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Empfang ausländischer Studenten

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des Empfangs ausländischer Studenten am Mittwoch, 16.11.2011, 19.00 Uhr, im Reichssaal

Anrede

Ich freue mich darüber, dass Sie heute so zahlreich hier hergekommen sind. Mit dem heutigen Empfang im schönsten Saal von Regensburg, in unseren „Guten Stube“, wollen wir Ihnen und uns Gelegenheit geben, sich gegenseitig kennenzulernen und auszutauschen. Außerdem ist es mir ein besonderes Anliegen, Ihnen damit meine besondere Wertschätzung auszudrücken. Ihre Entscheidung für diese Stadt als Studienort freut uns und ist für mich auch ein Zeichen für eine lebendige und offene städtische Gesellschaft. Dass Sie durch Ihre Präsenz auch Ihr besonderes Interesse für unsere Stadt bekunden, ehrt uns.

Im Namen der Stadt Regensburg darf ich Sie herzlich willkommen heißen. Die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger wünschen Ihnen, dass Sie sich hier wohl fühlen und dass Sie neben Ihrem Studium auch Zeit finden uns und unsere schöne Stadt kennen und lieben zu lernen.

Mit Ihnen studieren zurzeit rund 2000 ausländische Studentinnen und Studenten an den drei Regensburger Hochschulen. Die stetig zunehmende Zahl ausländischer Studierender beweist, dass Regensburg im Wettbewerb mit anderen Hochschulstädten in der ersten Liga spielt.

Ich möchte Sie nun dazu einladen mit mir eine kleine Reise durch Regensburg zu unternehmen. Regensburg kennen zu lernen, eine Entdeckungsreise durch die Stadt zu machen: Das ist eine spannende Sache. Auf Schritt und Tritt prägen sich ganz unterschiedliche Eindrücke ein; es entsteht ein Bild mit vielen teilweise überraschenden Fassetten – in der Kultur genauso wie in der Wirtschaft, beim historischen Erbe wie beim modernen Lifestyle. Mit ein paar Impressionen möchte ich Ihnen helfen sich ein Bild von Regensburg zu machen. Sie sind weder vollständig noch repräsentativ. Dazu ist Regensburg viel zu reich an Eindrücken. Nehmen Sie unseren gemeinsamen Streifzug als Anreiz und als Einladung zu Ihrer ganz persönlichen Entdeckungsreise durch diese Stadt. Nehmen Sie sich Zeit und Muse Regensburg allein oder mit Freunden zu erkunden.

Seit Jahrhunderten prägt eine Brücke das Stadtbild von Regensburg. Die Steinerne Brücke. Sie werden sie bei Ihren ersten Erkundungen sicherlich schon gesehen haben.

Die Steinerne Brücke ist ein Meisterwerk der mittelalterlichen Ingenieurbaukunst und Ausdruck des Vermögens der Regensburger Kaufmannschaft. Im 12. Jahrhundert erbaut, überspannt sie seit mehr als 800 Jahren die Donau mit insgesamt 18 Bögen, die von mächtigen Pfeilern und Beschlächten getragen werden. Viele sprachen damals vom achten Weltwunder. Damals war Regensburg, das im Jahr 179 n. Chr. von den Römern gegründet wurde, die bevölkerungsreichste Stadt im süddeutschen Raum, quasi die Boom-Town des 12. und 13. Jahrhunderts. Der wirtschaftliche Erfolg beruhte zum großen Teil auf den Fernhandelsbeziehungen, die bis nach Paris, Byzanz, Venedig und Kiew reichten. Auf der Donau wurden mehr Waren verschifft als auf dem Rhein. An dieser wirtschaftlichen Entwicklung war zum großen Teil auch die Steinerne Brücke als einziger befestigter Donauübergang zwischen Ulm und Wien maßgeblich beteiligt. Die Jahrhunderte sind allerdings an ihr nicht spurlos vorüber gegangen. Mit großem Aufwand und Sorgfalt wird sie derzeit denkmalgerecht saniert, so dass sie auch für die kommenden Generationen als Regensburger Wahrzeichen erhalten bleibt. Schätzungsweise werden die Instandsetzungsarbeiten bis Ende 2014 abgeschlossen sein.

Diese Brückenfunktion, die Jahrhunderte lang von der Steinernen Brücke wahrgenommen wurde, übernimmt die Stadt Regensburg mittlerweile als wirtschaftliche und kulturelle Schnittstelle zwischen dem alten und neuen Europa. Regensburg ist eine europäische Stadt der Zukunft mit tiefen Wurzeln in der abendländischen Vergangenheit, eine lebendig wachsende Stadt mit Jahrhundert alten Verbindungen nach Osteuropa an der Schnittstelle zwischen dem alten und neuen Europa. Im erweiterten Europa gewinnen Regionalstädte wie Regensburg gegenüber den nationalen Metropolen an Bedeutung. Daraus ergeben sich Chancen und Visionen für die Stadt und ihr Umland sowie ein Diskurs mit fernen und nahen Nachbarn. In der Tradition der Steinernen Brücke haben wir eine Zukunftsvision für eine Brücke in die Welt. Ich lade Sie alle herzlich ein, die Vision einer Brückenfunktion mit uns zu teilen und uns dabei zu unterstützen.

Erst vor wenigen Tagen jährte sich wieder ein bedeutendes Ereignis für die Stadt. Am 10. November 1245 erhielt Regensburg von Kaiser Friedrich II mit dem Edikt von Pavia die Rechte als Freie Reichsstadt und war damit nur noch dem Kaiser untertan. Dieses Edikt brachte unserer Stadt die bürgerliche Freiheit. Es gab keine Leibeigenschaft mehr und keine Fremdbestimmung durch Bayernherzog und Bischof. Die Stadt konnte damit ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Seit 1980 erinnert die Stadt Regensburg jährlich – so auch vor einigen Tagen – im Rahmen eines Festaktes an diesen Stadtfreiheitstag.

Als weitere Station auf unserer Entdeckungsreise durch die Stadt darf ich den historischen Stadtkern von Regensburg erwähnen, der dank ausgeprägten Bürgersinns und entsprechender privater und öffentlicher Initiative, die größte unzerstört erhaltene mittelalterliche Stadtanlage Europas nördlich der Alpen bildet. Die UNESCO hat dieses einmalige bauliche Ensemble 2006 als Weltkulturerbe ausgezeichnet. Mit seinem manchmal schon südländischen Flair und den zahlreichen Bistros, Cafes, Kneipen und Gaststätten usw. merkt man der Stadt die Lebensfreude an. Ihr historisches Erbe verleiht der Stadt eine charakteristische Identität und ein über die Jahrhunderte gewachsenes Gesicht. Als Stadt des Immerwährenden Reichstags, dem ersten europäischen Parlament, das auch in diesem Saal tagte, war Regensburg wie kaum eine andere Stadt immer auch Europa zugewandt. Vielleicht lernen Sie während Ihres Aufenthalts den besonderen Geist der Stadt der Dialoge kennen und schätzen. Die Offenheit und das Lebensgefühl der Stadt können Sie förmlich fühlen, wenn Sie aus den engen verwinkelten Gassen der Altstadt unvermittelt auf einen der zahlreichen schönen Plätze in der Altstadt treten.

Beispielhaft darf hier der Haidplatz genannt werden, der sich wenige Meter in westlicher Richtung von uns befindet und einen Teil der sogenannten Platzfolge bildet. Der Haidplatz ist einer der ältesten und traditionsreichsten Plätze der Regensburger Altstadt. Er hat seinen Ursprung in einer lang gestreckten dreieckigen Heide westlich vom ehemaligen Römerkastell. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden hier prächtige Gebäude, Berühmtheiten begannen sich die Klinke in die Hand zu geben und die Regensburger feierten und feiern bis heute hier spektakuläre Feste. So war z. B. Kaiser Karl V., der Vater von Don Juan de´Austria, dem Sieger der Seeschlacht von Lepanto, hier Stammgast. Der Saal des jetzigen Cafes „Zum Goldenen Kreuz“ war Treffpunkt der Mächtigen; von König Ludwig I. von Bayern bis hin zum späteren deutschen Kaiser Wilhelm I. oder Kaiser Franz Josef I. von Österreich. Im Mittelalter fanden auf dem Platz Ritterturniere mit bis zu 300 Teilnehmern statt. Heutzutage finden hier regelmäßig Kunsthandwerkermärkte, das überregional geschätzte Jazz-Weekend und der Regensburger Kultursommer statt.

Regensburg ist aber auch die Stadt der Feste. In den Sommermonaten vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht gefeiert wird: Bürgerfest, Brückenfest, Fest im Fluss, Mittelalterfeste, um nur einige zu nennen. Bei manchen Festen kommen bis zu 200.000 Besucher nach Regensburg! Kurz gesagt: Die Regensburger finden immer einen Grund zum Feiern. Sie sind herzlich eingeladen, mit uns zu feiern.

Neben der kulturellen Vielfalt und dem kulturellen Austausch mit nahen und fernen Nachbarn wird sich auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Nah und Fern in den nächsten Jahren noch intensivieren. Durch den EU-Beitritt von mittlerweile 12 Ost- und südosteuropäischer Länder ist ein europäischer Wirtschaftsraum von fast 500 Millionen Bewohnern entstanden. Das erweiterte und gestärkte Europa kann damit seine Interessen aber auch seine Verantwortung in der globalisierten Welt und Wirtschaft noch wirkungsvoller wahrnehmen.

Damit eröffnen sich gerade für Hochqualifizierte und international ausgebildete Arbeitnehmer in unseren zusammenwachsenden Volkswirtschaften die besten Zukunftsaussichten. Mit einem Auslandsstudium und Ihren Sprachkenntnissen sitzen Sie bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz in der ersten Reihe.

Um Ihnen die besten Startvoraussetzungen zu geben, werden Ihnen die Stadt Regensburg und alle drei Regensburger Universitäten, die Universität Regensburg mit dem Klinikum, die Fachhochschule Regensburg und die Katholische Kirchenmusikhochschule im Rahmen unserer Möglichkeiten gerne behilflich sein.

Auch wenn Sie von Einsparungen oder Kürzungen von Mitteln an den Hochschulen hören, von der Zusammenlegung von Fachbereichen aus wirtschaftlichen Gründen oder ähnlichem, bewegen sich die Hochschulen nach wie vor auf sehr hohem Niveau. In Befragungen oder Rankings schneiden die hiesigen Hochschulen regelmäßig überdurchschnittlich gut ab. Als Beispiel darf ich hier den Erfindungsreichtum hiesiger Hochschulen anführen: Schon jetzt kommen 15 Prozent aller Erfindungen von Regensburger Hochschulen! Etwa 35 Prozent werden davon am Ende als Patent angemeldet. Damit liegen wir deutlich über dem bayerischen Durchschnitt von 25 Prozent.

Besonders hervorheben möchte ich den aus meiner Sicht äußerst erfolgreichen politischen Dialog zwischen der Stadt und den Hochschulen. In Regensburg wird der Austausch zwischen Stadt und Campus nicht nur formhalber gepflegt, sondern aus unserer Überzeugung heraus, dass der Dialog zugleich innovativer Impulsgeber für die Zukunftsentwicklung von Stadt und Region ist und die Kooperation zwischen Forschung, Wirtschaft und Bildung das Leben in der Stadt am pulsieren hält. Nicht ohne Grund gilt der Austausch, wie er in Regensburg stattfindet, bayernweit als mustergültig. Besonders eindrucksvoll zeigt sich die erfolgreiche Kooperation zwischen Stadt und Universität exemplarisch im sog. Biopark. Dank der Hightech-Offensive des Freistaates Bayern wurde 1999 mit der Gründung der Biopark Regensburg GmbH eine professionelle Basis im Bereich der Biotechnologie geschaffen. Der BioPark, unser Biotechnologiezentrum auf dem Gelände der Universität, wurde bereits um einen dritten Bauabschnitt erweitert. Damit stehen insgesamt 18000 Quadratmeter mit hochwertigen Laborflächen für Firmen und Gründer aus den Bereichen der Biotechnologie, Medizintechnik, Pharma- und interdisziplinären Industrie zur Verfügung.

Regensburg hat sich auf dem Gebiet der Biotechnologie innerhalb Bayerns auf den zweiten Platz hinter München hochgearbeitet und zählt zu den 10 bedeutendsten Biotech-Standorten in Deutschland.

Im diesjährigen Wettbewerb um den Titel „Stadt der Wissenschaft 2012“ mussten wir zwar Lübeck knapp den Vortritt lassen, nichtsdestotrotz verstehen wir uns weiterhin als eine Stadt der Wissenschaft für die dieser Bereich ein wesentliches Fundament der Stadtentwicklung darstellt.

Gerade auch wegen der Hochschulen hat sich die Stadt Regensburg längst zu einem überregional anerkannten High-Tech-Standort gemausert und ist damit für den internationalen Wettbewerb des 21. Jahrhunderts gut gerüstet. Der Name „Regensburg“ steht heute sogar als Synonym für die Wachstumsbranchen IT, Biotechnologie, Sensorik, Automobiltechnik, und ist verknüpft mit dem Namen weltweit führender Konzerne wie Infineon, Continental, Siemens oder BMW.

Ohne Übertreibung kann ich deshalb behaupten, Regensburg hat sich zu einem beispielhaften und zukunftssicherem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort entwickelt. Bei ca. 150000 Einwohnern können wir mit 130000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen aufwarten. Mit dieser Arbeitsplatzdichte liegen wir in Deutschland im Vergleich mit Städten über 120000 Einwohnern auf Platz 3 hinter Wolfsburg und Frankfurt am Main.

Von namhaften Forschungsinstituten werden der Stadt auch in Zukunft hervorragende wirtschaftliche Perspektiven nebst einem Bevölkerungszuwachs prognostiziert.

Regensburg vereint Lebensqualität und Karrierechancen wie kaum eine andere Hochschulstadt. Ich darf Ihnen daher zu Ihrer Wahl, in Regensburg zu studieren, nochmals gratulieren. Wer sich für Regensburg entscheidet, hält sich für die Zukunft alle Möglichkeiten offen. Für Ihren Aufenthalt und Ihr Studium wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Erfolg.