltung (mit Faltblatt) 150 BürgerInnen

5. - 19.9.1990 Planeinsicht im Stadtplanungsamt

25. Juli 1990 Beschluß zum Entwurf des Gesamtkonzepts

21. Nov. 1985 Teilbebauungsplan "Unterer Wöhrd" Hotel Sheraton

28.9.1971 Satzungsbeschluß für den Bebauungsplan

Schäuble Institut für Sozialforschung
Ickstattstraße 5
80469 München
Tel. 089/2021806
Fax 089/2021810

Vom Masterplan "Solar Quarter" zum "Planungsdialog Unterer Wöhrd"

Als Modellprojekt für energiesparendes Bauen wurde die Regensburger Donauinsel "Unterer Wöhrd" von einem international besetzten Architekturteam als "Solar Quarter" konzipiert und bei der EXPO 2000 in Hannover präsentiert. Doch was in der Fachwelt Beachtung fand, wurde vor Ort nicht akzeptiert. Die unzufriedene Regensburger Bürgerschaft stoppte mit einem Bürgervotum die weitere Planung. Mit dem PlanungsDialog Unterer Wöhrd wurde ein Neuanfang in der Verständigung zwischen den divergierenden Interessen gefunden.

Das Planungsgebiet
Der besondere Reiz des Unteren Wöhrd liegt in seiner Insellage, umgeben von den Flußarmen Donau und Regen, der eindrucksvollen Auenlandschaft mit altem Baumbestand, und der noch aus dem Mittelalter stammenden Zunftviertel. Diese "grüne Insel" bildet einen einmaligen Gegensatz zur "steinernen" Altstadt Regensburgs und ist beliebtes Ziel für die Kurzzeiterholung. Auf der 23 ha großen Donauinsel leben derzeit 870 Bewohnerinnen und Bewohner.

Es gibt aber auch städtebauliche Defizite, die das idyllische Bild der Insel stören. Zu den Schattenseiten gehören z. B. die trostlose Fläche eines ehemaligen Eisstadions mit riesigem Parkplatz, eine Tankstelle und Autowerkstatt, großflächige (Bus-) Parkplätze, ungepflegte Garagen- und Lagerplätze, Baulücken sowie ein sanierungsbedürftiges Brückenbauwerk. Als Zumutung empfinden die Anwohnenden auch die gegenwärtige Verkehrssituation, bestimmt durch Durchgangsverkehr und ungeregeltes Fremdparkieren von Altstadtbesuchenden.

Durch den zunehmenden Siedlungsdruck auf die expandierende Stadt wird der Untere Wöhrd für Wohnungssuchende sowie Investorinnen und Investoren zu einer äußerst attraktiven Wohnlage, die durch die Flußauen und die fußläufige Nähe zur Regensburger Altstadt mit ihren kulturellen und gastronomischen Attraktivitäten besticht. Zahlreiche Bauanfragen erfordern ein stringentes städtebauliches Entwicklungskonzept.

Bereits Anfang der 90iger Jahre hatten Diskussionen um ein abgestimmtes städtebauliches Gesamtkonzept für den Unteren Wöhrd begonnen, das ökologische Ansprüche, den Hochwasserschutz aber auch die historisch gewachsenen Qualitäten der dicht bebauten denkmalgeschützten Fischer- und Schiffsmeisterbehausungen, Gründerzeitgebäude, Pesthäuser und Stadel, miteinander in Einklang bringen sollte.

Dazu wurden der Regensburger Bürgerschaft drei Planungsalternativen vorgeschlagen. Grundsätzliche Übereinstimmung fanden Stadtplanungsamt und Bürgerschaft über folgende Ziele:

Den Inselcharakter mit lockerer Bebauung erhalten
Bestehende Frei- und Grünräume sichern
Kleinteilige Nutzungsmischung erhalten und ergänzen
Verkehrs- und Parksituation neu ordnen.

Behutsame Ergänzung hieß die Zauberformel und zielte aus Sicht der Bürgerschaft darauf ab, Neubaumaßnahmen lediglich zur Baulückenschließung zu erlauben. Die Stadt Regensburg tendierte jedoch zu einer städtebaulichen Verdichtung.

 

Modellvorhaben: R.E.A.D und EXPO 2000
Im Mai 1994 bewarb sich die Stadt Regensburg mit Erfolg als Modellstadt bei dem von der Europäischen Union geförderten Projekt "Renewable Energies in Architecture and Design (R.E.A.D)". Ziel war es, in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen den maximalen Einsatz von erneuerbaren Energien in Zusammenhang mit Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur zu prüfen. Ein Modell für ein Gesamtenergiemanagement sollte den energiesparenden "Beitrag des Städtebaus" in den Mittelpunkt stellen und weniger den üblichen "Beitrag von Einzelgebäuden". Ausschlaggebend für den Standort Unterer Wöhrd waren die innerstädtische Lage direkt an der historischen Altstadt, die Möglichkeiten einer Nutzungsmischung, die bereits vorhandene soziale Durchmischung, der alte Baumbestand und die größtenteils im städtischen Besitz befindlichen freien Grundstücke. Durch den Bezug zur EXPO 2000 wurde eine zügige Umsetzung erwartet.

Namhafte Architekturbüros bildeten eine Planungsgemeinschaft. Das Büro Sir Norman Foster und Partners, London, die Münchner Büros Thomas Herzog und Partner sowie das Landschaftsplanungsbüro Latz und Partner, arbeiteten unter der Leitung des Stadtplanungsamtes Regensburg zusammen mit der Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co KG (REWAG), dem Zentrum für rationale Energieanwendung und Umwelt (ZREU) im Zeitraum von Dezember 1994 bis April 1996 einen Masterplan für eine umweltgerechte und ressourcenbewußte Stadtentwicklung auf dem Unteren Wöhrd aus. Da das Energieeinsparungspotential von der Dichte der Bebauung und einer minimierten Kfz-Erschließung abhängig ist, wurde auf der Basis der Planungsalternative "Bauliche Verdichtung" statt auf der Basis "Behutsame Erneuerung" ein "Masterplan Solar Quarter Unterer Wöhrd" entwickelt. Angestrebt wurde, bis zu 500 Wohneinheiten zu bauen und Platz für ca. 2500 NeubürgerInnen zu schaffen.

Nach einer zweijährigen Bearbeitungsphase wurde dieser Masterplan der Regensburger Öffentlichkeit vorgestellt. Es überwog eine pessimistische Grundhaltung, denn es war nicht offensichtlich, warum ausgerechnet diese Insel – und nicht ein anderes stadtnahes Gebiet – so massiv verdichtet werden sollte. Die vorgelegte Planung verlangte von den Anwohnenden, den Traum der "grünen Insel" vis a vis der "steinernen Stadt" aufzugeben. Bei der Fachöffentlichkeit rief der Masterplan jedoch Begeisterung hervor (vgl. Amann 1996: 1161). Kaum eine Woche später wurde auf der Basis des Stadtteilentwicklungsplans "Solar Quarter Unterer Wöhrd" die Erarbeitung des städtebaulicher Rahmenplans durch die bisherige Planungsgemeinschaft vom Stadtrat beschlossen (Beschluß 3.12.1996).

 

Bürgerbegehren
Diese kontroversen Diskussionen in der Öffentlichkeit führten im Sommer 1999 schließlich dazu, daß die Bürgerinitiative "Gegen ein Solarquarter am Unteren Wöhrd" einen Bürgerentscheid bei der Stadt Regensburg einreichte. Mit 6000 Unterschriften richteten sich Bürgerinnen und Bürger gegen das "Solar Quarter" und forderten die Aufstellung eines Bebauungs- und Grünordnungsplans für den gesamten Unteren Wöhrd sowie eine sofortige Veränderungssperre nach § 14 BauGB. Diesem Antrag gab der Stadtrat kurzfristig nach und sorgte für Abhilfe des Bürgerbegehrens mit dem geforderten Bebauungsplanverfahren und einer Veränderungssperre. Da immenser Druck auf den Stadtoberen lastete, sollte mit einem vorgezogenen dialogorientierten Beteiligungsverfahren auf das Bebauungsplanverfahren hingearbeitet werden.

 

Konfliktpotentiale
In der Zeit von Dezember 1996 bis Juni 1998, in der der Masterplan von den Architektenteams und dem Zentrum für rationelle Energieanwendung und Umwelt GmbH (ZREU) als vertiefende städtebauliche Rahmenplanung weiterentwickelt wurde, wurde die Regensburger Öffentlichkeit so gut wie nicht informiert. Auch danach sickerten Informationen nur bruchstückhaft an die Öffentlichkeit, zuerst wurden Fachgremien bedient, z. B. der städtische Ausschuß für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen, der das Ergebnis einstimmig als Grundlage für alle weiteren Planungschritte auf dem Unteren Wöhrd beschloß. Kritischere Stimmen wurden aus dem Naturschutzbeirat sowie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege laut. Das Mißtrauen wuchs, denn schließlich lag die letzte Informationsveranstaltung zwei Jahre zurück.

Völlig unverständlich war es für die Regensburger Bürgerschaft, als zeitgleich für zwei Einzelvorhaben nach eingehender Behandlung im Ausschuß für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen sowie im Gestaltungsbeirat positive Bauvorbescheide nach § 34 BauGB erteilt wurden, die angeblich die Zielsetzungen des Rahmenplans berücksichtigten. Für die weitere Konkretisierung der Planung sah der Ausschuß die Aufstellung von Bebauungsplänen vor. Das war der Zündstoff für den zu Jahresbeginn 1999 eingeleiteten öffentlichen Diskurs, der letztendlich in einem Bürgerentscheid endete und die innovative Planung stoppte.

Verfahrenskritik betraf die mangelnde Informationspolitik der Stadt gegenüber der Bürgerschaft, Skepsis gegenüber den internationalen Architektenstars, den Expo-Zugzwang sowie die übereilten Vorbescheide ohne Anhörung der Bürgerschaft. Die Bürgerinnen und Bürger befürchteten eine "Salamitaktik" des Stadtplanungsamts zur Umgestaltung des Unteren Wöhrd. Von der "Interessengemeinschaft Unterer Wöhrd" wurden die zu starke bauliche Verdichtung, die massiven Eingriffe in die Auenlandschaft, die ungelösten Verkehrsprobleme sowie die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen kritisiert.

Bei einer Informationsveranstaltung der Stadt mit den Architektenteams am 26. Januar 1999 demonstrierten 400 Regensburgerinnen und Regensburger vehement ihre Befürchtungen, über die in der Presse reichlich berichtet wurde.

 

PlanungsDialog Unterer Wöhrd
Durch Veränderungssperre und zahlreiche Bauvoranfragen in Zugzwang mußte die Stadtplanung einen Weg finden, um die verhärteten Interessengegensätze aufzulösen und konstruktive Planungsansätze in Gang zu bringen. Die Stadt Regensburg, die sich parallel auch in anderen Planungszusammenhängen dialogbereit zeigte und mit Bürgerinnen und Bürgern z.B. bei der Neugestaltung der Verbindungsachse Hauptbahnhof – Altstadt, bei der Planung eines Hochwasserschutzes und bei der Standortsuche für ein Kultur- und Kongresszentrum erfolgreich zusammenarbeitete, entschied sich auch bei den Planungen zum Unteren Wöhrd für das Gespräch mit der Bürgerschaft. In einem dialogorientierten Beteiligungsverfahren, dem sogenannten "PlanungsDialog Unterer Wöhrd", sollte ein möglichst weitgehender Konsens für die Entwicklungen auf dem Unteren Wöhrd erarbeitet werden.

Die Ausgangsbedingungen waren nicht gerade einfach, denn neben den schon historisch zugespitzten Konflikten zwischen einzelnen Gruppierungen erschwerte auch die Gleichzeitigkeit des PlanungsDialogs Unterer Wöhrd mit anderen Beteiligungsverfahren in zweierlei Hinsicht das Arbeiten. Zum einen beanspruchte die Parallelität der Verfahren sowohl BürgerInnen als auch Planungsfachleute zeitlich in hohem Maße. Zum anderen gab es Überschneidungen zwischen den Planungsaufgaben der drei parallelen Verfahren, so ist z.B. der Untere Wöhrd auch hochwassergefährdet und somit Gegenstand des Runden Tisches zum Hochwasserschutz gewesen. Da mit dem Gelände des Eisstadions der Untere Wöhrd überdies ein möglicher Standort für das Kultur- und Kongresszentrum ist, wurde über ihn auch an einem Runden Tisch Kultur- und Kongresszentrum verhandelt.

Als Besonderheit kam noch hinzu, daß der Untere Wöhrd als "Insel" stark identitätsstiftende Wirkung für die dortigen BewohnerInnen hat, die bei der Gestaltung der Insel auf Kontinuität mit ihrer geschichtlichen Entwicklung bestanden. Oft gaben sie die Devise aus "Alles so lassen, wie es ist!". Diejenigen, die als mögliche Investorinnen / Investoren oder als Neubürgerinnen / Neubürger ein Auge auf die attraktive Wohnlage der Insel hatten, warfen den "Einheimischen" manchmal Inseldenken nach dem St. Floriansprinzip vor.

Unter dem übergeordneten Gesichtspunkt einer nachhaltigen Stadtentwicklung formulierten einige Akteurinnen / Akteure immer wieder das Ziel, mit Blick auf die Stadt-Umland-Problematik eine stärkere Verdichtung auf der Insel in Kauf zu nehmen, um sowohl die weitere Zersiedelung der Landschaft im Umfeld der Stadt zu verhindern als auch potentiellen Arbeitnehmerinnen / Arbeitnehmern in Regensburg attraktives Wohnen zu ermöglichen. Sie fanden auch nach langer Diskussion keine Zustimmung.

 

Grundprinzipien dialogischer Planung
Um niemanden auszuschließen und die unterschiedlichsten Interessenlagen zuzulassen, entschied sich das Moderationsteam für ein offenes und maximal transparentes Verfahren,

an dem grundsätzlich alle Interessierten gleichberechtigt teilnehmen
konnten
bei dem formale Prozeduren (wie Anmeldung, Auswahlgespräche
oder Verpflichtungserklärungen), die als Barriere wirken, vermieden
wurden
in dem Fachleute aus Verwaltung und Architektenteams bei Bedarf
Informationen gaben und zu strittigen Fragen Rede und Antwort
standen
in dem das Arbeitsprogramm von den Teilnehmenden selbst nach
Bedarf und Interessenlage bestimmt wurde
in dem Ergebnisse nach ausreichender Informations- und
Diskussionszeit gemeinsam in einem "Empfehlungskatalog an
Politik
und Verwaltung" formuliert wurden und
in dem die neutrale externe Moderation als "Übersetzerin zwischen
den auseinanderstrebenden Welten" den sachkompetenten
Austausch ermöglichte und strukturierte.

Mit diesen konzeptionellen Grundprinzipien dialogischer Planung hatte das Moderationsteam bereits in verschiedenen anderen Projekten massive Konfliktlagen entzerren und konstruktive Zusammenarbeit in Gang setzen können.

 

Gesprächsbereitschaft
Nach einem turbulenten Auftakt, bei dem die angestauten Konflikte zunächst noch einmal zugespitzt zur Sprache kamen und das Mißtrauen in aller Schärfe und in alle Richtungen ausgesprochen wurde, kam aber bereits in der zweiten Arbeitseinheit der Wille zur Zusammenarbeit bei aller Divergenz deutlich zum Ausdruck. Das Moderationsteam drängte – nicht immer zur Freude der Konfliktparteien – strikt auf Sachlichkeit, Fairness und Respekt voreinander, was nach anfänglichem Sträuben akzeptiert wurde. Der gleichbleibend starke Zulauf zu den Veranstaltungen – es kamen bis zu 70 Personen – spricht für das Einverständnis mit dieser Art des moderierten Umgangs. Es war Aufgabe der Moderation, die Teilnehmenden dabei zu unterstützen,

die teilweise massiven Feindbilder abzubauen
die Chancen einer Mitwirkung am PlanungsDialog realistisch
auszuloten
aber auch die Grenzen der Mitbestimmungsmöglichkeiten zu
respektieren und
sich schließlich für das gemeinsame Arbeiten unter den gegebenen
Bedingungen bewußt zu entscheiden.

Die letztgenannte Entscheidung stand bei der Auftaktveranstaltung auf der Kippe, da das Mißtrauen gegenüber der Verwaltung groß war. Als den Teilnehmenden die ihnen angebotene Chance aber bewußt wurde, nahmen sie sie an und entwickelten großes Engagement. Das Interesse war so groß, daß sie sich gegen ein zeitsparendes arbeitsteiliges Arbeiten in kleineren Gruppen und für die zeit- und konzentrationsaufwendige Arbeit im Plenum entschieden. Bei dieser klaren Motivation konnte schon in kurzer Zeit eine konstruktive zielorientierte Gesprächskultur erreicht werden.
Über den gesamten Prozess hinweg wurden neben inhaltlichen Aufgaben auch immer die konkreten Arbeitsbedingungen und die Arbeitsatmosphäre reflektiert. Hilfreich auch im Sinne des Gesprächsklimas war es, individuelle Entscheidungsgründe, Ängste und Bedenken offen auszusprechen, Widersprüche auszuhalten und Konsensspielräume auszuloten. Dies kostete zwar Zeit und oft auch einige Geduld in hitzigen und bisweilen chaotischen Diskussionen, erhöhte jedoch das gegenseitige Verständnis und im Ringen um Lösungen auch die Konsensbereitschaft.

 

Konsens- und Zielfindung
Nachdem in der ersten Workshoprunde des PlanungsDialogs die atmosphärischen Störungen zwischen Stadtplanungsamt und Bürgerschaft bereinigt worden waren, war die entscheidende Frage der Bevölkerung, ob der Masterplan Solar Quarter weiterhin verbindliche Arbeitsgrundlage für das dialogorientierte Beteiligungsverfahren sein sollte oder ob über neue Baustrukturen nachgedacht werden könne. Die Stadt gab den Weg frei für neue Überlegungen.
Die Teilnehmenden stimmten mehrheitlich den Planungszielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung für den Unteren Wöhrd zu:

Stärkung des einzigartigen Inselcharakters
Ressourcenbewußter Umgang mit Grund und Boden
Naturschutz und Landschaftspflege
Förderung einer ÖPNV-Anbindung sowie einer Fuß- und Radwege-
Erschließung
Vorsorgender Umweltschutz.

Arbeitsprogramm im PlanungsDialog
Das Arbeitsprogramm im PlanungsDialog Unterer Wöhrd, das von den Teilnehmenden als Ergebnis des ersten Workshops im Oktober 2000 gemeinsam mit dem Moderationsteam inhaltlich festgelegt wurde, sah mehrere Schritte vor.

Okt. 2000 Informationsveranstaltung

Okt. 2000 Workshop zur gemeinsamen Festlegung des Arbeitsprogramms (inhaltlich und zeitlich)

Okt. 2000 Fachvortrag Andreas Feldtkeller über vergleichbare Planungen zum Französischen Viertel in Tübingen

Nov 2000 Thematische Arbeitskreise zu "Bestand, Bedarf und Grundsätze der städtebaulichen Entwicklung am Unteren Wöhrd" sowie "Hochwasserschutz"

Jan. 2001 Thematische Arbeitskreise zu "Städtebauliche Entwicklung" und "Verkehr am Unteren Wöhrd"

Febr. 2001 Thematische Arbeitskreise zu "Naturschutz / Grünordnung" und "Infrastruktur / Energie am Unteren Wöhrd"

März 2001 Abschließende Präsentation der Ergebnisse vor der breiten Öffentlichkeit.

Gearbeitet wurde nach Themenfeldern, die Ergebnisse sind nachfolgend systematisch und differenziert dargestellt.

 

Bürgerschaftliche Empfehlungen zu den Themenfeldern des PlanungsDialogs
Aufgabe des dialogorientierten Beteiligungsverfahrens für den Unteren Wöhrd war es, die Grundlagen für die vorgezogene Bürgerbeteiligung nach § 3 Abs. 1 BauGB zu erarbeiten. Die bereits in einer Öffentlichkeitsphase eingebrachten 75 schriftlichen Anregungen zur städtebaulichen Rahmenplanung Solar Quarter vom Januar 1999 bildeten daher die Ausgangssituation für den Dialog mit der Bürgerschaft.
In Vorbereitung des PlanungsDialogs wurden die schriftlichen Anregungen aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren zum Solar Quarter analysiert, ausgewertet, zu Themenfeldern zusammengefaßt, um Informationsdefizite, Anliegen und Wünsche offenzulegen und als Ausgangspunkt für die Arbeit in den geplanten thematischen Arbeitskreisen einzubringen.
Auch die schriftlichen Anregungen und Bedenken der Verbände und Träger öffentlicher Belange wurden analysiert. Da aber die Verbandsvertreterinnen und -vertreter vom BUND; VCD, SAMOS bei den Arbeitskreisen großteils anwesend waren – außerdem übergeordnete Fachvertreter an den thematischen Diskussionen teilnahmen –, sind deren Anmerkungen direkt in den Protokollen (siehe Anhang) festgehalten und werden im folgenden nicht noch einmal differenziert aufgeführt.
Um den Prozess der Zielfindung nachvollziehbar zu machen, beschreiben wir nachfolgend in den sechs Themenfeldern die einzelnen Schritte chronologisch:

schriftliche Anmerkungen
Auswertung nach Themenschwerpunkten
Empfehlungslisten.

Themenfeld: Wohnungs- und Städtebau
In den schriftlichen Anmerkungen der Bürgerschaft gab es vielfältige Äußerungen zum städtebaulichen Gesamtkonzept und zur Stadtgestalt, wie die folgende umfassende Aufzählung belegt:

 

Anmerkungen zur Stadtgestalt


Wirkung des Altstadtensemble geht verloren
Donauinsel nicht isoliert von der mittelalterlichen Stadt sehen
Gleichgewicht zwischen Stadträumlichkeit und Flußaue schaffen
Maßstäblichkeit der gegenüberliegenden Altstadt mitbedenken
Beeinträchtigung der unter Denkmalschutz stehenden Häuser
vermeiden

Anmerkungen zu Wohnen/Architektur

zu dichte Bebauung, zu blockartig, zu massiv
Baugebiete A und B für § 34 BauGB zu groß
Baublock A: Baulinie an bestehende Gebäude anpassen, um
Verschattung, Verlärmung und Abgase einzudämmen
Genehmigung des Baublock B nach § 34 BauGB fragwürdig
keine ausreichende Belichtung und Besonnung; Nord-Süd
Ausrichtung der Gebäude unklar
Abstandsflächen werden erheblich unterschritten
Grünraum zwischen den Wohngebäuden auch für Spaziergänger
zugänglich gestalten
Solaranlagen auf den Dächern installieren
Gebäudehöhen (max. 3 Geschosse) und Längen reduzieren
Gebäudehöhen am Rand der historischen Altstadt reduzieren, um
Ortsbild und Altstadtsilhouette zu betonen
Öffnung der Höfe nach Süden der Bauabschnitte A,B,D,E
keine weitere Brücke, Nibelungenbrücke ausreichend
Kammstruktur: zu eintönig, schattig, additive Aneinanderreihung
Zwischenräume zwischen den Baukörper als Privaträume der
Anwohner stören den öffentlichen Charakter der Auenlandschaft
Ungestörtes Wohnen verdammt die Fußgänger auf den schmalen
Damm der Promenade
Baustadel und Bauholzstadel für öffentliche Nutzungen vorsehen
(z.B. Schiffahrtsmuseum)
Pestspitäler als sozialgeschichtliche Zeugnisse erhalten
finanzielle Belastungen für die Grundstückseigentümer durch
weitere Infrastruktur- und Erschließungsmaßnahmen erläutern
Wöhrdstr. 48 – Gefahr durch Altlasten?
Architektur an den Alltagsbedürfnissen der Menschen orientieren
Denkmalschutz berücksichtigen
keine Grundstücke der Stadt an private Investoren verkaufen
Mietpreisanstieg und Immobilien zu erwarten
Unterer Wöhrd soll kein Schickimicki Stadtteil werden
wo arbeiten zukünftig die Menschen, die zum Unteren Wöhrd ziehen?

Die Anmerkungen der Bürgerschaft zu Stadtgestalt/ Wohnungs- und Städtebau / Architektur lassen sich zu folgenden Themenschwerpunkten und Forderungen zusammenfassen:

Bebauung auflockern
Abstandsflächen einhalten
Gebäudehöhe und Länge reduzieren
Freiraumgestaltung zwischen den Wohnblöcken überdenken
Altlastenfrage klären
Historische Bauten einer öffentlichen Nutzung zuführen
Finanzielle Belastung der Anwohner erläutern
Zielgruppe für das Wohnen im Unteren Wöhrd klären
Auswirkungen auf den Miet- und Immobilienmarkt bedenken

Die bürgerschaftlichen Anmerkungen spiegelten eine grundsätzliche Infragestellung des Projekts wider. Um die gesamte Bandbreite dieser umfassenden Fragen und Forderungen zu behandeln, war es notwendig, in zwei thematischen Arbeitskreisen einerseits die grundlegenden Fragestellungen der zukünftigen Entwicklung der Wohnbedarfsnachfrage, der Entwicklung der Bevölkerung und Haushaltsstruktur, der Arbeitsplatzentwicklung sowie Grundsätze zukünftiger Stadtentwicklung zu behandeln, andererseits konkrete räumliche Situationen zu diskutieren. Diese Aufgabenteilung war insofern wichtig, als damit die Stadtentwicklung als Ganzes und die Wechselwirkungen von Stadt(teil) und Umland immer wieder in den Focus genommen werden konnten, um die Bedeutung des Unteren Wöhrd für die Stadt Regensburg richtig einzuschätzen.

Im thematischen Arbeitskreis "Bestand, Bedarf und Grundsätze" fand eine sehr intensive und emotional geführte Diskussion über die möglichen Entwicklungstendenzen am Unteren Wöhrd statt. Die städtischen Fachämter lieferten hier umfassende Informationen und erläuterten die zugrundeliegenden Planungsgrundsätze und -ziele.

Auf diese Weise wurden die Teilnehmenden fundiert informiert und durch den direkten Dialog mit der Stadtplanung in die Lage versetzt, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Das intensive Ringen um eine behutsame Entwicklung für die Insel stellt eine entscheidende diskursive Qualität im PlanungsDialog Unterer Wöhrd dar.
Nach ausführlicher Diskussion wurden Empfehlungen zu "Bestand, Bedarf und Grundsätzen der städtebaulichen Entwicklung am Unteren Wöhrd" gemeinsam verabschiedet:

Der grüne Charakter der Insel soll nachhaltig gestärkt und entwickelt werden;
ein durchgehender breiter Grün- und Auengürtel im Norden der Insel wird gewünscht, mit dem Ziel der Schaffung von Erholungs- und extensiven Spielflächen, der Förderung der stadtklimatischen Wechselbeziehungen und der Freihaltung des Hochwasserabflußbereichs;
eine behutsame bauliche Ergänzung wird empfohlen;
die Teilnehmenden des PlanungsDialogs Unterer Wöhrd sind mehrheitlich überzeugt, daß der Verzicht auf die Realisierung des Blocks B (LWS) im Interesse der gesamten Planung und Entwicklung politisch geboten ist;

ein familien- und kindergerechter Wohnungsbau hat Vorrang vor gewerblicher Nutzung;
das Gebäude an der Maffeistrasse 2 als nördliche Begrenzung der Bebauung in die Überlegungen zum städtebaulichen Ansatz einbeziehen;
eine städtebauliche Bereinigung der Werftstraße soll unter Berücksichtigung der historischen Struktur des Fischerviertels erfolgen.


Die Empfehlungen zum Thema "Sozialverträglicher Städtebau" lauten:

Eine behutsame bauliche Ergänzung wird gewünscht durch individuelles, städtisches Bauen sowie bauliche Vielfalt durch kleinteilige Parzellierung
als städtebaulicher Ansatz soll ein Gegenpol als Maßstab zur Gründerzeitbebauung gewählt werden;
es sollen keine hohen Einzelhäuser vorgesehen werden;
das Strukturkonzept soll eine niedrige, eher zusammenhängende, differenzierte der Straßenraum zur Wöhrdstraße soll geschlossen werden, indem die Vorgärten von der nördlichen Straßenseite und eine ausfransende Bauflucht nach Süden zum Fluß beibehalten werden;
Vorgabe der einer größeren Dichte in zentralen Bereichen, abnehmende Dichte zum Flußufer hin;
die Stadt Regensburg soll durch Grundstücksvergabe soziale Projekte unterstützen (z.B. gemeinschaftsorientiertes und genossenschaftliches Wohnen);
bauplanungsrechtliche Vorgaben sollen Nutzungsmischung mit Schwerpunkt Wohnen ermöglichen;
der Bau eines RKK würde die bisher formulierten Ziele negativ beeinflussen;
der historische Denkmalcharakter des Unteren Wöhrd soll als "Gedächtnis der Stadt Regensburg" erhalten werden;
Mischnutzung soll auch im Bestand beibehalten werden.

Themenfeld: Hochwasserschutz

Die Teilnehmenden waren bereits durch die parallelen Diskussionen und die laufende Presseberichterstattung zum Runden Tisch Hochwasserschutz für diese stadtweit aktuelle Thematik sensibilisiert. Im Arbeitskreis Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd wurden mögliche Hochwasserschutzmaßnahmen mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsexperten der Regierung von Oberpfalz speziell für den Unteren Wöhrd diskutiert.

Im Vorfeld waren bereits folgende Anmerkungen zum Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd geäußert worden:

Retentionsflächen durch massive, 2 m hohe bereits genehmigte
Aufschüttung am Donau-Nordarm vermeiden
Verlust der Auwaldzone verhindern
vor Planungs- bzw. Baubeginn ein Hochwasserschutz-
Gesamtkonzept vorlegen
keine feststehende Hochwassermauer in der Werftstraße bauen
mobile Ständerwände 1,2m hoch (Kölner Modell) vorsehen
was passiert bei Überflutungen mit den Häusern in den Wannen,
den technischen Hochwasserschutzanlagen?


Zu Beginn der Diskussion wurden den Teilnehmenden der umfassende Begriff und die daraus resultierenden Maßnahmen zum Hochwasserschutz erläutert. Unter dem Begriff Hochwasserschutz wird danach sowohl der Schutz vor dem Fließgewässer, als auch der Schutz vor dem Grundwasseranstieg als auch der geregelte Ablauf von Niederschlags- und Abwässern subsumiert. Nachdem einige Teilnehmende über den Diskussionsstand am parallel laufenden Runden Tisch zum Hochwasserschutz berichteten, wurden speziell für den Unteren Wöhrd folgende Empfehlungen formuliert.

Hochwasserschutzmaßnahmen sollen auf der Nordseite bei Zurücknahme des Deichs in landschaftsgestalterischer Form, auf der Südseite maximal mobil, urban gestaltet z.B. Sockelmauer, erfolgen.

Themenfeld: Verkehrsplanung
In der vorangegangenen Öffentlichkeitsphase hatte die Bürgerschaft zahlreiche schriftliche Anmerkungen zum Themenfeld Verkehr abgegeben:

so wenig wie möglich zusätzliche Autos auf die Insel bringen
keine Autobrücke nach Weichs bauen
zu schmale Straßen, zu wenig Parkmöglichkeiten vorhanden
Parksuchverkehr auf Wöhrd- und Werftstr. einschränken
die verkehrsmäßigen Auswirkungen der erweiterten Bebauung sind
ungeklärt, insbesondere durch die zunehmende Bevölkerung
welche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sind für die Wöhrdstr.
vorgesehen?
straßenbautechnische Veränderungen, Art und Kostenumfang eventueller Verbreiterungen der Wöhrdstr. mitteilen
Zufahrten sind jetzt schon schwierig und werden verschärft
Verlegung des Busparkplatzes wird begrüßt
Verkehrsströme in Zusammenhang mit Donaumarkt und Stadthalle
untersuchen
sind Tiefgaragen hochwasserfrei?
statt Eisstadion lieber Parkhaus bauen
eine weitere Brücke bauen
Tunnel unter der Donau bauen
Tiefgaragenausfahrt Proskestr. erzeugt Lärm und Abgasbelästigung

Der thematische Arbeitskreis Verkehr wurde vor diesem Hintergrund mit folgenden offenen Themenschwerpunkten eröffnet:

Welches Verkehrskonzept liegt dem städtebaulichen Konzept
Unterer Wöhrd zugrunde?
Wie soll der Durchgangs- bzw. der ruhende Verkehr (Stellplätze,
Parkhaus) geregelt werden (z.B. Wöhrd- und Werftstraße)?
Welches zusätzliche Verkehrsaufkommen durch den
Anwohnerzuwachs und in Zusammenhang mit Donaumarkt und
Stadthalle wird erwartet?
Wie sehen die straßenbautechnische Verkehrsberuhigungs-
maßnahmen aus?
Wie hoch wird die Abgas- und Lärmbelästigungen sein?

Die städtischen Verkehrsplaner griffen diese Fragen auf und erklärten ausführlich die zukünftigen Verkehrsentwicklungsziele.
Bei dieser Diskussion der zukünftigen Verkehrsplanung für den Unteren Wöhrd spielte insbesondere die gesamtstädtische Sichtweise eine erhebliche Rolle, so daß zunehmend die Inhalte des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) in den Vordergrund rückten, wie z.B. die Stadtbahnführung, neue Buswegelinien und Brückenbauwerke. Angesichts der im PlanungsDialog nicht zu bewältigenden thematischen Breite dieser Perspektive konnten nur vorläufige Empfehlungen zu einigen Aspekten des Verkehrs auf dem Unteren Wöhrd formuliert werden, die im weiter fortgeschrittenen Planungsstadium und Umsetzungsprozeß des VEP nochmals mit der Bürgerschaft diskutiert und dann vervollständigt werden sollten.

Sehr ausführlich wurde über die Parkplatzsituation, aber auch die grundsätzliche Funktion des Unteren Wöhrd für die Altstadt diskutiert. Zeitweise wurde auch ein möglicher Tunnelbau angedacht. Formuliert worden sind schließlich Empfehlungen zu Teilaspekten.

Es wird für den fließenden Verkehr gefordert:

den Durchgangsverkehr durch kurzfristige Sperrung des Fisch-
marktes zu reduzieren, mittelfristig den Verkehrsentwicklungsplan
(VEP) zu verwirklichen;
die Wöhrdstraße als Tempo 30 Zone einzurichten;
keine weitere MIV Verbindung nach Norden zu schaffen,
den Parksuchverkehr in der Werftstraße zu vermeiden.


Für den ruhenden Verkehr wird gefordert:

Fremdparkierung langfristig auf dem ganzen UW, kurzfristig in der
Werftstraße zu vermeiden;
Quartiersparkierung sowohl für den Bestand als auch für Neubauten
zu schaffen;
die Vorgärten in der Werftstraße und auf der ganzen Insel in ihrem
ursprünglichen Charakter zu erhalten.
Ein Minderheitenvotum formuliert: Im Interesse der Altstadt sollten
bei der Nibelungenbrücke Parkierungsmöglichkeiten erhalten
werden

Für den ÖPNV wird gefordert:

keine Grieser Brücke (einstimmig)
ÖPNV Alternativen sind zu untersuchen. Das Ergebnis ist mit den
Betroffenen abzustimmen und soll im künftigen Bebauungsplan
einfließen
der UW will nicht die Funktion der Steinernen Brücke zusätzlich
übernehmen
der UW ist bereit, Funktionen des ÖPNV auch künftig zu
übernehmen,
aber nicht als Hauptachse (sondern moderate Nutzung)
es werden keine Aussagen zum Gesamt-VEP der Stadt Regensburg
getroffen, da dieser zu vielschichtig und umfangreich ist und weit
über die Interessen des UW hinausgeht.

Die Diskussionen um die verkehrliche Entwicklung in Regensburg allgemein und auf dem Unteren Wöhrd speziell erforderte mehr Zeit als zur Verfügung stand, so daß dieser Dialog nicht als beendet anzusehen ist. Die Rad- und Fußwegeplanungen konnten z.B. aufgrund von Zeitknappheit nicht behandelt werden.

 

Themenfeld: Naturschutz und Grünordnung
Die schriftlichen Anmerkungen im Beteiligungsverfahren zum Solar Quarter bezogen sich im wesentlichen auf den Naturerhalt der Auenlandschaft und den engen Bezug der Anwohnenden zum Fluß:

Naturnaher Landschaftsraum mit klimatischen und ökologischen Ausgleichsfunktionen sichern
Sichtbeziehungen zur Donau erhalten
Ursprüngliche Naturräume, Reste der Auenvegetation erhalten
"der Spitz" soll in seiner natürlichen Form erhalten bleiben
Donauinsel als grüne Lunge der Stadt erhalten
Naherholungsfunktion für die RegensburgerInnen sichern
Stadt am Fluß im Rahmen einer Landesgartenschau veranschaulichen
Stadtpark Ost am Unteren Wöhrd in der Holzgartenstr. DEZ planen
"grüne Insel" vorwiegend für Erholungs- und Freizeitinsel nutzen
Grünpark mit Spazierwegen vorsehen, Öko-Station, Solarinstitut, Ökologische Bauformen verwirklichen
zum Uferbereich offen und für Luftströmungen durchspülbar
ökologischen Auswirkungen der Planung untersuchen
Grünflächenanteil als Ergänzung für die steinernde Stadt erhalten
Vertreibung von Vögel und anderen Tieren vermeiden

Aus diesen Anmerkungen der Bürgerschaft zu Natur, Landschaft und Erholung konnte die Diskussion um das städtebauliche Entwicklungskonzept für den Unteren Wöhrd mit folgenden Fragen bzw. Schwerpunktthemen eröffnet werden:

ursprünglichen Auenlandschaft erhalten den Gegensatz "steinernde Stadt" und "grüne Insel" (grüne Lunge) erhalten
Sichtbeziehungen zur Donau erhalten
Den "Spitz" in seiner natürlichen Form erhalten
keine intensiv gestalteten Grünbereiche mit Sportanlagen und Aussichtsplattformen (vor allem im Bereich des Spitzes) vorsehen
Spazierwege auf der Wöhrdspitze verbessern

Hauptanliegen der Teilnehmenden des Arbeitskreises war es, der Natur und Landschaft Vorrang einzuräumen. Die formulierten Ziele des Arten- und Biotopschutzprogramms wurden für den Unteren Wöhrd unterstützt. Folglich wurde die Erhaltung der Auenlandschaft auch in Hinblick auf den Hochwasserschutz gefordert. Zielkonflikte mit der Erholungsfunktion des Unteren Wöhrd für die Regensburger Bürgerschaft wurden nicht gesehen.

Aufgrund dieses eindeutigen Votums für den Vorrang der Natur rückte die Stadtplanung hier weitgehend von der ursprünglichen Planungskonzept ab, die einen erheblichen Eingriff in den Naturhaushalt der Auen bedeutet hätte. Die Empfehlungen lauten:

Berücksichtigung und Umsetzung der Ziele des ABSP bei Aufstellung des Bebauungsplans (Schaffung und Optimierung von autypischen Biotopen)
Schaffung zusätzlicher Hochwasserabflußbereiche und Retensionsräume durch Abgrabungen sowie Vermeidung weiterer Aufschüttungen
die Lazarettspitze östlich der Pesthäuser ist ausschließlich für Naturschutzbelange zu erhalten bzw. zu optimieren
Es wird dem Stadtrat und dem Oberbürgermeister empfohlen den Film Topographie Regensburg von Dieter Wieland, BR 1986 anzusehen
der nördliche Uferbereich des UW und die Lazarettspitze soll dem Fluß und der Natur dienen
Hochtrasse zwischen Bebauung und Damm sollen der Erholungsfunktion dienen
für den südlichen Uferbereich entlang der Werftstr. begrüßen wir die städtische Planung zur Neupflanzung der km-Pappel und Erarbeitung und Diskussion alternativer Gestaltungskonzepte für die Werftstraße
Bestandsschutz für die Baumreihe am Busparkplatz und Weiterführung des Grünstreifens der Vorgärten nach Osten
die Wöhrdstraße als Haupterschließungsachse sollte mit einer durchgehenden Leitpflanzung aufgewertet werden.

Themenfelder: Infrastruktur und Energie
Die schriftlichen Anmerkungen der Bürgerschaft zum Solar Quarter zeigen, daß hier das städtebauliche Gesamtkonzept nicht ausreichend deutlich gemacht worden ist, denn es standen folgende Befürchtungen im Vordergrund der Einwendungen:

Vertreibung ärmerer Bewohnerinnen und Bewohner des Unteren Wöhrd
ein Lebensmittelladen ist nicht existenzfähig
ausreichend Kindergärten im Umkreis vorhanden
Post, Geschäfte in unmittelbarer Nähe
Veraltete Technik wie Fernbeheizung über Blockheizwerke nicht einsetzen
Weigerung die bestehenden Häuser an das BHKW anzuschließen
Energetisch/ solares Konzept erläutern

Die Diskussion im Arbeitskreis Infrastruktur / Energiekonzept knüpfte an folgende Schwerpunktthemen und Fragen an:

Werden die vorgesehenen Infrastruktureinrichtungen überhaupt nachgefragt?
Kommt es zur Verdrängung ärmerer Bevölkerungsteile?
Wieso heißt das Quartier "Solar Quarter"?
Welche zukunftsweisenden Komponenten werden verwendet?

Die Existenzchancen neuer Infrastruktureinrichtungen auf dem Unteren Wöhrd wurden größtenteils in Frage gestellt. Verstärkt setzten sich die Teilnehmenden für die Profilierung des Unteren Wöhrd durch Umnutzung historischer Bauten ein.

Vortrag und Diskussion zum solaren Konzept an Gebäuden hatten stark informativen Charakter, es wurden prinzipiell keine Einwendungen erhoben. Hingegen wurde der Beitrag des Städtebaus zur Schonung von Energieressourcen durch verminderten Einsatz des motorisierten Individualverkehrs und Stärkung des ÖPNV für den Unteren Wöhrd von den Anwohnenden abgelehnt. An Empfehlungen wurde schließlich formuliert:

Es ist der Wunsch der Anwesenden, den Standort Unterer Wöhrd für das Schifffahrtsmuseum zu erhalten und weiterzuentwickeln unter Nutzung der historischen Gebäude (Stadel)
Die Stegverbindung unter Berücksichtigung der historischen Situation im Bereich der königlichen Villa wird befürwortet.
Bei Bedarf ist ein Kindergarten im Bereich des ehemaligen Werkhofs vorstellbar
Freizeiteinrichtungen für Jugendliche sind im Bereich der Jugendherberge denkbar
Bestandsschutz für die Jugendherberge soll vorgesehen werden
ausreichende Nahversorgungsmöglichkeiten sind zu fördern
Mustersanierung des Gebäudes Maffeistr. 2 unter energetischen Gesichtspunkten
Neues Energiekonzept für den Unteren Wöhrd erarbeiten.

Die Freude bei den Teilnehmenden am PlanungsDialog war groß, daß das "exponierte" Projekt Solar Quarter damit vom Tisch war. Wie ernst die Stadt Regensburg die Forderung nahm, zeigte sich u.a. auch daran, daß bereits während des PlanungsDialogs eine konzeptionelle Überarbeitung des städtebaulichen Rahmenplans mit vergrößerten Grünzonen und Biotopflächen sowie Hochwasserschutzflächen vorgestellt wurde. Damit war der Diskussionsstand der Planungsalternative "Behutsame Erneuerung" aus dem Jahr 1990 hergestellt.

In den geschilderten thematischen Arbeitskreisen ließen sich viele Fragen klären, manches blieb aber auch weiterhin aus Sicht der Teilnehmenden noch strittig, wie z.B. die Realisierung des Blocks B (LWS), dessen Verzicht gefordert wurde. Manche Diskussionen führten auch zu unerwarteten Ergebnissen, wie z.B. die Empfehlungen zu einem "behutsamen" sowie "familien- und kindergerechter" Wohnungsbau (was bedeutet: keine hohen Einzelhäuser, sondern vielmehr eine niedrige, zusammenhängende Bebauung, die an den Dichtewerten der Altstadt (GFZ 2,3) orientiert sein sollte).

Individuelles städtischen Bauen, bauliche Vielfalt und kleinteilige Parzellierung sowie soziale Projekte zum gemeinschaftsorientierten Wohnen wurden gewünscht. Die Stadtplaner waren verwundert, daß sich die Teilnehmenden für diese städtebauliche Dichte aussprachen, lag sie doch wesentlich höher als die im Masterplan Solar Quarter vorgesehene GFZ von 1,3 bis 1,7.

 

Zur Rolle von planender Verwaltung, Stadtpolitik und Medien
Auf der Basis des konzeptionell überarbeiteten städtebaulichen Rahmenplans wurden die einzelnen Aspekte der Planung aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert. Die notwendigen Grundlageninformationen wie z.B. die Prognosewerte zu Bevölkerungsentwicklung und Haushaltsstruktur, Wohnungsbedarfszahlen, denkmalpflegerische Aspekte, die Erläuterung zur Biotop- und Freiflächensituation und Klimafunktion des Unteren Wöhrd, Hochwasserschutzmaßnahmen sowie die Neuorganisation des Park- und Durchgangsverkehrs auf dem Unteren Wöhrd lieferten städtische bzw. staatliche Fachämter sowie Architektenteams.

Aufgabe von Fachplanerinnen und Fachplanern war dabei ausdrücklich nicht, vorliegende Planungen zu verteidigen oder Äußerungen von Teilneh-merInnen kritisch zu kommentieren, sie sollten vielmehr das benötigte Fachwissen möglichst "wertfrei" zur Verfügung stellen. Zur Glaubwürdigkeit von Dialogprozessen gehört es, daß sich die Teilnehmenden nicht im spekulativen Raum bewegen, sondern wirklichkeitsrelevante Empfehlungen auf der Basis eines fundierten Wissens erarbeiten können.
Daß die Stadt Regensburg, insbesondere das Stadtplanungsamt, wollte die Kooperation mit der Bürgerschaft nachdrücklich und hat die Bedingungen für die Zusammenarbeit optimal gestaltet, z.B. durch

regelmäßige und systematische Information zu den Dialogangeboten und ihren Ergebnissen in den Medien (Presse, TV, Internet)
Ausstattung mit den nötigen Materialien (Broschüren, Pläne, Hintergrundinformationen)
arbeitsfreundliche Räumlichkeiten für die Wochenendtreffen
aufmerksame Verpflegung der Dialog-Interessierten
fachplanerische Begleitung des Prozesses. So waren die Fachplanerinnen und Fachplaner großenteils an den Wochenend-Workshops anwesend. Sie haben die damit verbundene zeitliche Mehrbelastung im Interesse einer kooperativen Planung in Kauf genommen.
Dies alles hat die Diskussionen sehr erleichtert und die Möglichkeiten einer Konsensfindung gesteigert.

Auch interessierte Stadträtinnen und Stadträte haben sich die Zeit genommen und an den Wochenend-Veranstaltungen teilgenommen, um die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger möglichst im Originalton zu hören. Sie empfanden es als hilfreich für ihre politische Arbeit und Entscheidungsfindung, der Diskussion direkt beizuwohnen und die Meinungsbildung der Bürgerschaft mitzuerleben.

Dieses Interesse wurde von den Bürgerinnen und Bürgern einerseits begrüßt, andererseits aber auch mit Skepsis betrachtet, weil befürchtet wurde, daß Stadträtinnen und Stadträte die Meinungsbildung möglicherweise parteipolitisch zu beeinflussen suchen. Diese Wünsche und Bedenken wurden gemeinsam besprochen und gegeneinander abgewogen. Über die prinzipielle Richtigkeit des "offenen Beteiligungsverfahrens" waren sich die Anwesenden einig: es sollte niemand von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Die interessierten Stadträtinnen und Stadträte haben sich in diesem Sinne zu einer weniger aktiven Rolle entschlossen, die Diskussionen aber engagiert verfolgt, ggf. mit Informationen bereichert, sich im übrigen aber an der Formulierung von Empfehlungen nicht beteiligt.

Nicht nur die FachplanerInnen und StadtpolitikerInnen trugen zum guten Gelingen des Dialogs bei, auch die lokalen Medien unterstützten den Informationsfluß und die Vertrauensbildung kompetent, was durchaus nicht selbstverständlich ist.

Wenn nach einer Zeit massiver Konflikte Dialogprozesse in Gang gesetzt werden, ziehen sie das Interesse der Medien auf sich. Das kann von Vorteil, aber auch von Nachteil sein. Regelmäßige sachliche Berichterstattung erhöht Kompetenz und Motivation in der Bevölkerung, unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Vorhabens, steigert die Transparenz. Medienberichterstattung wirkt aber störend, wenn unkorrekte, parteiische oder desinformierende Meldungen gebracht werden. Der Öffentlichkeitsarbeit ist daher in Beteiligungsverfahren große Aufmerksamkeit zu widmen.

Für den PlanungsDialog Unterer Wöhrd wurde eine enge Zusammenarbeit zwischen Moderation und Presseamt der Stadt vereinbart, um die Medien regelmäßig und ausführlich zu informieren. Im einzelnen wurde vereinbart:

Pressekonferenzen, Interviews, Pressemitteilungen und Artikel in der
örtlichen Presse werden von der Moderation übernommen.
Die Protokolle der Arbeitssitzungen sind nicht nur regelmäßig an alle
Teilnehmenden, sondern auch an alle interessierten Medien zu
verschicken.
Das Presseamt der Stadt eröffnet einen speziellen Internet-Zugang. Im Internet sind Basisinformationen zum PlanungsDialog und
Protokolle der Arbeitssitzungen zugänglich.
Interessierte können sich mit ihren Beiträgen und ihrem Fragebedarf
auch außerhalb der Arbeitsveranstaltungen direkt an das
Stadtplanungsamt oder an das Moderationsteam wenden.

Auf diese Weise konnten sich auch diejenigen, die an den Veranstaltungen nicht teilnehmen konnten, jederzeit ausführlich informieren und ggf. auch zu einem späteren Zeitpunkt in den Arbeitsprozess einschalten.

 

Aufgaben der externen Moderation
Insbesondere bei gewachsenen, beharrlichen Konflikten erleichtert eine externe, neutrale Moderation und Prozessbegleitung die Wiederaufnahme und Neugestaltung von Gesprächen zwischen Planung, Politik und Bevölkerung erheblich. Wenn VertreterInnen aus Politik oder Verwaltung solche Prozesse moderieren, treffen sie oft auf Ablehnung, weil ihnen Voreingenommenheit oder Parteilichkeit unterstellt wird. Geeigneter, um verschüttetes Vertrauen und gegenseitiges Verständnis Schritt für Schritt wieder herzustellen, sind daher Personen, die keine Eigeninteressen mit dem Planungsvorhaben verbinden und sich "nur" um die fachlich kompetente Gestaltung der brachliegenden Kommunikation kümmern müssen.

Die Moderation gibt den Umgangsstil vor, sorgt für ein respektierendes Gesprächsklima und für günstige Arbeitsbedingungen. Die anfangs oft noch von Aggressionen beherrschte Diskussion wird von der Moderation strukturiert, gegenseitige Vorwurfshaltungen – bis hin zu Beschimpfungen und Verdächtigungen – werden aufgegriffen und bearbeitet, unterschiedliche Interessen erhalten den ihnen zustehenden Raum, Minderheiten und Minderheitenvoten werden geschützt, Mißverständnisse möglichst ausgeräumt.

Aus dem Labyrinth von vorgefaßten Meinungen und verhärteten Konflikten sind in Regensburg Gesprächsstrukturen und Konsensprozesse entstanden, die weit über die Zeit des Dialogprozesses hinaus weiterwirken können. Daß die Bevölkerung einen der von der Moderation gewiesenen Wege tatsächlich ging und das Gesprächsangebot nutzte, lag in ihrer Hand. Nur weil sie sich aus freien Stücken für eine faire und von gegenseitigem Respekt getragene Gesprächsform entschied, konnte der Beteiligungsprozess erfolgreich sein. Die Menschen selbst kann auch eine Moderation nicht ändern, wohl aber die Gesprächskultur.

Manche Moderationsteams geben einem Beteiligungsverfahren dadurch Struktur, daß sie verbindliche Tagesordnungen, Arbeitsprogramme und Aufgabenverteilungen vorgeben und die Bürgerschaft zur Einhaltung dieser Vorgaben verpflichten. Wir ziehen es vor, obwohl der Dialogprozess für die Moderation dadurch deutlich aufwendiger wird, den "natürlichen Verlauf des Arbeitsprozesses" modulierend zu unterstützen und je nach Interessenlage der Teilnehmenden auch die beschlossenen Programmabfolgen ggf. wieder zu ändern. Dies kann sich aus unterschiedlichen Gründen – inhaltlichen, strategischen, gruppendynamischen – anbieten.

Auf diese Weise wird es für die Beteiligten komfortabler und im Sinne der Konsensfindung effektiver.
Vertrauensbildend und gleichzeitig strukturierend wirken sich auch die Leistungen des Moderationsteams bei der Protokollierung der Ergebnisse und deren Fortschreibung im Laufe des Dialogprozesses aus. Die gemeinsam formulierten Empfehlungen haben Gültigkeit bis sie ggf. – gemeinsam – widerrufen oder modifiziert werden. Diese Verfahrenssicherheit empfiehlt sich gerade in konfliktären Prozessen.

Im PlanungsDialog Unterer Wöhrd haben sich die weiter oben geschilder-ten Prinzipien der Moderation gut bewährt. Indem das Moderationsteam für die Einhaltung dieser Prinzipien stand und Irritationen fernhielt, konnten sich die Teilnehmenden auf das Inhaltliche und das Gruppengeschehen konzentrieren, was zu fundierten Ergebnissen führte.

 

Resümee

Die Bereinigung des Konfliktes um die Planungen am Unteren Wöhrd ist in dem beschriebenen Verfahren mit einem durchaus vertretbaren Aufwand gelungen, weil sich alle Beteiligten dazu motivieren ließen, frühere Konfliktmuster zu verlassen und neue Formen des Miteinander zu gestalten. Der PlanungsDialog Unterer Wöhrd zeigt, daß die Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung ihrer Stadt interessiert, daß sie engagiert beim Mitgestalten sind und daß sich Planungsvorhaben unter Einbeziehung der Bürgerschaft sehr wohl und sehr gut konkretisieren lassen.

Die Kreativität der Planenden ist dadurch jedoch keineswegs ersetzt worden. Sie ist mehr denn je gefordert, wenn es gilt, aus den Vorstellungen der Bürgerschaft baulich-räumlich lebenswerte Strukturen zu entwerfen.
In Regensburg hat sich gezeigt, daß Großprojekte wie das Solar Quarter nicht mehr über die Köpfe der Menschen hinweg hierarchisch durchgesetzt werden können, sondern von einer kritisch interessierten Bürgerschaft begleitet werden sollten. Reine Informationsveranstaltungen, etwa im Stile der gängigen Bürgerversammlungen, reichen heutzutage nicht mehr aus, denn es gibt zunehmend mehr Bürgerinnen und Bürger, die sich intensiv mit Planungen auseinandersetzen (wollen). Daher sind Phasen der Öffentlichkeitsbeteiligung aus dem Planungsverlauf nicht mehr wegzudenken.

Planende Verwaltung und Politik werden sich, wie der Regensburger Oberbürgermeister richtig erkannte, wohl auch in Zukunft auf die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung einlassen müssen – und das nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich und systematisch. Auch der PlanungsDialog Unterer Wöhrd dürfte mit den geschilderten Ergebnissen noch keineswegs abgeschlossen sein, sicherlich wird der Bebauungsplanentwurf ähnlich kritisch durchleuchtet werden. Das sollte aber nicht daran hindern, die in wenigen Monaten erzielten Erfolge schon einmal zu würdigen. Zu betonen sind die Zufriedenheit bei der engagierten Bevölkerung, die ihre Interessen in einen ausführlichen Empfehlungskatalog aktiv einbrachte, Zufriedenheit bei der Stadtplanung, deren großer Einsatz an Fachpersonal und Gesprächsbereitschaft sich angesichts konkreter Aussagen der Betroffenen lohnte, Zufriedenheit bei den Stadträtinnen und Stadträten, die hautnah erleben konnte, was diejenigen bewegt, die sie in den Parlamenten vertreten, und Zufriedenheit beim Moderationsteam, dessen Interventionen den sozialen Frieden stärken und das Gespräch wieder ins Laufen bringen konnten.

Die hoch gesteckten Ziele des Expo-Projektes Solar Quarter sind deutlich zusammengestrichen und auf das für die betroffene Bevölkerung verträgliche Maß der Entwicklung reduziert worden. Die Architekturbüros werden mit den Ergebnissen momentan wohl nicht so zufrieden sein wie die Bürgerschaft, aber vielleicht ergeben sich auch für sie in der Zukunft wieder neue, interessante Ansatzpunkt für den Unteren Wöhrd. Es wird sich auch erst in der Zukunft zeigen, wie weitreichend Stadtpolitik, Stadtplanung und übergeordnete Fachbehörden die bürgerschaftlichen Empfehlungen anerkennend in die Umsetzung bringen. Grundsätzlich sind die Chancen dafür gut.

 

Literatur

Amann, Ingrid: Solar Quarter Unterer Wöhrd, in: Bauwelt 20/1996, S. 1158 -1161

Böken, Claudia: Bewohner am Unteren Wöhrd fürchten um ihre Insel, in: Mittelbayerische Zeitung vom 28.1.1999

Grüger, Christine; Schäuble, Ingegerd: Stadtteilekonferenz Hauptbahnhof-Laim-Pasing: Reflexionen zur Beteiligung von BürgerInnen am Planungsprozeß aus Sicht der Moderation, unveröffentlichtes Manusskript, München 1999

Grüger, Christine; Schäuble, Ingegerd: Vom Masterplan zum Planungsdialog. Die wechselvolle Geschichte des "Solar Quarter Unterer Wöhrd", in: RaumPlanung 95/ 2001, S. 86-91

Grüger, Christine: Kooperation statt Konfrontation, in: Bei uns. Die Stadt Regensburg informiert, Nummer 102. Januar 2001, S. 19-20

Kohlmaier, Hannes: Solar Quaterloo! Bürger beerdigten Solar Quarter, in: Donaublizz aktuell vom 23.1.2000

Schäuble, Ingegerd: Vom Solar Quarter zum "PlanungsDialog Unterer Wöhrd", in: Bei Uns. Die Stadt Regensburg informiert, Nr. 102, S. 21-22

Stadt Regensburg: Informationsblatt zum Solar Quarter Unterer Wöhrd, Regensburg 1999

Stadt Regensburg: Chronologische Übersicht Bauvorhaben der Stadt Regensburg, 1999

Stadt Regensburg: Regensburg - Bauen in einer 2000 Jahre alten Stadt. Solar Quarter Unterer Wöhrd, Regensburg Mai 2000

 

 

 

ANHANG

Chronik der BürgerInnenbeteiligung am Unteren Wöhrd

Protokolle des PlanungsDialogs

Pressespiegel zum PlanungsDialog

 

 

Chronik der BürgerInnenbeteiligung am Unteren Wöhrd

September 2000 BürgerInnenbeteiligung "Unterer Wöhrd" Kooperatives Planungsverfahren

Juni 2000 Expo Projekttag auf dem Architekturschiff

Mai 2000 Fachbroschüre "Solar Quarter Unterer Wöhrd"

Dez. 1999

Beschluß zur Aufstellung eines B-Plans und Erlaß einer Veränderungssperre für den gesamten "Unteren Wöhrd"
Bericht über die Bürgerbeteiligung und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange
Beschluß zur Durchführung eines kooperativen Planungsverfahrens als Grundlage für die Erstellung eines Bebauungsplan-Vorentwurfes mit integrierter Grünordnung
Beschluß zu Änderung des FNP im Bereich "Unterer Wöhrd"
Juli - Oktober 1999 Auswertung/Bearbeitung der Bürgeranregungen

 

Vorbereitungen für die Überarbeitung und Vertiefung der städtebaulichen Rahmenplanung in allen Fachkapiteln mit dem Ziel der Einleitung des Bauleitplanverfahrens

 

September 1999 Beschluß zur Abhilfe des Bürgerbegehrens

26. August 1999 Bürgerbegehren gegen das Solar Quarter "Unterer Wöhrd" mit 6000 Unterschriften

24. März 1999 Vorstellung im Rahmen der Agenda 21

27. Jan. - 10. Febr. 1999 Einsicht in die Planunterlagen (75 schriftliche Anregungen)

26. Januar 1999 Bürgerinformationsveranstaltung und Bürgerbrief zur städtebaulichen Rahmenplanung "Unterer Wöhrd" (400 BürgerInnen)

30. Oktober 1998 Beschluß zum Städtebaulichen Rahmenplan "Unterer Wöhrd"

20. Oktober 1998 Vorstellung des Projekts "Solar Quarter Unterer Wöhrd" vor dem Ausschuß für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen

25. April 1996 Beschluß des Stadtteilentwicklungsplan "Solar Quarter Unterer Wöhrd"

Dez. 1994 - April 1996 Erarbeitung des Masterplan "Unterer Wöhrd" von Forster & Partner

12. Sept. 1990 Vorstellung des Entwurfs des Gesamtkonzepts "Unterer Wöhrd" in einer allgemeinen Infoveranstaltung (mit Faltblatt) 150 BürgerInnen

5. - 19.9.1990 Planeinsicht im Stadtplanungsamt

25. Juli 1990 Beschluß zum Entwurf des Gesamtkonzepts

21. Nov. 1985 Teilbebauungsplan "Unterer Wöhrd" Hotel Sheraton

28.9.1971 Satzungsbeschluß für den Bebauungsplan

 

 

 

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