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Aktionsbündnis „Fair Feiern“

Besserung in vielen Bereichen

Zusammen kann man schon viel erreichen. In diesem Punkt waren sich bei der jüngsten Sitzung des Aktionsbündnisses „Fair Feiern“ alle einig. Am 29. November trafen sich Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Rechts- und Regionalreferent Dr. Wolfgang Schörnig und der Leiter des Ordnungsamtes Dr. Patrick Veit mit rund 20 Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, der Szene-Gastronomie, der Anwohnerinnen und Anwohner, der Polizei, der OTH und des Stadtjugendrings zu einer konstruktiven Sitzung.

„Das Bündnis hat wirklich schon sehr viel geschafft, doch unsere Stadt wächst stark. Daher müssen wir sicherstellen, dass die Anwohnerinnen und Anwohner nicht zu kurz kommen. Unsere Altstadt, ist eben keine Kulisse, sondern bewohnt“, erklärte die Bürgermeisterin. Auch Dr. Wolfgang Schörnig betonte, dass er einen positiven Trend sehe. „Es ist besser geworden, aber der Alkoholmissbrauch ist ein Problem!“ Immerhin sei es gelungen ein Drittel weniger Beschwerden zu erreichen, obwohl 8 000 Studenten und 20 000 Bürgerinnen und Bürger mehr in der Stadt leben, als zu Beginn des Aktionsbündnisses.

Lärmbelästigung für Anwohner problematisch
Altstadt Bewohnerin Johanna Bayer-Riepl klagte vor allem über Lärmbelästigung durch Raucherinnen und Raucher und stark alkoholisierte Gruppen. „Ich möchte doch nur meine mir gesetzlich zustehende Nachtruhe genießen“, so auch Altstadt-Bewohner Helmut Knyrim.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Szene-Gastronomie zeigten sich zufrieden mit den bisherigen Errungenschaften des Aktionsbündnisses. Wie schon in den letzten beiden Jahren ist den Gastronominnen und Gastronomen das Phänomen „Saufen beim Laufen“ ein besonderer Dorn im Auge. Es werde sinnlos mehr konsumiert, wenn Kioske oder Eis-Dielen Bier zu günstigsten Preisen verkaufen. Das Feiervolk schlage so über die Stränge, die Bars blieben im Sommer leer und die Gäste kämen oft schon im betrunkenen Zustand an den Clubs an.

„Wir lassen niemanden rein, der schon stark alkoholisiert ist, das muss jedem Gast klar sein!“, mahnte Andreas Schaffner, Geschäftsführer des Clubs Beat. „Ich verstehe es auch ganz persönlich nicht, warum es heute nicht mehr als stillos gilt überall und im Gehen zu trinken. Früher war das verpönt“, ergänzte Karin Griesbeck, Wirtin der Neuen und der Alten Filmbühne.

Gesamtzahl der Straftaten gesunken
Der Leitende Polizeidirektor der Polizeiinspektion Süd, Thomas Schöniger bestätigte den Eindruck der meisten Anwesenden, dass sich die Situation seit Beginn des Aktionsbündnisses 2010 deutlich gebessert habe. Die hohe Polizeipräsenz und die gute Zusammenarbeit mit den Gastronominnen und Gastronomen haben zu einer Entspannung der Lage geführt. Die Gesamtzahl der Straftaten im Innenstadtbereich ist im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr gesunken. „Gerade Ruhestörungen gehen nun seit drei Jahren kontinuierlich zurück“, erklärte Schöniger. Die Zahl der Körperverletzungen nehme jedoch leider zu. Besonders an Samstagen habe sich die Zahl verdoppelt. Die Wirtinnen und Wirte erklärten das mit einem veränderten Weggehverhalten. „Der Freitag ist tot“, verdeutlichte Schaffner.

Mit Platzverboten gegen notorische Störer
Im Hinblick auf die Forderung der Anwohnerinnen und Anwohner, es müsse mehr probate Strafen geben, verdeutlichte Schöniger, dass das vom Ordnungsamt eingeführte Platzverbot bereits mit Erfolg angewandt wird. Das Platzverbot untersagt es bestimmten auffälligen Partygästen fünf Regensburger Party-Meilen zu bestimmten Zeitpunkten zu betreten. „Wer gegen dieses Verbot verstößt, muss mit einem Zwangsgeld von 500 Euro bis hin zu Zwangshaft rechnen“, erläuterte Dr. Patrick Veit. Auch Ordnungsstrafen gegen Ruhestörer gebe es bereits.

„Den Partygängern müssen einerseits Grenzen aufgezeigt werden, andererseits ist es wichtig, dass eine Sensibilisierung auf Augenhöhe stattfindet“, sagte Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer. Man wolle beispielsweise auch neue Studentinnen und Studenten nicht mit einem erhobenen Zeigefinger begrüßen, sondern ihnen einfach mitgeben, wie der Feierbetrieb in der Stadt für alle am besten läuft. Christian Schmalzl von der OTH signalisierte eine hohe Kooperationsbereitschaft der Hochschule mit dem Aktionsbündnis. Rechtsreferent Dr. Schörnig zeigt sich hocherfreut über dieses Engagement: „Wir freuen uns sehr, dass die OTH sowohl von Seiten der Verwaltung, als auch von Seiten der Studierendenvertretung mit im Boot ist.“

Sensibilisierung verschiedener Gruppen
Nach fast zweieinhalb Stunden reger Diskussion beschlossen alle Anwesenden, sich auch im nächsten Jahr wieder verstärkt dem Phänomen „Saufen im Laufen“ zu widmen. Wunderbar-Wirt Martin Stein hatte hier im Frühjahr 2017 bereits viel mit seiner Kampagne gegen Jungessellenabschiede erreicht. Die oft wild verkleideten und betrunkenen Gruppen schlagen deutlich seltener an den Türen der Regensburger Bars und Clubs auf, bestätigten die Wirtinnen und Wirte.

Die Sensibilisierung der Feiernden soll in Zukunft bereits in den öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Umland und am Bahnhof stattfinden. Zudem will das Aktionsbündnis mit Plakaten, Promotion-Teams und einer ausgedehnten Social-Media-Kampagne auf das Thema „Fair Feiern“ aufmerksam machen. Geplant sind unter anderem Aktionen auf Instagram. Auch auf allseits beliebte Formate wie die „Silent Disco“ und das „Silent Concert“ wolle man in Zukunft wieder setzen.