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Richtfest Neubau Grundschule Prüfening

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ansprache von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Richtfestes zum Neubau der Grundschule Prüfening am 23. Mai 2011, 10.00 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie ganz herzlich auf der Baustelle der neuen Grundschule in Prüfening. Der heutige Tag ist für mich ein besonderer Anlass zur Freude.

Hier entsteht eine moderne, vierzügige Grundschule mit einem Ganztageszug und zwei integrierten Einzelsporthallen, einschl. Betreuungs- und Mittagsversorgungsbau, sowie Neugestaltung der Außen und Freisportanlagen. Das neue Schulgebäude sehen Sie hier direkt neben uns. Am 19. April 2010 war der Spatenstich für den Neubau und heute können wir - rund ein Jahr später - Richtfest feiern.

Erst kürzlich hat am 14.02.2011 zeitversetzt der Bau für die Mittagsversorgung und -betreuung begonnen, der auf der anderen Seite, hinter dem alten Schulgebäude entsteht.

Lassen Sie uns kurz auf die Entstehung und Entwicklung des Projektes zurückblicken.

Bevor 2007 die Stadt Regensburg für den Neubau einen Architektenwettbewerb ausgelobt hat, waren eingehende Untersuchungen des städtischen Hochbauamtes vorausgegangen, die gravierende bauliche Schäden und Mängel insbesondere im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes der Dachabdichtung, der Fluchtwegsituation, der Wärmedämmung, sowie der Wärmeversorgung zeigten.

Die alte Schulanlage wurde im Juni 1971 eingeweiht. Angesichts des Gebäudealters - mittlerweile jetzt rund 40 Jahre - stellte sich der Sanierungsaufwand als erheblich dar.

Das alte Schulgebäude ist aus heutiger Sicht mit Einschränkungen für eine vierzügige Grundschule ausgelegt. Die Schule muss mit Defiziten im Raumprogramm zurechtkommen. Eigene Räume für die Mittagsbetreuung stehen nicht zur Verfügung. Für den Sportunterricht ist eine zweite Halle aufgrund der ausgeweiteten Sportstunden erforderlich.

Bei den vom Hochbauamt untersuchten Planungsvarianten hat sich nach intensiver Diskussion die Realisierung eines zweigeschossigen Neubaus auf der vorhandenen Grundstücksfläche im nordwestlichen Bereich als überzeugendes Konzept gegenüber einer Sanierung und Erweiterung heraus kristallisiert.

Auf Basis dieses Lösungsansatzes hat der Bau- und Vergabeausschuss im September 2007 die Auslobung eines Architektenwettbewerbs befürwortet. Der Wettbewerb wurde als offener, einstufiger Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Wettbewerb

Im Rahmen dieses EU-weiten Wettbewerbsverfahrens haben insgesamt 335 Architektinnen und Architekten ihre Entwürfe eingereicht. Es beteiligten sich Architekturbüros aus Frankreich, Italien, Österreich, Liechtenstein, Niederlande, Schweden, USA und aus Deutschland. Ca. 10 % der Teilnehmer waren Regensburger Architekturbüros.

In der abschließenden, zweiten Preisgerichtssitzung am 14.02.2008 wurde der Wettbewerbsbeitrag des Architekturbüros „twoo architekten“ aus Köln mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Ich möchte hier einen Auszug aus dem Preisgerichtsprotokoll zitieren, der die Besonderheit dieser ausgewählten Arbeit kennzeichnet:
„Der Ansatz, die Schule in einer Großform zusammenzufassen und doch in eine räumlich vielfältige innere Struktur zu zerlegen, besticht. Durch die klare Organisation mit den vier Jahrgangs“häusern“ im 1. OG mit den dazwischen geschalteten Dachterrassen entsteht ein 1- und 2-geschossig variierender Baukörper, der trotz seiner Größe eine der Grundschule angemessene Maßstäblichkeit besitzt.“

Anschließend konnte zwei Monate später der Bau- und Vergabeausschuss das Architekturbüro „twoo architekten“ aus Köln mit der Architektenleistung beauftragen und die Entwurfsplanung erstellt werden.

Ganztagesschule

Der Maßnahmenbeschluss zur Planung „Neubau der Grundschule Prüfening“ wurde im November 2008 im Stadtrat gefasst.

Aufgrund der allgemeinen Diskussion um die Einführung von Ganztagesschulen, insbesondere des Schulausschussbeschlusses und des Stadtratsbeschlusses im Herbst 2009 war die bisherige Planung entsprechend den Vorgaben zur Integration eines Ganztageszuges zu ändern. In der Zwischenzeit waren vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen für die Errichtung von Ganztagsschulen neue Förderrichtlinien („FAGplus15“) erlassen worden, die auch höhere Zuschüsse (+15%) beim Bau von Räumen für gebundene Ganztagszüge an Schulen vorsehen.

Unter Berücksichtigung des pädagogischen Konzeptes der Grundschule Prüfening konnte der bisherige Wettbewerbsentwurf für den Neubau der Schule auch bei Integration des Ganztageszuges erhalten werden. Die für einen zukunftsorientierten Ganztagesunterrichtsbetrieb zusätzlich geforderten Räume (3 Differenzierungsräume, 2 Musikübungsräume, 1 weiterer Mehrzweckraum) konnten im Schulgebäude durch Verlagerung von Räumen und durch die Auslagerung der bisher im Schulgebäude vorgesehenen drei Räume für die Mittagsbetreuung untergebracht werden. Für die Schulkantine mit Küche, sowie die Räume der Mittagsbetreuung wurde ein eigenes Gebäude geplant.

Vom Amt für Schulen wurde auf Basis des überarbeiteten Entwurfs die schulaufsichtliche Genehmigung des Raumprogramms als Grundlage für eine staatliche Förderung der Baumaßnahme aktualisiert und beantragt. Nach weiteren Abstimmungsgesprächen mit der Regierung d. Opf. zur überarbeiteten Entwurfsplanung erfolgte die Zustimmung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn im März 2010.

Entwurf

Der Hauptzugang der Schule erfolgt künftig über den zwischen Schulneubau und bestehendem Kinderhort aufgespannten Pausenhof. Die nach Norden orientierten und dort für Externe erschlossenen Sporthallen trennen gleichzeitig die erforderlichen Stellplätze vom Schülerbereich. Der abgesenkte Sportbereich ist vollständig in das Schulhaus integriert. Von der internen Haupterschließung ("Schulstraße") bieten sich vielfältige Blickbeziehungen.

Während sich die übergeordneten Räume zum Schulhof und Schulgarten öffnen, orientieren sich die zu "Klassenhäusern" zusammengefassten Schulklassen im Obergeschoss zu intimeren, terrassenartigen Höfen, die auch als Freiklassen nutzbar sind. Die Schulstraße und ein Klassenhaus können später bei einem kleinen Baustellenrundgang besichtigt werden.

Bei der Konzeption des Gebäude- und Technikkonzepts wurde ein hoher energetischer Standard als Ziel formuliert. Im Rahmen eines integralen Planungsprozesses konnte durch die frühzeitige Einbindung aller Planungsbeteiligten ein optimales Gebäude- und Technikkonzept entwickelt werden. Das interdisziplinäre Planungsteam setzt sich aus den Bereichen Architektur, Tragwerk, Energieplaner, Heizung/Lüftung/Sanitär und Elektro zusammen.

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie hat uns für die „Erstellung eines Energieeinsparkonzeptes“ mit einem Zuschuss unterstützt. Die Gebäudehülle wird hoch wärmegedämmt. Eine Wärmepumpe nutzt das Grundwasser als regenerativen Energieträger zur Beheizung und Kühlung. Nur an besonders kalten Tagen setzt ein Gasbrennwertkessel ein um die Spitzenlasten abzudecken.

Die Dächer der „Klassenpavillons" im 1. Obergeschoss werden vollständig mit Photovoltaikmodule belegt.

Kunst am Bau

Für die Kunst am Bau konnte im Rahmen eines Wettbewerbs ein gelungener Beitrag der Künstlergruppe „Pomodoro Bolzano“ für den Neubau ausgewählt werden.

Bei der Installation in der neuen Aula vereinen sich Bewegungen gemeinsam agierender Schülerinnen und Schüler auf einem großformatigen LED-Bildschirm und setzen ein deutliches Zeichen wie wichtig gemeinsamer „Dialog“ ist. Unter dem Motto „Gemeinsam spielen und bewegen“ ist das Thema der Kunst das „Ich + Du“. Angesichts dieser neuen Medienkunst können wir schon auf die Einweihung gespannt sein.

Kosten / Daten

Die Kosten der Schulanlage belaufen sich auf rund 16 Mio. EUR, wovon rund 11,8 Mio. EUR auf das Bauwerk entfallen. Hinzu kommen noch 1,2 Mio. EUR für die Schulausstattung. Insgesamt entstehen ca. 34.000 m³ umbauter Raum, bei einem Nutzflächenanteil von 4.100 m².

Termine

Die Fertigstellung des Schulgebäudes ist für Dezember 2011 vorgesehen. Nach Umzug in den Faschingsferien 2012 soll der Schulbetrieb im neuen Schulgebäude beginnen.

Die starken Schneefälle im letzten Winter haben die Rohbauarbeiten stark behindert, woraus auch Terminverschiebungen resultierten. Bisher sind wir jedoch optimistisch und können nach momentaner Einschätzung die Verzögerungen kompensieren und die Umzugstermine einhalten.

Nach dem Umzug in das Schulgebäude werden als weitere Maßnahmen noch der Rückbau und Abbruch des Altgebäudes, die Herstellung der Außenanlagen und die Fertigstellung des Betreuungs- und Mittagsversorgungsgebäudes notwendig.

Die Gesamtfertigstellung bis zum Sommer 2012 ist in gewisser Weise unsere Terminvorgabe, da das Kultusministerium für die Einrichtung des gebundenen Ganztageszuges ab dem Schuljahr 2012/2013 den Vorbescheid erteilt hat.

Architektur + Schule

Seit fast einem Jahr wird der Schulbetrieb an der Grundschule Prüfening tagtäglich durch Baulärm und andere Begleiterscheinungen einer Baustelle bestimmt. Bei Lehrern und Schülern ist mitunter Phantasie und Improvisation gefragt, wenn auf der Baustelle betoniert wird oder einer der Kräne einzelne Bauteile direkt vor dem Fenster des Klassenzimmers vorbei transportiert.

Die Stadt Regensburg hat sich zum Neubau der neuen Grundschule deshalb etwas Besonderes einfallen lassen: „Architektur in der Schule“

Die Schüler der 4. Jahrgangsstufe dürfen sich einmal im Monat eine Doppelstunde ganz offiziell unter Anleitung der Architektin Silke Bausenwein, die gesondert und unabhängig vom Planungsteam explizit dafür beauftragt wurde, mit dem Neubau ihrer Schule auseinander setzen. Im Schuljahr 2007/08 war der damalige Architektenwettbewerb Thema, im aktuellen Schuljahr steht das Geschehen auf der Baustelle thematisch im Zentrum des Architekturprojektes.

Im Herbst letzten Jahres konnten die Schüler selbst einen ersten Eindruck von der räumlichen Dimension der neuen Turnhalle und der Schulstraße gewinnen. Einen ganzen Vormittag nahm sich Otto Jäger, Inhaber der gleichnamigen Baufirma Zeit, um die insgesamt 100 Grundschüler der 4. Jahrgangsstufe über die Baustelle der neuen Schule zu führen – ein organisatorischer Kraftakt, der von allen für die Baustelle Verantwortlichen mit Engagement und Freude gemeistert wurde.

Dieses von der Stadt Regensburg finanzierte Architekturprojekt erhielt in der Phase 1 „Der Wettbewerb“ durch die Bayerische Architektenkammer, den BDA (Bund deutscher Architekten) Kreisverband Oberpfalz sowie den Architekturkreis Regensburg, Unterstützung; in der Phase 2 „Die Baustelle“ von der Sparkasse Regensburg und Papier Liebl.

Meine Damen und Herren, das Richtfest ist in erster Linie ein Fest der Bauschaffenden und so richte ich meinen Dank an dieser Stelle auch zuerst an die Firmen und Handwerker, die den Rohbau errichtet haben:

Von den ausführenden Firmen ist die Firma Jäger für die Baumeisterarbeiten verantwortlich. H. Jäger wird nachher den Richtspruch übernehmen.

Die Firma Götz hat die Gerüstbauarbeiten übernommen und die Dachabdichtungs- und Klempnerarbeiten werden durch die Firma BSA ausgeführt.

Aufgrund der weiteren, schon zahlreich tätigen Ausbaufirmen, die Sie auf der Bautafel vorne an der Straße aufgeführt sehen, möchte ich die Firmen nicht einzeln nennen, aber ebenfalls meinen ausdrücklichen Dank an sie richten. Allen Firmen danke ich schon jetzt für ihre gute Arbeit und ihren Einsatz.

Mein besonderer Dank gilt dem Architekturbüro „twoo“. Ihnen, Herr Warnebier und Herr Stellmacher, für die Planung und Gesamtkoordination, sowie Frau Welck und H. Eichinger, die für Ausschreibung und Bauleitung verantwortlich sind, meine Anerkennung. Ebenfalls danke ich der Landschaftsarchitektin Frau Wamsler vom Büro WRW für die Planung der Freianlagen.

Ich danke dem Büro Augustin für die Tragwerksplanung, den Büros Hieger und Pema, die den gesamten technischen Bereich projektieren und dem Büro Gruber, das die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination erfüllt.

Danken möchte ich auch allen Beteiligten, nicht namentlich genannten Ingenieurbüros und zahlreichen Fachleuten für ihre gute Planung und Beratung.

Ebenso danke ich der Regierung der Oberpfalz, die dem Bauvorhaben offen gegenüberstand. Für die Zustimmung zur Planung und für die Bereitstellung der Mittel danke ich den Stadträten der zuständigen Gremien. Zum guten Gelingen des Projektes tragen auch eine Vielzahl von städtischen Ämtern und Dienststellen bei.

Ganz besonders freue ich mich, dass heute die ganze Schulgemeinschaft am Richtfest teilnimmt und so möchte ich „last but not least“ der Schule und den vor Ort betroffenen Schülern, Lehrern und Eltern für ihr Verständnis und ihre Kooperationsbereitschaft danken. Allen - und vor allem auch Frau Bausenwein - wünsche ich mit dem Pilotprojekt „Architektur in der Schule“ eine weiterhin interessante und abwechslungsreiche Bauzeit.

Ich wünsche den Bauschaffenden weiterhin gutes Gelingen, eine unfallfreie Bauzeit und allen Beteiligten einen reibungslosen Bauablauf.