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Spatenstiches zum Bau der neuen Beruflichen Oberschule

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ansprache von Oberbürgermeisters Hans Schaidinger anlässlich des Spatenstiches zum Bau der neuen Beruflichen Oberschule auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne am 25. September 2013

Anrede

als in Bayern 1969 die Berufsoberschulen, ein Jahr später die Fachoberschulen ins Leben gerufen wurden und seit dem Schuljahr 2008/09 vereint unter dem Dach der Beruflichen Oberschule ganz selbstverständlich zur Bildungslandschaft auch in Regensburg gehören, konnte wohl noch keiner abschätzen, zu welch einem Erfolgsmodell sich diese zwei neuen Schultypen entwickeln würden. Diese beiden „Flaggschiffe“ der beruflichen Bildung gehören zu den gelungenen Reformen aus der bildungspolitisch bewegten Zeit am Ende der 60-er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Als erklärtes politisches Ziel galt es damals, den Kindern aus bildungsferneren Schichten zu einer höheren Schulbildung zu verhelfen und die Quote der Hochschulzugangsberechtigten zu erhöhen – ein Vorhaben, das, wie wir heute wissen, zweifellos von Erfolg gekrönt war.

Der Regensburger Stadtrat mit Herrn Oberbürgermeister Schlichtinger jedenfalls war damals diesem neuen Schultyp gegenüber sehr aufgeschlossen und so war Regensburg nach der Landeshauptstadt München die zweite Stadt Bayerns, in der eine Berufsoberschule geschaffen wurde.

Schon 1930 schrieb Otto Hessler, der sich große Verdienste im Bereich der Berufsausbildung erwarb:

„Wie vielen Menschen, die ihre Begabung und ihre Fähigkeiten in der beruflichen Tätigkeit entdecken, entwickeln und beweisen, wie vielen Eltern, die ihre Kinder unter erheblichen Kosten und ohne wesentlichen Erfolg durch die allgemeinbildenden Schulen schleppen, könnte geholfen, wie viele produktive Kräfte könnten gewonnen werden, bestünde der Weg eines uneingeschränkten schulischen Aufstiegs von der Berufsarbeit her.“

Diese in diesem Zitat bemängelte Lücke im Bildungswesen wurde insbesondere mit der Schaffung der Berufsoberschule geschlossen.

Heute – und das ist der breiten Öffentlichkeit nicht unbedingt bewusst – erwerben rund 45 Prozent aller Schulabgänger mit Hochschulreife diese inzwischen an beruflichen Schulen. Insbesondere die Berufsoberschule, deren Absolventen alle über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen müssen, hat gegenüber dem Gymnasium, das von vielen Eltern immer noch als Königsweg zum Abitur angesehen wird, einen entscheidenden Vorteil:

Sollte es in der Schule oder später im Studium nicht so recht klappen, bietet der erlernte Beruf immer noch ein sicheres Standbein, auf das zurückgegriffen werden kann - bei einer Studienabbrecherquote von rund 28 Prozent ein ganz erheblicher Vorteil!

Die Berufliche Oberschule bietet jungen Menschen eine gleichwertige, stärker mit der Berufspraxis verknüpfte Alternative zum Gymnasium und ist somit ein zentraler Baustein zur Verwirklichung der Leitziele Qualität und Gerechtigkeit in der bayerischen Bildungspolitik.

Und die Attraktivität der Fachoberschule wurde in den letzten Jahren noch erhöht, etwa mit der Möglichkeit, die neu eingeführte 13. Klasse zu besuchen, um die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife zu erwerben und mit der Einführung der neuen Ausbildungsrichtung Gesundheit seit diesem Schuljahr.

Die Stadt Regensburg trägt der zunehmenden Attraktivität dieses Schultyps Rechnung, indem sie auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne eine neue Berufliche Oberschule errichtet.

Nach der Prüfung verschiedener Alternativen beschloss der Stadtrat am 24.09.2009 den Bau eines neuen Schulgebäudes für die Berufliche Oberschule. Ursprünglich waren zwei Bauabschnitte mit dem längerfristigen Ziel einer einhäusigen Unterbringung geplant.

In der Stadtratssitzung am 13.12.2012 wurde entschieden, den ersten Bauabschnitt zur Unterbringung der Ausbildungsrichtungen Technik FOS/BOS sowie Wirtschaft und Verwaltung FOS zu errichten und die gesamte Ausbildungsrichtung Sozialwesen bis zur Realisierung des zweiten Bauabschnittes weiterhin an der Landshuter Straße 61 zu belassen.

Da diese Zweihäusigkeit für die Schule für längere Zeit zwar zumutbar, aber nicht optimal gewesen wäre, nahm ich deshalb mit dem Bayerischen Finanzministerium Verhandlungen auf und konnte erreichen, dass aufgrund der außergewöhnlich hohen Kosten von rund 65 Millionen Euro der Freistaat Bayern einen sehr hohen Zuschuss gewährt, wenn beide Bauabschnitte zeitgleich verwirklicht werden.

Liegt der übliche Fördersatz für Schulneubauten bei rund 34 Prozent, werden jetzt rund 45 Prozent gefördert, was einer Mehrförderung in Höhe von 3,1 Millionen Euro entspricht.

Mit dieser Zusage in der Tasche werden wir jetzt den ersten und zweiten Bauabschnitt in einem Guss durchführen und damit die Einhäusigkeit der Schule deutlich schneller realisieren, die dann spätestens ab Sommer 2016 gegeben sein wird und ein den modernen pädagogischen Anforderungen gerechtes Lernen und Arbeiten ermöglicht.

Bereits zum Schuljahr 2015/16 wird der erste Bauabschnitt mit Sporthalle bezugsfertig sein.

Damit stehen der Stadt mit dem Auszug der Beruflichen Oberschule aus den Gebäuden Landshuter Straße 61 und Landshuter Straße 17 wieder zwei Ausweichschulgebäude zur Verfügungen, auch als Ausgleich für den Wegfall des Bauabschnitts I des alten Von-Müller-Gymnasiums, der künftig von der RIS/SIS genutzt werden soll.

Damit findet eine lange Phase der durchgängigen Mehrhäusigkeit mit zwei, drei oder gar vier verschiedenen Gebäuden endlich ein Ende.

Da die beiden Schultypen Fachoberschule und Berufsoberschule ja erst seit dem Schuljahr 2008/09 als Berufliche Oberschule zusammengefasst sind, will ich die verschiedenen Standorte der beiden einstmals getrennten Schulen auch getrennt darstellen:

Die Fachoberschule startete zum Schuljahr 1970/71 im Barackenlager am Hohen Kreuz.

Dazu war im Jahresbericht zum 20-jährigen Bestehen der FOS Regensburg zu lesen:

„Da war als Ort der Erstplazierung jenes modrig miefige Barackenlager am Hohen Kreuz, eher als Kulisse geeignet für Filme wie "Soweit die Füße tragen" oder "Hunde wollt ihr ewig leben" denn als pädagogischer Raum für einen neuen Schultyp. In der Zeit der großen Bildungsoffensive eher ein Ort der Niederlage, wie jeder zugeben wird, und es war in des Wortes wahrsten Sinne ein Hohes Kreuz, das wir da auf uns nehmen mußten.“ (Zitatende)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, als die Fachoberschule in Regensburg neu geschaffen wurde, hatte sie in der Tat längere Zeit kein echtes eigenes Schulgebäude und mit einer permanenten Mehrhäusigkeit zu kämpfen.

Dabei sollte aber nicht übersehen und vergessen werden, dass selbst Schulfachleute dieser Schulart eine ungewisse Zukunft vorausgesagt hatten und es für die Stadt Regensburg als Sachaufwandsträgerin damals nicht leicht war, zwischen „Hoffen und Bangen“ und quasi „über Nacht“ geeignete Schulräume zur Verfügung zu stellen.

Weitere Zwischenstationen waren nach dem Start am Hohen Kreuz die Volksschule Sallern, Souterrain Goethe-Gymnasium, Kaufmännische Berufsschule, Gebäude St. Fidelis beim Goethe-Gymnasium, Volksschule Reinhausen und Petersweg.

Erst im Schuljahr 1982/83 und nachdem die Fachoberschule ihren festen Platz auch in der Regensburger Schullandschaft eingenommen hatte, bezog sie ihr jetziges „Hauptquartier“ in der Landshuter Straße 61, in dem sie sich heute befindet.

Dieses Gebäude, um die vorletzte Jahrhundertwende als Kaserne errichtet, war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Heimat der Wirtschaftsaufbauschule, später fand das Werner-von-Siemens-Gymnasium hier seinen Platz.

In den Jahren 1981/82 wurde das Gebäude saniert und gleichzeitig im Schulhof durch zwei erdgeschossige Anbauten (Pausenhalle und Mehrzweckraum) zwischen den vorhandenen Gebäudeflügeln erweitert und in weiser Voraussicht dabei die Statik dieser Anbauten bereits so ausgelegt, dass eine zweite Erweiterung 2002 in Form einer Aufstockung möglich war.

Damit konnte auch die Auslagerung des Sozialzweigs der Schule, der vorübergehend in die ehemalige Bundesbahnschule in Prüfening ausgelagert werden musste, beendet werden.

Damals bestand jedoch immer noch die Zweihäusigkeit mit der Schule Sallern in der Amberger Straße.

Als 1997, im Zuge der Verstaatlichung der Schule, die damals Städtische Berufsoberschule Technik und Sozialwesen mit der Staatlichen Fachoberschule zusammengelegt wurde, konnte eine noch ungünstigere Dreihäusigkeit nur vermieden werden, indem die Fachoberschule das Gebäude an der Amberger Straße auf ausdrücklichen Wunsch der damaligen Schulleitung aufgab und dafür im Gebäude am Ziegelweg 1 zusätzliche Räume bekam.

Später kamen noch Klassenräume an der Berufsschule I dazu und aktuell die Landshuter Straße 17.

Insgesamt war die Fachoberschule im Laufe ihres Bestehens somit in 12 Schulhäusern zeitlich nacheinander, aber auch simultan, untergebracht.

Und damit sind wir auch schon bei der Berufsoberschule angelangt, die 1970 ihren Unterricht mit zwei Klassen der Ausbildungsrichtung Technik und Gewerbe in den Räumen der Volkshochschule im Thon-Dittmer-Palais aufnahm.

Bereits zum Schuljahr 1971/72 wurde sie in das Volksschulgebäude in Winzer ausgelagert.

Zum Schuljahr 1973/74 verließ sie Winzer und bezog mit vier Klassen den Neubau Ziegelweg 1 und mit sechs Klassen die Außenstelle Alte Manggasse beim Evangelischen Krankenhaus.

1975/76 fand ein Umzug von der Alten Manggasse in die neue Außenstelle Zirngiblbau am Unterislinger Weg statt und befand sich somit schon in der Nähe ihres künftigen Standorts Nibelungenkaserne.

Zum Schuljahr 1988/89 wurden die Klassen der Ausbildungsrichtung Wirtschaft an die damalige Berufliche Schule IV, der heutigen Berufsschule III, verlegt. Als städtische Berufsoberschule Wirtschaft fand sie eine dauerhafte Heimat im ehemaligen Mädchenlyzeum am Petersweg.

Die Klassen aus dem Zirngiblhaus zogen anschließend in den Ziegelweg 1.

Pünktlich zum Schuljahr 2008/09 bekam die Schule aufgrund ständig wachsender Schülerzahlen hinter dem Stammgebäude noch zusätzlich sieben Klassenzimmer und einen Gruppenraum in Containerbauweise.

Zum Schuljahr 2010/11 verließ die Schule schließlich auf eigenen Wunsch das Gebäude im Ziegelweg und bezog das Ausweichschulgebäude in der Landshuter Straße 17.

Diese im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Geschichte findet nun in Kürze ein, wie ich meine, gutes Ende mit einem neuen Schulgebäude an diesem Standort der ehemaligen Nibelungenkaserne.

Diese wurde in den Jahren 1939 bis 1941 als Flugabwehrkaserne errichtet mit dem Auftrag, das Messerschmitt-Flugzeugwerk im Westen der Stadt sowie das Öldepot im Regensburger Osthafen zu schützen.

Nach der Einnahme der Stadt durch US-Truppen am 27. April 1945 zogen amerikanische Soldaten in die Kaserne ein und benannten sie Fort Skelly. Erst 1964 räumten sie das Gelände und machten der Bundeswehr Platz.

Im Jahr 2009 wurde von der Bundeswehr die Kasernennutzung aufgegeben.

2011 schließlich erwarb die Stadt für städtebauliche Zwecke dieses rund 40 Hektar große Gelände zum Preis von 13 Millionen € vom Bund, auf dem neben der Beruflichen Oberschule ein Technologie-Campus mit Technologiepark sowie Wohnungen geschaffen werden sollen.

Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs wurde als erster Preisträger das Architekturbüro Schulz & Schulz aus Leipzig prämiert und mit der weiteren Planung beauftragt.

An dieser Stelle entsteht nun ein barrierefreies Schulgebäude mit einer Klingermauerwerk-Fassade, das zusammen mit dem Holz der Fenster eine sehr werthaltige und langlebige Fassadenkonstruktion bekommt. Das Gebäude wird so konstruiert, dass die Raumzuschnitte über den gesamten Lebenszyklus der Schule veränderbar bleiben und so flexibel auf aktuelle Nutzerbedürfnisse angepasst werden können.

Dabei liegt der Schule ein Raumprogramm für insgesamt 53 Klassen und einer zu erwartenden Schülerzahl von 1380 zugrunde.

Der Neubau bekommt eine kammartige Struktur, die die drei Bildungsbereiche Technik, Wirtschaft und Sozialwesen abbildet und sich der abfallenden Topographie des Geländes anpasst. Durch diese Staffelung des Gebäudes wirkt das große Bauvolumen optisch weniger monumental.

Die Kammstruktur schafft zudem unterschiedliche Ruhe- und Kommunikationsbereiche, tribünenartige Sitzstufen erzeugen nach Osten hin einen fließenden Übergang zu den tieferliegenden Sportflächen, an die sich nach Süden hin eine Sporthalle anschließt, die als Ballspielhalle ausgeführt wird und somit auch dem Vereinssport insbesondere für Ballspiele zusätzliche Übungs- und Wettkampfmöglicheiten bietet.

Östlich davon wird zur Erfüllung der Stellplatzverordnung, die selbstverständlich auch für öffentliche Gebäude gilt, ein Parkhaus für Lehrer und Schüler errichtet.

In enger Abstimmung zwischen dem Amt für Schulen, dem Hochbauamt und der Schulleitung wurde das pädagogische Konzept der Schule in die Planungen integriert und beispielsweise Lerninseln in den Flurbereichen für schülerzentrierte Lehrmethoden vorgesehen. Zudem verabschiedet sich die Lehrerschaft aus der „Kreidezeit“, indem auf herkömmliche Kreidetafeln verzichtet und stattdessen elektronische Tafeln (besser bekannt auch unter der Bezeichnung elektronische Whiteboards) in allen Unterrichtsräumen installiert werden.

Das neue Gebäude schafft in seiner Funktion als öffentliche quartiersbildende Einrichtung auch Platz für außerschulische Bildungs- und Veranstaltungsangebote. Insbesondere die großzügige Pausenhalle und der Speisesaal sind für multifunktionale Veranstaltungen ausgelegt und können flexibel zusammengeschaltet bzw. in den Außenraum erweitert werden.

Die Themen Nachhaltigkeit und Energie sollen durch ein ganzheitliches und im Schulbetrieb erlebbares Energie- und Technikkonzept die Schüler für die Themen Energieeinsparung und nachhaltiges Wirtschaften sensibilisieren, beispielsweise durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Parkhauses.

Der Neubau der Beruflichen Oberschule wird das bisher teuerste Schulbauprojekt in der Geschichte der Stadt Regensburg sein und macht deutlich, dass die Stadt ihre Verantwortung als überregional bedeutender Schulstandort ernst nimmt.

Was lange währt wird endlich gut.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass die Arbeit an diesem Schulgebäude zügig und planmäßig voranschreitet, allen an diesem Bau Beteiligten viel Erfolg bei ihrer Arbeit und einen unfallfreien Verlauf.