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Festakt 50 Jahre Vorlesungsbetrieb an der Universität Regensburg

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Grußwort von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer anlässlich des Festaktes 50 Jahre Vorlesungsbetrieb Universität Regensburg am 19. Mai 2017 um 18:00 Uhr im Reichssaal


Anrede

Sehr geehrter Herr Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Dr. Spaenle,
sehr geehrter Herr Präsident Prof. Hebel,
sehr geehrte Universitätsangehörige, sehr geehrte Festgäste, 

Es freut mich sehr, dass ich Sie alle heute hier im ehrwürdigen Reichssaal begrüßen darf. Der Anlass ist ein freudiger: Zum Wintersemester 1967 wurde der Vorlesungsbetrieb an der neu gegründeten Universität Regensburg aufgenommen. So feiern wir heute miteinander ihr 50. Jubiläum! Und erlauben Sie mir die Bemerkung, dass sich auch die Stadt mit als Jubilar fühlt. Denn der Einzug der ersten Professoren, Studierenden und Angestellten markiert einen Wendepunkt. Von einer verschlafenen Provinzstadt hat sich Regensburg in eine der wachstumsstärksten Städte in Deutschland gewandelt – woran die Universität einen entscheidenden Anteil hat.

Die Gründung 1962 war ein Gemeinschaftswerk des Vereins Freunde der Universität Regensburg, der Stadt und der gesamten Region. Die jahrelange Vorarbeit zeugt von starkem bürgerschaftlichen Engagement und einem mit der lokalen Politik koordinierten Vorgehen. 

Wichtige Akteure waren hier der Bundestagsabgeordnete Hermann Höcherl, der Landtagsabgeordnete Wilhelm Gastinger und Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger. So konnte mit Verhandlungsgeschick der Bayerische Landtag überzeugt werden. 

Das Potenzial war damals aber wahrlich nicht allen klar. Zum einen formuliert der „Spiegel“ als Begründung für die Einrichtung der Volluniversität eine heute kurios klingende Zeile. Er schreibt: „Gewiss ist lediglich, dass die neue Hochschule in erster Linie dem Fremdenverkehr der Stadt Regensburg dienen soll.“ Kurios nicht nur, wenn Sie sich den modernen, großzügigen Campus neben der verwinkelten kleinteiligen Altstadt denken. Zum zweiten galt die 4. Bayerische Landesuniversität als „Entlastungsstandort“ für München.

Nach 50 Jahren als Universitätsstadt wissen wir, dass die Universität unsere Region viel stärker prägt als damals formuliert. Natürlich bringt die größte Hochschule in Ostbayern mit ihren Konferenzen und internationalen Kontakten in Forschung und Lehre viele Besucherinnen und Besucher in die Stadt, die die Geschäfte, Hotels, Kultureinrichtungen und Gaststätten beleben. 

Aber die Universität wirkt viel breiter: sie ist ein großer Arbeitgeber und Auftraggeber, sie zieht Investitionen und junge Leute an – ihre heute 21.000 Studierenden machen unsere Stadt zu einer der jüngsten im Land. Wie auch die über 2.700 Beschäftigten der Universität wohnen sie hier, gehen ins Kino und ins Theater, engagieren sich in der Flüchtlingshilfe, im Sportverein oder im Kulturbereich und ziehen weitere junge Leute an. 

So hat Regensburg wieder internationales Flair bekommen. Wenn wir in unsere 2000-jährige Geschichte blicken, wird deutlich, dass es uns immer dann gutgegangen ist, wenn wir uns nach außen geöffnet haben. In der heutigen Zeit ist Wissen die Ressource für Wohlstand und stabiles regionales Wachstum. Und die Universität ist ein wichtiger Kanal, durch den Wissen von außen zu uns transportiert wird. 

Dazu ist die Uni mit ihrem breiten Fächerspektrum ein Garant für stetig neu erarbeitete Erkenntnisse, die sie durch eigene Forschungsleistung bis hin zur Spitzenforschung erarbeitet. Die hier Ausgebildeten ebenso wie die Kooperationsmöglichkeiten sind ein zentraler Ansiedlungsgrund und Standortfaktor für ansässige Firmen. Auch die städtische Wirtschaftspolitik setzt auf die Standortvorteile, die von der Universität ausgehen. So ist die Clusterpolitik, die wir seit Mitte der 1990er Jahre aktiv betreiben, einerseits an den Leitbranchen und andererseits eng an den Kompetenzen der hiesigen Hochschulen ausgerichtet.

Die Stadt ist sich der Bedeutung der wissenschaftlichen Einrichtungen hier bewusst und formuliert deutlich ihre Strategie bis 2030: „Wirtschaft und Wissenschaft verschmelzen in Regensburg zu einem Standort des Wissens und der Innovation. Die Stadt ist eine Hochburg der Entwickler und Zentrum für die Produktion hochwertiger Güter.“

Die Stadt leistet ihren Beitrag. So wird derzeit in unmittelbarer Nähe zur Universität der TechCampus entwickelt, auf dem eine neue Verortung von Hochtechnologie und Forschung entsteht. Er ergänzt den eindrucksvollen Forschungscampus auf dem Galgenberg. Neben der Universität mit ihrem Klinikum und dem BioPark sind die OTH Regensburg und die medbo ansässig. Eine solche Forschungslandschaft sucht ihresgleichen – ihr Ursprung war 1967 die Universität.

Aber lassen Sie mich nach diesen wirtschaftlichen Aspekten doch auch noch einmal auf die Auswirkungen der Universität eingehen, was die „weichen“ Standortfaktoren von Regenburg betrifft. Hier ist es eigentlich ganz ähnlich wie bei der Wirtschaft; auch hier haben sich die positiven Effekte für die Stadt vor allem langfristig gezeigt.

Aus heutiger Sicht können wir die Universität und die Menschen, die sie nach Regensburg gebracht hat und die sie jedes Semester aufs Neue hierher bringt, gar nicht hoch genug schätzen – was das Kulturleben, die Atmosphäre und das gesamte Lebensgefühl in unserer Stadt angeht. 

Ich könnte jetzt alle möglichen konkreten Aspekte ansprechen: die bunte und vielfältige Theaterszene zum Beispiel, die sich an der Universität entwickelt hat; den großartigen Universitätschor, Symphonie- und Kammerorchester der Universität sowie die nicht nur lokal viel beachteten und hochprofessionellen Uni Jazz Orchester.

Oder die Universität mit dem Audimax als dem größten und damit einem der wichtigsten Veranstaltungsorte in Regensburg. Ich wage die Behauptung, dass es so zentrale Elemente des Regensburger Kulturlebens wie zum Beispiel die Odeon-Konzerte, die im Bereich der klassischen Musik Spitzenorchester und -solisten aus aller Welt zu uns führen, ohne die Infrastruktur der Universität und dieser wunderbaren Konzertstätte heute in dieser Form nicht geben würde.

Oder nehmen wir den internationalen und interkulturellen Kulturaustausch, der über universitäre Einrichtungen wie das „Europaeum“ als Ost-West-Zentrum der Universität läuft.

Oder – ganz konkret und mit diesem Ort auch in diesem Jahr wieder verbunden – die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität im Rahmen von Symposien und Vortragsreihen zu unseren kulturellen Jahresthemen, die wir als Stadt Regensburg jedes Jahr gemeinsam mit den hiesigen Kulturakteuren und
-institutionen programmatisch wie inhaltlich entwickeln. Die aktuell laufende Reihe zum Thema „Stadt und Glaube“ anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ darf ich Ihnen an dieser Stelle gleich wärmstens ans Herz legen!

Dass Lehrkräfte und Studierende der Universität sich mit den Themen unserer Stadt befassen, schärft unseren Blick; schafft Bewusstsein und oft den Perspektivenwechsel; erweitert unseren Horizont. Und solche Beispiele könnte ich noch viele nennen. Aber das Entscheidende ist vielleicht etwas, das Kultur überhaupt erst trägt und hervorbringt oder zumindest für ihr Zustandekommen äußerst förderlich ist. Ich meine das Atmosphärische, das Junge, Aufgeschlossene, Offene, von außen Kommende.

Regensburg vor der Universität: Das war nur allzu oft ein in sich gekehrter Mikrokosmos, Provinz halt – auch wenn wir selber das natürlich nie zugegeben hätten. Mit der Universität kam die Öffnung, kam auch der Blick von außen; und er hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Stadt sich in einer ganz neuen Art ihrer selbst bewusst geworden ist.

Denken Sie zum Beispiel an die Wertschätzung der historischen Bausubstanz in der Altstadt; für wie viele Regensburger war das, was im Krieg unzerstört geblieben war, danach einfach nur altes „Graffl“: ungeliebt, ungeschätzt, am besten zum Abbruch freigegeben.

Sicher, der Umdenkungsprozess in diesem Bereich hat auch etwas mit Initiativen aus der Bürgerschaft und dem allgemeinen Zeitgeist zu tun, aber all die vielen Menschen, die mit dem Blick von außen hierher kamen, haben doch auch sehr viel daran geändert, wie Regensburg sich selbst sieht. Das ganze Aufblühen, die Tatsache, dass die Altstadt heute ein großer Ort der Begegnung und der Kommunikation ist und damit ein Kulturstandort erster Güte: das haben wir auch der Universität zu verdanken.

Kennen Sie den Spruch, der Georg Britting, dem großen Regensburger Dichter zugeschrieben wird? „Das Beste an Regensburg ist der D-Zug nach München“ soll er gesagt haben. Heute – wenn Sie mir als Bürgermeisterin die leichte Übertreibung verzeihen – ist es fast schon umgekehrt!

Unserer Alma Mater wünsche ich eine erfolgreiche Fortsetzung ihrer Arbeit, auch künftig einen steten Strom an interessierten, engagierten Studierenden, weiterhin eine starke internationale Vernetzung und erfolgreiche Berufungen von Spitzenforscher/innen und mitreißenden Lehrenden.

Und ich freue mich immer, wenn Universitätsangehörige in die Gesellschaft hineinwirken, z.B. in dem sie in die Innenstadt kommen und den Bürgerinnen und Bürgern ihr Wissen und ihre Erkenntnisse nahebringen, die ja Einfluss auf weite Teile unseres täglichen Lebens haben.

Herzlichen Glückwunsch zum 50. Jubiläum. Wir freuen uns auf die nächsten 50 Jahre Zusammenarbeit, Strategieentwicklung und konstruktiven Austausch zwischen Stadt und Universität Regensburg.