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Grundsteinlegung Bürgerheim Kumpfmühl

-Es gilt das gesprochene Wort-

Ansprache von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich der Grundsteinlegung für den Neubau des Bürgerheims Kumpfmühl am
20. Oktober 2011


Anrede 

Im Jahre 1892 erwarb die Stadt Regensburg hier auf diesem Areal drei Gebäude und baute sie zum städtischen „Armen-, Kranken- und Versorgungshaus“ um. 170 Personen, getrennt nach Geschlecht, fanden in zwei miteinander verbunden Gebäuden in der städtischen Versorgungsanstalt einen Platz. In den Jahren 1951 – 1952 entstand ein 50 m langer Neubau. Im Jahre 1980 schuf man mit dem Erweiterungsbau ein Altenheim mit Pflegestation und einigen Altenwohnungen. Nach damaligen Erkenntnissen eine moderne Einrichtung, die drei Wohnformen bot.

Der „Saure Gockel“ ist eine Institution in Kumpfmühl. Woher der „Hausname“ kommt, kann man nicht mehr genau nachvollziehen. Es gibt zwei Anekdoten. In der einen wird von der Klosterschwester erzählt, die einen entwendeten Gockel sauer zubereitete, um ihre Armen zu speisen. In der anderen spricht man von den miesepeterischen Männern, die auf der Grundstücksmauer saßen und mürrisch dreinblickten. Damals verlief die Einfriedungsmauer parallel zur Kumpfmühler Straße.

Viele Jahre war das Bürgerheim Kumpfmühl eine Einrichtung für 120 rüstige Bewohnerinnen und Bewohner und eine Pflegestation für 60 Personen. Im Lauf der Zeit wurde der Anteil rüstiger Bewohnerinnen und Bewohner immer geringer und der größte Teil der Rüstigenplätze musste in Pflegeplätze umgewandelt werden. Mit der erhöhten Lebenserwartung haben sich die Bedürfnisse verändert. Je älter wir werden desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden. Der Anteil demenziel erkrankter Menschen steigt stetig.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, bis zur heutigen Grundsteinlegung haben zwar auch wir einen gewissen „Anlauf“ gebraucht, da zunächst einmal – nicht zuletzt aus Kostengründen – intensiv über eine Generalsanierung des bestehenden Gebäudes nachgedacht wurde. Auch standen Überlegungen im Raum, ob die Stadt Regensburg überhaupt ein Altenheim betreiben soll, da es sich hierbei nicht um eine originäre Aufgabe der Kommune handelt. Ich danke dem Stadtrat, dass letztere Diskussion bald vom Tisch war. Denn ich sehe die Verantwortung einer Kommune nicht nur für die Jugend, sondern gerade auch für die ältesten Bürgerinnen und Bürger. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir dieser Generation maßgeblich unseren Wohlstand zu verdanken haben.

Gegen die Generalsanierung sprachen nicht nur die Kosten, sondern vor allem die Notwendigkeit einer spezialisierten Betreuung in kleingruppigen Betreuungssituationen für Menschen mit Demenz. Damit die fachgerechte, von den Aufsichtsbehörden geforderte Betreuung dieses Personenkreises gewährleistet werden konnte, wurde im bestehenden Gebäude eine tagesstrukturierende Betreuungssituation im UG eingerichtet und eine Wohnhausgemeinschaft im 1. OG im Flurbereich. Dabei mussten strengste Auflagen des vorbeugenden Brandschutzes berücksichtigt werden.

Wenn ich mich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterhalte, stelle ich immer wieder fest, unter welchen erschwerten Bedingungen sie sich täglich aufs Neue im Spagat zwischen den durchaus notwendigen Auflagen des vorbeugenden Brandschutzes und dem Anspruch, den heute hier lebenden Bewohnerinnen und Bewohnern eine wohnliche Atmosphäre zu bieten, befinden.

Doch alle in diesem Haus Wohnenden und Arbeitenden haben noch mit weiteren Erschwernissen zu leben. Ich möchte nur einige benennen:

  • Es gibt keine bewohnerbezogenen Gemeinschaftsräume.
  • Aufenthaltsräume sind nur in Nischenfunktion vorhanden.
  • Funktionsräume, Pflegebäder sowie Schwesternstützpunkte wurden provisorisch installiert oder nachgerüstet.
  • Die Bewohnerzimmer und Nasszellen sind nicht behindertengerecht. Bewohner mit Hilfsmitteln wie Rollator, Rollstuhl können die Sanitärbereiche oft nur mit fremder Hilfe aufsuchen.
  • Für Bewohner mit dem Krankheitsbild Demenz stehen keine eigenen umschriebenen Bereiche zur Verfügung, in denen auf die Individualität und die Bedürfnislage eingegangen werden kann, wie z. B. Laufflächen, Tagesräume, Therapieräume, beschützter Bereich im Freien.

Nach Abwägung aller Fakten entschieden wir uns für einen Neubau. Zuerst war angedacht, den Neubau über ein PPP-Modell zu realisieren. Während der Planung stellte sich jedoch heraus, dass die Folgekosten nicht nachhaltig finanzierbar wären. Die Stadt Regensburg und der Aufsichtsrat der Regensburg SeniorenStift gemeinnützige GmbH haben daraufhin Anfang 2010, nach einer ordentlichen Beendigung des PPP-Verfahrens, der Regensburg SeniorenStift gemeinnützige GmbH die Bauherrenschaft übertragen. Die bereits erstellten Entwurfspläne wurden abgelöst, das Architekturbüro Schaarschmidt, sowie die Fachplaner, konnten für die weitere Planung gewonnen werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, das neue Bürgerheim „ein Haus der vierten Generation“ wird einer besonderen Flexibilität der Bewohnerversorgung Rechnung tragen. Die grundlegende Versorgung wird in Hausgemeinschaften stattfinden. Hausgemeinschaften sind konzeptionell in erster Linie auf Humanität und Lebensqualität, insbesondere auf Überschaubarkeit, Geborgenheit, Vertrautheit und Normalität des Wohnmilieus ausgerichtet. Deshalb eignen sie sich auch besonders gut für ältere Menschen mit Demenzerkrankungen, ohne dass die Hausgemeinschaften dadurch den Charakter einer Sonderarchitektur annehmen.

Oberste Priorität hat derzeit die Pflege und Betreuung an Demenz erkrankter Personen, welche im 1. OG mit Anbindung an eine beschützende Gartenanlage stattfinden wird.

Das 2. OG soll einer flexiblen Nutzung vorgehalten werden. Hier können unterschiedlichste Bewohnergruppierungen gepflegt und betreut werden oder sogar, wenn erforderlich, eine Spezialisierung in einer Hausgemeinschaft erfolgen.

Die Nutzung des 3. OG soll vorrangig körperlich Pflegebedürftigen vorbehalten sein. Hier sollen Menschen von Pflegeprofis nach neuesten wissenschaftlichen Pflegeerkenntnissen versorgt werden. Eine enge Einbindung von Fachärzten ist dazu unumgänglich. Organisatorisch ist dieser Hausgemeinschaft „Pflege“ eine kleine, mit 5 Plätzen und gesondert ausgestatteter segregativer Abteilung für schwerst an Demenz erkrankten Menschen angebunden. Es handelt sich hierbei um Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht mehr gruppenfähig sind. In dieser Wohnform finden sie ein Zuhause.

Mit der Entscheidung, eine Kinderkrippe im EG in die Pflegeeinrichtung zu integrieren, verfolgen wir einen gesellschaftspolitischen Aspekt: „Eltern und ihre Kinder erleben einen natürlichen Umgang mit alten, kranken Menschen“.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte den Anlass der heutigen Grundsteinlegung nutzen, den vielen Beteiligten an diesem Projekt meinen Dank und meine Anerkennung für ihr vorrausschauendes und zielgerichtetes Handeln aussprechen. Dank dem Stadtrat, der die Anschubfinanzierung in Höhe von 3,5 Millionen € beschlossen hat. Dank dem Freistaat Bayern und der Regierung der Oberpfalz für die erforderlichen Genehmigungen und die zu erwartende finanzielle Unterstützung. Dank den städtischen Dienststellen und beteiligten Firmen für die hervorragend gelungene Planung, die Vorarbeiten und die weitere Begleitung des Projekts.

Sehr geehrter Herr Huber, die nächsten drei Jahre werden für Sie als Geschäftsführer der Regensburg SeniorenStift gemeinnützige GMBH sowie für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Herausforderung darstellen. Ich bin jedoch sicher, dass Sie diese Herausforderung ebenso gut wie die vorausgegangene Interimsphase meistern werden. Es freut mich, dass es gelungen ist, die Belastung für die Bewohnerinnen und Bewohner so gering wie möglich zu halten.

Liebe Bewohnerinnen und Bewohner,

natürlich wird die Errichtung des Neubaus nicht völlig lautlos von statten gehen. Doch ist es auch interessant, die Entstehung des neuen „Zuhauses“ täglich beobachten zu können. Wenn alles nach Plan läuft, werden die beiden ersten Gebäudekomplexe Anfang 2013 fertig gestellt sein und Sie ihr „neues Reich“ beziehen können. Mit der Fertigstellung der beiden weiteren Gebäudekomplexe rechnen wir Ende 2014. Dann stehen insgesamt 143 Bewohnerplätze zur Verfügung.

Ich freue mich, heute dafür den Grundstein zu legen. Möge dem Grundstein nun zügig ein Stein dem anderen folgen. Allen am Bau Beteiligten wünsche ich viel Erfolg.