Grundsteinlegung Haus der Musik

Am 23. Oktober 2012 hat Oberbürgermeister Hans Schaidinger den Grundstein für die Sanierung und Erweiterung des Präsidialpalais am Bismarckplatz gelegt.

Grundsteinlegung Haus der Musik  (C) Peter Ferstl

Das zukünftige „Haus der Musik“ beherbergt unter anderem die Sing- und Musikschule und das Kinder- und Jugendtheater.

Ausgangssituation

Vor gut zehn Jahren war aus dem Kulturreferat der Vorschlag gekommen, am Bismarckplatz ein „Bayerisches Haus der Musik“ zu installieren. Diese Idee wurde konkretisiert und als Projektvorschlag in die Bewerbungsschrift zur Kulturhauptstadt 2010 aufgenommen. Ob die Stadt oder der Freistaat dieses Haus finanzieren würden, war zum damaligen Zeitplan noch vollkommen offen.

Als das Polizeipräsidium Niederbayern/Oberpfalz Anfang 2010 den Amtssitz am Bismarckplatz 1 verließ, ergab sich die einmalige Gelegenheit, diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Der Freistaat bot das Präsidialpalais, die ehemalige französische Gesandtschaft, zum Verkauf an. Damit hatte die Stadt Regensburg die Chance, neue Räumlichkeiten in zentraler, öffentlicher und hochwertiger Lage zu schaffen.

Das Konzept wandelte sich wiederum zu einem Regensburger „Haus der Musik“ inklusive Kinder- und Jugendtheater, das den Kultur- und Musikstandort Regensburg nachhaltig stärken und innovativ vorantreiben soll.

Das Planungs- und Baureferat der Stadt Regensburg wurde daraufhin im April 2010 mit der Erstellung einer Konzeptstudie für die Nutzung des Präsidialpalais beauftragt. Nachdem das erforderliche Rahmenprogramm im Bestands- und Erweiterungsbau nachgewiesen werden konnte, erwarb die Stadt Regensburg endgültig das Gebäude.

Geschichte

Aus drei mittelalterlichen Gebäudeteilen war in den Jahren 1804/1805 das Palais als Französische Gesandtschaft für den französischen Botschafter beim Immerwährenden Reichstag errichtet worden. Mit der Planung beauftragte damals Fürstprimas Carl von Dalberg den Hofarchitekten Emanuel Joseph von Herigoyen, der auch schon das Theatergebäude gegenüber entworfen hatte.

Die von ihm geschaffene Dreiflügelanlage, mit einem sechssäuligen Giebelportikus zum Bismarckplatz, gehört zu den herausragenden Beispielen klassizistischer Architektur neopalladianischer Prägung in Deutschland. Die Erhaltung und Restaurierung dieses über Bayern und Deutschland hinaus bedeutenden Baudenkmals ist wesentlicher Bestandteil des Sanierungskonzeptes.

Mit dem Umbau und der Nutzung des Gebäudes als „Haus der Musik“ wird das Palais am Bismarckplatz in seiner ursprünglichen Bedeutung für die Öffentlichkeit wieder erlebbar.

Raumprogramm

Das „Haus der Musik“ wird über den Haupteingang (mit vorgelagertem Portikus) vom Bismarckplatz aus erschlossen. Im Erdgeschoss versorgt ein kleines Café mit Freisitz vor den Stufen des Palais‘ die Besucherinnen und Besucher.

Die Flächen im denkmalgeschützten Bestand sind hauptsächlich zur Nutzung für die Sing- und Musikschule vorgesehen. Neben dem Café werden im Erdgeschoss Unterrichtsräume (Klavier und Schlagzeug) sowie eine Werkstatt untergebracht.

Im ersten Obergeschoss, der ehemaligen „ Beletage“, mit historischen Parkett und Stuckdecken, zieht in den Nord-West-Trakt des Palais‘ die Verwaltung ein. Hier dürfen aus Gründen der Denkmalpflege keine baulichen Eingriffe - beispielsweise für Schalldämm-Maßnahmen - durchgeführt werden. An der Ostseite des Gebäudes wird, durch den Rückbau von Raumteilungen neueren Datums, der historische Ballsaal als Konzertsaal für ca. 100 Personen wiederbelebt. Im Foyer des Saales soll ein Teil der Musikaliensammlung des Historischen Museums präsentiert werden. Auch Räume für ein externes digitales Tonstudio mit Regieraum werden in dieser Ebene vorgesehen.

Im 1. und 2. Obergeschoss des ehemaligen Wohnhauses aus dem 15. Jahrhunderts ist eine Musikbibliothek mit Lesesaal geplant. In den Ebenen des 2. und 3. Obergeschosses entstehen ein Orchester-Probesaal mit ca. 108 Quadratmetern sowie ca. 20 Unterrichtszimmer für Musikschülerinnen und -schüler.

Alle erforderlichen großen Säle, die nicht in der kleinteiligen historischen Struktur des Palais umgesetzt werden können, werden in den angrenzenden Neubau ausgelagert. Somit kann die historische Fassade trotz neuer Nutzungen erhalten und restauriert werden.

Der Erweiterungsbau schließt die vorhandene Baulücke am Beraiterweg. In diesem wird im Obergeschoss ein großer Probesaal für den Cantemus-Chor geschaffen. Der gesamte Erdgeschossbereich des Neubaus beherbergt das Kinder- und Jugendtheater. Hier erreicht man über einen eigenen Zugang vom Beraiterweg und einem zwischengeschalteten Foyer den großen Spielsaal mit ca. 165 Quadratmetern und einer lichten Höhe von ca. 5,50 Metern. Die Nebenräume des Theaters (Requisite, Maske, Garderoben und Toiletten) sind im angrenzenden Erdgeschoss des Altbaus untergebracht.

Technik

Die technischen Anlagen für beide Nutzungen werden im Keller des Neubaus und im bestehenden Keller des Palais untergebracht. Hierbei handelt es sich insbesondere um Lüftungsanlagen für die vier großen Spielsäle (Konzertsaal, Orchester- Probenraum, Cantemus-Probensaal, und Spielsaal Kinder- und Jugendtheater), sowie eine Heizzentrale im Altbau.

Die Energieerzeugung des Gebäudekomplexes soll mittels einer Wärmepumpe, die sich die Wärme des Abwassers des Kanalnetzes unter der Schottenstraße zunutze macht, erfolgen. Auch für die Kühlung der Spielstätten soll diese zukunftsweisende ressourcenschonende neue Technologie genutzt werden.

Durch den Einbau einer Aufzugsanlage kann das Gebäude nach der Sanierung weitestgehend barrierefrei erschlossen werden.

Gebäudedaten (Nutzfläche)

Altbau  Neubau            Gesamt
Sing und Musikschule    1607 m²  161 m²    1.769 m²
Kinder- und Jugendtheater  111 m²  204 m² 315 m²
Café im EG  63 m² 130 m² 63 m²
Technik- und Verkehrsflächen 580 m² 238 m²  818 m²
Gesamtfläche (NF) 2.965 m²

Termine

  • Vorbereitende Maßnahmen: Herbst 2012
  • Baubeginn: Winter 2013
  • Baufertigstellung: 2014

Kosten der Einzelmaßnahmen

  • Grunderwerb ca. 1.351 000 €
  • Baukosten Kinder- und Jugendtheater ca. 1.945.000 €
  • Baukosten Sing- und Musikschule ca. 9.652.000 €
  • Reine Baukosten ca. 11.597.000 €
  • Bühnentechnik Kinder- und Jugendtheater ca. 1.357.000 €
  • Bühnentechnik Sing- und Musikschule ca. 978.000 €
  • Gebäudemöblierung und - Einrichtung ca. 470.000 €
  • Energiegewinnung „Wärme aus Abwasser“ ca. 770.000 €
  • Gesamtinvestition: ca.    16.523.000 €

Fördergeber

  • Bund-Länder-Städtebauförderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“
  • Bundesprogramm „Nationale UNESCO-Welterbestätten“
  • Land Bayern FAG
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege  „Denkmalpflegeförderung“
  • Bayerische Landesstiftung „Denkmalpflegeförderung“
  • Bezirk Oberpfalz „Denkmalpflegeförderung“
  • Deutsche Stiftung Denkmalschutz „Erhaltung von Baudenkmälern“