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Empfangs ausländischer Studenten

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs ausländischer Studenten am Donnerstag, 15. November 2012, 19 Uhr im Reichssaal

Anrede

Ich freue mich, Sie im Reichssaal des Alten Rathauses begrüßen zu dürfen. Sie haben sich entschieden, in Regensburg zu studieren und damit gleichzeitig einen wichtigen Abschnitt Ihres Lebens in dieser Stadt zu verbringen. Der heutige Empfang soll als Ausdruck unserer Wertschätzung dazu dienen, Ihre Anwesenheit in Regensburg zu würdigen und uns die Gelegenheit zu einem gegenseitigen Austausch bieten.

Herzlich Willkommen!

Dass Ihre Wahl auf Regensburg gefallen ist, ehrt uns besonders. Mit Ihnen halten sich derzeit rund 30000 Studenten an den hiesigen Hochschulen auf. Für eine Stadt mit ca. 150 000 Einwohnern ist dies ein beachtlicher Anteil. Jeder fünfte Mitbürger ist damit Studentin oder Student. Davon stammen derzeit rund 1800 Studierende aus dem Ausland.

Sie haben sich mit Regensburg eine ganz besondere und erfolgreiche Stadt ausgesucht.

Unser selbstbewusster Slogan „Spitze an der Donau“ zielt nicht nur auf die geografische Lage Regensburgs, sondern auch auf unsere Errungenschaften ab, die uns von anderen Regionen abheben und auf die wir sehr stolz sind.

Ein Sprichwort sagt: „Erfolg ist der Sieg der Einfälle über die Zufälle“. Ich möchte Ihnen nunmehr anhand eines Überblicks über Regensburgs Geschichte beweisen, dass dieses Sprichwort auf Regensburg genau zutrifft.

Als Rezept für diesen Erfolg lassen sich wohl vier Gründe nennen: Tradition, Innovation, Kooperation und Internationalisierung.

Unsere Tradition reicht zurück bis ins Jahr 500 vor Christus, als die Kelten hier die erste Siedlung errichteten. Die geschichtlich bedeutendere Gründung und Entwicklung Regensburgs begann allerdings im Jahr 179 nach Christus, als Kaiser Marc Aurel hier das Römerkastell „Castra Regina“ errichten ließ.

Dies ist sicherlich keinem Zufall zu verdanken. Ausschlaggebend dürfte damals ausschließlich die geografische Lage, nämlich der nördlichste Punkt, also die Spitze der Donau, gewesen sein.

Mit der Errichtung dieses mächtigen Legionslagers, von dem noch heute das Nordtor, die sogenannte Porta Praetoria, erhalten ist und der Stationierung von 6000 Legionären, war damals bereits erkennbar, dass die Römer Regensburg nicht nur als vorübergehenden Außenposten errichten wollten, sondern als Standort betrachteten, an dem man sich auf Dauer niederlassen wollte.

Durch den beginnenden Handel, also der Kooperation mit anderen Ländern und Völkern entwickelte sich Regensburg allmählich zu einem bedeutenden europäischen Handelszentrum, das seinen Bürgern zu Wohlstand und Einfluss verhalf. Durch den Fernhandel bis Paris, Venedig und Kiew war Regensburg im Mittelalter zu einer der wohlhabendsten und einwohnerstärksten Städte Deutschlands geworden.

Fast 300 Jahre lang war Regensburg der Hauptsitz der bajuwarischen Herzöge. Von 1245 bis 1803 durfte sich Regensburg als Freie Reichstadt bezeichnen und war damit ausschließlich dem deutschen Kaiser unterstellt. Der über 600 Jahre alte Saal in dem wir uns hier befinden, war Mittelpunkt des sogenannten Immerwährenden Reichstags, einer Art erstem europäischem Parlament, in dem hier von 1663 bis 1806, also fast 150 Jahre lang, Gesandte aus ganz Europa tagten und hier weitreichende Entscheidungen trafen.

Diese Internationalisierung hinterließ in Regensburg natürlich ihre Spuren, die sich in einem einzigartigen Baustil und einer südländischen Lebensart ausdrückten. Dies ist sogar noch in der heutigen Zeit spürbar. Nicht umsonst wird unsere Stadt aufgrund der architektonischen Zeugnisse aus 2000 Jahre Geschichte, verbunden mit dem besonderen Flair der Altstadt, auch als die „nördlichste Stadt Italiens“ bezeichnet.

Eines der eindrucksvollsten und ältesten Bauwerke ist die steinerne Brücke, die seit nunmehr 866 Jahren die Donau überspannt. Sie ist die älteste unverändert erhaltene Brücke Deutschlands, die noch genutzt wird. Bei ihrer Fertigstellung im Jahr 1146 war sie das größte abendländische Ingenieurbauwerk und ist bis heute das Wahrzeichen von Regensburg geblieben.

Während ihrer elfjährigen Bauzeit wurden über 100000 Tonnen Baumaterial bewegt. Schon die Baustelle muss damals wie ein Weltwunder gewirkt haben und Schaulustige von weither angezogen haben. Allein die Fundamentgründung für die Brückenpfeiler wäre selbst mit den heutigen technischen Möglichkeiten keine Kleinigkeit.

Die steinerne Brücke war deshalb im Hochmittelalter Regensburgs Innovation schlechthin und machte die Stadt zur Handelsmetropole. Sie diente als Vorbild für andere große Steinbrückenbauten des 12. und 13. Jahrhunderts über die Elbe in Dresden, die Moldau in Prag, die Themse in London und die Rhône in Avignon.

Kreuzfahrer, Pilger, Bürger, Soldaten, Kaufleute und Gesandte strömten über die Brücke in die Stadt und lösten einen Wirtschaftsboom aus. Als einziger Donauübergang zwischen Ulm und Wien sprudelten zudem die Einnahmen aus dem Brückenzoll.

Glücklicherweise hat man in den vergangenen Jahrhunderten der Versuchung widerstanden, die Steinerne Brücke abzureißen und durch ein moderneres Bauwerk zu ersetzen. Momentan wird sie gerade für 20 Millionen Euro generalsaniert, um sie für die kommenden Generationen zu erhalten und als Wahrzeichen für Regensburg zu bewahren.

Die Steinerne Brücke ist allerdings nur eine unter einer Vielzahl von wichtigen Innovationen, die in dieser Stadt ihren Ursprung haben.

Forschung und Lehre sind hier schon seit Jahrhunderten angesiedelt: Bereits im Mittelalter war Regensburg ein bedeutendes Zentrum der Wissenschaften. Berühmte Gelehrte und Wissen-schaftler wie etwa Albertus Magnus oder Johannes Kepler haben hier gelebt und gewirkt.

Was lag also näher, als der Wunsch nach einer Hochschule. Bis dahin sollte es allerdings einige Zeit dauern. Obwohl Regensburg zu den ältesten Städten Deutschlands gehört, sind wir eine relativ junge Hochschulstadt. Erst 1967 nahm die Universität Regensburg ihren Betrieb auf. 1971 kam die Hochschule Regensburg hinzu. Unsere jüngste und kleinste Hochschule, die Hochschule für katholische Kirchenmusik, konnte im vergangenen Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern.

Die Hochschulen haben maßgeblich zur Entwicklung der Wirtschaftsregion Regensburg beigetragen.

Durch den jährlichen Output von ca. 2500 Absolventen herrscht bislang noch kein Mangel an jungen Akademikern. Dies mag auch dazu geführt haben, dass sich hier große international tätige Firmen, sog. Global Player, und starke mittelständische Betriebe niedergelassen haben. Produkte und Dienstleistungen aus Regensburg sind mittlerweile in der ganzen Welt gefragt.

In den Branchen Automobiltechnik, Biotechnologie, Elektro- und Energietechnik, Maschinenbau, Sensorik und IT-Security, für die Firmennamen wie BMW, Continental, die Maschinenfabrik Reinhausen, OSRAM, Infineon und TOSHIBA stehen, um nur einige zu nennen, spielt Regensburg mit in der ersten Liga.

Um die Verknüpfung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft noch weiter auszubauen, werden wir im kommenden Jahr auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne in unmittelbarer Nähe zu den Hochschulen und dem Biopark einen Technologie- bzw. Forschungs-campus errichten, um damit Kompetenzen und Forschungs-aktivitäten an einem Ort zu bündeln.

Allein für die Stadt Regensburg stellt dies eine Investition von 15 Millionen Euro dar, die wir allerdings beim zunehmenden Wettbewerb um „die besten Köpfe“ für sinnvoll angelegt halten.

Gerade im MINT-Bereich werden wir verstärkt hochqualifizierte Fachkräfte benötigen, damit die hier ansässige, stark exportabhängige Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt.

In Rankings und Umfragen genießt die Stadt Regensburg regelmäßig einen hervorragenden Ruf. So ermittelte beispielsweise das Wirtschaftsmagazin Capital im Februar dieses Jahres, dass Regensburg die Kommune mit dem größten Wirtschaftswachstum in Deutschland ist. Wir liegen damit noch vor Städten wie Hamburg, Stuttgart oder München. Eine andere Umfrage des Fernsehsenders VOX und des Internetportals meinestadt.de hat ergeben, dass in Regensburg Deutschlands glücklichste Menschen wohnen.

Auch wenn diese Umfrage nicht unbedingt repräsentativ ist, sprechen doch einige Faktoren für Regensburg als Glücksstandort.

Regensburg bietet gerade in der Altstadt ein außergewöhnliches Wohnambiente. Sie leben im historischen Flair eines Weltkulturerbes! Gleichzeitig werden Ihnen 122 Parks und Grünanlagen mit insgesamt 800 Hektar Platz für Freizeitaktivitäten geboten. Angeblich sind wir auch die Stadt mit der höchsten Kneipendichte in Deutschland. Das sind aber nicht die einzigen Gründe für unseren Ruf als lebenswerte Stadt.

Im Gegensatz zur demografischen Entwicklung in vielen anderen Regionen Deutschlands können wir uns über ein stetiges Bevölkerungswachstum freuen. Jedes Jahr steigt die Einwohnerzahl Regensburgs um etwa 1500 Personen. Ein Großteil davon stammt aus dem Ausland, um hier zu arbeiten oder, so wie Sie, zu studieren. Einige bleiben auch nach ihrem Studium hier, weil sie sich während der Studienzeit in Regensburg verliebt haben und hier ideale Startbedingungen für ihre Karriere vorfinden. Die Arbeitslosigkeit im Einzugsbereich der Stadt liegt derzeit bei 3,5 Prozent. Wir sprechen dabei schon fast von Vollbeschäftigung. Bei einer Bevölkerungszahl von rund 150000 sind 100000 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dieses Verhältnis ist in Deutschland rekordverdächtig.

Die positive Wirtschaftslage der hiesigen Firmen kommt in Form von Gewerbesteuereinnahmen auch der Stadt und damit letztlich allen hier lebenden Bürgern zu Gute, da uns damit finanzieller Spielraum für Investitionen zur Stärkung der örtlichen Wirt-schaftskraft und zur Erhaltung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen und der Wissenschaft bleibt.

Sie sehen, wir werden die Entwicklung Regensburgs auch in Zukunft nicht dem Zufall überlassen. Wir wollen weiterhin Spitze an der Donau bleiben!

Ich lade Sie hiermit ein, Ihre „Heimat auf Zeit“ ganz bewusst zu erleben und am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen. Ich würde mich nicht wundern, wenn der Flair Regensburgs nach einiger Zeit auch Sie fasziniert und aus Ihren Reihen einige zu „Regensburgern“ werden, weil sie sich auch nach dem Studium aus beruflichen oder familiären Gründen hier niedergelassen haben.

Während Ihres Aufenthaltes wollen wir Sie bei Ihrem Studium unterstützen und – soweit es in unserer Macht steht - für ein angenehmes Umfeld sorgen. Für Ihr Studium wünsche ich Ihnen Ausdauer und viel Erfolg.