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Regensburg im frühen Mittelalter

In dieser Zeit der Herzöge und Bischöfe, Kaiser und Könige ist Regensburg stark gewachsen und hat einen enormen kulturellen Aufschwung erlebt.

Von den Römern zu den Bayern

Mit dem Verschwinden der Römer verschwand auch die römische Zivilisation. Was folgte, waren dunkle Jahrhunderte, über die nur spärliche Informationen vorliegen. Regensburg wurde 350 Jahre lang nicht einmal erwähnt, die Geschehnisse aus dieser Zeit müssen mühsam rekonstruiert werden. Wie es aussieht, blieben Reste der römischen Bevölkerung auch nach dem Abzug der letzten römischen Truppen am Ort ansässig; unter sie mischten sich germanische Einwanderer. Wer sie genau waren, bleibt unklar.

Fest steht nur, dass um die Mitte des 6. Jahrhunderts in den Quellen auf einmal der Volksstamm der Bayern genannt wird. Sie waren möglicherweise ursprünglich aus Böhmen ins Land gekommen und hatten unter anderem auch Regensburg in ihren Besitz genommen. Da hier die alten römischen Befestigungsanlagen erhalten geblieben waren, nutzen sie den Ort als ihren wichtigsten Stützpunkt. Regensburg wurde zur Hauptstadt des entstehenden Landes Bayern. Um 555 wird ein erster Herzog namentlich genannt: Garibald, aus der Familie der Agilolfinger. Sein Sitz in der Stadt und der seiner Nachfolger, die „Pfalz“, lag vermutlich da, wo auch später die Stadtherren von Regensburg residierten: am heutigen Alten Kornmarkt.

Frühes Christentum

Parallel zu weltlichen Herrschaftsstrukturen entstanden in der gleichen Zeit die der Kirche. Das Christentum war schon in spätrömischer Zeit in Regensburg vorhanden, aber in der Völkerwanderung wohl stark mit heidnischen Komponenten vermischt worden. In den ersten schriftlichen Zeugnissen nach den dunklen Zeiten ist deshalb von christlichen Missionaren die Rede, die nach Regensburg kamen und dort, in der Herzogsstadt, wirkten. Ihre Namen: Rupert, Emmeram, Erhard. Sie alle wurden später als Heilige verehrt. Im Jahr 739 wurde im Auftrag des Papstes das Bistum Regensburg eingerichtet, mit einem Bischof an der Spitze. Im Jahr 788 wird erstmals ein Dom St. Peter erwähnt. Seitdem gab es in Regensburg zwei Mächte, die ihren Einfluss geltend machten: den Herzog und den Bischof.

Stadt der Könige und Kaiser

Als dritter kam bald der König und Kaiser hinzu. Im Jahr 788 setzte der fränkische König (und bald auch Kaiser) Karl der Große den bayerischen Herzog Tassilo III. ab. Sein Land, und mit ihm seine Hauptstadt, wurde Teil eines größeren Reichs. Karl der Große kam in eigener Person drei Mal nach Regensburg, wo er die Herzogspfalz jetzt als königliche und kaiserliche Pfalz nutzte. Als sein Reich sich unter seinen Nachfolgern in das west- und das ostfränkische Reich, das spätere Frankreich und Deutschland, teilte, wurde die Stadt sogar zum bevorzugten Aufenthaltsort.

In einer Phase schwacher Herrscher zu Beginn des 10. Jahrhunderts lebte dann die Position eines bayerischen Herzogs wieder auf. Seitdem konkurrierten drei Stadtherren um die Kontrolle über Regensburg: der Herzog, der Bischof, der König und Kaiser. Schwere Konflikte und lange Kriege waren die Folge. In ihrem Kontext erhielt Regensburg, das als Hauptstadt stark gewachsen war, eine neue Stadtmauer: die erste mittelalterliche Stadterweiterung nördlich der Alpen. Ein einziges Mal, bedingt durch erbrechtliche Zufälligkeiten, gab es einen Herzog, der in Personalunion auch König und Kaiser war: Heinrich II, der im frühen 11. Jahrhundert lebte und regierte. In seiner Zeit, konsequenterweise, erlebte Regensburg eine absolute Hochblüte.

Karolingisches Holzhaus aus dem 8. Jahrhundert (C) Peter Ferstl, Stadt Regensburg

Ausgrabungen am Donaumarkt brachten ein Karolingisches Holzhaus aus dem 8. Jahrhundert zutage

Kulturelle Blüte

Denn zur politischen Bedeutung kam jetzt auch noch ein enormer kultureller Aufschwung. Die Herrschaft Heinrichs II. ließ die Stadt erglänzen und beflügelte ihre Kreativität. Dafür war neben dem Kaiser auch eine Persönlichkeit verantwortlich, die in seinen jungen Jahren sein Erzieher gewesen war: Bischof Wolfgang, ebenfalls einer der Heiligen von Regensburg. Er hatte das gesamte kirchliche Leben in dem Sinne reformiert, dass zur Kirche und zum Klerus auch ein hohes Maß an Gelehrsamkeit gehöre. Aufbauend auf diesen Fundamenten wurden in Regensburg bald Spitzenleistungen im Bereich der Buchmalerei und -gestaltung, in der Geschichtsschreibung und in den Naturwissenschaften erzielt. Zentrum dieses geistig-geistlichen Schaffens war das Kloster St. Emmeram. Ein Mönch von dort, Otloh, schrieb voller Selbstbewusstsein: „Regensburg ist alt und neu zugleich; als einzige unter den großen Städten ist sie Hauptstadt. Nichts Herrlicheres hat Deutschland.“

Quelle: Matthias Freitag, stark gekürzt nach der „Kleinen Regensburger Stadtgeschichte“ vom selben Autor.