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International Police Association

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger zur Begrüßung der Teilnehmer an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Regensburger Verbindungsstelle der International Police Association (IPA) am 14. Juli 2012, 10 Uhr, im Historischen Reichssaal

Anrede

Von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten sagt man, dass sie immer im Dienst sind. Dass sie immer ihre Augen und Ohren offen haben und dass ihnen kaum etwas entgeht, was um sie herum geschieht. Wenn das stimmt – und davon gehe ich als ausgewiesener Freund der Polizei fest aus - , dann ist Ihnen ganz bestimmt nicht entgangen, dass unsere Stadt zunächst einmal wie eine Insel der Seligen wirkt.

Unsere wunderschöne Altstadt zählt zum Welterbe der UNESCO, sie strahlt eine faszinierende Atmosphäre aus und sie bietet eine enorm hohe Lebensqualität ohne den Stress und die Hektik in anderen Großstädten. Das hat sich weltweit herumgesprochen: Alljährlich zieht Regensburg etwa 3 Millionen Gäste an.

Zudem leben laut einer deutschlandweiten Umfrage in Regensburg die meisten zufriedenen Menschen. Und im Gegensatz zu einer Vielzahl vergleichbarer Städte geht es unserer Wirtschaft und unserem Arbeitsmarkt gut bis hervorragend – mit der Folge, dass unsere Einwohnerzahl jährlich um etwa 1500 Menschen ansteigt.

Ist Regensburg also wirklich eine Insel der Seligen?
Aus Sicht der Polizei nicht unbedingt: Im Jahr 2011 wurden bei sinkender Tendenz immerhin noch 435 Fälle von Gewaltkriminalität gemeldet, der Großteil davon waren gefährliche oder schwere Körperverletzungen. Der steigende Trend bei der Diebstahlskriminalität macht auch vor unserer Stadt nicht halt: Die Zahl der Delikte stieg von 5248 im Jahr 2010 auf 6285 Fälle im vergangenen Jahr.

Schon allein aus diesem Grund ist die Stadt Regensburg mehr also froh über die engagierte Arbeit der Polizei in Regensburg. Wir hätten ganz bestimmt nichts dagegen, wenn das Münchner Innenministerium noch ein paar Dutzend Polizeistellen mehr in unserer Stadt schaffen würde.

Die ohnehin schon schwere Aufgabe der Polizistinnen und Polizisten wird - auch in Regensburg - durch eine besondere Entwicklung weiter belastet: Das Verbrechen organisiert sich zunehmend international. Deswegen muss auch die Zusammenarbeit der Polizei immer internationaler werden. Diese Globalisierung im besten Sinn funktioniert am allerbesten, wenn man möglichst viele Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern kennt und zu ihnen freundschaftliche Kontakte pflegt.

An dieser Stelle können wir zwei Polizisten nicht genug danken: Der eine ist der Österreicher August Heinrich de Marich und der andere ist Arthur Troop.

De Marich machte sich schon im Jahr 1908 für freundschaftliche Kontakte zu Polizeibeamten in Europa stark. Er brachte eine kleine Zeitschrift heraus, die „Police Revue“, die in der internationalen Kunstsprache Esperanto geschrieben war. Bis zur Gründung der IPA – der International Police Association - dauerte es jedoch bis 1950. Initiator war der englische Polizeibeamte Arthur Troop. 1962 wurde schließlich die Regensburger Verbindungsstelle gegründet, die nun ihr rundes 50-jähriges Bestehen feiert.

Es freut mich sehr, dass die IPA-Verbindungsstelle Regensburg zu diesem Jubiläum eine Vielzahl von Gästen aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland begrüßen kann – aus der Regensburger Partnerstadt Clermont-Ferrand, aus den USA, Italien und Österreich.

Beim Anbahnen und Pflegen von Grenzen übergreifenden Kontakten und Freundschaften hat Regensburg übrigens eine jahrhundertelange Tradition. Schon im Mittelalter war unsere Stadt ein bedeutendes Handelszentrum mit Beziehungen zu zahlreichen europäischen Ländern.

Auf der politischen Ebene war Regensburg fast 150 Jahre lang eine wichtige Schaltzentstelle deutscher wie auch europäischer Politik und Diplomatie. Der Historische Reichssaal, in dem wir uns befinden, beherbergte von 1663 bis 1806 den Immerwährenden Reichstag – eine Art frühes Parlament, in dem die Kaiser und Fürsten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zusammenkamen. Dieses wichtige Gremium zog Gesandte aus zahlreichen europäischen Ländern an.

Nicht nur Geschichte wurde hier geschrieben – mit dem Reichstag sind auch einige Redewendungen verbunden, die bis heute gerne gebraucht werden. Die Erkenntnis, dass es oft nicht hilfreich ist, etwas auf die lange Bank zu schieben, hat mit dem langgezogenen Sitzmöbel zu tun, das Sie hier drüben an den Fenstern sehen können. Der Überlieferung nach wurden auf diese lange Bank manchmal so viele unerledigte Akten geschoben, dass sie hinten herunterfielen.

Wenn heute etwas am „grünen Tisch“ beschlossen wird, dann ist damit die zweifelhafte Praxistauglichkeit von Entscheidungen gemeint. Diese Redewendung geht zurück auf die Adeligenrunde, die nebenan, im Kurfürstenzimmer, ihre Entscheidungen häufig an einem mit grünem Samt bezogenen Tisch getroffen hat.

Als ich mir Ihr Festprogramm angesehen habe, war mir sehr schnell klar, dass es nicht am berüchtigten grünen Tisch entworfen worden ist. Sie wollen neue Freunde treffen und alte Freundschaften vertiefen und so den auf Esperanto formulierten Wahlspruch der IPA immer aufs Neue mit Leben erfüllen: „Servo per Amikeco“ – Dienen durch Freundschaft.

Deswegen will ich jetzt auch nichts auf die lange Bank schieben: Ich wünsche Ihnen bei Ihrer Jubiläumsfeier viel Vergnügen und viele gute Gespräche. Genießen Sie die berühmte Regensburger Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Ich wünsche Ihnen einen sehr angenehmen Aufenthalt in unserer Stadt.