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Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

- Es gilt das gesprochene Wort -

Begrüßungsansprache von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft am 11. März 2013 um 20 Uhr im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

Anrede,

Inzwischen ist es ja fast schon eine lieb gewordene Tradition, dass im Rhythmus von drei Jahren in Regensburg die Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft stattfindet. Liebgewordene Tradition ist es gleichermaßen, dass ich Sie hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses begrüßen darf.

Dieser Historische Reichssaal, in dem schon vor vielen Jahrhunderten wichtige Verträge ausgehandelt und unterzeichnet wurden, steht in diesem Jahr in einem ganz besonderen Rampenlicht, jährt sich doch die Einberufung des Immerwährenden Reichstages, der von 1663 bis 1806 genau hier tagte, heuer bereits zum 350. Mal.

Für die Stadt Regensburg ist dies natürlich Anlass, dieses bedeutende Jubiläum entsprechend zu feiern mit einer Reihe von hochkarätigen Veranstaltungen.

Für mich ist es in diesem Rahmen Grund, Ihnen die einzigartige Atmosphäre, die während dieser Zeit in Regensburg spürbar war, vor Augen zu führen.

Reichstage gab es in Deutschland seit dem Mittelalter. Man tagte zunächst je nach Bedarf in verschiedenen Städten, also beispielsweise in Augsburg, Nürnberg, Speyer oder Worms. Oder eben in Regensburg.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil unsere Stadt zum damaligen Zeitpunkt als Dreh- und Angelpunkt des europäischen Fernhandels eine Blütezeit erlebte und auch auf internationaler Ebene ein gutes Renommee genoss, fanden ab 1554 die Reichstage ausschließlich hier bei uns am nördlichsten Donaubogen statt. Auch der Reichstag von 1663 tagte in Regensburg, allerdings war er anfangs durchaus nicht als „immerwährend“ geplant.

Er befasste sich mit der Bedrohung durch die Türken, einem Thema, das sich als so aufwändig und umfangreich erwies, dass die Tagungszeit sich zunächst lang ausdehnte und der Reichstag sich schließlich überhaupt nicht mehr auflöste, sondern sich zu einer dauerhaften Institution etablierte. Weil aber Kaiser und Fürsten nicht ständig persönlich an den Beratungen teilnehmen konnten, verließen sie die Stadt und schickten ihre Vertreter, die sogenannten Gesandten, nach Regensburg. An sie erinnert in unserer Stadt noch heute die Gesandtenstraße“ und die vielen Gebäude, die in dieser Zeit als Gesandtschaften dienten.

Den Kaiser vertraten von 1748 bis 1806 die Fürsten von Thurn und Taxis als Prinzipalkommissare. Deren heutiger Stammsitz, die ehemalige Benediktinerabtei St. Emmeram, am Alleengürtel der Stadt gelegen, darf sich das größte bewohnte Schloss in Europa nennen. Und noch immer residiert hier die Familie der Fürsten von Thurn und Taxis.

Am westlichen Ende der Gesandtenstraße befindet sich – direkt gegenüber dem Theater – das Palais, in dem damals die Französische Gesandtschaft untergebracht war. Heute wird das Gebäude zum „Haus der Musik“ umgebaut. Die Sing- und Musikschule der Stadt und das Junge Theater Regensburg werden dort ihre Heimat finden.

Die Gesandtenstraße mündet im Osten in den Neupfarrplatz. Und dort als Hausnummer 14 finden Sie das sogenannte Löschenkohl-Palais‘, in dem ab 1743 die kursächsische Gesandtschaft zu Zeiten des Immerwährenden Reichstags residierte.

Der Immerwährende Reichstag bildete ein heute sehr modern anmutendes, deutlich demokratischeres Gegenmodell zu vielen absoluten Monarchien in Europa. Die Zusammenkünfte der aus dem gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation stammenden Gesandten waren durch verbindliche, fast parlamentarisch zu nennende Verfahren geregelt. Ausländische Teilnehmer kamen quasi als Beobachter nach Regensburg. Der Reichstag war damit beinahe so etwas wie der Wegbereiter der heutigen Europäischen Union.

Welche Bedeutung ihm in der Geschichte unseres Landes zukommt, unterstreicht auch die Tatsache, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schirmherrschaft für das Jubiläum übernommen hat.

Habe ich Ihnen Lust gemacht, den geschichtsträchtigen Boden, auf dem Sie sich befinden, etwas näher zu erkunden? Dann nehmen Sie sich doch in einer Tagungspause die Zeit und besuchen beispielsweise unser Reichstagsmuseum. Oder schließen Sie sich einer Führung durch das Fürstliche Schloss St. Emmeram an. Und selbst wenn Sie nur wenig Zeit zur Verfügung haben – ein Spaziergang von der ehemaligen Französischen Gesandtschaft auf dem Bismarckplatz durch die Gesandtenstraße bis zum Löschenkohl-Palais am Südrand des Neupfarrplatzes dauert nur etwa fünf Minuten.

Für Ihre Frühjahrstagung wünsche ich Ihnen einen erfolgreichen Verlauf. Schön, dass Sie auch diesmal wieder nach Regensburg gekommen sind!