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Internationales Treffen der Jumelages Europeens PTT e.V.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede von Bürgermeister Gerhard Weber anlässlich des Internationalen Treffens der Jumelages Europeens PTT e.V. am Freitag, 10. Mai 2013, 11 Uhr, im Alten Rathaus, Historischer Reichssaal

Anrede,

hier im Historischen Reichssaal der Stadt Regensburg begrüße ich Sie mit besonderer Freude und Herzlichkeit, und mit großem Interesse an Ihrem internationalen Verein der Völkerfreundschaft.

André Campion (verstorben 2000) war die treibende Kraft, die 1982 zur Gründung der Jumelages zwischen Strasbourg und Regensburg führte.

Ihr Ziel, Angehörige der Post- und Telekomverwaltungen der europäischen Länder zusammen zu führen, gilt dem Gedanken der Völkerverständigung und dem Frieden in Europa.

Kommunikation, der Informationsaustausch, ist Ihr tägliches Geschäft – grenzüberschreitend.

Bei Kommunikation geht es nicht um oben oder unten, um Anordnungen, die einer ausführen muss. Nein, Kommunikation meint immer Gegenseitigkeit – und das in sehr weitreichendem Sinn. Das lateinische Wort „communicare“ steht für eine wertbetonte Tätigkeit: Es bedeutet „etwas gemeinschaftlich machen, Anteil nehmen, etwas (auch Lästiges) tragen helfen“.

In diesem Sinne miteinander zu kommunizieren, ist ein Beitrag von Jumelage. Und es wundert nicht, dass im Laufe der Zeit viele Freundschaften und Kontakte mit anderen Städten in weiteren Ländern entstanden sind.

John F. Kennedy sagte einmal:
„Für den Frieden gibt es keinen einfachen Schlüssel, keine großartige oder magische Formel, die sich eine oder zwei Mächte aneignen können. Der echte Frieden muss das Produkt vieler Nationen sein, die Summe vieler Maßnahmen.“

Die diesjährige internationale Begegnung der Jumeleure, auch aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Strasbourg, findet heuer in Regensburg statt.

Die Stadt ist ein sehr geeigneter Ort den Gedanken der Völkerverständigung zu pflegen und ihn über alle Grenzen hinweg weiter zu tragen.

Die Stadt hat in der Geschichte Europas eine wichtige Rolle gespielt:
Sie war europäisches Handelszentrum, ein Umschlagplatz auf den kontinentalen Handelsrouten nach Italien, Böhmen, Russland und Byzanz.

Die Bausubstanz aus dem 11. bis 13. Jahrhundert bestimmt noch heute das Stadtbild - dunkle, enge Gassen, Patrizierhäuser und Geschlechtertürme, Kirchen und Klöster sowie die Steinerne Brücke sind Zeugen der Geschichte.

Regensburg war ein Zentrum des Heiligen Römischen Reiches und bevorzugter Tagungsort für Reichsversammlungen. Auch zur jüngeren europäischen Geschichte leistete die Stadt als Sitz des Immerwährenden Reichstags von 1663 bis 1806 ihren Beitrag – in diesem Jahr feiern wir das 350-jährige Jubiläum.

Regensburg ist Welterbestadt und hat somit auch die Aufgabe internationale Beziehungen zu pflegen und zu fördern. Mit acht Partnerstädten in aller Welt verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Mit der schottischen Stadt Aberdeen ging die Stadt 1955 die erste Städtepartnerschaft ein.

Meine Damen und Herren, Sie haben für Ihr international besetztes Treffens einen sehr guten Ort ausgewählt.

Liebe Gäste, der Historische Reichssaal hier im Alten Rathauses ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Regensburgs. Ursprünglich diente das Bauwerk den Regensburger Bürgerinnen und Bürgern als Fest- und Tanzsaal. Europäische Bedeutung erlangte er Ende des 16. Jahrhunderts als Tagungsort der Reichsversammlung und später als Sitz des so genannten Immerwährenden Reichstags des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Dass die Lebenslust hier zu Hause war beweist eine nette Anekdote: Während der Immerwährende Reichstag zu Regensburg tagte, bekamen die Gesandten anfangs von der Stadt Wein aus deren Kellern spendiert - das aber schaffte man bald wieder ab. Betraf es die Gesandten doch peinlich, wenn der eine oder andere Sekretarius bei den Beratungen angetrunken einschlief und die Verhandlungen durch lautes Schnarchen störte.

Wie Sie sehen, kann das Verhandeln vieler Nationen ein ermüdendes Geschäft sein – und manchmal auch sehr lange dauern: Der Reichstag von 1663 war zunächst nicht als immerwährend geplant. Die umfangreiche Tagesordnung zog die Beratungen jedoch in die Länge, und

Kaiser und Fürsten, die nicht dauerhaft vor Ort sein konnten, schickten ihre Gesandten nach Regensburg.

Etwa 70 Gesandtschaften ausländischer Staaten hatten hier ihren Sitz. Der Reichstag wurde für die nächsten knapp 150 Jahre zur dauerhaften Einrichtung und Regensburg Zentrum der europäischen Diplomatie.

Drei Fürsten von Thurn und Taxis repräsentierten nacheinander zwischen 1748 und 1806 als Prinzipalkommissare den Kaiser. Seit dieser Zeit residiert die Familie hier in Regensburg.

Die Taxis standen bereits im 15. Jahrhundert als Kuriere im Dienst des Papstes, und wurden im Verlauf des 16. Jahrhunderts auch mit der Beförderung der kaiserlichen Kurierpost im Heiligen Römischen Reich betraut. Die Kaiserliche Reichspost war das erste überregionale Postunternehmen.

Liebe Gäste, der Bogen ist nun gespannt - von gestern bis heute.

Ich wünsche Ihnen nun noch eine anregende und interessante Tagung und schöne Stunden in Regensburg.