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Empfang für eingebürgerte ausländische Staatsangehörige

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs der im Jahre 2011 eingebürgerten ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger am 16. Februar 2012 im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses


Anrede

Ich freue mich, Sie heute im historischen Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses begrüßen zu dürfen.

Es ist mir jedes Jahr ein besonderes Anliegen, diejenigen Bürgerinnen und Bürger einzuladen, die im abgelaufenen Kalenderjahr bei uns die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung erworben haben. Aus diesem Anlass empfange ich Sie heute und danke Ihnen für Ihr Kommen.

Sie alle, meine Damen und Herren, haben eines gemeinsam. Sie haben im Laufe des vergangenen Jahres durch Einbürgerung die deutsche Staatsangehörigkeit erworben. Dazu möchte ich Ihnen an dieser Stelle persönlich und im Namen der Stadt Regensburg herzlich gratulieren.

Im Jahre 2011 wurden insgesamt 201 Personen aus 48 Nationen eingebürgert. Die Zahl der Einbürgerungen lag damit etwas unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die Statistik von Regensburg wird dieses Mal von der Ukraine mit 33 eingebürgerten Personen angeführt, die damit erstmals seit Jahren die Türkei mit 23 Eingebürgerten auf den zweiten Platz verdrängt. Zahlreiche Personen stammen auch aus den Ländern Vietnam (14), Rumänien (13), Russland (12) und Polen (10). Aber auch Neubürgerinnen und Neubürger aus seltener vertretenen Ländern wie Japan, Nicaragua oder Peru möchte ich hier gerne erwähnen.
Die 163 Personen, die nicht bereits die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Union besaßen, sind mit dem Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit gleichzeitig auch Unionsbürger geworden.

Manche von Ihnen sind bereits seit Geburt hier in Deutschland, die anderen sind aus den verschiedensten Gründen vor Jahren oder Jahrzehnten hierher zu uns nach Deutschland gekommen. Die Beweggründe dafür sind sehr verschieden. So spielen Krieg und Verfolgung im Herkunftsstaat ebenso eine Rolle wie Familienzusammenführung, berufliche Perspektiven oder das Absolvieren einer Ausbildung in Deutschland, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Entscheidung für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit war für viele von Ihnen ein wichtiger Schritt in einem lange andauernden Integrationsprozess. Die meisten von Ihnen sind bereits seit mehr als acht Jahren hier in Deutschland, wobei der Durchschnitt bei vierzehn Jahren liegt. Mit Ihrem Wunsch, deutsche Staatsbürger zu werden, haben Sie auch zum Ausdruck gebracht, dass Sie sich in Deutschland, nicht zuletzt aber auch in unserer Stadt, wohlfühlen und hier heimisch geworden sind. Mit der Staatsbürgerschaft wurde Ihnen eines der höchsten Güter unseres Staates verliehen und gleichzeitig werden damit auch Ihre Integrationsleistungen gewürdigt.

Der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit war für viele von Ihnen sicher auch mit Hürden verbunden. Aber Sie alle haben die notwendigen Mühen auf sich genommen, um dieses Ziel zu erreichen. Jeder von Ihnen musste Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift nachweisen. Für manchen war damit zweifelsohne auch ein größerer Lernaufwand verbunden. Aber die Sprache ist ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Integration.

Die Sprache ist der Schlüssel, um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und sich zu integrieren. Denn wie sagte schon der Dichter Christian Morgenstern: „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird“.

Die Sprache ist die Voraussetzung, um sich im täglichen Leben zurechtzufinden und aktiv am gemeinschaftlichen Leben teilzunehmen. Deshalb ist seit vielen Jahren der Nachweis von Kenntnissen der deutschen Sprache eine der Voraussetzungen für eine Einbürgerung. Auch die Beschaffung der erforderlichen Dokumente aus den Herkunftsstaaten ist teilweise nicht einfach, insbesondere ist hier das Entlassungsverfahren in manchen Ländern zu nennen. Trotz allem haben Sie sich aber entschlossen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben, was Sie im vergangenen Jahr dann auch erreicht haben.

Die Einbürgerung bringt viele Vorteile mit sich. Sie sind jetzt deutsche Staatsbürger mit allen Rechten, aber auch mit allen damit verbundenen Pflichten. So können Sie von nun an Ihren Aufenthalt, Ihren Wohnsitz, Ihre Arbeitsstelle oder Ihren Studienplatz innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und in allen Staaten der Europäischen Union frei wählen. Darüber hinaus gelten für Sie weitere Grundrechte wie die Gleichstellung von Mann und Frau, Schutz der Menschenwürde, Religionsfreiheit oder Meinungsfreiheit.

Ich möchte Sie ermutigen, die mit dem Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit eingetretene Veränderung als Chance wahrzunehmen, noch intensiver an unserem Gesellschaftsleben teilzuhaben. Hierbei ist aber die Wahrung Ihrer kulturellen und religiösen Identität eine unverzichtbare Bereicherung. Die Brücken auf diesem Weg heißen Verständnis, Respekt, Akzeptanz und Toleranz. Und ein besonders wichtiger Brückenpfeiler ist die Anerkennung der Individualität und Identität des Anderen. Dieses Verständnis basiert auf der Grundlage unserer rechtsstaatlichen und verfassungsmäßigen Ordnung.

Für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist es zudem von großer Bedeutung, dass Sie sich als Staatsbürgerin und Staatsbürger in diesem Land und in unserer Stadt zu Wort melden und unser Gemeinwesen mitgestalten. Dazu zählt auch die Teilnahme an politischen Wahlen, wozu Sie in der näheren Zukunft mehrfach Gelegenheit haben werden. So finden im Herbst nächsten Jahres Bundestags, Landtags- und Bezirkswahlen statt und im Frühjahr 2014 Kommunalwahlen. Sie alle sind aufgerufen, Ihr Wahlrecht zu nutzen und damit aktiv mitzuwirken.

Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen, hat Max Frisch einmal gesagt. Ich kann nur noch einmal wiederholen: bitte tun Sie das! Pluralismus, Partizipation und Öffentlichkeit sind anerkannte Leitvorstellungen unserer Gesellschaft.

Exemplarisch für die mögliche Beteiligung am Gesellschaftsleben und ihre Integrationsleistungen möchte ich Ihnen eine Dame aus Bosnien und Herzegowina vorstellen, die sich durch einen besonderen Werdegang und hohes Engagement auf dem Gebiet der Integration auszeichnet. Frau Sanela Luzic reiste im Sommer 2001 mit klaren Vorstellungen in die Bundesrepublik ein. Sie wollte Lehrerin werden, weshalb sie nach einer kurzen Zeit der Eingewöhnung das Lehramtsstudium für das Unterrichtsfach Deutsch an der Universität Regensburg aufnahm. Damit brachte sie sich von Anfang an beispielhaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten in die Gesellschaft ein.

Zunächst arbeitete Frau Luzic knapp ein Jahr als Förderlehrerin für Kinder mit Migrationshintergrund an der Clermont Ferrand Hauptschule in Regensburg, Prüfening. Anschließend engagierte sie sich drei Jahre lang als Tutorin für ausländische Studierende und nahm zugleich ab September 2007 ihre Tätigkeit als Teilzeitbeschäftigte an der Otto Schwerdt Schule im Stadtteil Burgweinting auf. Unter ihrer Leitung errangen zwei Schülerinnen der 7. Klasse den ersten und zweiten Preis beim europaweiten Aufsatzwettbewerb des Goethe-Instituts Rom. Zudem gewann der Auftritt ihrer Theaterarbeitsgemeinschaft beim ‚Bunten Wochenende‘ den Hans Weber Preis für Toleranz und Demokratie.

Angesichts ihres eigenen Werdeganges wirkte Frau Luzic im Februar 2010 bei der Gründung des bayerischen Netzwerks ‚Lehrer mit Migrationshintergrund‘ mit, das in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und anderen Institutionen entstand. Mittlerweile gehört sie dem Vorstand an.

Schließlich erfolgte Sanela Luzics Ernennung zur Lehramtsanwärterin. Ihre Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse wurden im vergangenen Jahr mit einem Projekt über ehrenamtliches Engagement zu Landes- und Bundessiegern des Europäischen Wettbewerbs erklärt. Im vergangenen Jahr hat Frau Luzic wie Sie alle die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung erworben.

Für Ihr großartiges Engagement will ich Ihnen, Frau Luzic, danken, da es ein Musterbeispiel für eine gelungene Integration ist und zudem möchte ich Ihnen bereits jetzt viel Glück für einen erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zur Deutschlehrerin wünschen.

Aus dem Kreis der hier anwesenden Personen haben sicher auch viele andere gesellschaftliches Engagement gezeigt und sind gut integriert. Dass ich nur ein Beispiel nenne, soll keinesfalls die Leistung anderer schmälern.

Ich möchte Sie mit diesem Beispiel vielmehr ermutigen, sich gesellschaftlich zu engagieren, sei es in Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, Sportvereinen, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder in einer anderen Einrichtung oder Organisation. Schließlich sind wir alle daran interessiert, dass Sie sich in Ihrer neuen Heimat wohlfühlen.