Jahresthema 2017 „Stadt und Glaube“

Das kulturelle Jahresthema 2017 lautet „Stadt und Glaube“, den historischen Anlass dazu bildet das große Jubiläum „500 Jahre Reformation“.

 (C) Bilddokumentation Stadt Regensburg, Gestaltung Grafikbüro Gegensatz

Im Jahr 2017 steht überregional das große Jubiläum „500 Jahre Reformation“ an. Für Regensburg war die Reformation ein einschneidendes Ereignis. Ein Vierteljahrhundert nach dem Thesenanschlag Luthers entschied sich die Freie Reichstadt Regensburg 1542 zur Annahme des reformatorischen Bekenntnisses und wurde damit ganz und gar evangelisch.

Auf diesem historischen Hintergrund fußt auch das Jahresthema des Kulturreferats, welches 2017 unter dem Titel „Stadt und Glaube“ steht. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Kulturakteuren, Institutionen und Kirchen wird ein umfassendes Programm angeboten.

Im Fokus steht dabei die Ausstellung „Michael Ostendorfer und die Reformation in Regensburg“, die ab dem 21. Mai 2017 im Historischen Museum zu sehen sein wird.

Neben dem historischen Schwerpunkt beleuchtet das Jahresthema aber auch aktuelle Bezüge: Wie ist das Verhältnis der Konfessionen und Religionen heute? Wie sehr bestimmen sie die Identität der Stadt? Wie sieht das religiöse Miteinander aus? Und was ist mit denen, für die Religion kein Thema ist? Woran glauben die Menschen, was gibt ihnen die für den Alltag notwendige Kraft? Welche Rolle spielen Idole und Vorbilder, Werte oder Spiritualität?

Diese und weitere Fragen gilt es im Rahmen des Jahresthemas aufzugreifen. Das Programm befindet sich teilweise noch in der Planungs- und Entstehungsphase und wird nach und nach ergänzt.

PROGRAMM

Hier finden Sie einen Überblick der bisher geplanten Projekte zum kulturellen Jahresthema "Stadt und Glaube":

Schauplatz

Ausstellung „Frauen der Reformation“
05.02.–19.02.2017; Alumneum, Am Ölberg 2
Öffnungszeiten: 9-18 Uhr; Eintritt frei

Frauen spielten eine wichtige Rolle in der Reformation. In der Geschichtsschreibung weitgehend übergangen, wird dies in der Ausstellung wieder sichtbar gemacht. Die Wanderausstellung "Frauen der Reformation in der Region" zeigt zwölf verschiedene Frauen aus dem Mutterland der Reformation. "Patinnen" aus der Gegenwart stellen ihre "Ahnin" sehr persönlich und anschaulich vor. Weitere Ausstellungstafeln erzählen von den  Lebensbedingungen von Frauen in der bewegten Zeit des 16. Jahrhunderts.

Veranstalter: Evangelisches Bildungswerk Regensburg


Konzert "Eyn newes lied wir heben an – Musik der Reformationszeit in der Freien Reichsstadt Regensburg"
Ensemble "...sed vivam!"
18.03.2017, 19 Uhr, Neupfarrkirche

Martin Luther galt die Musik als „herrlich und göttlich Geschenck“ und als wirksamstes Mittel gegen den Teufel. Das Singen war schon früh ein Markenzeichen der Lutherischen – und eine der schärfsten Waffen der Reformation.
Luther war nicht nur selbst ein begabter Sänger und Lautenspieler, der höchst eingängige Lieder dichten und komponieren konnte. Er inspirierte auch zahllose Komponisten, die das reformatorische Gedankengut auf vielfältige Weise in Töne setzten.
Das Programm des Ensembles „…sed vivam!“ zeigt mit Werken von (u. a.) Josquin Déprez, Johann Walther, Heinrich Schütz und dem Regensburger Kantor Andreas Raselius, wie sich die religiösen Umwälzungen des 16. Jahrhunderts im Musikleben der seit 1542 evangelischen Reichsstadt Regensburg niederschlugen.

Veranstalter: Stadt Regensburg, Kulturreferat/Kulturamt
www.sedvivam.de


Die Reformation und das gedruckte Buch. Führung von Bibliotheksleiter Dr. Bernhard Lübbers
21.03.2017, 17–18 Uhr; Staatliche Bibliothek Regensburg, Gesandtenstraße 13

Die Reformation ist ohne den Buchdruck nicht vorzustellen. Bernd Moeller hat das bekanntermaßen kurz und prägnant auf die Formel gebracht: „Ohne Buch(druck) keine Reformation.“ Die Reformation ist damit das erste Ereignis von weltgeschichtlichem Rang, das sich mit Hilfe des Buchdrucks durchgesetzt hat. Die Staatliche Bibliothek Regensburg besitzt eine umfangreiche Sammlung von Reformationsschriften, die aus den Bibliotheken des Gymnasium Poeticum sowie der evangelischen Geistlichkeit Regensburg in die heutige Bibliothek an der Regensburger Gesandtenstraße kam. Bibliotheksleiter Dr. Bernhard Lübbers wird im Rahmen dieser Führung einige besondere Exemplare aus diesem Bestand zeigen und auf Geschichte und Genese der Sammlung eingehen.

Anmeldung erfolgt ausschließlich über das Evangelische Bildungswerk (www.ebw-regensburg.de).


Konzert „Ein himmlisch Werk – Musik der Reformation aus Regensburg und Bayern“
Ensemble Stimmwerck und Christoph Eglhuber (Laute)
20. April 2017, 19 Uhr, Neupfarrkirche

Das vierköpfige Ensemble „Stimmwerck“ hat sich vor allem der Vokalmusik der Renaissance verschrieben und gastiert seit 2001 sowohl im In- als auch im Ausland. Innerhalb der Vortragsreihe „Die Reichsstadt Regensburg und die Reformation im Heiligen Römischen Reich“ präsentiert das Münchner Ensemble „Musik der Reformation aus Regensburg und Bayern“, mit Werken von Andreas Raselius, Sophonias Paminger, Johannes Brassicanus u. a. und einer musikhistorischen Einführung von Prof. Dr. Katelijne Schiltz.

Veranstalter: Universität Regensburg, Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit) in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Stadt Regensburg. Das Konzert wird durch die Universitätsstiftung Pro Arte gefördert.

Veranstaltungsreihen

Vortragsreihe „Die Reichsstadt Regensburg und die Reformation im Heiligen Römischen Reich“
Beginn jeweils um 19 Uhr; alle Vorträge finden in deutscher Sprache statt.

Die interdisziplinäre Vortragsreihe würdigt die herausragende historische Bedeutung der Reichsstadt Regensburg im Verlauf der Reformation im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. In Regensburg fanden zahlreiche Reformationsreichstage, auf denen religiöse Konflikte und die reichs- und territorialpolitischen Folgen der Reformation verhandelt wurden, sowie Religionsgespräche mit führenden Vertretern beider Konfessionen statt. Die Vorträge widmen sich zudem dem Ablauf und den vielfältigen Auswirkungen der Reformation auf die Reichsstadt und spätere bayerische Provinzstadt Regensburg, die heute zwar noch vielerorts sichtbar, aber kaum im Bewusstsein der Bevölkerung präsent sind.

Termine:

12.01.2017: Konfessionen im Gespräch? Die Regensburger Religionsgespräche (1540-41, 1546).
Referentin: Prof. Dr. Irene Dingel, Direktorin des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abteilung für Abendländische Religionsgeschichte
Ort: Runtingersaal

09.02.2017: Die gesungene Reformation. Das Erbe der evangelischen Kirchenmusik in Regensburg (mit Hörbeispielen).
Referentin: Prof. Dr. Katelijne Schiltz, Professur für Musikwissenschaft,Universität Regensburg
Ort: Runtingersaal

27.04.2017: Die „Pfaffen“ und die „Ketzer“. Konfessionskonflikte auf den Regensburger Reichstagen vor dem Dreißigjährigen Krieg (1594-1613).
Referentin: Prof. Dr. Harriet Rudolph, Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit), Universität Regensburg
Ort: Neupfarrkirche

18.05.2017: Ein herrlicher Glaube? Kunst und Religiöse Identität in Regensburg und im lutherischen Deutschland im 16. und 17. Jahrhundert.
Referentin: Prof. Dr. Bridget Heal, Direktorin des Reformation Studies Institute, University of St Andrews/UK
Ort: Neupfarrkirche

01.06.2017: Konfessionalisierte Armen- und Krankenfürsorge? Alltag im Katharinenspital.
Referent: Dr. Artur Dirmeier, Leiter des Archivs der St. Katharinenspitalstiftung
Ort: Runtingersaal

06.07.2017: Die Reformation im gedruckten Buch. Reformatorische Buchkultur in Regensburg.
Referent: Dr. Bernhard Lübbers, Leiter der Staatlichen Bibliothek Regensburg
Ort: Runtingersaal

26.10.2017: Glaubensdinge. Die Reformationsjubiläen 1642 und 1742 in Regensburg im Spiegel musealer Objekte.
Referent: Dr. Wolfgang Neiser, Museen der Stadt Regensburg
Ort: Runtingersaal

16.11.2017: Zweites Konfessionelles Zeitalter? Zusammenleben und Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken in Regensburg im langen 19. Jahrhundert.
Referent: Prof. Dr. Klaus Unterburger, Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte, Universität Regensburg
Ort: Runtingersaal

Veranstalter: Prof. Dr. Harriet Rudolph, Lehrstuhl für Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit) und Kulturreferat der Stadt Regensburg in Kooperation mit dem Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg.


Vorträge zur Kirchen- und Reformationsgeschichte an der Neupfarrkirche
Beginn jeweils um 19 Uhr; Kapitelsaal Neupfarrkirche, Pfarrergasse 5

Am 15. Oktober 1542 wurde in Regensburg die Reformation eingeführt. Aber wie ging das eigentlich? Was war zu organisieren? Und mit welchen Widrigkeiten hatten evangelische Pfarrer späterer Jahrhunderte zu kämpfen? Dr. Christine Gottfriedsen, Leiterin des Evangelisch-Lutherischen Kirchenarchivs Regensburg, nimmt uns mit auf interessante und amüsante Reise in die Vergangenheit.

Termine:

21.02.2017: Der Ablauf der Reformation 1542 in Regensburg und die neue Kirchenhierarchie in der Stadt.

14.03.2017: Pfarrhausgeschichten aus den Akten des evangelisch-lutherischen Kirchenarchivs.

04.04.2017: Das evangelische Regensburg nach 1800.

Veranstalter: Evang.-Luth. Pfarramt Neupfarrkirche

Vorschau: Ausstellung zu Michael Ostendorfer

Michael Ostendorfer und die Reformation in Regensburg
21.05.–05.11.2017; Historisches Museum Regensburg, Dachauplatz 2-4

Mit über 100 Objekten zeichnet die Ausstellung das Leben des Malers Michael Ostendorfer (* um 1490, + 1559) und das Fußfassen der Reformation in der Freien Reichstadt am nördlichsten Punkt der Donau nach. Im Zentrum der Schau steht sein 1554/55 für die Regensburger Neupfarrkirche geschaffener Reformationsaltar.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Thesenanschlag Luthers entscheidet sich die Freie Reichstadt Regensburg 1542 zur Annahme des reformatorischen Bekenntnisses. Diesem Tag gehen unruhige und bewegte Zeiten voraus. Inmitten des gesellschaftlichen Umbruchs tritt 1520 Michael Ostendorfer mit seinem künstlerischen Schaffen aus dem Schatten seines Lehrmeisters Albrecht Altdorfer heraus.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte prägt er mit innovativen Bilderfindungen von der Donaustadt aus die reformatorischen Bilderwelten. Endpunkt dieser Entwicklung bildet der in den Jahren 1554/55 geschaffene Reformationsaltar. In Zusammenarbeit mit dem Superintendent Nicolaus Gallus entwickelt Ostendorfer ein außergewöhnliches Bildprogramm, das jedoch ohne Nachfolge bleiben sollte.

Der in der Ausstellung nachgezeichnete Lebensweg des Malers Michael Ostendorfer bildet ein beredtes Zeugnis für das Fußfassen der Reformation in den Jahren zwischen dem Thesenanschlag 1517 und den Jahren um den Augsburger Religionsfrieden anno 1555 in Regensburg. Im Zentrum der Ausstellung stehen das Leben des Künstlers und die Reformation in Regensburg, welche anhand von über 100 Werken beleuchtet werden.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10-16 Uhr (geschlossen: 1.11.2017) Freier Eintritt jeden ersten Sonntag im Monat!

Kultur: Michael Ostendorfer, Selbstporträt (C) Kunstsammlungen Fürstentum Liechtenstein, Liechtenstein Museum Wien