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Tag der Heimat 2013

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Gerhard Weber anlässlich der Veranstaltung „Tag der Heimat“ am Samstag, 26. Oktober 2013, 15 Uhr, im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

Anrede,

Frau Staatsministerin Emilia Müller
Herr Kreisvorsitzender Friedrich Kaunzner
Presse

Der Bund der Vertriebenen hat auch in diesem Jahr traditionell zu einem „Tag der Heimat“ eingeladen. Hierzu heiße ich sowohl unsere Gäste aus Regensburg als auch alle Besucher von außerhalb hier im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses herzlich willkommen.

„Die Heimat ist wohl das teuerste, was Menschen besitzen.“

Diese Aussage, die von Friedrich Schiller stammt, gibt wahrscheinlich am ehesten das Gefühl wieder, das jedes Jahr die deutschen Heimatvertriebenen am „Tag der Heimat“ verbindet und zusammenführt.

Menschen, die ihre Heimat als Folge von Flucht und Vertreibung verloren haben, müssen einen langen und schmerzhaften Prozess bewältigen. Umso mehr ist anzuerkennen, dass sie auf Rache und Vergeltung verzichtet und sich zu einem friedliebenden Deutschland bekannt haben, wie es am 5. August 1950 in der „Charta der Heimatvertriebenen“ feierlich festgelegt wurde. Seit 1950 ist der „Tag der Heimat“ ein nationaler Gedenktag, der alljährlich Anlass bietet, sich an die Menschen zu erinnern, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg ihrer Heimat und damit ihrer Wurzeln beraubt wurden. Mehr als 15 Millionen Deutsche waren es, mehr als zwei Millionen kamen dabei ums Leben.

Anrede

Es geht jedoch an diesem Gedenktag nicht nur darum, den Blick zurück auf ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte zu werfen, sondern auch darum, aus ihr für die Zukunft zu lernen. Alle unsere Gäste setzen hier und heute durch ihre Anwesenheit ein klares Zeichen: Wir alle verurteilen jede Ideologie, die Vertreibung als Mittel der Politik rechtfertigt, denn sie richtet sich gegen die Würde des Menschen. Dies gilt für die Vergangenheit genauso wie für die Gegenwart und die Zukunft.

Wenn man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, läuft man Gefahr, alte Wunden aufzureißen, doch nur so ist es möglich, die Zukunft besser zu gestalten. Dementsprechend wurde auch das Leitwort des diesjährigen Gedenktages gewählt. Es lautet „Unser Kulturerbe – Reichtum und Auftrag“ und weist auf die zwei Pole an, die bedacht werden sollten: Einerseits stellen die Kultur und die Traditionen, die die Heimatvertriebenen in ihrer alten Heimat zurücklassen mussten, ein reiches Erbe dar. Ein Erbe, das es zu würdigen gilt und das von den Heimatvertriebenen in ihrer neuen Heimat mit großer Liebe gepflegt wird.

Andererseits gehört auch das als Folge des vom Nationalsozialismus verursachten 2. Weltkrieges einhergehende Unrecht, das den Millionen Deutschen im Osten widerfuhr, als sie gezwungen wurden, ihre Heimat und damit alles ihnen Vertraute und Liebgewonnene zu verlassen, zu diesem Erbe. Es ist ein Teil unserer Geschichte, der wir uns stellen und aus der wir unsere Lehren ziehen müssen. Denn nur so können wir zu einem gegenseitig bereichernden Austausch unter den Völkern Europas gelangen, der zu Aussöhnung und Verständigung beiträgt.

Auf eine bessere Zukunft hinzuarbeiten ist mit diesem Erbe nur dann möglich, wenn wir es als gemeinsames Erbe verstehen und für kommende Generationen lebendig halten. Deshalb sehen wir es aktuell als unsere Aufgabe an, Brücken zu unseren östlichen Nachbarn zu schlagen, um die europäische Idee in den Köpfen und in den Herzen der Menschen zu verankern. Die Oberpfalz liegt in der Mitte des neuen, freiheitlich orientierten Europas. In den letzten Jahren und Jahrzehnten fand ein reger Austausch - vor allem mit unseren unmittelbaren Nachbarn in Tschechien - statt, um diese Brücken zu festigen.

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat sich schon vor dem Fall des eisernen Vorhangs um einen beständigen Dialog mit Tschechien bemüht, Pfarreien und Sozialprojekte unterstützt und sich vor allem auf kulturellem Gebiet um eine fruchtbare Zusammenarbeit verdient gemacht. Man denke an musikalische oder literarische Begegnungen, die das gemeinsame Leben bereichert und zum gegenseitigen Kennenlernen und Verstehen beigetragen haben. Dafür verdient sie großen Respekt und unsere ganze Unterstützung.

Anrede

Der Dialog mit unseren östlichen Nachbarn muss weitergehen, wenn wir unserem Ziel, einer stabilen gemeinsamen Zukunft in Europa, näher kommen wollen. Regensburg ist zum einen aus menschlicher Verbundenheit die Patenstadt der Sudetendeutschen, zum anderen aus geschichtlicher Tradition schon seit langem eine Stadt des Brückenschlags. Ich möchte an unsere Städtepartnerschaft mit Pilsen erinnern, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, ebenso an die wissenschaftlichen und menschlichen Beziehungen, die die Universität Regensburg mit ihrem Bohemicum zu Tschechien pflegt. Die Prager Karlsuniversität, die Westböhmische Universität Pilsen und die Brünner Masaryk-Universität sind seit Jahren Partner der Regensburger Hochschulen. Ein regelmäßiger Studentenaustausch sowie der deutsch-tschechische Jugendaustausch bilden eine solide Basis, auf der junge Menschen zusammenkommen und sich besser verstehen lernen können.

Es liegt an der jungen Generation, diese Begegnungen fortzusetzen und mit Leben zu füllen. Denn sie ist es, die das Erbe der Vergangenheit trägt und die Aufgabe hat, die Zukunft so zu gestalten, dass negative Erfahrungen der Vergangenheit ruhen können. Stattdessen sollen neue, positive Impulse für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit gegeben werden, um den Frieden im gemeinsamen „Haus Europa“ dauerhaft zu sichern.

Anrede

Ich habe meinen Vortrag mit einem Zitat von Schiller begonnen, beschließen möchte ich ihn mit einem Eintrag aus Max Frischs Tagebüchern:

„Heimat ist unerlässlich, aber sie ist nicht an Ländereien gebunden. Heimat ist der Mensch, dessen Wesen wir vernehmen und erreichen.“

Letztendlich geht es immer um Menschen, um deren Erinnerungen und Hoffnungen, die es zu bewahren und zu schützen gilt. Ein gemeinsames Kulturerbe zu erhalten und es als Bereicherung für die Gegenwart und als Auftrag für die Zukunft zu sehen, setzt voraus, dass man aufeinander zugeht, sich auf den anderen einlässt und Gemeinsamkeiten anerkennt, um miteinander für die Zukunft Europas zu arbeiten. In diesem Sinne wünsche ich der diesjährigen Festveranstaltung einen erfolgreichen Verlauf mit vielen guten Begegnungen und Gesprächen.