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Tagung der deutschsprachigen Audiologen und Neuroontologen (ADANO)

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Tagung der deutschsprachigen Audiologen und Neuroontologen (ADANO) am 29. September 2011 um 20 Uhr im Historischen Reichssaal

Anrede

„Ich bin ganz Ohr“ sagen wir, wenn wir einem anderen Menschen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit widmen wollen. Und wir gehen dabei ganz selbstverständlich davon aus, dass wir das, was er uns zu sagen hat, auch hören können.

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, lautet ein anderes Sprichwort, das uns deutlich macht, dass uns das Zuhören durchaus vor schmerzlichen Folgen bewahren kann.

Was aber, wenn das Gehör als zentrale Sinnesfunktion nicht oder nicht richtig funktioniert? In unserer auf Kommunikation ausgelegten modernen Gesellschaft kann schlechtes Hörvermögen oder gar Taubheit die Menschen leicht in die Isolation führen. Auch die vielfältigen Möglichkeiten, die uns die elektronische Datenverarbeitung bietet, können diese Gefahr nicht gänzlich abwenden.

Umso wichtiger, dass es HNO-Spezialisten, Audiologen und Neuroontologen gibt, die die Ursachen von Hörstörungen erforschen und neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten entwickeln.

Dass Sie Ihre Tagung, die sich ja besonders der Hörfähigkeit von Jugendlichen und den Auswirkungen von Freizeitlärm durch Discobesuche und MP3-Player auf das Gehör widmet, hier in Regensburg veranstalten, freut mich sehr. Ich bin der Überzeugung, dass Sie die richtige Wahl getroffen haben. Denn die Stadt Regensburg ist quasi das verbindende Element zwischen Ihrem medizinischen Anspruch, aufzuklären und zu helfen, und der angesprochenen Zielgruppe, der Jugend.

Denn zum einen – also, was den medizinischen Anspruch angeht - ist Regensburg seit Jahrhunderten ein bedeutender Wissenschaftsstandort. Bereits im Mittelalter erlebten die Wissenschaften Mathematik, Astronomie und Medizin hier eine Blütezeit. Albertus Magnus, Bischof von Regensburg, Theologe und Naturwissenschaftler, oder Johannes Kepler, Astronom und Mathematiker, haben hier gelehrt.

Was für das Mittelalter galt, gilt heute in noch höherem Maße. In den mehr als vier Jahrzehnten seit der Gründung der Universität hat sich Regensburg stetig weiter entwickelt zu einem Wissenschaftsstandort mit eigenem Profil und internationaler Reputation, der im Freistaat Bayern eine Spitzenposition einnimmt.

Zum anderen ist Regensburg aber auch eine Stadt, die gerade jungen Menschen optimale Lebensbedingungen bietet. Wenn Sie sich heute Abend noch ein bisschen Zeit nehmen, werden Sie erfahren, mit welchem Leben unsere Altstadt auch nachts erfüllt ist. Das freut uns natürlich, denn niemand will, dass das UNESCO-Welterbe nur noch musealen Zwecken dient. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch immer wieder diejenigen, die hier in der Nacht feiern, daran erinnern, dass es Menschen gibt, die in unserer Altstadt leben und nachts auch schlafen wollen.

Dass Lärm denjenigen schadet, die ihre Ruhe haben wollen, liegt auf der Hand. Dass er auch denen Schaden zufügen kann, die ihn selbst erzeugen, scheint auf den ersten Blick vielleicht nicht so selbstverständlich. Wenn aber bereits junge Menschen - meist vermutlich aus Unwissenheit - ihrem Gehör irreparable Schäden zufügen, dann ist Aufklärung angebracht.

Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie diese Aufklärung von wissenschaftlicher Seite aus leisten, die ja bekanntlich von vielen als unbestechlicher und unvoreingenommener wahrgenommen wird als Mahnungen von politischer Seite.

Es ist gesellschaftlich wichtig, sich mit den Auswirkungen von Lärm auseinanderzusetzen. Im öffentlichen Raum gibt es dazu Schallschutzverordnungen, die regeln, wie viel Lärm zumutbar ist und ab wann Maßnahmen getroffen werden müssen, die die Bevölkerung schützen. Das ist notwendig, denn mit dem technischen Fortschritt, sind auch die Möglichkeiten, Lärm zu erzeugen, deutlich gestiegen.

Regensburg hat mit vielen Beispielen unter Beweis gestellt, dass wir das Bedürfnis der Menschen nach Ruhe und Schutz vor Lärm ernst nehmen. Ich darf da nur an den Bau der Einhausung der Westumgehung erinnern und an die geplante Einhausung der Nordgaustraße. Aber auch eine große Zahl anderer aufwändiger Lärmschutzmaßnahmen hat in unserer Stadt dazu beigetragen, die Lebensqualität der betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner deutlich zu erhöhen.

Mittlerweile ist es auch selbstverständlich, dass es bei vielen öffentlichen Festen wie beispielsweise dem Bürgerfest oder dem Jazz-Weekend genaue Vorgaben gibt, welche Lärmpegel die Musik nicht überschreiten darf. Das alles zum Schutz der Bevölkerung!

Im privaten Rahmen sind solch vorbeugenden Maßnahmen nicht möglich und sicherlich auch nicht sinnvoll. Hier ist Eigenverantwortung gefragt. Und dazu ist Aufklärung wichtig. Denn wie wir bekanntlich alle wissen, ist Vorbeugen besser als heilen und noch dazu deutlich kostengünstiger.

Gutes Hören ist wichtig. Es ist die Grundvoraussetzung für Kommunikation. Und ohne Kommunikation kann gesellschaftliches Miteinander nicht gelingen. Deswegen sollten wir gerade denjenigen, die sich wissenschaftlich mit der Materie befassen, unser Ohr leihen und auf sie hören.

Ich wünsche Ihnen deshalb, dass Sie mit den Ergebnissen Ihrer Forschung auch in unserer Gesellschaft Gehör finden. Bei mir stoßen sie jedenfalls mit Ihrem Anliegen auf offene Ohren.

Für den Verlauf Ihrer Tagung wünsche ich Ihnen viel Erfolg! Darüber hinaus hoffe ich, dass Sie auch ein bisschen Zeit finden, um durch unsere schöne Stadt zu bummeln und das ganz besondere Flair zu genießen.

Bummeln Sie mit offenen Augen und Ohren durch die malerischen Gässchen und über die von mittelalterlichen Häusern gesäumten Plätze! Lauschen Sie den Glocken der unzähligen Kirchen in unserer Altstadt oder dem Rauschen der Donaustrudel unter der Steinernen Brücke! Atmen Sie bewusst den Duft der frisch gebratenen Bratwürste aus der Wurstkuchl ein!

Genießen Sie Regensburg mit allen Sinnen!