Navigation und Service

Jahrestagung des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

-Es gilt das gesprochene Wort-

Rede von Bürgermeister Gerhard Weber anlässlich der Jahrestagung des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. am 8. Juni 2011 um 14 Uhr, Neuhaussaal


Sehr geehrter Herr Staatsminister Zeil,
Herrn Vorsitzende Dr. Gebhardt und Prof. Dr. Menke,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie in Regensburg begrüßen zu dürfen. Mit einem Besuch in unserer Stadt liegen Sie immer richtig: Ich hoffe, dass Ihnen trotz des straffen Programms der Tagung noch Zeit bleibt, die Faszination von Regensburg zu erleben und vielleicht unsere neueste Attraktion zu erkunden.

An der Steinernen Brücke finden Sie im historischen Salzstadel unser vor kurzem eröffnetes Welterbezentrum. Dort erfahren Sie alles Wissenswerte über die – wie ich finde – einmalige Schönheit unserer Stadt und über die Bedeutung von UNESCO-Welterbestätten weltweit.

Dieses neue Informationszentrum macht sehr beeindruckend deutlich, dass die Faszination unserer Stadt vor allem darin liegt, dass sie neu und alt zugleich ist. Die Bewahrung unseres städtebaulichen Erbes liegt uns ebenso am Herzen wie die behutsame und mit der UNESCO-Auszeichnung verträgliche Weiterentwicklung Regensburgs.

Dazu gehören auch Antworten auf zwei zentrale Zukunftsfragen: Wie wird sich die Mobilität entwickeln und welche Energieträger werden wir künftig nutzen?

Die Stadt Regensburg arbeitet derzeit am Aufbau eines Netzwerks, das sich mit der Förderung und dem Ausbau der Elektro-Mobilität beschäftigt. Die Umstellung auf Elektroantriebe macht nach Auffassung führender Fachleute aber nur dann einen Sinn für den Klimaschutz, wenn der dafür nötige Strom aus erneuerbaren Energien stammt, die kein CO2 produzieren.

Damit sind wir auch schon beim tragenden Thema der letzten Wochen und Monate. Die aktuellen politischen Weichenstellungen bedeuten einen Abschied von der Atomkraft und eine starke Hinwendung auf die Stromerzeugung aus Wasser-, Sonnen- und Windkraft. Auch der Einsatz von Biomasse soll in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen.

Obwohl diese energiepolitischen Entscheidungen noch mit einigen Unwägbarkeiten behaftet sind, ist doch eines sicher: Wir gehen spannenden Zeiten entgegen. Spannend nicht zuletzt deswegen, weil die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen sind, ganz persönlich den Beweis dafür anzutreten, dass sie den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur grundsätzlich befürworten, sondern auch in ihrem direkten Lebensumfeld unterstützen.

Wenn man den aktuellen Umfragen glaubt, dann will eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung mehr Strom aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Nach einer Forsa-Umfrage vom April 2011 sprechen sich 90 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger dafür aus, dass die Bundesregierung die erneuerbaren Energien ausbaut. Dieser Ausbau wird aber nur dann funktionieren, wenn neue Windräder, Photovoltaikkraftwerke, Biogasanlagen, Pumpspeicherkraftwerke und Überlandleitungen gebaut werden. Und damit beginnt das Problem: Viele aktuelle Protestfälle zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger den Ausbau der erneuerbaren Energie grundsätzlich gut finden – aber bitte nicht vor der eigenen Haustüre.

Diese zwiespältige Haltung aus Zustimmung und Ablehnung hat auch unser regionales Energieversorgungsunternehmen, die Rewag, bereits erlebt: Die Suche nach Standorten für Biogasanlagen gestaltet sich sehr schwierig. Bürgerinnen und Bürger befürchten Geruchsbelästigungen und zunehmenden Schwerlastverkehr, weil die Biomasse vom Feld ja zur Biogasanlage transportiert werden muss. Und von der Konkurrenz zwischen Nahrungsmittelerzeugung und Energieproduktion ist die Rede.

Auch die Windkraft hat Akzeptanzprobleme: Da wird der Schutz der Landschaft ins Feld geführt, die Menschen haben Angst vor dem Schattenwurf der Rotoren. Und auch neue Überlandleitungen, neue Pumpspeicherkraftwerke und große Solarkraftwerke stoßen immer wieder auf Bürgerprotest.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
wenn der erhebliche Ausbau der erneuerbaren Energien gelingen soll, muss intensiv an der Akzeptanz der dafür nötigen Anlagen gearbeitet werden. Es darf nicht zu lähmenden Grabenkämpfen kommen. Die Bevölkerung und die Planer dieser Anlagen müssen besonnen aufeinander zu gehen. Viel gegenseitiges Verständnis wird nötig sein. Viel Überzeugungsarbeit muss da geleistet und viel Fingerspitzengefühl aufgebracht werden.

Eines der überzeugenden Argumente für erneuerbare Energie kann die Möglichkeit sein, die Wertschöpfung für unsere gesamte Gesellschaft deutlich zu machen. Viele der Anlagen für erneuerbare Energie schaffen in Deutschland und vielfach auch direkt in der Region Arbeitsplätze. Viele Kommunen können von der Gewerbesteuer profitieren, die zum Beispiel Windräder, Photovoltaikkraftwerke und Biogasanlagen abwerfen. Und viele kommunale Energieversorgungsunternehmen haben die Möglichkeit, selbst als Energieproduzenten tätig zu werden.

Und man wird möglicherweise auch über Beteiligungsmodelle nachdenken müssen. Ich glaube, dass sich die Akzeptanz der vielen neuen Energieanlagen verbessern lässt, wenn den Bürgerinnen und Bürgern die finanzielle Beteiligung an Anlagen für erneuerbare Energie und damit auch die Teilhabe am Gewinn angeboten wird. Gerade die Kommunalpolitik, die regionalen Versorgungsunternehmen und private Projektierer werden dazu aufgerufen sein, sich über solche Modelle Gedanken zu machen.

Wie gesagt: Wir gehen spannenden Zeiten entgegen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihrer Tagung viel Erfolg – wobei ich hoffe, dass die nötige Entspannung nicht zu kurz kommt. Nehmen Sie sich also bitte ein wenig Zeit, um unsere berühmte Regensburger Gastfreundschaft und unsere wunderschöne Stadt zu genießen.